Tartuffo und Piemontesische Weinraritäten: Schnupperkurs

20. November 2014

Tanti Auguri! Marcello Botti wurde 50. Ein Geburtstag in seiner Lieblingsweinregion: Dem Piemont. Da die Langhe nicht gerade um die Ecke liegt, feierte Botti gleich mal fünf Tage lang und reiste mit seiner Truppe kreuz und quer durchs Piemont. Weinproduzenten Besuche, tolles Essen, Trüffelmarkt in Alba und Wellness im Hotel. Normalerweise füllen Piemontbesucher ihren Kofferraum bei der Heimfahrt kräftig. Nicht so Marcello. Er transportierte Dutzende Flaschen (v.a. Magnums) aus seinem Keller nach Monforte und in die entsprechenden Restaurants. In weiser Voraussicht, dass nicht alle Gäste fünf Tage Nebbiolo und Barbera überstehen, entschied er sich für eine internationale Weinauswahl (ein weiterer Bericht dazu folgt später an dieser Stelle). Auf dem Bild: Das Geburtstagskind mit seiner bezaubernden Gattin Gabriela.

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Der letzte Abend allerdings galt ganz den Piemontesischen Weinraritäten aus über 50 Jahren. Passend dazu ein traditionelles Trüffel Menu im Restaurant Ca d’Linet in Coazzolo. Chef und Tartuffo Experte Maurizio fand in der Nacht zuvor einen über 200 Gramm schweren weissen Trüffel, den er uns über Carpaccio, Spiegelei und Tagliolini hobelte. Maurizio hatte sichtlich Spass an uns, und weckte um Mitternacht sogar noch seine zwei Trüffelhunde für einen Gratis Schnupperkurs in Sachen Knollensuche. Die beiden Supernasen schienen aber dermassen aus dem Häuschen ob so viel Trüffelaromen um sie herum. Kein Wunder – bediente sich doch fast jeder Gast zum Abschied noch aus Maurizios privatem Trüffel Take-Away.

Ein lecker traditionelles 10 Gang Menu, 200 gr weissen Trüffel, Weinraritäten aus einem halben Jahrhundert und eine brasilianische Küchenchefin! Piemont Herz, was willst Du mehr…? Grazie Marcello!

1958 Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva 10/20 vorbei
1943 Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva 11/20 vorbei
1964 Poderi Oddero Barolo 10/20 vorbei
1964 Gaja Barbaresco 12/20 vorbei
 

2014 11 piemont1

Leider keine Überlebenden im ersten Flight… Schon die trübe, rostige Farbe beim Einschenken liess auf nichts Gutes mehr hoffen. Einzig der 1964 Gaja Barbaresco bestätigte das „piemontesische Säure Klische“. Sogar in einem toten Wein schwebte da noch ein Säure Gespenst im Glas herum. Zu dieser Serie fällt mir leider nichts anderes ein, als dass kürzlich in Barbaresco ein alter Sarg gefunden wurde…

1982 Gaja Barbaresco 17/20 vorbei
1971 Prunotto Rabaja Barbaresco 20/20 austrinken
1985 Giuseppe Mascarello e Figlio Monprivato Barolo -/- austrinken
1947 Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva 18/20 austrinken
 

2014 11 piemont2Dramatisch besser wurde es in der zweiten Serie. Schön präsentierte sich der pflaumig, würzige 1982 Gaja Barbaresco. Anfänglich etwas muffig, legte er im Glas noch ansprechend zu. Tabak, Moos, Erde und immer noch feine Kirschen Noten. Elegant im Gaumen mit lebendiger Säure. 1971 Prunotto Rabaja Barbaresco ist „Old Fashion“ Piemont Traumstoff vom Feinsten. Der Wein faszinierte mich von Anfang an. Ein wunderbar zärtlicher, feingliedriger Barbaresco. Herrlich gereift und jetzt in perfekter Reife. Es scheint, als wäre der 2014 11 piemont8Wein für heute Abend gemacht. Rauch, röstige Aromen, Trüffel, Erde, Leder und Stroh. Seidenfein im Gaumen, dermassen leicht und mit atemberaubender Tiefe. Gigantisch! Man bedenke der Techniken jener Zeit. Der Preis damals und was wir jetzt hier im Glas erleben. Ich war zuerst bei 18/20, stellte das Glas zur Seite und trank den Rest erst nach der nächsten Serie. 19/20. Beim Fotografieren entdeckte ich ein halbes Dezi in der Flasche…20/20. Weiss Gott, was noch passiert wäre, hätte ich mir den verbleibenden Schluck von Thomas Krieg neben mir ergattern können….

Grossartig auch der 1947 Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva, mit mineralischer Note, Torf, Leder. Fein abgerundet, immer noch lebendig und mit toller Länge ausgestattet. Ohne Bewertung, da es sich eindeutig um eine schlechte Flasche handelte, blieb der oxydierte, muffige 1985 Giuseppe Mascarello e Figlio Monprivato Barolo.

  
1988 Elio Altare Arborina Barolo 18.5/20 austrinken
1989 Roberto Voerzio Cerequio Barolo 17/20 austrinken
1990 Domenico Clerico Ciabot Mentin Ginestra Barolo 13/20 vorbei
1989 Produttori del Barbaresco Asili Barbaresco Riserva 16/20 vorbei
 

2014 11 piemont3Ein Klassewein ist 1988 Elio Altare Arborina Barolo. Typische Nebbiolo Aromatik, immer noch dunkle Kirschen, Brombeeren, Teer, Gewürze. Super balanciert mit einer stabilen Spannung von Auftakt bis Abgang ausgestattet. Auch 1989 Roberto Voerzio Cerequio Barolo überzeugte mit viel Dörrfrüchten im Bouquet, etwas animalisch rustikal im Gaumen und sehr elegantem Abgang. Voll schräg war 1990 Domenico Clerico Ciabot Mentin Ginestra Barolo. Die Clerico Weine sind modern gemacht. So modern wie sein futuristischer Weinkeller vor Monforte, der eher an eine Raketenabschussbasis erinnert als an eine Cantina. Die Nase bereits mit Maggikraut überreif und ranzig. Im Gaumen dermassen Säure und Gerbstoffe. Auf den Mond damit! Da gefiel mir 1989 Produttori del Barbaresco Asili Barbaresco Riserva um einiges besser. Natürlich ein einfacher gestrickter Barbaresco, mit animalischen Noten. Dazu Feigen, Trüffel, Gewürze. Rustikal strukturiert mit leicht austrocknendem Abgang. Gut gereift.

 
1990 Gaja Sperss Barolo 17/20 austrinken
1990 Roberto Voerzio La Serra Barolo 18/20 austrinken
1989 Aldo Conterno Granbussia, Barolo Riserva 16/20? vorbei
1989 Gaja Barbaresco 18.5/20 austrinken
 

Gut, aber für den Jahrgang leicht enttäuschend erlebte ich 1990 Gaja Sperss Barolo. Im Bouquet Rauch, Teer, Wildfleisch. Wenig Frucht, etwas muffig. Zeigt schöne Reife und Grösse im Gaumen. Schwierige Flasche. Nachdegustieren? Wer hat? Spontan gefiel da 2014 11 piemont4der moderne 1990 Roberto Voerzio La Serra Barolo besser. Röstige Nase. Nuss, Popcorn, Kokos und Kaffee. Stoffig, zupackend im Gaumen und kräftig bis in den langen Abgang. Leider auch nicht in Bestform befand sich 1985 Aldo Conterno Granbussia, Barolo Riserva. Wenn man andere Notizen liest, zweifelt man auch hier an der Flaschenqualität oder der Herkunft/Lagerung. Ein würzig, reifer Barolo, mit Torf- und Trüffelnoten, etwas Kirschen und Rosinen. Schön, aber harmlos. Bleibt noch zum Abschluss der wunderbare, klassische 1989 Gaja Barbaresco Dunkelbeeriges, defensives Bouquet. Sultaninen, Minze, Tabak und Kirschen. Vollmundig, elegant im Gaumen. Präsentiert sich jetzt in seiner End-Trinkphase.

In Kürze online: Tanti Auguri Marcello Teil 2 und 12 Spitzenbaroli vom Prachtsjahrgang 2010.

Bordeaux 2000: Wann immer möglich!

13. November 2014

Bordeaux 2000 gehört zu meinen Lieblingsjahrgängen. Er gehört zu den seltenen Jahrgängen, welcher das ganze Bordelais reichlich beschenkt hat. Ob Links oder Rechts, Cabernet oder Merlot. Einfach Top! Beste Wetterbedingungen und perfektes Traubengut. Qualitativ sowie quantitativ aussergewöhnlich. Zusammen mit dem Milleniums Hype natürlich auch ein Grund um kräftig aufs Preispedal zu treten. Ich habe trotzdem einiges gekauft und nach den schwierigen 2001ern und 2002er nochmals nachgekauft. Die meisten Kisten sind allerdings noch verschlossen und in sicherer Reichweite vor mir selbst. Deshalb nutze ich jede Möglichkeit, um mir ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Diesmal bot sich die Gelegenheit im Restaurant Una Storia in Sempach, wo René Gabriel ein Dutzend 2000er öffnete. Je eine Viererserie St. Julien, St. Estèphe und St. Emilion.

 

2000 Lagrange 18/20 trinken – 2025
2000 Ducru Beaucaillou 19+/20 2018 – 2045
2000 Léoville Barton 18.5+/20 2018 – 2045
2000 Léoville las Cases 19/20 trinken – 2045

 

2014 11 bx2000

Ein ganz sicherer Wert und verlockend schön ist 2000 Lagrange. Offenes, toastiges Bouquet. Kaffee Mocca, blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Ein Wein, der schon früh begeisterte und sich gar nie zurückzog. Sehr erhaben und gross präsentierte sich 2000 Ducru Beaucaillou, Erdig, würziges Bouquet. Dazwischen frische Cassisaromen, Holunder, Zedern. Im Gaumen reifeverlangend. Viel Stoff, und die entsprechend massiven Tannine. Kommt auf jeden Fall (sehr) gut! Auch 2000 Léoville Barton ist in fünf bis zehn Jahren eine sichere Bank. Jetzt eher defensiv, schwarzbeerig, aber auch florale Noten. Zedern. Die Frucht fehlt im Moment etwas, daher wirkt er zugeknöpft und uncharmant. Im Gegensatz zu 2000 Léoville las Cases, der – obwohl auch er noch lange nicht in seiner Trinkreife ist – bereits jetzt schon harmonisch elegant wirkt. Schwarzbeerig, etwas Lakritze, edle Mocca Röstung. Konzentriert im Gaumen, tolle Balance und sehr lang im Abgang.

 

2000  Tronquoy-Lalande 17.5/20 trinken – 2025
2000  Beau Site 15/20 trinken – 2025
2000 Cos d’Estournel 18.5/20 trinken – 2030
2000 Montrose 18.5+/20 2020 – 2050

 

2000 Tronquoy-Lalande ist ein vorzüglicher Wein. Das Beste aus dem Topjahr herausgeholt und zu fairem Preis angeboten. Jugendliches Bouquet, irgendwie immer noch recht primärfruchtig mit schöner Holzbegleitung. Im Gaumen mittelschwer, leichte Pilznote, rustikal strukturiert. 2000 Beau Site wirkt im Bouquet defensiv. Pflaumen, Zedern und Vanille. Im Gaumen zu harte Tannine, viel Säure und einen leicht muffigen Unterton. Ein önologischer „Trickbetrüger“. Man könnte annehmen, er sei einfach zu jung und brauche Zeit. Doch daraus wird nichts. In zehn Jahren wirkt er zwar abgerundeter, dafür frucht- und freudlos.

2014 11 bx2000c2000 Cos’d Estournel gefällt und enttäuscht zugleich. Das Positive: Er ist jetzt wunderbar zu trinken. Anmutig, erotisches Bouquet. Prachtvoll schwarbeerig, mit edlen Barriquearomen. Mocca, Kaffee, Caramel, Lakritze und Tabak. Im Gaumen rund, angenehm, ohne Ecken und Kanten. Und das ist der nachdenkliche Teil dieses Weins. Bei Cos erwartet man in einem dermassen grossen Jahr einfach mehr Stoff. Er passt von seiner Art gut zu 1998 oder 1999. Aber 2001 und folgende wirken dann konzentrierter. Erneut ein Cos d’Estournel aus der Übergangsphase zweier Generationen. Einen ganz anderen Weg schlägt da 2000 Montrose ein. Hier geht in grossen Jahren selten etwas vor 20 Jahren Ruhe. Zugeknöpft bis oben hin. Defensiv dunkelbeerig, etwas Teer, Peperoni. Kräftiger Körper, präsente Säure, gesunde Gerbstoffe. Alles ist da für einen ganz grossen Montrose (in zehn Jahren). Reife Montrose, welche jetzt Spass machen sind: 1989, 1990, 1995 und 1996.

 

2000 Beauséjour-Bécot 18/20 trinken – 2025
2000  Magdelaine 17/20 trinken – 2020
2000 Figeac 19/20 trinken – 2040
2000 Pavie 18?/20 trinken – 2035

 

2014 11 bx2000bOb Links oder Rechts: Bordeaux 2000 ist uferlos gross. Jetzt zugänglich und in erster Trinkreife präsentiert sich 2000 Beauséjour-Bécot. Würzig, pflaumiges Bouquet. Etwas Zedern, Toast, Schoko und Leder. Wirkt im Gaumen ausgeglichen und stimmig. Wie auch 2000 Magdelaine, der reifste Wein in der St. Emilion Serie. Granat; Dörrfrüchte, Sultaninen und Pflaumen in der Nase. Mittelschwerer Körper ohne Ecken und Kanten. Ganz gross zeigt sich erneut 2000 Figeac, den ich vor wenigen Tagen ebenfalls fraglos mit 19/20 bewertete. Dichte Aromenvielfalt. Cassis, Leder, Pfeffer, Muskat. Attraktiv im Gaumen, verlockend elegant. Bringt viel Spannung vom Auftakt bis zum langen Abgang. Zeigt sich im Moment offener als der ebenfalls sehr grosse 1998er. Hier lohnt sich sogar noch ein Nachkauf.

Stirne runzeln dann beim 2000 Pavie. Vor zwei Jahren mit klaren 20/20 im Glas und seither leider nicht mehr probiert. Hier läuft etwas schief, oder es handelte sich um nicht optimale Flaschen. Fülliges, süsses Bouquet. Klar dunkelbeerig, Lakritze und Minze, aber auch leider eine gewisse Lack Note, was auf flüchtige Säure hinweisen könnte. Im Gaumen wirkt er konzentriert, alles irgendwie zu extrahiert und daher trocken. Wo in seiner Jungend eher zu viel Fett da war, klafft im Moment eine „Eleganz Lücke“. „Wohin des Weges, Du nobler Pavie?“ Hoffentlich krieg ich bald die Chance für eine Klarstellung oder Bestätigung….

Von Traumstoffen, zwei leidenschaftlichen Genussmenschen und einem Superdekanter

10. November 2014

Endlich schaffte ich es, bei einer „Traumdepot“ Veranstaltung von Christoph Wey dabei zu sein. Leider ergibt sich die Gelegenheit nur noch selten. Mit gutem Grund. Denn sein neues Projekt heisst „ZIAB“ „Zu Hause isst’s am besten.“ Natürlich geht’s auch bei ZIAB um Genuss und Leidenschaft. Zusammen mit Reto Fust sind die beiden ein eingespieltes „Störkoch Duo“. Fust kocht – Wey stört… Um die Arbeitsaufteilung dennoch fair zu gestalten, schreibt Christoph Wey über diese kulinarischen Momente und hält sie bildlich fest. Daraus entstehen Geschichten, Rezepte und Emotionen. Und dies wollen die beiden in Zukunft mit uns teilen. Ein Genussbuch entsteht. Mehr als „nur“ ein Rezeptbuch. „Ungeschliffen, vielfältig und lebensnah“, wie sie auf ihrer Webseite schreiben. Gut Ding will Weile haben. Ende 2016 ist es soweit. Bereits jetzt gibt’s Einblicke zu diesem spannenden Projekt unter www.ziab.ch.

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Der freitägliche „traumSTOFF“ Abend entsprach ganz der Philosophie von Reto (links) und Christoph (rechts). Zusammensitzen, über unser Hobby schwärmen, Gedanken austauschen, glücklich sein. Wir fühlten uns wohl, umgeben von feinsten Stoffen im Glas wie auch um uns herum (die Verkostung fand Peter Millar Flagship Store in Sihlbrugg statt). Dazu auserlesener Käse, Fleisch und köstliche Brote. Genuss pur!

Mit dabei war auch Thomas Theiler. Der gelernte Maschinenzeichner und Metallbauer stellte seinen „mechanischen Sommelier“ vor. Ein feinmechanisches Kunstwerk mit modernster Optik. Mit diesem edlen Teil dekantieren Sie Grossflaschen bis zu 27 Liter äusserst stilvoll. Ein faszinierendes Gerät und toller Blickfang in jedem guten Restaurant. Hier bewundern Sie den genialen Dekanter: www.theilermetall.ch

 

 

Und schliesslich die Weine. Thematisch zusammengestellt in Dreierserien:

 

CH 2009 Studach Chardonnay 18/20 trinken – 2016
Cal 2005 Marcassin Chardonnay Three Sisters Vineyard 16/20 austrinken
Bur 2005 Domaine William Fevre Chablis les Clos 17/20 trinken – 2020

In der Chardonnay Startserie überzeugte 2009 Studach Chardonnay mit seiner mineralischen, frischen Art. Leicht nussig, etwas Vanille und viel fruchtiger Chardonnay Primäratomatik. Schon sehr reif in Farbe und Aromatik zeigte sich 2005 Marcassin Chardonnay Three Sisters Vineyard. Ueppig, schwere Nase. Brandig, leicht oxydativ. Asche, Schwefel und Butter. Im Gaumen breit und träge mit schlapper Säure. Schwer zu sagen, ob es sich um eine schlechte Flasche handelt oder ob dieser Marcassin wirklich schon so deutlich den Zenit überschritten hat. Da erinnere ich mich wehmütig zurück an den eindrücklichen Marcassin Event vor zwei Jahren.  Frisch, leicht grassig mit mineralischer Struktur und knackiger Säure präsentierte sich 2005 Domaine William Fevre Chablis les Clos. Leichte Zitrusaromen, Feuerstein und Gewürze.

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Oes 2006 Pöckl Monchhof Merlot 19/20 trinken – 2025
CH 2009 Vin da Zücchin Cinq! Merlot 17/20 trinken – 2020
Tos 2007 Le Macchiole Messorio -/-  

Einmal mehr begeisterte mich der phänomenale 2006 Pöckl Monchhof Merlot. Der Wein beeindruckte uns anlässlich der European Merlot Champions League anfangs Jahr. Immer noch jugendlich. Offenes, toastiges Bouquet. Pflaumen, Cassis, Bananen, Schoko, Zimt und Vanille. Zupackend, kräftig im Gaumen und mit guter Struktur ausgestattet. Verfügt über tolle Reserven, was ihm noch lockere zehn Jahre Lebensdauer auf diesem hohen Niveau beschert.

Das Ergebnis eines spannenden Schweizer Weinprojekt ist der „Tschingg“ von den „Kürbisköpfen.“  2009 Vin da Zücchin Cinq! Merlot. Die Merlot Trauben stammen vom Tessiner Winzer Giuliano Cormano.  Gekeltert wird im bündnerischen Fläsch bei Andrea Devaz. Ein geschmeidig, eleganter Wein, der sehr von seiner verlockenden Barrique Süsse lebt. Bittermandeln, Marroni, Vanille, Rauch. Ein schöner Wein aus grossem Tessiner Jahr. Eine „Toasting Stufe“ tiefer, und der Cinq wäre bei mir eine Bewertungsstufe höher… Schade, dass 2007 Le Macchiole Messorio korkte. An der grossen Messorio Vertikale vor zwei Jahren bewertete ich den 2007er mit 19/20 (trinken – 2025).

2014 11 3 traumstoff

Bdx 2000 Château Talbot 18.5/20 trinken – 2035
Tos 2004 Montepeloso Gabbro IGT 16.5+/20 trinken – 2025
Cal 2004 Blankiet Cabernet Sauvignon Paradise Hills Vineyard 17.5+/20 2020- 2035

Im Cabernet Flight begegnete ich wieder mal dem tollen 2000 Talbot. Einem klassischen, grossen St. Julien, der in diesem Spitzenjahr grossartig gelungen ist. Edles Holz, Zedern, Toast, blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Viel Stoff und Reserven, aber jetzt schon sehr gefällig. Nicht ganz klar kam ich mit 2004 Montepeloso Gabbro IGT. Offenes rauchiges Bouquet. Kirschen, Pflaumen, Gewürze, etwas Lack. Im Gaumen breit strukturiert, etwas alkoholisch und schwermütig wirkend. Stark extrahiert, trocken im Abgang. Auch 2004 Blankiet Cabernet Sauvignon Paradise Hills Vineyard ist ein typischer Vertreter der „full Body“ Weine. Druckvolles Bouquet. Reif, süss. Pflaumen, Cassis, Kalk und Teer. Gradlinig strukturiert, viel Reserven, kantige Säure und wenig Entwicklung. Warten.

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Rho 2003 Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee Reservee 18.5/20 trinken – 2025
Rho 2003 Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee da Capo 19.5+/20 trinken – 2030
Cal 2007 Tablas Creek Esprit de Beaucastel 18+/20 trinken – 2030

Jetzt schon wunderbar trinkreif zeigt sich 2003 Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee Reservee. Ein grossartiger, fein strukturierter CNP. Kirschen, Pflaumen, Himbeeren, Kerzenwachs und Rauch. Im Gaumen sehr geschmeidig, reif und zugänglich. Wirkt fast älter als er effektiv ist. Super Länge. Absolut edel wirkt 2003 Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee da Capo (90% Grenache). Grant. Pflaumen, Vanille, Caramel, Pfeffer, Himbeeren, Leder und Minze im Bouquet. Röstiger als der Reserve. Zeigt eine enorm vielschichtige Aromatik, welche sich im Glas dauernd verändert. Absolut delikater Gaumen, traumhafte Balance und eindrückliche Länge.

Es gibt eine Theorie, welche besagt, dass wenn ein Wein in seiner Jugend nach Bananen riecht, kann er im Alter zur Legende reifen… Was aber, wenn ein Wein praktisch nur nach Banane riecht wie dieser 2007 Tablas Creek Esprit de Beaucastel? Ein „Rhone Blend“ aus Mourvedre, Grenache, Syrah und Counoise aus San Luis Obispo (Central Coast). In der Nase Banane, blaue Beeren, Pfeffer, Kirsch und Nuss. Mittlere Intensität. Schönes, harmonisches Gesamtpaket. Viel Fülle aber nicht überladen. Ein stimmiger Wein mit Potential.

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Lang 2007 La Peira en Damaisela Terrasses du Larzac ‚La Peira‘ 16/20 trinken – 2030
Cal 2007 Saxum Booker Vineyard 18.5/20 2020 – 2035
Rho 2009 Rene Rostaing Cote Blonde 18.5+/20 2020 – 2040

Sicherlich Liebhaber finden wird der mächtig, bullige 2007 La Peira en Damaisela Terrasses du Larzac mit rauchig würziger Nase. Zu jung und zu alkoholisch für mich. Sehr schön zeigt sich 2007 Saxum Booker Vineyard. Natürlich auch mindestens fünf Jahre zu früh im Glas. Doch hier spürt man mehr Gehalt und Struktur. Ein toller Wein ist 2009 Rene Rostaing Cote Blonde, mit frischem, primärfruchtigem Bouquet. Viel Kirschen, Pflaumen, Leder, Pfeffer. Fein, elegant im Körper. Sehr schön balanciert. Fünf Jahre Geduld verspricht eine noch höhere Wertung.

Die beiden ZIAB Jungs: Christoph Wey und Reto Fust. Dazwischen Dekanter Designer Thomas Theiler:

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Von Winning: Riesling 2013 Grosse Gewächse

28. Oktober 2014

Ja, man darf verwundert die Augen reiben. Endlich probiert er mal deutschen Riesling! Zugegeben, die Gelegenheiten sind rar, den Zugang habe ich noch nicht richtig gefunden und mein Riesling Kellerabteil glänzt durch gähnende Leere. Also nutzte ich erst recht die Gelegenheit, Von Winning’s Grosse Gewächse zu probieren. Der 2013er gilt in der Pfalz als Spitzenjahrgang.  (mehr …)

Gourmet Dinner mit Château Gazin

19. Oktober 2014

„Gourmet Dinner mit…“ ist eigentlich kein Weinevent. Die Sache hat sich irgendwann (wie so oft) einfach ergeben. Es geht um einen Wein, den ich sehr schätze, selten begegne und wenige Flaschen davon im Keller finde. Die Teilnahmebedingungen sind einfach. Jeder Gast bringt einen Jahrgang des definierten Weins mit in den Adler nach Nebikon. Dort kocht uns Raphael Tuor mit seinem Team einen vorzüglichen Fünfgänger und wir geniessen dazu die Weine. Wunderbar entspannt. Tolle Weine, grossartiges Menu, liebe Freunde.

Die Wahl fiel dieses Jahr auf das oftmals unterschätzte Pomerol Weingut Gazin. Auf Gazin produziert man auf 24 ha (90% Merlot, 7% Cabernet Sauvignon und 3% Cabernet Franc) rund 100’000 Flaschen vom Erstwein und 20’000 Flaschen vom Zweitwein l’Hospitalet de Gazin.

Besitzer Nicolas de Bailliencourt über sein Château Gazin:

http://www.youtube.com/watch?v=Bk3rTMbiHHg

Die Weine wurden offen verkostet.

1989 Gazin 18/20 trinken – 2020
1990 Gazin (Magnum) 18.5/20 trinken – 2025
1994 Gazin (3/8) 18.5/20 trinken – 2025
1995 Gazin 17.5+/20 trinken – 2035
1996 Gazin 18/20 trinken – 2020
1998 Gazin 18/20 trinken – 2040
2000 Gazin 19/20 trinken – 2040
2005 Gazin 18+/20 2020 – 2045
2009 Gazin 19+/20 2020 – 2045

 

1989 Gazin. Aufhellendes Granat. Würzig, leichte grünlicher Touch. Leder, Peperoni und Zedern. Süsse, reife Aromen im Gaumen. Mittelscher elegant und schön ausgewogen. Etwas Jute, Tabak, spitze Säure. Gut entwickelter Gazin. Voll ausgereift. Weils so schön war, öffneten wir zum Schluss gleich noch eine 89er. Dieser wirkte einen Tick frischer. Also nicht dekantieren – spontan geniessen.

Sven Fischer brachte den tollen 1990 Gazin in Magnumformat mit. Edles Bouquet. Dunkle, süsse Beeren, Mineralisch, Jod. Tabak. Gaumen ausgereift, mild, harmonisch. Enthält immer noch eine schöne Frische in sich. Hält lange und entwickelt sich weiter positiv. Normalflaschen sind wahrscheinlich schon sehr reif, diese perfekte Magnum zeigt immer noch viel Substanz.

Mit 1994 Gazin habe ich mir den Spass erlaubt, die Flasche zusammen mit dem 1995er und 1996er blind den Gästen vorzusetzen. Fazit: Niemand tippte bei diesem Wein auf 1994, und er dominierte die Serie. Dunkles Granat. Mollig, toastige Nase. Zedern, Peperoni. Kalk. Toller Druck im Auftakt. Mittelschwer im Gaumen mit erstaunlichem Potenzial. Super harmonisch. Unglaubliche Performance für dieses Jahr. Ich bin kein Fan von 1994, aber dieser Gazin… Habe mir eine Kiste 3/8 an der letzten Weinbörse ersteigert. Lohnenswert!

Etwas schwer tat sich 1995 Gazin. Defensiv, blaubeerig. Schoko, Zedern, Leder, Nuss. Elegant strukturiert. Viel Potential. Aber noch keine richtige Harmonie. Etwas grün im Abgang. Stramme Säure, typisch für 1995. Die kommen langsam und brauchen Geduld.

Ein sympathischer Wein aus schwierigem Pomerol Jahr ist 1996 Gazin, Granat; Würzig, Holz, Zedern. Defensive Frucht. Runder, ausgewogener Körper. Blau-rotbeerig. Nervige Säure. Süsser Mittelteil. Hat seinen Zenit bereits erreicht.

Aus grossem Merlot Jahr dann 1998 Gazin. Rauchig, edle, schwarzbeerige Nase. Etwas Lakritze, Leder, Popcorn, Caramel. Massiver Holzeinsatz. Heisses Jahr. Super reif. Harmonisch, elegant strukturiert. Leicht trockener Abgang. Sehr modern gemacht und möglicherweise etwas überextrahiert. Nicht ganz den Erwartungen entsprechend.

Begeistert hat mich 2000 Gazin. (85% Merlot, 12% CS, 3% CF) Dunkles Granat. Würzig, Kalk, Brombeer, Cassis und defensiver Holzeinsatz. Etwas Zedern. Druckvoll, nachhaltig im Gaumen. Zeigt die Fülle des grossen Jahrgangs. Enormer Stoff ohne üppig zu wirken. Eleganz mit Potential für lockere 20 Jahre. Das ist die Balance und die Reinheit eines aussergewöhnlichen Jahrgangs.

Viel Potenzial und Grösse dann bei den letzten beiden Babys. 2005 Gazin (85% Merlot, 10% CS, 5% CF) Blaubeerig, würzig. Viel laktische Aromen. Erdbeeren, Brotkruste, süss, gut unterstützte Holznote. Erdnüsse. Sehr geschliffen, geschmeidig im Gaumen. Im Moment recht in sich zusammengezogen. Vom Typ her ein junger 2000er. Jetzt recht komprimiert. Braucht viel Zeit. Im Moment schwer zugänglich. Unbedingt warten.

2009 Gazin (90% Merlot, 7% CS, 3% CF) war schon 2012 auf Hannes Wachtlers 2009er Probe mein heimlicher Star. Ich habe danach gekauft und nun bereits die erste Flasche geopfert. Natürlich um Jahre zu früh, aber dieser Wein zeigt jetzt schon eine unglaubliche Grösse. Violette. Dunkelbeerig, Erdnüsse, Cassis. Minze und Himbeeren. Enorm stoffig, völlig primarfruchtig. Potential und Kraft. Modern vinifiziert, perfektes Traubengut. Grossartige Balance und fast Likör-mässiger Gaumenfluss. Moderner, grossartiger Gazin. Der Beste? Ich bleibe dran…

 

 

In Love with Syrah

5. Oktober 2014

Der Report über eine spektakuläre Nacht mit 22 Syrah Weinen. Bei den einen war es Liebe auf den ersten Blick. Mit anderen würde ich im Liebeswahn sofort eine lebenslängliche Beziehung ohne Ehevertrag eingehen. Und da waren auch noch jene, mit welchen es beim schnöden One-Night-Stand bleiben wird… (mehr …)

Freestyle Best Bottle

25. September 2014

Der Bestbottle Circle, unter der Leitung von Marcello Botti und René Mauchle, lud zur „Freestyle Edition“ in den Ochsen nach Lenzburg. Mitgebracht wurden grossartige Weine, viele Parkerpunkte und ein Exote, der sich ganz weit oben klassierte. Ein toller Kickoff in den Weinherbst!

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20 Mass Bier oder 20 Jahrgänge Pape Clément?

23. September 2014

Wieder mal eine Doppelbuchung in meiner Agenda. Einerseits die Einladung ans Oktoberfest, andererseits organisierte René Gabriel eine prächtige Vertikale eines meiner Lieblingsweine im Sempacherhof. 20 Mass Bier oder 20 Jahrgänge Pape Clément?.. Wofür hätten Sie sich entschieden? Zum Glück für mich heisst diese Seite nicht MYBESTBEER.CH… (mehr …)

Heitz Martha's Vineyard & Co.

16. September 2014

Bei der Heitz Winery scheiden sich die Weingeister. Da sind einerseits die Kritiker und Freunde universeller Weltweine,  welche vor allem der alten Jahrgänge wegen die Nase rümpfen. Sie bemängeln – die leider oftmals vorhandenen – Unsauberkeiten mehr, als sie die Einzigartigkeit des Weins loben. Robert Parker gehört als einflussreichstes Beispiel dazu. Er attestierte den Heitz Erzeugnissen oft eine gewisse „Lack Note“. Joe Heitz schickte ihm darauf ein Paket Taschentücher und einen Brief, mit der Aufforderung, er solle sich gefälligst die Nase putzen und von seiner Winery fern bleiben.   Auch Stephen Tanzer hat nach seinen 76 Punkten für den 87er Martha Hausverbot.

Und dann existiert andererseits eben auch die Heitz Fangemeinde. Freaks, welche die Einmaligkeit des Weins verehren. Die Charakteristik des Terroirs, und die faszinierende Aromatik aufgrund der unzähligen Eukalyptusbäume rund um Martha’s Vineyard. Aber es braucht viel Verständnis und Geduld mit dieser „Martha“. Dates mit ihr schwanken zwischen hemmungsloser Begeisterung und schierer Verzweiflung. Joe Heitz war als „etwas“ geizig bekannt. Ein Typ, der seine Fässer lieber ein Jahr zu oft brauchte, und eher eine Tonne Trauben zu viel als zu wenig in den Keller fuhr. Unterschiedliche Fassqualitäten und Alter für den gleichen Jahrgang waren keine Seltenheit. Das Ergebnis erleben wir jedes mal beim Genuss einer Flasche. Mal himmelhoch jauchzend, mal oder zu Tode betrübt. Auch bei dieser Probe wieder.

Der Bestbottle Circle, rund um Marcello Botti, Nils Frei und René Mauchle luden in die Fansburg nach Ormalingen. Susi und Jürg Richter begleiteten und begeisterten uns mit ihrem Team durch den eindrücklichen Tag. Der Event wurde in zwei Etappen durchgeführt. Zum Lunch stellte jeder Teilnehmer einen „normalen“ Heitz auf den Tisch, und zum Dinner dann eine Flasche (oder mehrere…) der legendären Martha.

Ja, wir brachten die Weine selber mit…Eigentlich völlig paradox beim eindrücklichen Farnsburger Weinkeller. Ein Eldorado mit unglaublicher Vielfalt und Tiefe. Ein Schmuckstück für jeden Weinliebhaber. Schauen Sie mal rein…Es muss ja nicht unbedingt Martha’s Vineyard, der Albtraum jedes Sommeliers, sein. Im Farnsburg Keller finden Sie einige Tausend Alternativen…

Mittags Session (Serien offen, Weine blind):

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 1975  Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard  17/20  austrinken
 1978  Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard  17.5/20  trinken – 2020

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Die Parzelle am Fay Vineyard pachtete Joe Heitz von 1975 – 1978 bevor sie der Besitzer, Nathan Fay, 1979 an Stag’s Leap verkaufte. Noch heute finden Sie diese Trauben im Cask 23. Beide Weine sind immer noch sehr gut.  1975 Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard präsentiert sich mit viel Kräuter im Bouquet. Jute, Kamin und Zedern. Mittlere Intensität und leicht austrocknendem Finale.  1978 Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard würzig, minzige Nase. Dunkle Schokolade. Etwas breiter strukturiert.

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 1983 Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard  16/20  austrinken
 1990 Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard  18/20  trinken – 2025
 1994 Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard  17.5/20  trinken – 2020
 1997 Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard  17/20  austrinken
 2004 Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard  18/20  trinken – 2030

 

1983 Bella Oaks war ein harmloser, sehr rustikaler Wein mit unnötig hoher Säure. Sehr gut gefiel mir 1990 Bella Oaks, mit leicht animalischen Noten, Leder und Tabak. Ein klassischer „old fashion“ Cab mit erstaunlich guten Reserven für 1990. Auch gut gelungen war 1994 Bella Oaks mit  jugendlicher Farbe. Rauch, Teer im Bouquet, präsente beerige Aromen und recht lang. Schnell unterwegs scheint 1997 Bella Oaks zu sein. Leicht staubige Noten, Rosinen, Eukalyptus, Minze und Gewürze. Etwas karg, metallisch im Gaumen. Hat möglicherweise die beste Zeit schon hinter sich. Ein frischer, dunkelbeeriger, grosser Wein ist 2004 Bella Oaks. Ausladendes Bouquet, Cassis, Bisquit, Griotte und dunkle Schokolade. Fülliger Körper, würzig mit einem gewissen „Rhone Touch“. Interessant!

 

 1990 Heitz Cabernet Sauvignon Trailside Vineyard  18/20  trinken – 2025
 1991 Heitz Cabernet Sauvignon Trailside Vineyard  18/20  trinken – 2025

 

Joe Heitz kaufte 1984 den 100 Acre Trailside Vineyard, östlich von Rutherford, entlang des Silverado Trails. 1990 Trailside, überzeugte seine gradlinige Art. Blaubeerig, Zedern, Tabak und Teer. Gute Balance und Länge. Auf gleichem Niveau 1991 Trailside. Offensive, druckvolle Nase. Schwarz- und blaubeerig, etwas Minze und Zedern.

Abend Seession:

2014 09 heitz2

 

 1968  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  20/20  austrinken
 1972   Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  18/20  austrinken
 1974  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  19/20  austrinken
 1975  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  19/20  trinken – 2025
 1976  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  18/20  austrinken
 1978  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  -/-  
 1979  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  17.5/20  austrinken
 1984  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  -/-  
 1985  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard  -/-  
 1986  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard 19/20 trinken – 2025
 1987  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard 19/20 trinken – 2025
 1989  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard 17/20 austrinken
 1991  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard 18.5/20 trinken – 2030
 1997  Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard 19/20 trinken – 2035

 

2014 09 heitz1968 Heitz Martha’s Vineyard war der dritte Jahrgang dieses legendären Weins. Er ist schlichtweg grandios. Das non plus ultra, was man sich von Martha’s erhofft und erwünscht. Herrlich offenes Bouquet. Eukalyptus, Minze, Vanille, Tabak und immer wieder dazwischen rote, frische Beeren. Datteln und Espresso. Geschmeidiger Auftakt, elegant und lang im Gaumen. Die Balance ist brillant. Enormer Nachhall. Eine Napa Ikone. Perfekt. Der 1968er müsste bei der UNESCO als Wein Welt Kulturerbe geschützt werden (hauptsächlich vor mir…). Die Rettung für alle im Jahr 1972 Geborenen ist 1972 Heitz Martha’s Vineyard. Oder kennt jemand trinkbare Weine aus diesem Jahr? Helles Granat; Schoko, Minze, Jod, Kalk. Eher leicht strukturiert was super zu den eleganten Aromen passt.

 

2014 09 heitz31974 Heitz Martha’s Vineyard ist ein unglaublicher Wein. Selbst für diese Flasche, welche nicht ganz optimal gelagert schien, gebe ich hervorragende 19/20. Mattes Granat; Leder, Tabak, Minze und tief aus der Mitte Quitten und Himbeernoten. Der Wein wirkt ganz leicht rosinig, und „staubig“. Im Abgang enorm süss und erhaben. Sensationell jugendlich erschien 1975 Heitz Martha’s Vineyard. Granat; Mineralisches Bouquet, Minze, Eukalyptus, Lebkuchengewürz und Teebaumöl. Frisch, fast noch schwarzbeerig im Gaumen, sanfte Gerbstoffe und eine mineralische, lebendige Struktur. Wenn der Wein zwei Stunden dekantiert gewesen wäre, hätte er noch mehr „Martha Charme“ an den Tag gelegt. Aber eben… (thanks Jürg…) Den 75er bewertete ich schon bei der grossen Martha Probe 2011 als Schnäppchen Kauf (damals 20/20), neben dem überteuerten 74er. Diesen Frühling gewann der 75er die American Beauty 7… Noch Fragen?

1976 Heitz Martha’s Vineyard wirkt elegant, fast leicht, mit seinen beschwingten süssen schwarzbeerigen Bouquet. Dazu etwas Rauch und Zimt. Unglaublich gut gehalten für 1976. Good Job! Völlig kaputt war 1978 Heitz Martha’s Vineyard. 1979 Heitz Martha’s Vineyard ist ein typischer Martha Klassiker. Blau- und schwarzbeerig, Pflaumen, Minze, Wildleder. Braucht viel Luft um sich zu entfalten. Im Abgang leicht grünliche Noten und etwas kürzer als die ganz grossen Jahrgänge. Aber immer noch sehr solide unterwegs. 1984 Heitz Martha’s Vineyard zeigte sich mit viel Minze und Brennesseln aber auch mit Kork und unsauberen Noten. Andi Meier stellte sein Glas eine Stunde zu Seite, und der Wein war sauber… Typischer Martha Wahnsinn!!! Dasselbe erhoffte ich mir auch beim nächsten Fall für den Wein-Psychiater:

 

2014 09 heitz51985 Heitz Martha’s Vineyard. Die Publikumsbewertungen klafften mit 20/20 und „wo kann ich ihn wegleeren?“ weit auseinander. Ein Irrsinn und nur für Heitz Masochisten einigermassen nachvollziehbar. Der Wein duftete beim Öffnen (zirka fünf Stunden vor dem Tasting) perfekt fruchtig, dunkelbeerig. „Endlich eine perfekte 85er“, frohlockte ich… Beim Einschenken um 21 Uhr dann die Ernüchterung. Klarer Fall Kork! Damisiech…. Schon wieder…. Als positiv denkender Mensch glaubte ich an die gleiche Entwicklung wie beim 1984er vorher. Es kamen mehr röstige Aromen zum Vorschein. Brotkruste, Eukalyptus, Teebaumöl, Kräuter, Ricola und etwas Bratensauce. Der dumpfe fehlerhafte Touch verschwand aber leider nicht. Eine weitere 85er zwischen Genialität und Wahnsinn. André Kunz hatte die Idee, dass wir ihn das nächste Mal zehn Stunden dekantieren. Aber während des Schreibens dieses Raports konnte ich es nicht lassen und griff zu einer 85er aus der Schwingerkönigsdorf-Charge (nur wenige werden den Sinn verstehen…), und wollte ihn über 24 Stunden verfolgen. Keine Chance. Die Flasche war nach 90 Minuten leer…. Anfänglich viel dunkle Frucht, Eukalyptus, Teebaumöl und leichte Unsauberkeit. „Säuberte sich“ aber bei jedem Quirl im Glas und brachte die klassischen , würzigen Aromen zum Vorschein. Immer wenn ich nachschenkte, wirkte er fehlerhaft. Sobald die kleinen Luftblasen am Glasrand weg waren perfekt! Im Gaumen ist der Wein ein Traum an Eleganz und Länge. Langsam glaube ich an die Umkehrtheorie: Je mehr Luft er bekommt, desto schlimmer wird es… Für diese Flasche ohne Zweifel: 19.5/20 trinken – 2040

Ohne Zweifel präsentierte sich der tolle 1986 Heitz Martha’s Vineyard. Defensiv, würziges Bouquet. Sägemehl, Stroh, Schoko, Kampfer. Druckvoll, intensiv in der Mitte. Jugendlich kräftig. Trägt die Aromen wunderbar in sich und wirkt sehr harmonisch. Auch 1987 Heitz Martha’s Vineyard ist richtig gross. Hier habe ich nach den 19.5+/20 im 2011 nachgekauft. Dichtes, würziges Bouquet. Fleischige Aromen, immer noch Cassis, Espresso und Minze. Anfänglich im Glas etwas verhalten, aber auch hier: Martha kann gar nicht genug Luft kriegen (ausser vielleicht der 85er..). Ein rustikaler, charaktervoller, grosser Wein. Etwas leichter wirkte 1989 Heitz Martha’s Vineyard. Süsses, reifes Bouquet, Kaffee, Teebaumöl, Jod. Mittlere Intensität und beschwingt im Abgang. Stark performte einmal mehr 1991 Heitz Martha’s Vineyard, der zweitletzte Jahrgang vor der Neuanpflanzung infolge Reblaus. Opulente dunkelbeerige Nase. Cassis, Waldbeeren. Etwas Laub, Schwarztee und After Eight. Wirkt im Gaumen noch recht jung und entwickelt sich deutlich langsamer als viele andere 91er Kalifornier.  Und schliesslich noch der zweite Jahrgang aus Martha’s Neuzeit: 1997 Heitz Martha’s Vineyard. Frische, süsse Nase. Brombeeren, Teer, Eukalyptus, Brotkruste. Mineralischer, druckvoller Köper. Feine Struktur und kräftige Ausstrahlung. Ist jetzt schon sehr gut und verfügt über Reserven für lockere 20 Jahre.

Hier nachlesen: Die komplette Heitz Martha’s Vineyard Vertikale vom 29. Oktober 2011

Mehr Infos zur Heitz Winery finden Sie auf: heitzcellar.com

Die Publikumswertung zur Probe und weitere spannende Events gibt’s bei bestbottle.ch

Die MYBESTWINE-POLIZEI bittet die Bevölkerung um Mithilfe

14. September 2014

Vermisst-Meldung: Vermisst wird seit Samstagmittag 13. September 2014: Martha. 39 jährig, gebürtige Amerikanerin, wohnhaft seit mehreren Jahren in Neuenkirch, Kanton Luzern. Signalement: Schlanke Statur. 30 cm gross und zirka 1.5 kg schwer. Besondere Merkmale: Tätowierung auf der rechten Schulter mit der Jahreszahl „1975“. Martha verliess am Samstagvormittag ihr Zuhause mit zwei Freundinnen und ihrem gemeinsamen Liebhaber. Letztmals wurde sie im Zug zwischen Olten und Gelterkinden gesehen und anschliessend auf einer Taxifahrt zur Farnsburg in Ormalingen.

Seither wird Martha vermisst. Da ihre beiden Freundinnen inzwischen leer aufgefunden wurden, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden.  

Für sachdienliche Hinweise benutzen Sie bitte das Kommentarfeld.

 

Super Bopp

10. September 2014

2014 09 Super Bopp3.PNGPatrick Bopp lud zum zweiten nach Baar. „Pat’s House Party 2014“  war angesagt. Er schaffte das schier unmögliche Kunststück, und wählte einen sonnigen Samstag Abend. Dieses spätsommerliche Geschenk  schien fast so rar, wie seine ausgeschenkten Weine. Ein wunderbares Programm mit einem Spagat zwischen Bündnerland und Bordeaux. Und zum Abschluss gab’s noch einen erfrischenden Portugiesen! Auf dem Bild: Gastgeber Patrick „Super“ Bopp mit Super Bock.

 

 

 

 

 CH  2010  Gantenbein Chardonnay  18.5/20  trinken – 2020
 CH  2011  Gantenbein Chardonnay  19/20  trinken – 2020
 CH  2012  Gantenbein Chardonnay  18/20  trinken – 2020

 

2014 09 Super Bopp4a.PNGLos ging’s mit den drei neusten Jahrgängen vom grossartigen und immer gesuchteren Chardonnay von Gantenbein. (3000- 5000 Flaschen pro Jahr). 2010 mit typischer „Gantenbein Röstung“ Nuss, Kokos. Vollmundig und mit einer raffinierten Säure ausgestattet. 2011 defensivere Röstung, etwas mehr Zitrus, und erfrischende Aromen. Geniale Länge und Dichte. Hier tippten die meisten Gäste klar auf einem grossen Burgunder. Auch 2012 zeigt sich bereits sehr schön, etwas beschwingter als seine beiden Vorgänger, lässt aber in Sachen Eleganz nichts zu wünschen übrig. Die Jahrgangsunterschiede sind wirklich äusserst gering. Das Qualitätsniveau dieser Weine ist dermassen gross, dass Sie nicht heikel sein sollten, sondern bei jeder Flasche zuschlagen, die Sie angeboten bekommen.

 

 CH  2007  Gantenbein Pinot Noir  18/20  trinken – 2025
 CH  2008  Gantenbein Pinot Noir  18.5+/20  trinken – 2030
 CH  2009  Gantenbein Pinot Noir  17.5/20  trinken – 2025

 

2014 09 Super Bopp5.PNGThematisch war es schnell klar, dass nun drei rote Gantis vor uns standen. 2007 befindet sich jetzt in einer wunderbaren Genussphase. Kirschen, Himbeeren, helle Schokolade, Kaffee. Enorm elegant, und feingliedrig strukturiert. 2008 etwas opulenter, mehr florale Aromen im Bouquet, harmoniert unglaublich schön zum Barrique Einsatz. Immer noch sehr jugendlich und mit viel Potenzial ausgestattet. 2009 intensives, süsses Bouquet. Kirschen, Himbeeren. Nussig. Wirkt etwas „hitziger“ als die beiden anderen Jahrgänge. Auch die Pinots landen immer öfters als „Piraten“ in grossen Burgunderproben. Klar das so die Nachfrage laufend steigt. Bleibt zu hoffen, dass die Gantenbeins an ihrer fairen Verkaufsstrategie festhalten.

 

 Bor  1990 Pavillon Rouge du Chateau Margaux  17/20  austrinken
 Bor  1990 Les Forts de Latour  17/20  austrinken
 Bor  1990 Les Pensees de Lafleur    Kork

Im ersten Bordeaux Flight korkte leider 1990 Les Pensees de Lafleur. Animalisch wirkte 1990 Pavillon Rouge. Pflaumen, Leder, Tabak und etwas Schuhcreme. Mild und abgerundet, mit immer noch klassisch schöner Statur. 1990 Les Forts de Latour präsentiert sich ganz ähnlich. Noch angenehme blau- und schwarbeerige Aromen. Pflaumen, Tabak und recht würzig. Im Gaumen recht fortgeschritten mit malziger Note.

 

 Bor  1988 Lafleur (3/8)   18/20 austrinken
 Bor  1993 Lafleur  18.5/20 trinken – 2020
 Bor  1997 Lafleur (Magnum)  17/20 trinken – 2020

 

2014 09 Super Bopp6.PNGSo was erlebt man selten. Drei Jahrgänge vom edlen Pomerol „Lafleur“ stehen vor uns. 1988 Lafleur wirkt würzig mit viel Zedern, Cassis, Veillchen. Eine betörende Eleganz, welche so gar nicht zum eher rustikalen 88er Jahrgang passt. Kaum zu glauben, dass im mittleren Glas ein 93er Bordeaux schlummerte. Der 1993 Lafleur begeistert mit einem ausladenden, voluminösen Bouquet. Malz, Gewürze, Teer mit viel Frucht unterlegt. Dicht und druckvoll im Gaumen. Prächtiger Wein und damit wohl der beste 93er dieses normalerweise uncharmanten Jahrgangs. 1997 Lafleur konnte da nicht ganz mithalten. Blumig, fruchtiges Bouquet. Starke Barriqueröstung. Im Gaumen etwas belanglos und lebt eher vom Bouquet. Trinkfreudig ja, aber kein Lafleur auf hohem Niveau.

 

 Bor  1985 Palmer  18.5/20 austrinken
 Bor  1979 La Mission Haut Brion (Magnum)  18.5/20 trinken – 2025
 Bor  2001 La Mission Haut Brion  -/-  

 

2014 09 Super Bopp1985 Palmer ist ein wunderbarer Wein. Purpur, granat. Blau- und schwarzbeerig, mit mineralischer Note. Legt sogar noch zu im Glas. Keine Wucht aber betörende Eleganz. Einmal mehr lag ich beim 1979 La Mission Haut Brion mit meinem Tipp etwa 15 Jahre daneben. Der Wein ist dermassen dunkel, dass ich ihn öfters in die Neunziger versetze. Reifes, erdiges Bouquet. Schwarze Beeren, Leder, Vanille, Teer und Tabak. Zupackende Struktur, rustikal, begeisternd! Genial und eine Kaufempfehlung ist 2001 La Mission Haut Brion. Den hatten wir vor zwei Jahren mit fraglosen 19/20 im Glas. Diese Flasche hier war nicht optimal, mit Schoko, Pflaumen und leicht oxydativen Aromen. Schade.

 

 Bor  1982 Lynch Bages  19/20 austrinken
 Bor  1988 Mouton Rothschild  19/20 trinken – 2030
 Bor  1989 Latour  18.5/20 trinken – 2030

 

2014 09 Super Bopp2Klassisches gradliniges Pauillac Bouquet beim 1982 Lynch Bages. Eine super frische Flasche. Immer noch Cassis, Leder, Rauch, Lakritze. Im Gaumen rund, molliger Körper. Hat sich grossartig gehalten und übertrifft in Topform einige Premiers aus diesem legendären Jahrgang. Ganz gross zeigt sich auch heute wieder 1988 Mouton Rothschild. Konzentriert, dicht im Bouquet. Süsses, reife, dunkle Aromen. Zedern und sogar milde Himbeeraromen. Nougat. Auch hier eine geniale Flasche. 1989 Latour offenbart sich in reifem Granat. Offenes, sehr zugängliches Bouquet. Röstig, laktisch, blau- und schwarzbeerig. Im Gaumen elegant, edel und sehr lang. enorm filigran strukturiert. Ein Eleganz-Latour.

Über den Dächern Hochdorfs

8. September 2014

Die Einladung von Bruno Leisibach kam spontan. „Sonntag Nachmittag: Auf der Dachterrasse Kilchberg-Schwingen schauen, etwas Käse, Wurst und ein Schluck Wein…“. Wer den Leisi kennt, weiss genau, dass aus diesem Schluck Wein schnell ein ausgewachsener, feudaler Weinnachmittag über den Dächern Hochdorfs werden kann…

Im Gegensatz zu den bösen, kräftigen und bärtigen Schwinger wählte Leisi ein ausgesprochen elegantes Kontrastprogramm. Also, Manne i d’Hose…

 Bor  1985  Lynch Bages 18.5/20  trinken – 2020
 Bor  1990  Pape Clément 18/20  trinken – 2025
 Cal  1996  Pahlmeyer Red 18/20  trinken – 2020
 Cal  1987  Simi Cabernet Sauvignon Reserve 15/20  vorbei
 Cal  1992  Dominus 19/20  trinken – 2025
 Bor  1990  Léoville Las Cases 19/20  trinken – 2030
 Bor  1985  Gruaud Larose 18/20  austrinken

 

1985 Lynch Bages begeisterte gleich von Beginn weg. Sehr reifes, würziges Bouquet. Leder und nasses Holz. Im Gaumen elegant, rund und harmonisch. Immer noch rotbeerige Restfrucht, leicht grünlicher Abgang. Etwas defensiver zeigte sich 1990 Pape Clément. Viel Tabak, Jod und Gewürze im Bouquet. Aber auch noch schön präsente blaubeerige Frucht. Im Gaumen etwas „welk“ wirkend und nicht ganz in Top Form wie jene Flasche bei „Abschied mit Tränen“. Sehr gut integrierte sich 1996 Pahlmeyer Red zu den beiden reifen Bordeaux. Da die mittelgrossen Napa Jahrgänge europäischer daherkommen als die ganz Grossen. Blau-schwarzbeerig, Tabak, Minze und etwas Peperoni. Die Aromen sind dich verwoben, mollig im Gaumen. Schöne Länge. 1987 Simi Reserve wirkte würzig im Bouquet aber keine Frucht mehr. Seine Statur zerfällt langsam. War vor fünf Jahren noch ein toller Wein. Simi bietet nach wie vor ein attraktives Preis-/Leistungsverhältnis. Gerade letzte Woche habe ich sowohl 1993 wie 1994 Simi Reserve nachgekauft.

2014 09 leisiDen nächsten Wein würde ich auch gerne nachkaufen: 1992 Dominus. Sehr vielschichtiges Bouquet. Defensiv schwarzbeerig, Grafit, Tabak, Leder, Wildfleisch und Gewürze. Ausgewogen, elegant im Gaumen mit betörender Länge. Ein rustikaler, erdiger Dominus aus der alten Dekade.  Letzte Woche verwechselte ich den 1990 Léoville las Cases mit dem 1994 Dominus und heute steht diese St. Julien Ikone wieder neben einem grossen Dominus. Reife, dunkle Aromen, Pflaumen, Tabak und Zedern. Erzeugt attraktive Spannung vom Bouquet bis zum Abgang. Immer noch viel Druck, braucht etwas Zeit im Glas um sich voll entfalten. Zwei Stunden dekantieren. Noch nie im Glas hatte ich 1985 Gruaud Larose, der sich neben dem noblen Las Cases überhaupt nicht zu verstecken braucht. Klassisches, zedriges Bouquet. Etwas Jod, Tabak, viel Gewürze. Im Gaumen sehr reif, mittelschwer und ganz leicht metallisch. Kein Fehler, normal für den rusitkalen Gruaud.

Château Latour

21. August 2014

2014 07 Latour

24 Jahrgänge zwischen 1962 – 2003 neu bewertet.

Dieser Privatanlass wurde in Form einer Best Bottle (bring your own) ausgetragen. Wir waren zu Gast im Hotel Balm in Meggen beim Team von Beat Stofer. (mehr …)

Irgendwie, irgendwo, irgendwann…

28. Juli 2014

2014 07 Tobler

„Wir waren bei Werner Tobler in Hochdorf“. In den vergangenen Jahren war dieser Satz oft in meinen Reports zu lesen. Doch diesmal fehlt ein entscheidender Zusatz: Die Braui. Uschi Frapolli und Werner Tobler haben ihre Wirkungsstätte nach fast zehn Jahren verlassen. Die Nachricht erreichte mich nicht überraschend und ich habe Verständnis für diesen Entscheid. Natürlich stimmt es mich traurig, dass es die Braui, als quasi MYBESTWINE Homebase nicht mehr gibt.

Wir waren ein eingespieltes Team.  Ein Event in der Braui? Schnell organisiert! Ich sagte Werni, wann wir kommen, wie viele Leute und welche Weine wir mitbringen. Ein Menuplan oder Zeitablauf? Vergiss es. « Den Tobler muss man machen lassen ». Und das Ergebnis war immer begeisternd. Es gibt viele grossartige Köche. Die meisten zelebrieren sich aber leider selber oder kochen für Punkterichter. „Cuisinier WT“ ist einer der wenigen, welcher immer für die Gäste und begleitend zu den Weinen kochen.  Wie auch an diesem sommerlichen Freitagabend. Werner lud ein paar Freunde zum Geburtstag ein. Statt vor den grossen Braui Töpfen stand er in seiner Haushaltsküche, und die Gäste sassen nicht in der Beiz, sondern im Wohnzimmer. Sonst war eigentlich alles gleich. Gleich genial! „Der Typ muss einfach kochen“, dachte ich mir. „Kochen ist sein Leben“. Das spürt man bei jedem Gang und jedem Bissen.

Wichtig ist, dass Werni sich Zeit nimmt um wieder ganz gesund zu werden. Zu reflektieren und dann die richtigen Entscheide für die Zukunft zu fällen. „Es eilt nicht – nimm Dir Zeit, lieber WT“. Nach diesem Abend bin ich überzeugt: Der Tobler kommt zurück! Irgendwie, irgendwo, irgendwann…

Die Weine wurden im „Best Bottle“ Prinzip blind verkostet.

 1995  Domaine Raveneau Chablis les Butteaux  16/20   austrinken
 2000  Domaine Raveneau Chablis les Butteaux             16/20  trinken – 2020
 2000  Domaine Raveneau Chablis Montee de Tonnerre  16/20  trinken – 2020

Ein spezieller Beginn mit drei Weissweinen der Domaine Raveneau. Diese Chablis hatte ich alle zum ersten Mal im Glas. Jeder kostet weit über CHF 100 die Flasche. Die Weine in ihrer Art haben sicher Fans sonst könnte man sie ja nicht zu diesen Preisen verkaufen. Ich tat mich sehr schwer mit ihnen. Mastig, schwerer Chardonnay. Oelig. Im Bouquet wirken sie alt. Haselnuss, Melisse, Jod, Seetang, ranzige Butter. Im Gaumen enorm breit. Wer davon zuviel beim Apéro erwichte, verabschiedete sich etwas früher. Guet Nacht!

 1998  Sine Qua Non Backward and Forward 19/20  trinken – 2020
 2006  Sine Qua Non Autrement Dit Rosé 15/20  trinken – 2025

Wie schwer die Chablis oben waren, beweist die Tatsache, dass der 1998 Sine Qua Non Backward and Forward (40% Chardonnay, 30% Roussanne  und 30% Viognier) trotz seiner massiven Statur geradezu erfrischend daher kam… Kraftvolles Bouquet; Aprikosen, Himbeeren, Zitronengrass, Kokos und Vanille. Körperbetont, mit frischer, spritziger Säure, was den Alkohol gut verträglich macht.  Bei 2006 Sine Qua Non Autrement Dit Rosé waren nicht alle Teilnehmer sicher, ob es überhaupt ein Rosé war. So dicht, üppig und intensiv. Fast 16 Vol% tun das ihrige dazu. Alkoholisch, Himbeergeist, viel Säure und massiv dicht. Unglaubliche Länge für einen Rosé.  Wann trinkt man einen solchen Wein? Möglicherweise als Apéro vor einer Amarone Verkostung…

 2000  Bibi Graetz Testamatta IGT  18/20   trinken – 2020
 2000  Tenuta dell’Ornellaia Ornellaia  17.5/20  trinken – 2020

Alle sehnten sich also nach Rotwein und in Form zwei sehr schönen Toscanern wurden wir belohnt. Einerseits der 2000 Bibi Graetz Testamatta IGT (Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon. Voluminöses, reifes Bouquet. Blaubeerig, Pfeffer, Orangeade. Gute, frische Säure und eleganter Gaumenfluss. Toll im Bouquet auch 2000 Ornellaia. Heisse, reife Aromen. Blau- und schwarzbeerig. Viel Holz aber gut harmonierend. Im Gaumen dem schwierigen Jahrgang entsprechend etwas breiter strukturiert, mit kernigen Tanninen. Nicht ganz die Eleganz der grossen Jahrgänge.

 1985  Mouton-Rothschild  19/20  trinken – 2020
 2002  Cos d’Estournel  17.5+/20  trinken – 2035

Grossartig anschliessend der Übergang ins Bordeaux. Super, dass Sommelier Dani Juchli, den hochfeinen, seidig eleganten 1985 Mouton Rothschild, relativ früh am Abend präsentierte. Offenes, reifes Bouquet. Cremig, süss mit Zedern, Leder, Kräuter und Toast. Eine tolle, frische Flasche und ein Mouton für stille Momente. Grossartig!  2002 Cos d’Estournel immer noch rubin und sehr jung. Als langsam reifender 2002er zeigt er noch wenig Typizität. Primärfruchtig, dicht. Modern, recht röstig und gute Länge. Braucht Zeit um seine Charakterzüge zu entwickeln.

 2004  Palmer  18/20  trinken – 2030
 1998  Figeac (Magnum)  18.5+/20  trinken – 2040
 1995  La Mission Haut Brion  -/-  

Und weil es schön war, blieben wir gleich im Bordeaux mit 2004 Palmer. Sehr würzige Nase, animalisch, Leder, Feuerstein, Zedern. Im Gaumen schon recht weit, rund, fleischig und schön ausgewogen. Befindet sich in einer schönen, frühen Trinkphase. Vom Typ her eher ein St. Julien als Margaux.  Der tolle 1998 Figeac kam zum Glück aus der Magnum, den davon gönnt man sich gerne mal ein grösseres Glas. Jugendliches, laktisch, würziges Bouquet. Immer noch viel Primäraromen, moderne Röstung, Rauch und Caramel. Im Gaumen frisch, zupackende Säure, voluminös und lang. Ein grosser Figeac, ganz am Anfang seiner Genussreife. Meine Kiste ist immer noch zu… Leider behinderte ein ganz leichter Kork den sonst formidablen 1995 La Mission Haut Brion.

 2003  Pingus Flor de Pingus  15/20 ?  austrinken
 2004  Pingus Flor de Pingus  19/20  trinken – 2030

Nicht klar kam ich mit 2003 Flor de Pingus. Völlig verhaltender Wein mit grüner, giftiger Nase. Peperoni und Cornichon. Aggressive Säure und kantige Tannine im Gaumen. Ein völlig „verwirrter“ Wein oder eine fehlerhafte Flasche. Denn wenn man den  2004 Flor de Pingus daneben erlebt, weiss man wie toll dieser 100% reine Tempranillo sein kann. Grossartige Nase. Schwarzbeerig, Bittermandeln, Amaretti, Toast, Vanille. Im Gaumen samtig, edel strukturiert. Eleganter Gaumenfluss. Vollmundig und sehr lang im Abgang.

 

 

 

 

Oh no! Muss das sein? Robert Parker adelt Kalifornien Jahrgang 2001

15. Juli 2014

Es kommt nicht ganz überraschend, kündigte doch Robert Parker bereits Anfangs Jahr an, dass er bei der diesjährigen Barriquetasting Tour durch Kalifornien, die 2001er neu beurteilen will. Ja, der liebe Robert wird auch älter und verbindet das Nützliche (Fassdegustationen 2010) mit dem Angenehmen (nachdegustieren der genialen 2001er nach 10 Jahren). Das Ergebnis gemäss Parker: „Ich wusste, dass mich brillante Weine erwarteten, doch diese neusten Verkostungen haben meine höchsten Erwartungen noch übertroffen“. Mit einem „Jahrgangsrating“ von 96/100 gehört nun der 2001 zusammen mit 2007 an die Spitze der grössten kalifornischen Weinjahrgänge aller Zeiten. Die spektakulärsten Hochstufungen: Abreu Madrona und Thorevilos (beide 100), Verite La Muse (100), Lokoya Mount Veeder (100), Lokoya Howell Mountain (99), Araujo Eisele (99),  Bond St. Eden (100),  Shafer Hillside (100), Ridge Monte Bello (99). Phelps Insignia (99), Dominus (98) usw, usw…. Mit US Schnäppchen jagen dank günstigem Dollarkurs, dürfte es vorerst vorbei sein. Denn diese Hochstufung kommt wohl nicht zufällig genau mitten in die Bordeaux 2010 Primeur Kampagne, und dürfte den Fokus amerikanischer Weinkonsumenten wieder vermehrt auf einheimisches Schaffen richten.