Grimms Wein-Märchen

14. April 2015

Eine gute Geschichte beginnt mit einem Glas Wein. In wiefern die Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert sich dem vergorenen Rebensaft hingezogen fühlten, kann ich nicht belegen. Doch ihre Sammlungen an Märchen und Geschichten faszinieren uns seit Generationen. Wir erzählen sie uns weiter und so werden sie Werke für die Ewigkeit. Marcel Grimm (kein leiblicher Nachkomme der berühmten Autoren..) erzählte ein paar Weinfreunden anlässlich seines 50. Geburtstags auch ein Märchen- Ein Wein-Märchen. In seiner Geschichte gibt es allerdings keine bösen Hexen, fiese Stiefmütter oder dunkle Wälder. In seinen Erzählungen herrscht Sonnenschein, Begeisterung und Genuss. Eine Geschichte nur mit Schneewittchens, Goldmaries und einer Frau Holle, welche die ganze Zeit Höchstwertungen aus ihrem Kissen schüttelte.

Hat ihren Märchenprinz längst gefunden: Beatrice Grimm mit dem Jubilar Marcel:

 
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Als Hauptdarsteller wählte Marcel den König aller Störköche, Werner Tobler. Er sorgte dafür, dass sich die Gäste nicht mit harten Lebkuchen vom Hexenhaus zufriedengeben mussten,  und eine gute Fee namens Bruno, welche beinahe stündlich allen Weinfreunden ihre önologischen Wünsche erfüllte. Bösewichte und Wölfe blieben der edlen Tafel fern und trotzdem entwickelte sich die Geschichte unglaublich spannend. Denn da traten Herrschaften von Weinriesen auf. Herzergreifend und unvergesslich. Und aus noch einem Grund ziehe ich Marcel’s Geschichte jene der Gebrüder Grimm vor: Marcel Grimm’s Weinmärchen sind wahr….

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Es war einmal…. (Serien offen, Weine blind)

 

1937 Dr. Barolet Henri de Villamont Gevrey Chambertin 16/20vorbei
1959  Dr. Barolet Henri de Villamont Vosne-Romanée18/20austrinken

 

Im Kapitel 1 unseres Wein-Märchens wurden alte Erinnerungen an legendäre Düsseldorfer Weinabende wach. Der ebenfalls anwesende Wineterminator, Achim Becker, beschreibt Barolet als „Burgunder Wein Scout“, immer auf der Suche nach den besten Fässern für seine eigenen Abfüllungen. 1937 Dr. Barolet Henri de Villamont Gevrey Chambertin zeigte aber leider bereits deutliche überreife Aromen, gar etwas Essig, Glutamat und Jod. Darunter immer noch spürbar Rosinen und Plfaumen sowie Trester. Im Gaumen besser als in der Nase. Erinnert an Schneewittchens vergifteter Apfel… Deutlich besser in Form daneben 1959 Dr. Barolet Henri de Villamont Vosne-Romanée mit süsser, reifer, milder Nase. Pflaumen, Rosinen und Kirschen mit etwas Bittermandeln im Abgang. Sehr feine Struktur und schöne Länge.

 

1965 Beaulieu Vineyard BV Georges de Latour Private Reserve Cabernet Sauvignon, Napa Valley13/20vorbei
1965Paul Avril Clos des Papes Chateauneuf-du-Pape, Rhone17.5/20austrinken
1965Vega Sicilia Unico Gran Reserva, Ribera del Duero, 18/20austrinken

 
Schwierig wurde es für Marcel Grimm auf der Suche nach guten Weinen aus seinem Geburtsjahr. Die Pechmarie schlug beim 1965 Beaulieu Vineyard BV Georges de Latour Private Reserve zu. Alte Beaulieu versprechen oft noch viel Genuss, diese Flasche war aber hinüber, oxidiert und hätte höchstens der Prinzessin als Alternative angeboten werden können. „Küss den Frosch oder trink diesen Wein!“ Toll dafür 1965 Paul Avril Clos des Papes Chateauneuf-du-Pape. Delikat, fleischige Aromen. Viel Gewürz, Kirschen und Leder. Der Gaumen ist leicht ausgezerrt aber lebendig. Etwas unreife Tannine im Abgang. Der „jüngste 50er“ der Serie war 1965 Vega Sicilia Unico Gran Reserva. Sehr süsses Bouquet, Caramel, Vanille, Zedern und Kräuter. Erdig, komplex und breit strukturiert mit fast portigem Abgang und massiver Säure. Wirkt etwas zu gedröhnt vom vielen Holz.

 

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1982 Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien 19/20trinken – 2025
1982 Chateau Latour, Pauillac19.5+/20trinken – 2045
1982 Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien 20/20trinken – 2030
1982Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac20/20austrinken

 

„Spieglein, Spieglein an der Wand, welcher ist der schönste 82er Bordeaux im ganzen Märchenland?“ Wie ein staunender Zwerg der zum ersten Mal Schneewittchen erblickt, sass ich vor dieser magischen Serie. 1982 Chateau Gruaud-Larose war blind zu erkennen. Blau- schwarzbeerige Grundaromatik. Typische Zedern-, Tabak- und Ledernoten. Dazu feine Kräuter und Rauch. Elegante Struktur und trotzdem die bodenständige, erdige St. Julien Art. Toller Wein! Wir bewerteten alle Weine blind und ich gab 1982 Chateau Latour „nur“ 19.5+/20. Granat; Dunkelbeerig, Zedern, Lakritze, Waldboden, Pilz. Dann ein unglaublich druckvoller Auftakt. Es kommt ein richtiger Aromenschub auf einem zu. Enorm stoffig, phänomenaler, kräftiger Körper. Ein Urmeter von einem Wein. Alles ist quasi im Überfluss da. Doch diese Flasche wirkte so jugendlich, dass mich der Gedanke nicht los lässt, ob sich die einzelnen Komponenten nicht noch intensiver vermählen können? Deshalb glaube ich, dass Latour 82 seinen Höhepunkt noch gar nicht erreicht hat… Unbestätigten Gerüchten zu Folge soll Rotkäppchen bereits damals auf dem Weg zur Grossmutter eine Flasche Latour im Korb dabei gehabt haben… Prost Wolf! 

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1982 Chateau Leoville-Las Cases war schlichtweg grossartig. Den erlebte ich noch nie in dieser perfekten Form (Bewertungen bis anhin immer 19+ und 19.5/20). Diesmal verdient er auf eindrückliche Art und Weise die Bestnoten. Cremig, frisches Bouquet. Süss, würzig, etwas Schoko, etwas Minze. Dazu passend Zedern und Leder. Jugendlich stoffig im Gaumen, reif und elegant. Dicht und länger im Abgang als Rapunzels Haarpracht. Und dann noch eine weitere Märchenfee: 1982 Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande. Das ist kein typischer Pauillac, nicht mal ein typischer Lalande… Das ist schlicht und einfach ein einzigartiger Wein. Wann schafft Lalande je wieder so was und was lief damals anders? Ausufernd, frisches, cremiges Bouquet. Cassis, Erdbeeren, frische Tannenäste, Gewürze, Praline, Kandiszucker und Malz. Im Gaumen hoch elegant, superfein strukturiert und mit bezaubernder Länge. Gehört Erotik in ein Märchen? Dann ist diese Lalande die Top Besetzung! Und Achtung: „Austrinken“ bedeutet nicht, dass jetzt alle panikartig in ihre Keller hetzen und die letzten Flaschen dieser 82er Prinzessin rausholen. Die Zeit reicht schon noch um mich vorher anzurufen…

 

1986 Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien  19/20trinken – 2030
1986Chateau Margaux, Margaux16+/20trinken – 2040
1986Chateau Mouton Rothschild, Pauillac19.5+/20trinken – 2050

 

Im nächsten Kapitel blieben wir im Bordelais und näherten uns einem sehr unterschiedlichen 86er Trio an. Sehr überzeugend und nach wie vor ein spannender Kauftipp ist 1986 Chateau Gruaud-Larose. Immer noch dunkel in der Farbe. Mineralisch, schwarzbeerig, etwas Lakritze, Pfeffer und Leder. Voluminöser im Gaumen als bei früheren Begegnungen. Trinkreif und elegant mit prächtigem Potenzial für ein langes Leben. Wie lange das Leben für 1986 Chateau Margaux dauern muss bis aus der Pechmarie eine Goldmarie wird weiss ich nicht. Aber in jedem Märchen braucht es einen Bösewicht. Ob nun Stiefmutter oder böser Wolf – dieser Margaux passt auf beides zu. Kein Wunder, dass einzelne Gäste ihn als fehlerhaft oder gar mit korkig betitelten. Er zeigt sich völlig verklemmt. Zeigt wenig Aromen, etwas Teer, Eukalyptus aber wenig Frucht. Auch im Gaumen kantig, grantig mit Säure- und Gerbstoffüberhang. Da hofft man, dass sich dieser Margaux im (Auktions) Wald verirrt und nie mehr zurück findet.

Jederzeit willkommen ist dagegen 1986 Chateau Mouton Rothschild. Ein Prachtswein mit enormer Kraft und Intensität. Dunkelbeerig, erdig, süss. Viel Zedern, Tabak und Rauch. Viel jugendliche Aromen. Im Gaumen ist er jetzt zugänglicher, aber noch nicht richtig reif. Ähnliches Phänomen wie beim 82er Latour weiter oben. Der Wein war sehr lange dekantiert. Das hilft den Aromen aber es trocknet auch die Tannine aus. Vielleicht hat ihm dies den halben Punkt gekostet.

Ueberigens, liebe Leserinnen und Leser: Sie können sich ruhig mal dazwischen verwundert die Augen reiben, bevor es weiter geht. Denn auch das war noch nicht das letzte Kapitel. Der Weg durch den Märchenwald führt uns jetzt zu ein paar 90er Bordeaux:

 

1990 Chateau Latour, Pauillac 19/20trinken – 2025
1990Chateau Lynch-Bages, Pauillac 19/20trinken – 2020
1990Chateau Montrose, Saint-Estephe20/20trinken – 2030
1990Chateau Pichon-Longueville Baron, Pauillac (Jeroboam)19/20trinken – 2020

 
1990 Chateau Latour ist jetzt fraglos reif. Da muss auf nichts mehr gewartet werden. Würzig, blau- schwarzbeeriges Bouquet, Brotkruste, etwas Peperoni, Lakritze und Pfeffer. Rund im Gaumen, viel Schmelz mit schönem Tiefgang und bezaubernder Eleganz. Eher ein femininer Latour. Auch auf der filigranen Seite präsentiert sich 1990 Chateau Lynch-Bages. Dekadent, leckeres Bouquet. Pflaumen, Cassis, Vanille, Nuss, Bittermandeln und Schoko. Im Gaumen zärtlich fein strukturiert, süss aber nicht mit besonders viel Tiefgang ausgestattet. Dafür ein betörender Spasswein. Wenn Sie auf Spass und Gehalt (gilt für Wein-Volumen wie Portemonnaie-Volumen) stehen, dann gönnen Sie sich eine Flasche 1990 Chateau Montrose. Das ist wohl inzwischen das Beste, was es aus diesem legendären Bordeaux Jahr gibt. Erdiges Bouquet. Teer, Caramel, Kräuter, Minze, Schwarztee. Wunderbar unterlegt mit dunklen frischen Beeren. Im Gaumen zupackend, dicht, intensiv mit einer dramatischen Tiefe und Länge ausgestattet. Dieser Wein verbindet die klassische rustikale Montrose Art perfekt mit der Eleganz und Erotik des 90er Jahrgangs.

 

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Als Tischwein(!) begleitete uns den ganzen Tag 1990 Chateau Pichon-Longueville Baron aus der Jeroboam Flasche. Diese perfekte, frische Grossflasche zeigt den 90er Baron in seiner leckeren, röstig, offensiven Art, wie viele Nomalflaschen vor zehn Jahren daher kamen. Rubin; Cassis, Pflaumen, Feuerstein, Lakritze, Rauch. Saftig, voluminös im Gaumen. Super integrierte Säure, kräftiger Abgang und tolle Länge. Diese Jeroboam hätte noch 20 Jahre gehalten… hätte. 

1988 E. Guigal Cote Rotie La Landonne, Rhone 20/20 trinken – 2030
1988E. Guigal Cote Rotie La Mouline, Rhone20/20trinken – 2030
1988E. Guigal Cote Rotie La Turque, Rhone 20/20trinken – 2025

 

Als ich vor einem halben Jahr an der „In Love with Syrah“ Probe, die drei 88er Lala’s verlassen habe, streute ich heimlich Brotkrümel, in der Hoffnung diesen drei Zauberweinen jemals wieder zu begegnen. Und siehe da, das Rhone Traumtrio steht erneut vor mir. Es sind Nuancen, durch welche sich die drei Syrah Schönheiten unterscheiden. Was mich am meisten beindruckt ist erneut die Aromatik und mit welcher Leichtigkeit diese zum Tragen kommt. Man muss von keinem Wein so wenig trinken um diesen spektakulären Effekt zu erreichen. Guigal’s Homöopathie!

 

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1988 E. Guigal Cote Rotie La Landonne zeigt sich mit äusserst elegantem Bouquet. Brombeeren, Cassis, Brotkruste, Teer, Stroh, Leder, Teebaumöl und Lakritze. Im Gaumen zärtlich fein, mittelschwer, blumig und elegant strukturiert mit wunderbarer Länge und Balance. 1988 E. Guigal Cote Rotie La Mouline mit röstigerer Nase. Brotkruste, etwas Speck, Marroni, Vanille. Mit der Zeit immer mehr beerige Aromen (Himbeeren, Cassis), danach mehr Gewürze (Pfeffer) und Blumen (Lavendel). Super konzentriert, elegant und seidenfein strukturiert. Endet „pfeffrig“, rauchig mit einem Touch Trüffel. 1988 Guigal Cote Rotie la Turque rundet die drei begnadeten Lagen aus dem möglicherweise grössten aller nördlichen Rhône Jahrgänge ab. Sattes rubin; Intensiv rauchiges Bouquet. Speck, Vanille, Toast. Dazwischen Griotte, Himbeeren und Asia Gewürze. Dicht und komplex im Gaumen, wunderbar harmonisch und atemberaubender Länge.

Während dieses Report überlegte ich mir, in welchem Märchen im am liebsten gelebt hätte. Ich entschied mich für Frau Holle. In meiner Phantasie stelle ich mich täglich unter ihr magisches Tor und lasse mich von Guigals LaLa’s überschütten.

 

2001Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon, Napa Valley 19.5+/20 trinken – 2050
2002Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon, Napa Valley (Magnum)19.5+/20trinken – 2060
2004Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon, Napa Valley  18.5+/202020 – 2050

 

 

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Als Gründungsmitglied der American Beauty, war für Marcel der finale Abstecher ins Napa Valley fast zwingend. 2001 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon zeigt sich mit defensiv schwarzbeeriger Aromatik. Eukalyptus, Teer, Russ und Peperoni. Super Barrique Einsatz und toller Balance. Aktuell in einer eher verschlossenen Phase und wird seine ganze Schönheit in fünf bis zehn Jahren zeigen. Auch ein Jahrzehnt von seiner Genussreife entfernt ist 2002 Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon aus der Magnum. Ausufernd, schwarzbeeriges Bouquet. Viel Druck, fast ölige Textur, enormer Tiefgang und ein Volumen das seinesgleichen sucht. „Finger weg davon, Marcel! Das ist ein Wein zu Deiner Pension, es gibt ältere Shafer Jahrgänge, die jetzt ganz gut sein könnten…“ Ein Napa Baby ist 2004 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon. Voll primärfruchtig, laktisch mit prägnantem Holzeinsatz. Opulent, dicht im Gaumen mit beeindruckender Länge und Tiefgang.

Drei unglaubliche Weine mit Power und Potenzial! Diese Kraft und Energie wünsche ich auch Dir, lieber Marcel, für Deine nächsten 50 Jahre. Danke dass Du dieses Wein-Märchen zum Leben erweckt hast.

The Wines of Ann Colgin

20. März 2015

Ann Colgin. Der Name und ihre Weine sind Kult.  (mehr …)

American Beauty 8: Völlig krank

11. März 2015

Die legendäre American Beauty. Ein jährliches Highlight in meiner Tasting Agenda. Diesmal ging ich allerdings mit einem unguten Gefühl an die Sache ran. Die Vorfreunde wurde bereits am Donnerstag getrübt mit Halsschmerzen, Husten und Kopfweh. Freitags dann Schüttelfrost mit Untertemperatur und am Samstagabend schliesslich 39 Grad Fieber. Toll… Wollte die Jungs nicht hängen lassen. Algifor L forte und zehn Stunden Tiefschlaf. Sonntag 8 Uhr: Körpertemperatur: 36.5 Grad. Roger. Hals: Roger. Riechtest quer durch die Küche: Roger. Also ab in den Adler nach Nebikon. Menu-, Timing- und Serviceabsprache, öffnen der Flaschen, Doppeldekantieren. Weine nicht probieren, nur beim umgiessen am Bouquet riechen. Alles Routine. So geil – selbst die verkappte 85er Martha verströmt himmlische Aromen nach Cassis, Himbeeren. Meine Nase ist also voll da und die Gäste inzwischen auch. American Beauty Stimmung kommt auf….

Los geht’s! Aufgrund der enormen Qualitätsdichte der eingelieferten Weine (viele Klassiker, trinkreife top Jahrgänge hauptsächlich aus den 90ern, keine Experimentalweine oder hochgezüchtete Luxuscuvées und kein Wein jünger als 2001), habe ich mich entschieden die Verkostung völlig blind zu machen. Jede Flasche bekam vorgängig eine Nummer. Ein Teilnehmer wählt fünf Zahlen zwischen 1 – 24, und das waren die Weine der Serie. Nach jeder Serie wurde bewertet, aufgelöst und dann gegessen.

1 – 5 – 11 – 17 – 21: Die erste Serie stand vor mir. Alle Farben top, verschiedene Reifestadien. In den Bouquets hoch interessante Unterschiede. Der eine reif, ledrig, animalisch mit etwas Teer, der andere noch in voller schwarzbeeriger Pracht. Jedes Bouquet stimmig, ausser vielleicht eines leicht muffig und etwas Liebstöckel. Dann der erste Schluck: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Schnell zum zweiten Glas: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Verdammt was ist denn da los? Spülen mit viel Wasser weiter zu Glas drei: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Shit, das muss an den Gläsern liegen… aber das Bouquet war doch bei allen sauber und klar? Glas 4: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“ Glas 5: „Medizinal, karg, übersäuert…. Ein Blick in die Runde: Strahlende Gesichter, grosse Augen, Begeisterung pur. „Was für ein Flight, Respekt für diese Auswahl. Wow, was für Weine! Wir hatten noch nie eine solche Startserie“.   In diesem Moment wusste ich, dass American Beauty 8 für mich soeben beendet war. Die unterdrückte Grippe und die Medis legten meinen Gaumen komplett flach. Keine Aromen, kein Gefühl für Gehalt, Länge, Balance, einfach nix. Ich hätte vorne in der Beiz ein Einerli Cornalin trinken können: Gleiches Empfinden.

Natürlich gönnte ich mir weiterhin eine kleine Ration um an den Weinen zu schnüffeln, aber die Trinkmenge verteilte sich auf die elf weiteren Gäste. Unter diesen Bedingungen war es unmöglich die Weine zu bewerten. Aufgrund der Nase waren für mich folgende Weine 20/20 Punkte Kandidaten: 1992 Dominus, 1994 Dominus, 1997 Dominus, 1992 Caymus Special Selection, 1997 Bryant Family, 1978 Montelena. Schierer Wahnsinn, welche Weine an diesem Nachmittag an mir vorüber gingen. Es war zum heulen…

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So verstrich der Sonntag im Adler. Grossartige Stimmung, Begeisterung, Höchstbewertungen und Lobeshymnen auf Küche und Wein. Ich liess mir mein Menu als Doggybag einpacken für meine Lieben daheim. Schnell noch aufs Siegerfoto und dann ab nach Hause ins Bett…

Das war’s mit American Beauty 8 und das war zugleich auch die letzte Ausgabe im Adler Nebikon. Marie Louise und Raphael verlassen Nebikon nach zehn Jahren und brechen zu neuen Ufern auf. Genauer gesagt an die Reuss nach Luzern. Reussbad heisst ihre neue Wirkungsstätte ab Mai 2015. Ohne Punktestress verfeinern sie dort ihr erfolgreiches „Beizli Konzept“ welches bereits im Adler prächtig funktionierte. Viel Erfolg euch beiden! Wir kommen natürlich mit. Die nächste Ausgabe der American Beauty findet also im Reussbad Luzern statt. Am Samstag, 12. März 2016 um 12 Uhr.

So, und damit nun alle Leserinnen und Leser von MYBESTWINE.CH doch noch zu seriösen Einschätzungen der Weine kommen, hat sich mein Weinfreund André Kunz freundlicherweise bereit erklärt, seine Notizen hier zu veröffentlichen. André ist American Beauty Stammgast der ersten Stunde. Sie kennen den versierten Verkoster von seinem fundierten Berichten monatlich in der Schweizerischen Weinzeitung. Kunz bewertet im 20er System ohne halbe Punkte.

Herzlichen Dank, André! Hier sind seine Bewertungen:

Serie A

1985  Heitz Cellar Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon  18/20  trinken – 2028
1992 Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon    18/20 trinken – 2026
1985  Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon   17/20  austrinken
1994  Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon     19/20  trinken – 2030
1991  Ridge Vineyards Monte Bello  17/20  austrinken

 

1985 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Cellars: Butteriges, süsses, fein opulentes Bouquet, schwarze Brombeeren, Butter, Schokolade, Kräuter, Minze. Cremiger, kräftiger, aromatischer Gaumen mit würziger, süsser Aromatik, feinsandigem Tannin, eleganter Struktur, langer Abgang mit guten Rückaromen.

1992 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer Vineyards: Fein marmeladiges, opulentes Bouquet, Cassiscreme, Eukalyptus, kalter Rauch, Pralinen, Tabak. Samtener, gut üppiger Gaumen mit süsser, guter Frucht, feinem Tannin, kräftiger, vielfältiger Aromatik, langer, cremiger Abgang mit guten Rückaromen.

1985 Cabernet Sauvignon Special Selection, Caymus Vineyard: Reifes, breites, würziges Bouquet, Málaga, Schokoladenpulver, Kräuter, Nussschalen, Liebstöckel. Würziger, mittelkräftiger, kerniger Gaumen mit feinsandigem Tannin, herber Struktur, dunkler Aromatik, langer, herber Abgang.

1994 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer Vineyards: Samtenes, süsses, tiefes, komplexes, mineralisches Bouquet, Black Currant, Tabak, Zedern, Graphit, Rauch. Eleganter, dichtverwobener, vielschichtiger, ausgewogener Gaumen mit kräftiger, vielfältiger Aromatik, dichter, seidener Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.

1991 Monte Bello Santa Cruz Mountains, Ridge Vineyards: Samtenes, breites, würziges, fein marmeladiges Bouquet, Brombeeren, Minze, schwarze Kirschen, Schokolade. Üppiger, voller Gaumen mit feinsandigem Tannin, molliger Struktur, mittlerer Aromatik, trockener Abgang mit süssen Rückaromen.

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Serie B

1994  Joseph Phelps Vineyards Insignia    19/20  trinken – 2034
1992  Dominus Estate    19/20  trinken – 2030
1994 Joseph Phelps Vineyards Insignia     19/20  trinken – 2020
1992  Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon 19/20 trinken – 2030 
1992  Chateau Montelena Estate Cabernet Sauvignon  19/20 trinken – 2030

 

1992 Insignia, Joseph Phelps Vineyards: Dichtes, tiefes, opulentes, kraftvolles Bouquet, schwarzer Cassis, Eukalyptus, Rauch, Feuerstein, Korinthen, Tabak, Lakritze. Samtener, wuchtiger, kraftvoller, aromatischer Gaumen mit cremiger, konzentrierter Struktur, dichter, vielfältiger Aromatik, viel gutem Tannin, sehr langer, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.

1992 Dominus, Dominus Estate: Würziges, kräftiges, vielfältiges Bouquet, Kräuter, Blut, Eisen, Kirschen, Leder, Zwetschgen. Dichter, aromatischer, herber Gaumen mit feinsandigem Tannin, kräftiger Aromatik, mineralischer Aromatik, langer, herber Abgang mit sehr guten Rückaromen.

1994 Insignia, Joseph Phelps Vineyards: Marmeladiges, breites, süsses, üppiges Bouquet, Brombeercreme, Cassis, Eukalyptus, Schiefer, Edelhölzer. Opulenter, fruchtiger, süsser, kräftiger Gaumen mit voller Frucht, cremiger Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, üppiger Abgang mit vielen, süssen Rückaromen.

1994 Cabernet Sauvignon Special Selection, Caymus Vineyard: Würziges, breites, süsses Bouquet, Leder, Mocca, Minze, Cassis, Tabak, Dörrpflaumen. Samtener, cremiger Gaumen mit vielfältiger, kräftiger Aromatik, üppiger Struktur, sehr langer, süsser Abgang mit vielen Rückaromen.

1992 Cabernet Sauvignon, Château Montelena: Tiefes, elegantes, kraftvolles, samtenes, mineralisches Bouquet, schwarzer Cassis, schwarzer Pfeffer, Tabak. Dichter, cremiger, süsser, würziger Gaumen mit feinem Tannin, vielfältiger, kräftiger Aromatik, samtener, dichter Struktur, sehr langer, üppiger Abgang.

2015 03 AB Serie B

 

Serie C

1978  Chateau Montelena Estate Cabernet Sauvignon  19/20 trinken – 2030
1985  Ridge Vineyards Monte Bello   19/20 trinken – 2035
2001  Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon   20/20  trinken – 2040
1995  Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2034
1997  Ridge Vineyards Monte Bello  Kork  

 

1978 Cabernet Sauvignon, Château Montelena: Süsses, cremiges, opulentes Bouquet, Cassiscreme, Erdnüsse, Kräuter, Minze, dunkler Tabak. Kraftvoller, dichter, aromatischer, samtener Gaumen mit dichter, cremiger Struktur, viel feinem Tannin, kräftiger, süsser Aromatik, sehr langer, dichter Abgang mit süssen Rückaromen.

1985 Monte Bello Santa Cruz Mountains, Ridge Vineyards: Tiefgründiges, wuchtiges, gut medizinales Bouquet, Feuerstein, Kreide, Cassis, Kräuter, Leder. Wuchtiger, herber, kraftvoller Gaumen mit konzentrierter Struktur, sehr viel gutem Tannin, kräftiger, voller Aromatik, sehr langer, dichter, rustikaler Abgang mit super Rückaromen.

2001 Cabernet Sauvignon Howell Mountains, Dunn Vineyards: Kraftvolles, mineralisches, pfefferiges, würziges, gut medizinales Bouquet, kalter Rauch, Mahagoni, Dörrfrüchte, Steinmehl, Leder, schwarzer Trüffel. Kraftvoller, konzentrierter, wuchtiger, gut trockener Gaumen mit viel gutem Tannin, kräftiger, dunkler Aromatik, maskuliner Struktur, sehr langer, aromatischer, wuchtiger Abgang mit vielen guten Rückaromen.

1995 Cabernet Sauvignon Madrona Ranch, Abreu Vineyard: Würziges, süsses, kräftiges, volles Bouquet, Leder, Tabak, Schwarztee, Pferdestall, Kräuter, Rosinen, Dörrfrüchte. Eleganter, dichter, frischer, würziger Gaumen mit feinem Tannin, kräftiger, voller Aromatik, klassischer Struktur, sehr langer, dichter Abgang mit vielen guten Rückaromen.

2015 03 AB Serie C

 

Serie D:

1997  Araujo Estate Eisele Vineyard Cabernet Sauvignon 18/20  trinken – 2028
1994  Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon     
1994 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2038
1997  Dominus Estate   20/20 trinken – 2038
1991  Heitz Cellar Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2028

 

1997 Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard, Araujo Estate: Verhaltenes, herbes, würziges Bouquet, Kräuter, Rauch, kleine schwarze Beeren. Ausgewogener, eleganter, süsser Gaumen mit molliger, cremiger Struktur, guter Frucht, feinsandigem Tannin, würziger, voller Aromatik, langer, süsser Abgang.

1994 Cabernet Sauvignon, Philip Togni Vineyards: Unsaubere Flasche.

1994 Cabernet Sauvignon Madrona Ranch, Abreu Vineyard: Samtenes, opulentes, süsses, kräftiges Bouquet, Cassiscreme, getrocknete Kräuter, Eukalyptus, kandierte Früchte, Rauch. Dichter, kraftvoller, vielschichtiger Gaumen mit konzentrierter Struktur, vielschichtiger Aromatik, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter, kraftvoller Abgang mit vielen guten Rückaromen.

1997 Dominus, Dominus Estate: Dichtes, konzentriertes, komplexes, samtenes Bouquet, Kräuterbutter, Cassiscreme, Tabak, Leder, Minze. Dichter, eleganter, vielschichtiger, sensationeller Gaumen mit feinem Tannin, dichter, vielfältiger, super Aromatik, cremiger Struktur, sehr langer, dichter, super Abgang mit sehr vielen guten Rückaromen.

1991 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Cellars: Süsses, würziges, cremiges, volles Bouquet, Kräuterbutter, Cassis, Kräuter, Rauch, Minze. Ausgewogener, vielschichtiger, eleganter Gaumen mit dichterverwobener, eleganter Struktur, vielfältiger Aromatik, feinem Tannin, sehr langer, dichter, voller Abgang mit vielen Rückaromen.

2015 03 AB Serie D

 

Serie E:

1994  Peter Michael Winery Les Pavots Estate Red  19/20 trinken – 2030
1995  Pahlmeyer Proprietary Red  19/20 trinken – 2035
1994  Dominus Estate   20/20 trinken – 2030
1997  Bryant Family Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2035

 

1994 Cabernet Sauvignon Les Pavots, Peter Michael Winery: Samtenes, fein opulentes, cremiges Bouquet, Cassiscreme, fein Kräuter, Lakritze. Ausgewogener, eleganter, vielschichtiger Gaumen mit feiner Frucht, dichter, eleganter Struktur, kräftiger, süsser Aromatik, feinem Tannin, sehr langer, voller Abgang.

1995 Proprietary Red, Phalmeyer: Verhaltenes, tiefes, herbes, dunkles Bouquet, Cassis, Edelhölzer, Mocca, Tabak. Samtener, dichter, voller Gaumen mit dichter, cremiger Struktur, viel gutem Tannin, kräftiger, süsser Aromatik, langer, voller, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.

1994 Dominus, Dominus Estate: Dichtes, komplexes, tiefgründiges, mineralisches Bouquet, Pflaumen, Kräuter, Eukalyptus, Heu, Leder, Tabak. Samtener, dichter, vielschichtiger, eleganter Gaumen mit kräftiger, vielfältiger, super Aromatik, viel feinem Tannin, cremiger Struktur, sehr langer, dichter, fein opulenter Abgang mit vielen, kräftigen Rückaromen.

1994 Cabernet Sauvignon, Bryant Family Vineyards: Tiefes, dichtes, fein parfümiertes, komplexes, Bouquet, Cassiscreme, Kräuter, Zedern, Mocca, fein Eukalyptus, Jasmintee. Samtener, gut opulenter, fruchtiger Gaumen mit kräftiger, vielfältiger Aromatik, cremiger Struktur, feinem Tannin, sehr langer, dichter, üppiger Abgang mit kräftigen Rückaromen.

2015 03 AB Serie E

 
Publikumswertung:

Es ist eindrücklich wie homogen bewertet wurde. Ein weiter Beweis dafür wie schön sich aktuell die 90er Kalifornier präsentieren. In perfekter Trinkreife. Nach wie vor ist es möglich diese Weine nachzukaufen, und nicht selten sind sie günstiger als die aktuellsten Jahrgänge. Auch die siegreichen Dominus Jahrgänge finden Sie bei Vinpark.  

 2015 03 AB Resultate
Siegerfoto (mit Patient):

Links: Platz 1: Andi Meier (1992 Dominus). Mitte: Platz 3: Dani Juchli (1992 Caymus Special Selection). Rechts: Platz 2: Baschi Schwander (1997 Dominus)

2015 03 AB Siegerfoto

 

The American Beauty Hall of Fame 

 
2008
1994 Harlan Estate Red Wine
1994 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard
1986 Joseph Phelps Insignia
 
2009
1994 Bryant Family Vineyard Cabernet Sauvignon
1992 Caymus Cabernet Sauvignon Special Selection
1997 Ridge Monte Bello
 
2010
1994 Dominus Estate
1994 Peter Michael Winery Les Pavots
1998 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard
 
2011
2001 Robert Foley Vineyards Claret
2004 Shafer Vineyards Cabernet Sauvignon Hillside Select
1995 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard
 
2012
2001 Pride Mountain Vineyards Reserve Claret
1999 Etude Cabernet Sauvignon
2002 Joseph Phelps Insignia
 
2013
2002 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2001 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2002 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard 
 
2014
1975 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
1991 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
1995 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
 
2015
1992 Dominus Estate
1997 Dominus Estate
1992 Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon

 

Sassicaia 1977 – 2011

2. März 2015

Sassicaia. Nach wie vor ein magisch klingender Name für alle Weinfreunde rund um den Globus. Weltberühmt dank dem Visionär Marchese Mario Rocchetta, welcher als Bordeaux Liebhaber Mitte des letzten Jahrhunderts damit begann, in der Nähe seines Landsitz San Guido in der Maremma Cabernet Sauvignon Stöcke zu pflanzen. Ursprünglich gedacht als Hauswein in kleinen Mengen. Mit der Zeit erkannte der Marchese das grosse Potenzial, welches in den steinigen Rebbergen steckt und pflanzte weiter Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc Stöcke, um seinen Hauswein nun in grösseren Mengen kommerziell zu vermarkten. Die örtliche Weingesetzgebung interessierte ihn gänzlich wenig und brachte erstmals 1968 den Sassicaia als „gewöhnlichen“ Vino Tavola auf den Markt. Die Toskana Weinrevolution brach aus. Von den Traditionalisten nieder gemacht, aber weltweit als Kultwein hochgelobt. Der 1985er Sassicaia (Ausgabepreis 18’000 Lire) erhielt als erster italienischer Wein von Robert Parker 100 Punkte. Der Rest ist Geschichte.  

 2015 03 sassicaia 3

Den internationalen Durchbruch seines Sassicaias erlebte der 1983 verstorbene Marchese nicht mehr. Doch war er Wegbereiter und Vorbild vieler kommenden „Super Toskaner“ wie Ornellaia, Solaia, Macchiole, Guado al Tasso, Tua Rita und einigen mehr. Seit den 80er Jahren wird das Weingut von seinem Sohn Nicolò geführt Die Produktion von rund 3000 Flaschen des Erstlingsjahrgangs stieg kontinuierlich an. Heute bringt Tenuta San Guido jährlich rund 200‘000 Flaschen Sassicaia in den Handel. Die weiteren Weine sind Guidalberto (Cabernet Sauvignon / Merlot) und Le Difese (Cabernet Sauvignon / Sangiovese). Das Flaggschiff besteht praktisch immer zu 85% aus Cabernet Sauvignon und 15% Cabernet Franc. 24 Monate ausgebaut in teils neuen, teils gebrauchten französischen und slawonischen Fässern. Aktuelle Jahrgänge vom Sassicaia gibt’s bei diversen Anbietern zwischen CHF 120 – 160. Mehr Infos: www.tenutasanguido.com

Der Marchese im Interview auf winetv über die Geschichte von Sassicaia:

Das ausgebuchte Tasting durch fünf Jahrzehnte Sassicaia wurde von Verena Conte (unten auf dem Bild mit kusssignierter, fälschungssicherer Sassicaia 85) ins Leben gerufen. Verena ist langjährige Sassicaia Sammlerin und daher eine ideale, sichere Quelle für authentische Flaschen. Die Verkostung erfolgte offen im Restaurant Pecavi Belvoirpark Zürich. Alle Flaschen verfügten nach wie vor über ein perfektes Füllniveau (IN).

    2015 03 sassi verena 85 

1977  Tenuta San Guido Sassicaia  18/20 austrinken
1979  Tenuta San Guido Sassicaia  17/20 austrinken
1982  Tenuta San Guido Sassicaia   15/20 vorbei
1986 Tenuta San Guido Sassicaia   14/20 vorbei
1987  Tenuta San Guido Sassicaia  15/20 vorbei

 

Ueberrascht hat mich der älteste Jahrgang der Verkostung: 1977 Sassicaia. Sehr helles Granat; Sultaninen, Pflaumen, Anis, Leder und Rauch im sehr präsenten Bouquet. Im Gaumen eher leicht, beschwingt und erstaunlich lebendig. Auch an 1979 Sassicaia stellte ich keine hohen Erwartungen. Umso schöner das Ergebnis. Filigraner, würziger Wein. Zedern, Mocca und etwas Staub. Ebenfalls leicht im Gaumen, süss und harmonische Länge.

 

2015 03 sassi serie 1

 

Im Gegensatz zu Bordeaux ist 1982 ein bescheidenes Jahr in der Toscana. Der 1982 Sassicaia zeigt sich daher mit viel Pflaumen im Bouquet. Nasses Stroh, Torf und Schokonoten. In der Nase ist er deutlich besser als im ausgezerrten, metallischen Gaumen. Aus schwierigem Jahr auch 1986 Sassicaia, der seinen Zenit bereits überschritten hat. Leicht portig, oxydative Nase, Rauch, Torf und Zedern. Keine Frucht mehr. Im Gaumen unreife, rauhe Tannine. Sehr ähnlich leider auch 1987 Sassicaia. Da ist wenig Charme mehr vorhanden. Die Frucht ist praktisch weg. Die Aromen wirkten krautig. Im Gaumen säurebetont, unharmonisch und grün.

 

 1989  Tenuta San Guido Sassicaia  17/20  austrinken
 1991  Tenuta San Guido Sassicaia  -/- Kork
 1992  Tenuta San Guido Sassicaia  14/20 austrinken
 1993  Tenuta San Guido Sassicaia  15/20 vorbei
 1994  Tenuta San Guido Sassicaia  17.5/20 austrinken

 

Angenehm und gut entwickelt aus schwierigem Jahr zeigt sich 1989 Sassicaia. Frische, pflaumige Aromen. Anis, Pfeffer, Erde und Torf. Dazu milde Kirsch Aromen. Schlanker Körper mit unnötig hoher Säure. Sehr reif. 1991 Sassicaia korkte. Würde ihm von der hellen Farbe her etwa gleich einschätzen wie die ebenfalls kleinen Jahrgänge 1992 und 1993. Bei diesen Jahrgängen schien mir die Selektion nicht gerade rigoros. Sehr leicht, rotbeerig, mit unsauberen Noten präsentierte sich 1992 Sassicaia. Im Gaumen gefällig aber harmlos. Wie auch der kraftlose 1993 Sassicaia mit bereits ersten überreifen Aromen, Glutamat, Pfeffer und Rosinen. Sehr gut gefiel mir dafür 1994 Sassicaia. Helles Grant; Würzig, blaubeeriges Bouquet. Mineralisch. Wie seine Vorgänger leicht im Gaumen, aber diesmal harmonisch und elegant balanciert.

 

 1985 Tenuta San Guido Sassicaia   19.5/20 trinken – 2030
 1988 Tenuta San Guido Sassicaia   19/20 austrinken
 1990 Tenuta San Guido Sassicaia   18/20 trinken – 2020
 1995 Tenuta San Guido Sassicaia  18.5/20 trinken – 2020
 1997 Tenuta San Guido Sassicaia   18.5/20 trinken – 2025

 

1985 Sassicaia beindruckte mich schon beim öffnen der Flasche, morgens um 10 Uhr. Kein Wein verströmte dermassen viel dunkelbeerige, edle Aromen. Das zweite Phänomen ist seine unglaublich dunkle Farbe. Jeder Sassi aus den 90ern kam deutlich heller daher. Rubin(!); Defensiv, schwarzbeeriges Bouquet, Pfeffer, Lakritze, Caramel, Bisquit, Tannenäste, Zedern. Im Gaumen enorm jugendlich, konzentriert, dicht und beeindruckend lang.

 

2015 03 Sassi 85

 

Ebenfalls wunderbar, aber viel reifer zeigt sich 1988 Sassicaia. Granat; süsses, beeriges Bouquet, Schoko, Feuerstein und Zimt. Elegant, weich im Gaumen, fast etwas mollig. Weiter ging es mit dem Top Jahrgang 1990 Sassicaia. Dunkles Granat; Komplexes, beeriges Bouquet. Kirschen, Pflaumen aber auch schwarzbeerige Aromen. Streichholz und Zedern. Typisch für 1990 mittelschwer im Gaumen, dafür elegant und sehr lange im Abgang. Prächtig zugänglich und offen präsentiert sich der verlockende 1995 Sassicaia. Mollig, süsse Frucht. Himbeeren, Griotte, Mocca und Jod. Fein strukturiert, schön entwickelt und jetzt perfekt zum geniessen. Zapfen raus und rein ins Glas gilt auch für 1997 Sassicaia. Röstiges Bouquet. Tabak, Rauch, Zedern und Caramel. Herrlich harmonierende dunkelbeerige Aromen. Vollmundig, intensiver Sassi, mit viel Schmelz und Grösse.  

 

2015 03 sassi serie 3

 

 1998 Tenuta San Guido Sassicaia   18/20  trinken – 2025
 1999 Tenuta San Guido Sassicaia   17/20  trinken – 2025
 2000 Tenuta San Guido Sassicaia   17.5/20 trinken – 2020
 2001 Tenuta San Guido Sassicaia   18.5/20 trinken – 2025
 2003 Tenuta San Guido Sassicaia   17+/20 trinken – 2025

 

Die Jahrgänge rund um die Jahrtausendwende sind durchwegs sehr gut gelungen, deutlich konzentrierter und halten locker weitere zehn Jahre. 1998 Sassicaia ist ein kräftiger, markanter, dunkelbeeriger Wein. Würzig, etwas Teer und harmonisch begleitende Holznoten. Wird sich noch weiter verfeinern. Sehr offen, ausladend und breit kommt 1999 Sassicaia daher. Cassis, Lakritze, Peperoni. Breitschultrig, bullig. Mehr Fett als Eleganz. 2000 Sassicaia mit aktuell etwas unterdrückter Frucht. Präsente Röstaromen, Popcorn, Vanille und Rauch. Die etwas fehlende Konzentration widerspiegelt den in der Toskana mässigen 2000er Jahrgang. Erneut sehr gut schmeckte mir 2001 Sassicaia; Schönes offenes, zugängliches Bouquet. Kirschen, Pflaumen, Toast, Datteln und Schwefel. Harmonisch, gradlinig im Körper. Dicht verwobener Sassicaia mit gutem Alterungspotential.  2003 Sassicaia mit üppig, leicht marmeladig, alkoholisches Bouquet. Intensiv, dichte Struktur und Länge. Kernige Tannine. Wirkt noch sehr jung und zeigt Potenzial.

 

2015 03 Sassi korken 

 

2004 Tenuta San Guido Sassicaia   18/20  trinken – 2030
2006  Tenuta San Guido Sassicaia   19/20 trinken – 2030
2009  Tenuta San Guido Sassicaia   18.5/20 trinken – 2030
2010  Tenuta San Guido Sassicaia   18.5+/20 2020 – 2040
2011  Tenuta San Guido Sassicaia   18+/20 2018 – 2030

 

Prächtig entwickelt hat sich 2004 Sassicaia. Dunkelbeerig offenes, rauchiges Bouquet mit Vanille, Menthol, Pfeffer und Lakritze. Enorm frisch und schwungvoll, balancierter Gaumen. Jetzt in sehr schöner Trinkphase. Ganz gross ist 2006 Sassicaia. Ein hedonistischer, tief intensiver Wein. Immer noch sehr jung, ausgestattet mit kräftiger Statur und Länge. Trinkt sich unglaublich gut in dieser jungen Phase. Probieren! 2009 Sassicaia hat seinen Babyspeck bereits etwas abgelegt. Blau- und schwarzbeerige Grundaromatik, Peperoni, Mocca, Kaffee. Opulenter Köper, elegante Tannine, tolle Länge. Ein früh trinkreifer Sassicaia auf sehr hohem Niveau. Viel Geduld braucht dagegen 2010 Sassicaia. Hier hat sich noch wenig entwickelt. Immer noch primärfruchtig, massiv Cassis, Brombeeren. Dramatische Tiefe, sehr konzentriert und kräftig. Kann sich zu einem der grössten Jahrgänge entwickeln. Ebenfalls gross, wenn auch etwas weniger konzentriert ist 2011 Sassicaia. Der jüngste Jahrgang auf dem Markt, zeigt vielversprechende Ansätze. Laktisch, schwarzbeerig, Kalk und Gewürze. Abgerundete Tannine. Bereits jetzt in schöner Balance.

 

2015 03 sassi serie leer

Inflation der Rekorde im Napa Valley

1. März 2015

Auch dieses Jahr konnte im Napa Valley wieder ein alter Rekord gebrochen werden. Die Weine des Jahres 2013 und die ultrararen Boutiqueweine  mit 5 bis maximal 20 Kisten wurden an der Premiere Napa Valley (PNV) während drei intensiven Degustationstagen präsentiert. Insgesamt wurden mindestens 400 verschiedene Weine aller möglichen Rebsorten zusätzlich zu den 225 Auktionslots zur Probe in Reih und Glied dem Weinfachhandel und Handel präsentiert. Die PNV brachte über $ 6 Mio. ein. Ein neuer Rekord!

2015 03 napa auction

Napa Valley scheint nicht nur mit viel Sonne ausgestattet, sondern ist wahrlich sonnenverwöhnt. Der Jahrgang 2013 wird nach dem bereits hervorragenden, aber rasch zugänglichen 2012 nochmals eine Bewertungsnote zulegen. Die Weine präsentierten sich mit enormer Tiefe, guter Komplexität, viel Frucht, aber im Gegensatz zum Jahrgang 2012 mit deutlich mehr Struktur. 2012 gefällt bereits jetzt schon zum Trinken. 2013 wird die Geduld der Weinliebhaber zwar strapazieren, aber das Warten bis die Weine die optimale Reife erreichen, belohnen. Meine Beurteilung ist: 2013 wird besser als 2007! Hier kommt ein Jahrgang, welcher uns ganz viel Freude und Kummer (Preiserhöhungen von ca. 15% sind angesagt) bereiten wird. Der nachfolgende Jahrgang 2014 habe ich in etlichen Fassproben getestet zeigt auch viel Struktur, etwas weniger stoffige Kraft und eher härtere , weniger geschliffene Tannine. 2014 (97/100 Punkte) wird irgendwo eine Kombination von 2012 (96/100) und 2013 (100?/100) werden. 3 hervorragende Jahrgänge erwarten bald die Konsumenten und die Vorfreude ist gross. 

2015 03 napa auct1 
Zu den Highlights der diesjährigen PNV gehörten folgende  100% Cabernet Weine in Spezialabfüllungen des Jahres 2013: Brand und Fairchild (Weinmacher Philipp Melka), Memento Mori und Arkenstone (Weinmacher Sam Kaplan), Vineyard 7&8 (Martha McClellan) und die bekannten und etablierten Weingüter Spottswoode, Larkmead, Shafer, Seavey(!) oder auch Continuum. Geheimtipps sind Arrow&Branch und Aloft.  Arrow&Branch wartete mit einer Cab Franc dominierten Version auf. Die Reben in Coombsville/Napa wurden ursprünglich von Tony Soter gepflanzt. Das Team um Mike Wolf (Scarecrow) bewirtschaftet die Reben und Jennifer Williams (ex-Spottswoode) ist die Weinmacherin. Grosse Klasse. Cabernet-Sauvignon Ergänzung aus der Dr. Crane Lage in St. Helena.  Aloft wird von den Mondavi-Töchtern gekeltert. Dabei werden sie von Thomas Rivers Brown unterstützt. Eigentlich brauchen sie den gar nicht, ist doch Angelina Mondavi auch Weinmacherin bei Hundred Acre. Hier entwickelt sich ein grosses Mondavi-Comeback!

2015 03 aloft

Tolle weisse Weine waren Lail (100% Sauvignon Blanc). Wahnsinnige frische Zitrusfrucht und Lychee und Grapefrucht Nase! Im Abgang wollte der Sauvignon Blanc gar nicht mehr enden. Grgich lancierte einen tollen Jubiläums Chardonnay (nachgeahmt dem berühmten Paris Tasting). Etliche ältere Weingüter sind in den Startlöcher, ein Comeback zu lancieren. Beringer gefiel hier am besten. Andere alte haben noch Probleme und nicht die vergangene Klasse.

Ausserhalb der PNV Lots durften wir Tastings bei den Weinen von Celia Welch (Keever, Corra, Lindstrom und dem sagenhaften und ältesten Cabernet Reben von 1944 bei Scarecow) machen. Kann nur sagen, Celia macht unglaubliche Weine.

2015 03 welch

Scarecrow 2012 ein Muss! J. Daniel Cuvée  2012 von Robin Daniel Lail haben ebenfalls grosse Klasse und Tiefgang mit enormer Struktur, Blaubeerigkeit und viel weichen Tanninen. Erstmals wurde Lail (ehemaliger Co-Gründerin von Dominus und Merryvale) von Parker mit 100 Punkte belohnt.

Leider negatives ist von der Preisfront zu berichten. Etliche Newcomers, aber auch etablierte Weingüter verlangen 10-20% höhere Preise für die aktuell im Verkauf befindlichen Jahrgänge. Leider scheint es bei den Bestlagen für Traubengut von Beckstoffer, To Kalon, Dr. Crane und bei anderen Anbietern explosive Preiserhöhungen bis zu 50% zu geben. So erstaunt es nicht, dass etliche Vineyards in den Startlöchern sind oder bereits gestartet haben,  zukünftig das Traubengut selber zu verarbeiten. Bestes Beispiel ist VHR (Vine Hill Ranch, welche auch Trauben an Bond (Vecina) verkauft. Jedes Jahr ziehen somit neue Weingüter ins Lande. Etliche mit erstaunlichem Debüt!

Am Rande bemerkt. Bill Harlan baut in Oakville nahe bei Bond und unterhalb von Futo seine Winery von  Promontory (Erstjahrgang 2009 wurde lanciert im Herbst 2014). Ein Rundgang mit Bob Levy (Weinmacher von Harlan und vom TNVR) offenbarte  die tolle Lage der Reben und der neuen Winery.  Diese wird sich ab 2016 (Herbst) dem breiten Publikum öffnen.

2015 03 promotory

Erstmals wird Harlan auch für den Konsumenten ohne Beziehungen zugänglich. Zumindest theoretisch, denn  leider kosten die Weine  immer mehr. Die diversen Bond-Lageweine kosten neu $ 400. Harlan $ 800… Wie war das noch? Inflationäre Tendenzen in der heutigen Wirtschaftlage gibt es nicht? Da wird mein eigener „The Napa Valley Reserve“(TNVR)  Helvetia Selection schon fast zum Schnäppchen aus dem Hause Harlan. Doch meine Jahrgänge 2012 bis 2014 lagern noch ruhig vor sich hin in den T5-Fässern  (Reserve Barrique von Tarransaud)… 

Label des diesjährigen Rekordhalter:

2015 03 brand 2013

Spezial Barrique-Wein von Brand 2013 –  Lot ging für $ 115‘000 über die Bühne und taucht im 2017 auch in der Schweiz auf…

Great Wineries – Great Vintages

2. Februar 2015

Eine geglückte Rückkehr zu Uschi und Werner Tobler. Nicht in die Braui wie früher, sondern in den Weinrausch. Zum ersten Mal beglückten uns die beiden an neuer Wirkungsstätte in Luzern. Eugen Haefliger kramte wieder einmal ganz tief im US Raritäten Regal und lud ein zu Great Wineries – Great Vintages. Fünf legendäre kalifornische Weingüter präsentierten ihre besten Flaschen über mehrere Jahrzehnte. (mehr …)

Cos d'Estournel: 20 Jahrgänge neu verkostet

18. Januar 2015

André Kunz organisierte diese eindrückliche Kick Off 2015 Probe. Cos d’Estournel ist hauptsächlich ab den 80er Jahren stets gut vertreten in den Schweizer Weinkellern. Deshalb war es ein leichtes, genügend Teilnehmer mit einem oder mehreren Cos Jahrgängen ins Restaurant Kreuz nach Emmen einzuladen. Die Qualität stieg in dieser Zeit unter der Leitung des legendären Bruno Prâts.  (mehr …)

Und noch ein Fünfziger….

5. Januar 2015

So, jetzt sind sie alle durch. Die 1964er. Der letzte, der seinen 50. Geburtstag feierte war mein lieber Weinfreund Sven Fischer. Falls Sie ihn nicht kennen, beschreibt er sich gerne folgendermassen:  „Rieslingverliebter, Martha’s-Süchtiger und Freund einer gepflegten Weinrunde“. Sven ist einerseits als Arzt (man weiss ja nie…), andererseits aufgrund seines fundierten Weinwissens (Diplom-Sommelier) ein gern gesehener Gast an Verkostungen. (mehr …)

Best of 2014: Das Mass aller Dinge?

19. Dezember 2014

10 – 20 Punkte. Das ist der Massstab für meine Weinbewertungen. Die allergrössten Weine erhalten die Maximalnote 20/20 und sind auf der Jahres Bestenliste aufgeführt. Diese „Best of“ erfreut jeweils viele Besucher. Dies zeigt auf alle Fälle meine Webstatistik. Im Sport würde man eine solche Bewertung mit „Stilnote“ bezeichnen. (mehr …)

Kalifornien 2002: Warten. Kalifornien 2001: Geniessen!

15. Dezember 2014

Der Bestbottle Circle, rund um Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti, lud zur dritten Ausgabe ihres US Tastings „American Belle“. In der eleganten Krone in Adliswil genossen wir eng umschlungen ein tolles Menu und hervorragende Kalifornier aus den Spitzenjahren 2001 und 2002. (mehr …)

Welcome Vinpark

12. Dezember 2014

Ich bin stolz, Vinpark als neuen „Advanced Partner“ von MYBESTWINE.CH zu präsentieren. Die Fine Wine Trade Company mit beeindruckender Auswahl kalifornischer Spitzenweine im Herzen der Zentralschweiz. 2007 von Master Sommelier Christian Bock gegründet, führt Vinpark heute immer um die 2500 verschiedene Weine die sie weltweit an Weinliebhaber und Spitzengastronomie liefern.

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Nutzen auch Sie die attraktiven Möglichkeiten, welche MYBESTWINE.CH Wein- oder weinverwandten Firmen bietet.

Barolo 2010: Un' annata eccezionale!

10. Dezember 2014

„Come la vendemia?“ Schwierig, kompliziert, extrem arbeitsintensiv… Das sind Antworten, welche Sie auf die Frage nach dem Piemont Jahrgang 2014 bekommen. Mit einem Säufzer und mit Stirnrunzeln erinnern sich die Weinbauern an dieses herausfordernde Jahr. Spricht man aber vom Jahrgang 2010, und den jetzt auf den Markt kommenden Baroli, strahlen die Augen und das Schwärmen beginnt. Un annata eccezionale! Aussergewöhnlich, grossartig!. Perfekte Bedingungen, ideales Wetter, tolle Qualität und Quantität. Viele Winzer behaupten, in diesem Jahr ihren besten Barolo produziert zu haben. Das Piemont wurde eh mit einer unglaublichen Dichte an guten Jahrgängen beschert. Nach 2014 muss man bis 2002 zurückblicken, um einen schwierigen Jahrgang zu finden. 2010 reiht sich also an die Spitzenjahrgänge 2007, 2006 und 2004? Qualitativ auf jeden Fall. Dies zeigt eine Ankunftsprobe von gut einem Dutzend bekannter Baroli, organisiert von Hannes Wachtler (Enoteca Vinoverum Arlesheim).

2014 12 barolo 2
Frisch eingeräumt. Ein Blick in die neue Vinoverum Enoteca in Arlesheim

Alle Weine blind verkostet.

 

2010 Renato Ratti Barolo Marcenasco Conca 18/20 trinken – 2030
2010 Luigi Pira Barolo Marenca 18+/20 2018 – 2035
2010 Bartolo Mascarello Barolo 18.5+/20 2020 – 2040
2010 Paolo Scavino Barolo Bric del Fiasc 18+/20 2020 – 2040
2010 G D Vajra Barolo Bricco Delle Viole 17.5+/20 2020 – 2040
2010 Elio Grasso Barolo Ginestra Vigna Casa Mate 18.5+/20 2020 – 2050
2010 Mauro Veglio Barolo Arborina 19/20 trinken – 2035
2010 Gian Piero Marrone Barolo Pichemej 18+/20? trinken – 2035
2010 Luciano Sandrone Barolo le Vigne 18+/20 2020 – 2040
2010 Aldo Conterno Barolo Cicala 18.5+/20 2020 – 2045
2010 Elio Altare Barolo Arborina 19+/20 2018 – 2035
2010 Giuseppe Rinaldi Barolo Brunate le Coste -/-  
2010 Giacomo Brezza e Figli Barolo Sarmassa 19/20 2020 – 2040

 

Der erste Wein des Abends war 2010 Renato Ratti Barolo Marcenasco Conca, ein bereits sehr zugänglicher, geschliffener Wein. Starke Barriqueröstung. Kirschen, Schokolade, Cassis, Pflaumen und Teebaumöl. Feine Tannine. Elegant und modern.

2010 Luigi Pira Barolo Marenca zeigt sich stark von der beerigen Seite. Viel Kirschen, Himbeeren und Pfeffer. Blumig. Dicht und zupackend im Gaumen. Markante, solide Struktur. Braucht viel Zeit, entwickelt sich klassisch.

Grosse Klasse auch 2010 Bartolo Mascarello Barolo. Helles Granat; sehr offenes Bouquet, Pflaumen, Kirschen, Vanille, Erde. Rund im Gaumen, dicht. Sehr voluminös und bemerkenswerte Tiefe. Viel Potential.

2010 Paolo Scavino Barolo Bric del Fiasc zeigte wenig Zugang. Defensiv blau- und rotbeerige Aromen, Rauch und Gewürze. Stimmig im Gaumen, mittlere Intensität, hohe Säure. Lang im Abgang. Enorme Reserven.

Etwas wild und nach Harmonie suchend erschien mir 2010 G D Vajra Barolo Bricco Delle Viole. Zurückhaltend beerige Aromen. Kirschen, Pflaumen. Teer und feine Holznote. Im Gaumen rustikal, etwas hart strukturiert und trocken. Da wird der Wein intensiv an sich arbeiten müssen, um in zehn Jahren die nötige Harmonie zu finden. Doch alle Komponente sind da.

2014 12 baroloMehr Barrique als Barolo ist im Moment 2010 Elio Grasso Barolo Ginestra Vigna Casa Mate. Ein Duftwein. Mocca, Kaffee, Brotkruste. Kirschen, Cassis im Hintergrund. Im Gaumen absolut primärfruchtig, wild, dicht uns sehr lang. Wirkt in der Nase sehr modern. Im Gaumen eher klassisch.

Grossartig präsentierte sich 2010 Mauro Veglio Barolo Arborina. Ein Wein der jung schon viel Spass macht. Sicherlich ein moderner Barolo, dem aber in diesen grossen Jahren auch im Alter viel zuzutrauen ist. Kirschen, Pflaumen, Teer, Trüffel, Kastanien, Kaffee, Kokos und Gewürze im Bouquet. Samtige Struktur, feingliedrige Tannine, elegant und sehr lang.

Trotz einer leicht fehlerhaften Flasche (etwas flüchtige Säure) erreichte 2010 Gian Piero Marrone Barolo Pichemej eine beachtliche Publikumswertung. Vor wenigen Wochen in der Cantina bewertete ich ihn mit 19/20 trinken – 2040. Diesmal etwas tiefer wegen der leichten „Lacknote im Bouquet“. Präsente, reife Fruchtnoten. Kirschen, Pflaumen. Geröstete Haselnüsse, Minze, Teer und Trüffel. Im Gaumen geschliffen elegant. Feine Struktur uns Länge. Harmoniert bereits jetzt sehr schön.

Wohl kaum auf Piemont tippen würde ich blind bei 2010 Luciano Sandrone Barolo le Vigne. Irgendwie atypisch und einzigartig. Sehr dunkle Farbe für einen Barolo. Viel Teer, Gewürz, Rauchfleisch, Vanille, etwas überreife Pflaumennoten, Schwefel und Minze. Im Gaumen kernig, robust und sehr gehaltvoll. Erinnerte mich eher an einen Rhonewein als an Piemont…

2010 Aldo Conterno Barolo Cicala zeigte sich mit tiefgründigen, klassischen Nebbiolo Aromen. Kirschen, Erde, Tabak, Leder, Minze. Dazu Caramel und Kaffee vom Holz. Dicht, druckvoll in der Statur. Mineralisch, erdig. Braucht viel Zeit.

Begeistert hat 2010 Elio Altare Barolo Arborina. Frisches, laktisches Bouquet. Griotte, Pflaumen, Himbeeren. Elegante Holzbegleitung. Etwas Pfeffer und Tabak. Druckvoll im Gaumen, elegante Statur, sehr stimmig, harmonierender Wein bereits in seiner Jugend.

Nicht ganz optimal war 2010 Giuseppe Rinaldi Barolo Brunate le Coste mit ungewöhnlich überreifer (fast oxydiert) Nase. Rosinen, Malz. Im Gaumen aber perfekt. Komisch…

Unglaubliche Kapriolen im Glas führte 2010 Giacomo Brezza e Figli Barolo Sarmassa auf. Begann sehr zurückhaltend und entwickelte sich wie wild mit der Luft. Anfänglich stark Holz dominiert, Kaffee, Nougat. Später mehr beerige Aromen, Kirschen, Pflaumen. Viel Würze und etwas Schwarztee. Intensiv und kräftig im Gaumen, viel Potenzial. Erdiger, Terroir orientierter Barolo.

Die Publikumswertung finden Sie auf Vinoverum. und die Anleitung zum perfekten Brasato dazu gibt’s hier:

 

Hedonist statt Chronist

6. Dezember 2014

Die alljährliche Bestbottle um die Samichlauszeit führte uns diesmal nach Eschenbach. René Gabriel und sein Sous-Chef Patrick Bopp zauberten ein lustvoll, urchiges Mittagsmenu auf den Tisch. Für die Weinauswahl sorgte jeder Teilnehmer selber. Ich liebe diese ungezwungenen, genüsslichen Moment! An solchen Nachmittagen bin ich jeweils mehr Hedonist als Chronist… (mehr …)

Cab & Turkey Vol. 4: The Wines of Pritchard Hill – Napa Valley's hottest Address

2. Dezember 2014

Bereits zum vierten Mal feierten wir unseren Thanksgiving Lunch. Dem Truthahn ging’s diesmal im Restaurant Old Swiss House Luzern an den Kragen und die Weine kamen vom Pritchard Hill via Eugen Haefliger zu uns. Zur Zeit wohl das trendigste und meistbeachtete Gebiet im Napa Valley. Pritchard Hill ist keine offizielle Appellation. Der legendäre Don Chappellet beschrieb die Lage mal als ein „Loch“ zwischen Oakville, Howell Mountain, Stags Leap Destrict, Rutherfold und Chiles Valley. Der Hügel bekam seinen Namen Ende des 19. Jahrhunderts von Charles Pritchard, der die ersten bescheidenen Zinfandel- und Rieslingstöcke pflanzte. Pritchards Hill’s Moderne begann mit dem Bau der Chappellet Winery 1967. 1978 zogen David Arthur Long und sein Vater Donald an den Hügel und pflanzten ihren ersten Vineyard. David Long arbeitete vorher bei Joseph Phelps und bei Chappellet, wo er sich des enormen Potenzials des Pritchard Hills bewusst wurde. Die David Arthur Winery produzierte 1985 den ersten Chardonnay und Anfangs 90er Jahre wurden die ersten Cabernet Sauvignon Weine abgefüllt.

David Long über David Arthur Winery:

Das Hauptaugenmerk des Events galt (nebst dem Truten-Güggel) David Arthur’s Flagschiff „Elevation 1147“. Ein sortenreiner Cabernet Sauvignon Wein, selektioniert aus den jeweils besten Trauben. Ausgebaut in 100% neuen französischen Barriques. Der Name stammt vom höchsten Punkt des Grundstücks, welcher 1147 „feet“ (350 Meter) über Meer liegt. Produziert werden jährlich etwa 8000 Flaschen. Aktuelle Jahrgänge kosten rund CHF 150 die Flasche.

2014 12 Cab 1147 total

 

1996 David Arthur Elevation 1147 19/20 trinken – 2025
1997 David Arthur Elevation 1147 19/20 trinken – 2025
1998 David Arthur Elevation 1147 18/20 trinken – 2020
1999 David Arthur Elevation 1147 17/20 trinken  2030

 

Es war ziemlich still im Old Swiss House Rittersaal… Man spürte förmlich die Ueberraschung und Begeisterung bei den Gästen. Da war einerseits dieser unglaublich schöne 1996 David Arthur Elevation 1147. Lediglich 100 Kisten wurden von diesem Erstlingswerk abgefüllt. Eugen Haefliger war von Anfang an dabei und erkannte sofort, dass hier etwas Besonderes heran wuchs. Der Wein ist jetzt in perfekter Trinkreife. Enorm würzig, erdig. Mit Aromen von Rauch, Harz aber auch einen feinen rotbeerigen Schimmer. Aus dem Kalifornischen Top Jahr dann 1997 David Arthur Elevation 1147.  Reife blau- und schwarzbeerige Nase. Röstige Begleitaromen, Minze. Mineralisch, erdig. Torf, Russ und Jod. Ein toller Wein, grossartig strukturiert und mit beeindruckender Länge.1998 David Arthur Elevation 1147 war ausgestatten mit einem traumhaften Bouquet. Sehr cremig, röstig. Vanille, Bittermandeln und milden schwarzbeerigen Aromen. Dem Jahrgang entsprechend etwas weniger dicht als seine beiden Vorgänger, aber ein sehr stimmiger Wein und jetzt wunderbar zu trinken. 1999 David Arthur Elevation 1147 zeigte sich offen, füllig. Mit süss, reifen Aromen. Dazu Vanille, Leder, Tabak, Peperoni, Kamin. Opulent im Gaumen, etwas sandige Tannine und leicht metallischen Abgang.

 

2000 David Arthur Elevation 1147 17/20 austrinken
2001 David Arthur Elevation 1147 18/20/? trinken – 2020?
2002 David Arthur Elevation 1147 19.5/20 trinken – 2035
2003 David Arthur Elevation 1147 17/20 trinken – 2020

 

Ähnlich wie der 98er präsentiert sich 2000 David Arthur Elevation 1147. Süsses, barriquedominiertes Bouquet. Toast, Gianduja, Kokos, Schoko. Darunter Pflaumen und Cassis. Im Gaumen etwas einfacher strukturiert. Nicht ganz optimal schien 2001 David Arthur Elevation 1147. Er dürfte aus diesem Spitzenjahr noch nicht so reif sein. Viel dunkle Schokolade im Bouquet. Etwas Maggikraut und Pflaumen. Im Gaumen super, voluminös und sehr lang. Aber die Nase hängt. Möglicherweise nicht optimale Flasche. Keinen Zweifel offen liess 2002 David Arthur Elevation 1147. Würzig und edel schwarzbeerig in Bouquet. Dazu seine typische mineralischen Noten und Torf. Sogar etwas Lavendel und Himbeeren. Grandioser Wein mit einer prächtigen Balance und Länge. Jede Suche wert (wie übrigens einige weitere Jahrgänge….). Ein enorm charaktervoller, eigenständiger Cab, abseits des Napa Mainstreams. Etwas zurückhaltender dagegen 2003 David Arthur Elevation 1147. Defensives Bouquet, rustikaler und leicht alkoholisch.

 

2004 David Arthur Elevation 1147 18.5+/20 trinken – 2035
2005 David Arthur Elevation 1147 19+/20 trinken – 2040
2006 David Arthur Elevation 1147 18.5+/20 2020 – 2045
2007  David Arthur Elevation 1147  18.5+/20  2020 – 2045
2008 David Arthur Elevation 1147 18.5+/20 2020 – 2040

 

2004 David Arthur Elevation 1147 ist trotz seiner Jugendlichkeit jetzt grossartig zu trinken. Erdig, klassische Düfte. Harz, Tabak und Himbeeren begleiten die dunkelbeerige Grundaromatik. Rund, harmonisch im Gaumen mit Potenzial für weitere 20 Jahre. Phantastisch auch 2005 David Arthur Elevation 1147. Minzig, röstiges Bouquet. Cassis, Brombeeren und Zedern. Gehaltvoll, edel strukturiert. Säure und Gerbstoffe geschliffen integriert. Grosses Entwicklungspotenzial (auch punktemässig). Unbedingt kaufen! Gute Ansätze zeigt selbstverständlich auch 2006 David Arthur Elevation 1147. Mit rauchig, würzigem Bouquet. Im Gaumen komprimiert. Schwarzbeerig, dicht. Im Moment wenig Zugang. Braucht Geduld. Genau wie 2007 David Arthur Elevation 1147, der nur so strotzt vor Kraft und Fülle. Rauch, Teer, Eukalyptus. Süsse schwarzbeerige Aromen. Im Gaumen alles enorm primärfruchtig, kompakt und füllig. In zehn Jahren, gerne wieder! Auch 2008 David Arthur Elevation 1147 ist sehr gut unterwegs und steht dem 07er in nichts nach. Primärfruchtig, Cassis, Brombeeren. Viel Mineralität, erdige Aromen. Druckvoll im Gaumen, viel Stoff und Reserven.

2014 12 cab menu2014 12 cab turkey

Auch Ann Colgin zog es an den Prichtchard Hill. 2002 baute sie dort ihre eigene Winery oberhalb des Lake Hennessey direkt neben ihrem IX Estate Vineyard (Number 9 Estate). Der Weinberg ist bestückt mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot für den IX Red und eine separate Parzelle mit Syrah für den IX Syrah. Bereits der erste Jahrgang (2002) wurde mit 100 Parker Punkten geadelt. Jährlich gibt’s rund 15‘000 Flaschen IX Red. Der Wein kostet zwischen CHF 300 – 500 die Flasche. Ein Tasting Highlight 2015 wird eine umfassende Colgin Probe sein mit all ihren verschiedenen Raritäten

 

2004 Colgin IX Estate Red Wine 19/20 trinken – 2035
2005 Colgin IX Estate Red Wine 19+/20 2020 – 2050
2006 Colgin IX Estate Red Wine 19.5+/20 2020 – 2040
2007 Colgin IX Estate Red Wine 19+/20 2020 – 2050

 

2004 Colgin IX Estate Red Wine ist ein Paradebeispiel, was man von Colgin Weinen erwartet und erhofft. Süsse Beeren, elegant strukturiert. Nie überladen, extrem schön balanciert. Mit betörend, stimmiger Nase. Creme Cassis, Himbeeren, Feuerstein und Russ. Voluminöser Gaumen. Spitzige, frische Säure und tolle Länge. Weniger zugänglich, aber möglicherweise mit noch mehr Potenzial ausgestattet ist 2005 Colgin IX Estate Red Wine. Viel dunkle Beeren, Toast, Erde, Vanille, Pfeffer und Lavendel. Kraftvoller Körper, griffig, zupackend und enorm lang. Beim 2006 Colgin IX Estate Red Wine läuft man aufgrund der 100 Parker Punkte natürlich wieder Gefahr ihn zu früh zu öffnen. Klar ist dieser 2006er jetzt schon verlockend schön und wunderbar zu trinken, doch sein enorm komplexes Gesamtbild wird er erst in zehn Jahren zeigen. Dasselbe gilt für 2007 Colgin IX Estate Red Wine. Explosive, süsse, beerige Noten im Bouquet. Viel Primärfrucht, verlockendes Toasting. Dramatische Tiefe und überragende Balance. Traumstoff…

Colgin IX Red Serie im Old Swiss House

Colgin IX Red Serie im Old Swiss House

 

 

Immer mehr Weingüter entstehen am Pritchard Hill. Inzwischen sind es bereits 16. Ein kleiner Auszug davon präsentierten wir anhand des Spitzenjahrgangs 2007

Pritchard Hill Winery Map

Pritchard Hill Winery Map

 

2007 Chappellet Pritchard Hill Estate Vineyard 19/20 trinken – 2045
2007 Continuum Propietary Red 18/20 trinken – 2030
2007 Ovid Winery Proprietary Red Wine 20/20 trinken – 2040
2007 Bryant Family 18.5+/20 2020 – 2040

 

Das Urgestein am Pritchard Hill ist die Chappellet Winery. Seit 1969 entstehen hier Spitzenweine wie der 2007 Chappellet Pritchard Hill Estate Vineyard. Ein Blend aus 77% Cabernet Sauvignon, 12% Petit Verdot, 8% Malbec, 2% Merlot und 1% Cabernet Franc. Ein beeindruckendes Beispiel, welches das ausserordentliche Terroir repräsentiert. Die dunkelste Farbe aller Weine dieses Tages. Cassis, Erdbeeren, Himbeeren. Leichte Teer Noten, Gewürze und Holz. Dramatische Tiefe, geniale Länge und kräftige Statur. Massiv ohne überladen zu wirken.

2005 errichtete Tim Mondavi sein Schmuckstück am Pritchard Hill. Continuum ist heute das zweitgrösste Weingut der Region. Der 2007 Continuum Propietary Red (60% Cabernet Sauvignon, 22% Cabernet Franc, 18% Petit Verdot, 12‘000 Flaschen ist ein jetzt schon zugänglicher, sehr schöner Wein. Klassische Cabernet Aromatik, mit leicht üppiger Frucht. Modern vinifiziert, mit Substanz und Länge. Den sehr jungen Reben fehlt logischerweise noch ein wenig die Komplexität, doch es wird spannend sein dieses neuste Mondavi Projekt zu verfolgen.

Schlichtweg sensationell war 2007 Ovid Winery Proprietary Red Wine (47% Cabernet Sauvignon, 35% Cabernet Franc, 11% Merlot und 7% Petit Verdot). Traumhafte, edle Röstung begleiten im Bouquet die perfekt reifen dunkelbeerigen Aromen. Lakritze, Torf, Caramel, Mocca. Der Wein verfügt über eine grossartige Substanz, seidenfeine Struktur, ist jung und doch schon so harmonisch. Ein bewegender Moment mit einem ausserordentlichen Wein. Mehr zu Ovid.

Schwer zugänglich war 2007 Bryant Family. Man spürt den Druck und die Kraft, welche in ihm steckt. Alles ist noch primärfruchtig. Er reift sehr langsam. Verfügt über ein kerniges Tannine- Säuregerüst. Alles ist da. Jetzt braucht es nur noch Geduld… Vielleicht reichen ja 18 Monate. Dann steigt unsere grosse Bryant Family Vertikale

 2014 12 cab letzte serie

 

 

2014 12 Cab Ovid

 

Blick von der Chappellet Winery über den Pritchard Hill auf den Lake Hennessey

Blick von der Chappellet Winery über den Pritchard Hill auf den Lake Hennessey

Tanti Auguri Marcello! Seconda Parte: Tartuffo internazionale

25. November 2014

Wie schon im ersten Teil erwähnt, erstreckte sich Marcello Botti’s Geburtstagsparty über mehrere Tage. Am Freitagabend wurde in der Osteria La Libera in Alba gefeiert. Mit prächtigen Magnums aus aller Welt. Ein typisches Langhe Abendessen mit globalen Weinen. Piemonte internazionale! (mehr …)