Früher als gedacht

18. September 2015

Ich sag’s ja dauernd! MYBESTWINE-Reporte soll man immer gewissenhaft und aufmerksam lesen. Die kleinste Unachtsamkeit kann fatale – ähh… fantastische Folgen haben. (mehr …)

Handwerk und Hightech: Die Erfolgskombination von Martha und Daniel Gantenbein

13. September 2015

Kurz vor der Lese des 2015ers öffneten die „Gantis“ ihr Weingut für einen faszinierenden Betriebsrundgang mit genüsslichem Mittagessen und eindrücklicher Verkostung ihrer Weine. Unter anderem natürlich die neuen 2013er. (mehr …)

Another Day in Paradise

4. September 2015

Ein kleiner Bericht über einen genüsslich-gemütlichen Nachmittag am idyllischen Soppensee. Wertvolle Momente, wo einem wieder bewusst wird, was es bedeutet, an einem solchen Fleckchen Erde zu leben. (mehr …)

Piemont Sommertripp und Marrone Grosseinkauf

1. September 2015

Auf dem traditionellen Sommertripp durchs Piemont nehme ich mir immer gerne sehr viel Zeit für meine Lieblingscantina Agricola Marrone. Seit zwei Jarhzehnte begeistern mich ihre Weine, welche über ein unglaubliches Preis-/Leistungsverhältnis verfügen. (mehr …)

20 Jahre später: Bordeaux 1995

26. August 2015

Eines Morgens im Jahre 1998 rief mich meine Frau an, es gebe im Pick Pay Mouton Rothschild 1995 für 125 Franken. „Ohne mich, die spinnen im Bordeaux“, war meine reflexartige Reaktion. Heute gibt es leider beides nicht mehr. Premiers zu diesen Preisen und Pick Pay… Immerhin blieb mir meine Frau und eine tolle 95er Degu – 20 Jahre später. (mehr …)

Greg & Gregor's brand new Brand

25. Juli 2015

Rekordzuschlag an der diesjährigen Premiere Napa Valley Auction für 60 Flaschen 2013 Brand Cabernet Sauvignon Double Barrel Elelvation 1588. Ein Fassmuster davon und alle Jahrgänge von Brand, dem Senkrechtstartet vom Pritchard Hill, degustierten wir vor wenigen Tagen in Zürich zusammen mit Brand Estate Director Greg Gregory.

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Die Sommerhitze ist da. Experten raten, viel zu trinken.

5. Juli 2015

Experten raten, während diesen Hitzetagen viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Idealerweise lauwarme Getränke. Was das mit unserer BBB (Balm-Best-Bottle) zu tun hat, lesen Sie hier. (mehr …)

Buonvini! 2011 Supertuscans

3. Juli 2015

Gleich zweimal füllte Nicola Mattana den Keller vom Buonvini in Zürich. So gross war das Gästeinteresse an seiner attraktiven 2011er „Supertuscans“ Probe. 14 Weine standen bereit zur Blindprobe. (mehr …)

Dalla Valle Maya: Vertical Tasting 1988 – 2009

26. Juni 2015

Dalla Valle Maya. Einer der gesuchtesten und meist verehrten kalifornischen Kultweine. Rar, speziell und faszinierend. Lediglich ein paar Tausend Flaschen werden jährlich abgefüllt. Daher ist es absolut einzigartig, wenn sich die Chance ergibt, sämtliche Mayas vom ersten Jahrgang 1988 bis heute zu verkosten. (mehr …)

NapaWine wird neuer Professional Partner von MYBESTWINE.CH

26. Juni 2015

Endlich mal auf einer Napa Mailingliste ganz oben stehen. Die Chance an Neuheiten und Raritäten aus dem Valley zu kommen, welche normalerweise die USA nicht verlassen. Diese Möglichkeit bietet Ihnen jetzt NapaWine.

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Wieder Montrose 1990. Wieder. Immer wieder.

24. Juni 2015

Und wieder stellt der dramatische 1990 Montrose alles in den Schatten. Doch nicht nur der 90er begeisterte, was eine aktuelle Probe von über einem Dutzend Jahrgängen dieses edlen Deuxieme  St. Estèphe bewies.

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Bordeaux 1981: Der verregnete Spitzenjahrgang

18. Juni 2015

Regen während der Lese. Ein schlimmes Szenario für jeden Weinbauern. Die Chancen auf einen grossen Jahrgang sind im Nu vorbei. Meistens entstehen leichte, früh trinkreife, charmante Weine. Doch was passiert wann man sie spät trinkt? Nach 34 Jahren… (mehr …)

Zu wem passt der Wein?

13. Juni 2015

Weinempfehlungen: „Dieser Wein passt am besten zu leichten Vorspeisen. Der ideale Begleiter zu einer rassigen Pasta. Geniessen Sie diesen edlen Tropfen zu einem guten Stück Fleisch“… Ghääähn… Natürlich hilft eine einigermassen sinnvolle Wine-Food-Pairing. Doch viel wichtiger ist die Frage „Zu wem passt der Wein“. Mit wem geniesse ich diese Flasche und wann? So quasi: Der optimale Weinmoment. (mehr …)

The Paris Tasting: 39 Jahre später, 667 Kilometer östlicher

1. Juni 2015

Grosse Wellen warf 1976 das legendäre Paris Tasting. Weinhändler Steven Spurrier organisierte eine Blindprobe zwischen französischen und kalifornischen Weinen, welche die Ansichten der Fachwelt aus den Fugen hob. Bis dato war klar, die Franzosen produzieren die besten Weinen.

Das Paris Tasting war eigentlich keine grosse Sache. Spurrier schaffte es lediglich ein paar Weinjournalisten an einen Tisch zu bringen und liess sie zehn Rot- und zehn Weissweine blind verkosten. Nur ein einziger Journalist vom „Time Magazine“ interessierte sich für die Probe, und machte den ganzen „Skandal“ schlussendlich weltweit publik. Die Ergebnisse von 1976:

Weissweine:

1.Chateau Montelena Winery 1973

2.Meursault Charmes Roulot 1973

3.Chalone Vineyard 1974

4.Spring Mountain Vineyard 1973

5.Beaune Clos des Mouches, Maison Joseph Drouhin 1973

6.Freemark Abbey Winery 1972

7.Bâtard-Montrachet, Ramonet-Prudhon 1973

8.Puligny-Montrachet Les Pucelles, Domaine Leflaive 1972

9.Veedercrest Vineyards 1972

10.David Bruce Winery 1973

 

2015 05 paris tasting jury original

Die Jury 1976

 

Rotweine

1.Stag’s Leap Wine Cellars 1973

2.Château Mouton-Rothschild 1970

3.Château Montrose 1970

4.Château Haut-Brion 1970

5.Ridge Vineyards Monte Bello 1971

6.Château Léoville-las-Cases 1971

7.Heitz Wine Cellars “Martha’s Vineyard” 1970

8.Clos Du Val Winery 1972

9.Mayacamas Vineyards 1971

10.Freemark Abbey Winery 1967

 

Für die damalige traditionelle „Weinfachwelt“ war das Ergebnis ein Schock. Als ob man ihnen weissmachen wollte, die Erde sei nun doch wieder eine Scheibe und keine Kugel. Die beliebteste Ausrede der Experten damals war, dass die amerikanischen Weine nicht altern können, und die Franzosen viel zu jung waren für das Tasting. Allerdings änderte sich das Ergebnis auch später nicht. Mehrmals wurde die Verkostung wiederholt, praktisch immer mit demselben Resultat. MYBESTWINE.CH organisierte 2012 mit Weinen von Eugen Haefliger das exakte Rotwein Paris Tasting im Cloud’s Zürich. Sieger: 1970 Heitz Martha’s Vineyard.

2008 wurde das Paris Tasting unter dem Titel „Bottle Shock“grossartig verfilmt, und Mike Grgich (damaliger Winemaker von Chateau Montelena und heute mit 92 immer noch Präsident von Grgich Hills Estate) in die Vinters Hall of Fame aufgenommen.

 

 

2015 05 Grgich

Miljenko “Mike” Grgich mit seinem berühmten 1973 Chateau Montelena Charonnay

 

Heute ist sich die Weinwelt einig. Das Paris Tasting hat viel zum Renommee der kalifornischen Weine beigetragen. Beide Gebiete gehören zu den besten der Welt. Leider sind die Kalifornier aber keine günstige Alternative mehr, und von den Spitzenweinen aus Übersee wird kaum ein Zehntel der Menge eines Bordeaux Chateau‘ produziert.  Klar ist auch, Weinqualität oder Verkostungen sind keine Sportart. Somit kann glücklicherweise weder ein Weinweltmeister noch ein Champions League Sieger anhand von Punkten und Resultaten gekürt werden. Die Empfindungen sind immer subjektiv und persönlich. Statt Konkurrenz wie in den 70er und 80er Jahren herrscht heute gegenseitiger Respekt.

Aber ist es blind immer klar, welcher Wein ein Kalifornier oder ein Bordeaux ist? Die Grundlage ist bei beiden Cabernet Sauvignon. Terroir und Wetter unterscheiden sich zwar, aber Weinbereitung und Ausbau ist ähnlich.

Die Best Bottle Crew entschied sich zu diesem Genuss Experiment in ihrem Event „Paris Tasting – Napa vs. Bordeaux“. Im Gegensatz zum Originaltasting 1976 wählten sie eine viel breitere Jahrgangsspanne zwischen 1989 –2003. Dadurch wurde also auch der Faktor Langlebigkeit und Reifeentwicklung miteinbezogen. Der Nachteil: Nicht alle Flaschen stammten aus demselben Keller, was die Ergebnisse wieder etwas relativiert. Die Franzosen schickten ihre Spitzenjahrgänge 1989, 1990, 1996, 2000 und 2003 ins Rennen. Kalifornien trat mit 1991, 1994, 1999 und 2001 an. Im Gegensatz zum Originaltastig fand der Event dieses Mal etwas ausserhalb Paris statt. Exakt 667 km östlich, im Restaurant Kreuz in Emmen

 

Die "Spurriers" der Neuzeit: Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti (v.l.n.r.)

Die „Spurriers“ der Neuzeit: Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti (v.l.n.r.)

  

Alle Weine wurden blind verkostet. Die Auflösung jeweils nach jedem Flight und die Erkenntnis, dass je älter der Wein, je schwieriger die Zuteilung nach Bordeaux oder Napa Valley war. Spannend, denn nicht mal im Vorfeld der Probe wurde kommuniziert, welche Flaschen überhaupt teilnahmen. Die Ergebnisse erachte ich als zweitranging, da ich sowohl grosse Napa- wie Bordeauxweine verehre.

 

Die Jury 2015

Die Jury 2015

  

1989  Chateau Palmer, Margaux  19/20  trinken – 2020
1991  Dominus Estate, Napa Valley  19/20  trinken – 2020
1991  Stag’s Leap Cask 23 Cabernet Sauvignon, Napa Valley  18/20  trinken – 2025
1990  Chateau Pape Clement, Pessac-Leognan    18.5/20 trinken – 2020

 

Los gings mit dem feinstrukturierten, hoch eleganten 1989 Chateau Palmer. Delikates Bouquet, Pflaumen, Cassis, Zedern, Russ. Harmonisch mild im Gaumen. Schöne Länge. Grossartiger Wein. Wenn man nicht wüsste, dass nur Medoc Weine zum Tasting zugelassen waren, könnte man glatt von einem St. Emilion Piraten sprechen. Trotzdem: Palmer wurde klar als Bordeaux erkannt. Ebenfalls richtig tippte man bei 1991 Dominus, obwohl der Wein über viel Bordeaux Affinität verfügt. Defensiv in der Nase. Schwarzbeerig, Pfeffer, Zedern und Kirschen. Feine Minzenoten. Runder, fülliger Gaumen, präzise Säure, geschmeidig, dicht verwoben. 

 

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Bei Stag’s Leap Cask 23 war die Zuteilung schwierig, da der Wein anfänglich etwas muffig, vegetabil daher kam. Besserte sich mit der Zeit und mehr pflaumige Aromen kamen zum Vorschein sowie Tabak und Holz. Blieb im Gaumen animalisch und erdig mit griffige Säure. „Kalifornisch“ zeigte sich Chateau Pape Clement mit sehr röstiger Nase. Popcorn, Toast, Cassis, Himbeeren und etwas Peperoni. Klassischer Cabernet Touch im Gaumen, sehr elegant und frisch im Abgang.

 

1994  Dominus Estate, Napa Valley  20/20  trinken – 2025
1994  Shafer Hillside Select Cabernet Sauvignon, Stags Leap District 18.5/20  trinken – 2025
1990 Chateau Montrose, Saint-Estephe 19.5/20  trinken – 2025
1990  Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien 19.5/20 trinken – 2030

 

Obwohl ich den 1994 Dominus schon mehrere Mal erleben durfte, muss ich gestehen, dass ich ihn erneut als Bordeaux deklarierte. Dunkles Granat. Offenes Bouquet. Cassis, Pflaumen, Torf, Brotkruste, Zedern und Leder. Dichter Körper, intensive Aromatik und geniale Balance. Dominus 1994 scheint jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen zu sein. Etwas diffus, dafür klar als Cali-Cab erkennbar zeigte sich 1994 Shafer Hillside Select. Dunkles Purpur; Intensiv blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Leider etwas Lack, und auch reife Rosinen. Im Gaumen wirkt er aber deutlich jünger als in der etwas welken Nase.

 

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Ein sicherer Bordeaux Tipp war 1990 Montrose mit mollig schwarzbeeriger Nase, Nuss, Leder, Malz, Teer. Im Gaumen ein Ausbund an Kraft und Fülle. Dieser 1990er Montrose schien etwas reifer als der kürzlich genossene beim Marcel Grimms Geburtstag. In dieser Verfassung ähnelt er eher seinem eigenen 89er. Schlecht getippt dafür enorm genossen habe ich Chateau Leoville-Las Cases. Süsses, cremiges Bouquet. Edle Schokolade, Bittermandeln, Zedern, Jute, Stroh. Alles fein schwarbeerig untermalt. Herrlich ausgewogen, elegant um Gaumen. Perfekt reif mit genialer Länge.

 

1994  Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon, Napa Valley 18.5+/20  trinken – 2040
1996 Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 19/20  trinken – 2035
1996  Chateau Latour, Pauillac 20/20  trinken – 2045
1994  Colgin Herb Lamb Vineyard Cabernet Sauvignon, Napa Valley 18.5/20 trinken – 2020

 

Bei 1994 Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon tippte ich auf 2000 Bordeaux (St. Julien oder so….). Unglaublich jung. Cassis, Brombeer, Zedern, Nuss und etwas Minze. Würzig, mineralisch im Gaumen. Druckvoll, kräftig im Abgang. Auch nach 20 Jahren mit Potentialwertung! Chapeau! Hier finden Sie noch weitere Togni Bewertungen von 2014. Wunderbar und in einer ersten Reifephase präsentierte sich 1996 Chateau Mouton Rothschild. Würzig, cremiges Bouquet. Brotkruste, Cassis. Im Gaumen zeigt er sich mittelschwer aber mit dieser betörenden Mouton Süsse, die schon mal als „kalifornisch“ durchgehen darf… Rund und füllig im Abgang, tolle Länge und gesundes Tannin.

 

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Bei 1996 Chateau Latour notierte ich das „B“ für Bordeaux und 20/20 für Jahrhundertwein bevor ich sonst was geschrieben habe… Was für ein gewaltiger Wein. Nach einigen verschlossenen Annäherungsversuchen beginnt er nun seine ganze Pracht zu zelebrieren. Dunkelbeerige Nase, perfekt reifer Cabernet. Brombeergelee, Zedern, Trüffel, etwas Oliven. Absolut stimmig im Gaumen, dramatische Tiefe und Länge. Zweifellos einer der aller grössten Latour Jahrgänge der Geschichte.

Und jetzt kommt der schwierigste und zugleich leichteste Vergleich. Denn neben den monumentalen 96er Latour stand 1994 Colgin Herb Lamb Vineyard Cabernet Sauvignon. Ein bildlicher Vergleich: Sie flanieren einer Shoppingstrasse entlang. Zwei Läden vor ihnen. Links ein Bücherladen mit einem weisen Bibliothekar, der ihnen zu allen Fragen des Lebens Antworten liefern kann. Rechts daneben ein Candy Shop mit einer 20jahrigen blonden Aushilfsverkäuferin mit Zahnspange und pinken Haarband mit einem breiten Lächeln im Gesicht… Palim, palim, wo treten Sie ein?  Extrovertierte süsse Nase. Cassis, Lakritze, Mocca ohne Ende. Der Gaumen zeigt viel mehr Klassik als das mit Zuckerguss überzogene Bouquet. Aber die beiden Komponente laufen nun etwas auseinander, was ihn etwas chilenisch, exotisch macht.

  

1999  Hartwell Estate Cabernet Sauvignon, Stags Leap District 19/20  trinken – 2035
2003  Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 19/20  trinken – 2035
2000 Chateau Leoville Poyferre, Saint-Julien 19/20  trinken – 2030
2000 Chateau Lynch-Bages, Pauillac    19/20 trinken – 2030
2001 Abreu Madrona Ranch Cabernet Sauvignon, Napa Valley  19+/20  trinken – 2050

 

Zum Schluss dann diese unglaublich homogene Serie mit klaren Zuteilungen nach „nach alter und neuer Welt“. 1999 Hartwell Estate Cabernet Sauvignon mit jugendlichen, beerigen Aromen. Brombeer, Cassis. Dazu Eukalyptus und Kandis. Schöne Röstung, etwas Pop Corn und Rauch. Stoffig, vollmundig im Auftakt. Zeigt gute Reserven und Potential.

Toast, Brotkruste, Kaffee, Brombeergelee und Mandelgebäck. Nein, ich bin noch nicht am Frühstücksbuffet. Denn das sind die Aromen vom 2003 Chateau Mouton Rothschild. Ein regelrechter „Zmorge Wy“. Die Frucht ist ob der intensiven Röstung im Hintergrund und erinnert so an die Jugendphase seines 1989ers. Wer mehr Harmonie und Reife sucht, wartet noch ein paar Jahre. Wer ihn so liebt wie er jetzt ist, kann sich beim nächsten Frühstück auch mal ein Zweierli 03er Mouton anstelle eines Cappuccinos bestellen…

Faszinieret war ich vom 2000 Chateau Leoville Poyferre. Ein dunkelbeerig, mineralischer Wein mit Leder und Tabak im Bouquet dazu etwas Vanille, Schoko. Mittlere Intensität, aber super harmonisch strukturiert. Zeigt jetzt schon viel Eleganz und Finesse. Vielleicht hat’s ja neben der Bibliothek und dem Candy Shop auch noch einen Laden mit Poyferré 2000….

Super auch 2000 Chateau Lynch-Bages. Röstig, schwarzbeerige Nase. Caramel, Schwarztee. Etwas Pflaumen, erste reife Leder- und Tabaknoten. Auch etwas Malz. Zeigt sich klassisch, reif auch im Gaumen. Auf nichts mehr warten, zugreifen und Spass haben. Erlebte den 2000er Lynch Bages noch nie so offen.

Zum Schluss noch ein Napa Feuerwerk der Extraklasse. 2001 Abreu Madrona Ranch Cabernet Sauvignon. Volles, üppiges Bouquet. Viel Cassis, Lakritze, Peperoni, Minze und Eukalyptus. Enorm jung. Ueberschwenglich auch im Gaumen, von allem ist viel da. Power, Potential und Genuss. Zweifellos auf dem Weg zur Perfektion.

 

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Und das Fazit der Probe? Begeisterung! Es gibt weder Sieger noch Verlierer. Gewonnen haben die Gäste, die so eine faszinierende Probe miterleben dürfen. Schön, dass es immer wieder Weinfreunde gibt, die ein, zwei tolle Flaschen aus ihrem Keller hergeben, und dafür mit einer Genusspotenz von „hoch 10“ dafür belohnt werden. Ein grosses Kompliment an das Organisations Trio des Best Bottle Cerlces. Mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl haben sie die Weine ausgesucht und zusammengestellt. Die eindrücklichsten Flaschen waren alle um die 20 Jahre alt. Egal ob Bordeaux oder Napa. Reife siegt. Interessant auch die Phase der 2000er Bordeaux. Ich glaube, man darf langsam die Kisten öffnen. Daher würde ich gerne wiedermal ein paar 2000er Bordeaux verkosten. Wer ist dabei? Bitte Interesse kurz im Kommentarfeld kundtun.

So, und wie hat nun die 2015 „Emmen Tasting“ Jury entschieden? Die Resultate finden Sie wie immer auf Bestbottle.ch

 

Back to the Future: Bordeaux 1985

10. Mai 2015

1985 klebten wir zum ersten Mal eine Autobahnvignette an unsere Autoscheiben. Mit Live Aid fand das grösste Benefiz Konzert der Geschichte statt. Das Wrack der Titanic wurde entdeckt. Neugeborene taufte man am liebsten auf die Namen Christina oder Christian. Der Schweizer Dano Halsall schwamm mit 22.54 Sekunden über 50 Meter Freistil Weltrekord. Back to the Future schafft es zum erfolgreichsten Film des Jahres und Opus mit Life is Life (na naaa nahh na nah…) stürmten die Single Charts. Dem Opel Kadett E gratulierten wir zum Auto des Jahres und unsere Lieblingsdisco hiess Harrissen Bar in Stansstad. Bleibt noch offen, welches 1985 die besten Bordeaux Weine waren?

1985 gilt kommerziell wie qualitativ als erfolgreiches Jahr in Bordeaux. Mit heissem Sommer und idealem Wetter im August und September erfreuten sich die Cheatau Besitzer einer grossen Ernte. Preislich wurden die 85er für damalige Verhältnisse sehr hoch angesetzt. Die Premiers allesamt über CHF 100.- in der Subskription, die Deuxiemes rund die Hälfte.

 

2015 05 BX85 Titel

 

Mein Fazit der Probe im Restaurant Kreuz Emmen: 85er Bordeaux aus guter Lagerung befinden sich jetzt in Topform. Die besten Weine haben sogar noch ein oder zwei Jahrzehnte vor sich. Es sind mehrheitlich feinstrukturierte, elegante, fast graziöse Clarets mit vielschichtigem Aromenbild. Extrovertiert, zugänglich und charmant. 1985 ist im Gegensatz zu 1986 nie kompliziert. Müsste ich die Achtziger Jahre in einer Rangliste zusammenfassen, so würde der 85er zusammen mit 1983 und 1989 um den Bronzeplatz (hinter 1982 und 1990) kämpfen. 

 

1985  Chateau Montrose, Saint-Estephe 16/20  austrinken
1985 Chateau Cos d’Estournel, Saint-Estephe -/- ?
1985 Chateau Ducru-Beaucaillou, Saint-Julien  -/- austrinken 
1985 Chateau Talbot, Saint-Julien  17.5/20 austrinken
1985 Chateau Lagrange, Saint-Julien  17/20  austrinken
1985 Chateau La Lagune, Haut Medoc 17/20 austrinken

 

Nicht viel erwartete ich von Chateau Montrose, doch das Bouquet überraschte mit würzig, ledrigen Noten. Viel Tabak, etwas Pflaumen und Orangeade. Im Gaumen dann aber leider sehr rustikal, drahtig und unharmonisch. Keine gute Flasche erwischten wir beim Chateau Cos d’Estournel, der Wein sollte eigentlich immer noch gut sein. Die welke, malzige und oxydative Nase kann nur von schlechter Lagerung stammen. Chateau Ducru-Beaucaillou kann man als „klassisch“ bezeichnen, denn die meisten 80er Ducrus nerven mit dieser penetranten Unsauberkeit. Auch diesmal Brett oder Kork im Bouquet. Gaumen wäre geschmeidig, noch mit Frucht ausgestattet. Aber eben… Immer die gleiche Leier mit Ducru.

 

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Gut gefiel mir Chateau Talbot mit cremig, röstigem Bouquet. Milchkaffee, Kokos, Leder, Zedern. Klassisch, rustikal strukturiert, mittlere Länge und etwas trockenem Abgang. Positiv überraschte auch Chateau Lagrange. Laktisch, süssliches Bouquet. Malz, Ovo, Zedern, Stroh. Gaumen lebendig gut erhalten. Immer noch ein toller Esswein. Genau wie Chateau La Lagune. Auch dieser Haut Medoc überzeugte mit würzig, mineralischer Nase. Schöne Tabakaromen und Kerzenwachs.  

 

1985  Chateau L’Eglise-Clinet, Pomerol 18.5/20  austrinken
1985 Chateau L’Arrosee, Saint-Emilion 15/20 austrinken
1985  Chateau La Conseillante, Pomerol  18.5/20 trinken – 2020
1985  Chateau L’Evangile, Pomerol 18.5/20 austrinken
1985  Chateau Pavie, Saint-Emilion 16/20 vorbei
1985  Chateau Cheval Blanc, Saint-Emilion 19/20  trinken – 2025

 

Grossartiger Jahrgang am rechten Ufer. Die Merlot dominanten Weine ertrugen die Hitze erstaunlich gut. Das Resultat sind viele runde, harmonisch und sehr aromatische Weine. Wie auch diese Serie bewies: Chateau L’Eglise-Clinet wirkt im Bouquet frisch. Schwarz- und rotbeerige Grundaromatik, etwas Schoko, Kalk und Himbeeren. Im Gaumen burgundisch, geschmeidig mild, mittlere Intensität und schöner Länge. Chateau L’Arrosee befindet sich ganz am Ende seiner Genussphase. Das Bouquet „kippt“ langsam. Rosinen, dunkle Schokolade und Maggikraut. Im Gaumen ordentlich mit leicht staubiger Note. Faszinierend präsentiert sich Chateau La Conseillante. Er war zwar vor fünf Jahren noch exotischer, aber auch jetzt ist er immer noch ein erotisch-eleganter Pomerol. Offenes Bouquet, Cassis, Himbeeren, Kokos, Vanille, Orangeade und Trüffel. Samtig feiner Gaumen, harmonisch ausgewogen und schöner Länge ausgestattet. Nicht mehr ganz so füllig wie früher, aber immer noch ein grossartiger La Conseillante.

 

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Auch nur gutes berichten lässt sich von Chateau L’Evangile. Süsses Bouquet, Kandis und Caramel, leicht laktisch. Mit guter Frucht unterstützt, bereitet der Wein enormen Spass. Feine Struktur und völlig abgebaute Tannine. Super, aber nicht mehr lange… Chateau Pavie wirkte überreif. Obs generell mit diesem Wein schon so weit ist, oder es sich um eine nicht optimale Flasche handelte, wird der nächste Kontakt zeigen. Leicht oxydative Nase, Liebstöckel, dunkle Schokolade und Kandis. Im Gaumen erste Zerfallserscheinungen. Deutlicher Sieger dieser Serie und ein Kandidat für den Wein des Abends, wenn nicht sogar generell für den Jahrgang 1985 wurde der phänomenale Chateau Cheval Blanc. Das war eine super frische Flasche! Jugendliches Bouquet. Blau- und rotbeerige Grundaromatik, Himbeeren, viel Würze, Teer, Lakritze, Streichholz, Wachs. Im Gaumen füllig, elegant und mit super Länge ausgestattet. Ein Traum Cheval Blanc! 

 

1985  Chateau Leoville Barton, Saint-Julien  16/20  austrinken
1985 Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien 19/20 trinken – 2022
1985 Chateau Leoville Poyferre, Saint-Julien  17/20 trinken – 2025
1985 Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien  17.5/20 trinken – 2022
1985 Chateau Lafite Rothschild, Pauillac  18/20 trinken – 2025
1985 Chateau Grand-Puy-Lacoste, Pauillac 18.5/20 trinken  – 2020

 

Chateau Leoville Barton zeigte sich sehr offen mit würzig röstigem Bouquet. Mocca, Caramel und Lakritze. Eigentlich atypisch für den sonst eher erdig rustikalen Barton. Dies offenbarte er dann im Gaumen. Kurz, hart und wenig Charme. Von ganz anderem Muster gestrickt ist Chateau Leoville-Las Cases. Davon leistete ich mir Anfangs der 90er Jahre eine Kiste für 650 Franken. Damals mein teuerster je gekaufter Wein… Dunkles Granat; offen, zugängliches Bouquet. Immer noch Cassis, etwas Pflaumen. Wachs, Zedern, Russ und Lakritze. Im Gaumen mittlere Intensität, beeindruckende Harmonie und seidenfeine Tannine. Irgendwie ein unauffälliger Wein, der aber genau das widerspiegelt, was man von einem grossen 85er Claret erwartet. Eleganz pur. Etwas im Schatten stand Chateau Leoville Poyferre. Defensiv, mineralisches Bouquet. Kalk, Zedern und leicht grüne Paprika. Im Gaumen reif und zugänglich aber auch etwas unspektakulär.

 

2015 05 85 Bdx Serie 3

 

Der sehr dunkle Chateau Gruaud-Larose schoss so richtig aus dem Glas mit teerig, animalischer Note. Viel Tabak, Malz und Leder. Burschikos, rustikal im Gaumen. Ein Gruaud wie er sein muss. Entweder liebt man es oder lässt es bleiben. Unglaublich jung im Bouquet wirkte Chateau Lafite Rothschild. Frische defensiv beerige Noten, Cakesfrüchte, Kokos, Praline und Vanille. Im Gaumen völlig abgerundet, hoch elegant und wunderbar zu trinken. Die Frage stellte sich, ob da nicht mehr Tiefgang für einen so teuren Premiers vorhanden sein müsste? Nein, denn wer Wucht und Kraft erwartet sucht beim Jahrgang 1985 vergebens. Und noch was zum Preis: Dieser ist bei einer Bewertung völlig irrelevant. Der Wein kann ja nichts dafür, dass er so teuer ist.

Erfreuliche die Entwicklung von Chateau Grand-Puy-Lacoste. Klassisch, dunkelbeerige Pauillac Grundaromatik. Rauch, Leder Tabak, etwas Peperoni, Minze und Zedern. Einer der kräftigsten Weine des Abends. Dichter, intensiver Gaumen und Potential für weitere zehn Jahre. Steht im Schatten des 82ers und des 90ers und daher wohl auch preislich eine Affäre wert…

 

1985  Chateau La Mission Haut-Brion, Pessac-Leognan 18+/20  trinken – 2030
1985  Chateau Haut-Brion, Pessac-Leognan 19/20 trinken – 2030
1985 Chateau Pontet-Canet, Pauillac  16/20 austrinken

 

Chateau La Mission Haut-Brion beeindruckte durch seine Jugendlichkeit und Kraft. Viel Holz im Bouquet, die Frucht scheint etwas unterdrückt aber nicht weg. Der Wein wirkt komprimiert und irgendwie in einer Zwischenphase. Im Gaumen zeigt er Tiefgang und Länge, aber wenig Entwicklung. Kommt da noch was? Fraglos einer der schönsten Weine des Abends war Chateau Haut-Brion. Herrliche extrovertierte Nase mit viel Gewürzen, Kandis, Vanille, Tabak, Mocca und Leder. Sogar etwas Eukalyptus. Sehr vital im Gaumen, schöne Balance und Länge. Ein ruhiger, erhabener Haut Brion. Bordeaux Klassik par excellence! Da vermochte der Chateau Pontet-Canet verständlicherweise nicht ganz mitzuhalten. Rosinen, Pflaumen, Lack und Kandis im Bouquet. Grob, rustikal strukturiert mit kernigen Tanninen, die da eigentlich gar nicht mehr hingehörten. Verglichen mit dem Hype von heute – ein Pontet Canet aus einer anderen Welt.

 

2015 05 85 Bdx Serie 4

 

 

1985  Chateau Palmer, Margaux   18.5/20  trinken – 2020
1985 Chateau Margaux, Margaux   18/20 trinken – 2025
1985 Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac 18.5/20 trinken – 2020
1985 Chateau Latour, Pauillac  18/20  trinken – 2025
1985 Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 18/20 trinken – 2020
1985 Chateau Lynch-Bages, Pauillac  19/20 trinken – 2020

 

Wunderbar präsentierte sich Chateau Palmer. Würzig defensives Bouquet, Pflaumen, Zedern, Malz und Leder. Begleitend von attraktiven Röstaromen und Trüffeln. Der Gaumen ist ein Ausbund von Fülle und Eleganz. Macht enorm Spass. Schwarzbeerig, mineralisch zeigt sich Chateau Margaux. Sehr homogene, offene Nase. Kerzenwachs, Tabak und Russ. Im Gaumen erstaunlich wenig Entwicklung. Dieses Defizit macht er mit seinem betörend süssen und langen Abgang wieder wett. Prachtvoll kam Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande daher. Exotisch, extrovertiert und füllig! Reifes Cassis, Kokos, Cakesfrüchte, Vanille, Bittermandeln und Gianduja. Voller Schmelz im Gaumen, rund, harmonisch. Fast dekadent schön…

 

2015 05 85 Bdx Serie 5

  

Auch für Chateau Latour galt in diesem Jahr: Eleganz vor Kraft. Defensiv schwarzbeerig. Lebt im Bouquet eher vom Holz. Brotkruste, Toast, Kandis und Vanille. Im Gaumen mittelschwer, erdig und sogar etwas rotbeerig. Schön ausgewogen und enorm stimmig. Ein fast zärtlicher Latour mit viel Charme. Leider handelte es sich bei Chateau Mouton Rothschild um eine etwas dumpfe Flasche. Da ich dem Wein in letzter Zeit glücklicherweise zwei, dreimal begegnet bin, kann ich die Notizen zusammenfassen. Reifes, würziges Bouquet. Immer noch Cassisresten. Dazu Schwarztee, Bisquit, Leder, Trüffel und Lakritze. Im Gaumen harmonisch und geschmeidig. Scheint seit Jahren am Ende seiner Trinkreife zu sein, und bereitet aber trotzdem jedes Mal wieder Freude. Ähnliches Phänomen wie beim 83er Mouton.

Bleibt noch der verblüffende Chateau Lynch-Bages. Tiefgründige, intensive Nase. Pflaumen, Cassis, Bisquit, Kokos, Tannen, Mocca, Espresso. Wie immer etwas Peperoni, aber alles stimmig und am richtigen Fleck. Der Gaumen wirkt ausladend, intensiv und super reif. Das war eine Top Flasche und in dieser Form immer noch eine Suche wert. Oftmals tut man dem Lynch Bages etwas unrecht, da er jung schon so viel Spass macht und die Quantitäten meisten recht hoch sind. Doch es lohnt sich immer ein paar Flaschen auf die Seite zu legen. Nicht nur dieser 85er ist jetzt top. Auch 88 hat sich in den letzten Jahren enorm gemausert, und mit 86 geht es jetzt erst so richtig los. 

Apropos 1986. Die feiern nächstes Jahr ihr 30jähriges Jubiläum. Ob wir da auch so viel Homogenität, Fülle und Eleganz erwarten können? Wohl kaum. Aber wir lassen uns nicht abhalten. Bordeaux 1986: Der schmale Grat zwischen Lust und Schmerz (demnächst zu finden bei den Events).