Und wieder stellt der dramatische 1990 Montrose alles in den Schatten. Doch nicht nur der 90er begeisterte, was eine aktuelle Probe von über einem Dutzend Jahrgängen dieses edlen Deuxieme St. Estèphe bewies.
Regen während der Lese. Ein schlimmes Szenario für jeden Weinbauern. Die Chancen auf einen grossen Jahrgang sind im Nu vorbei. Meistens entstehen leichte, früh trinkreife, charmante Weine. Doch was passiert wann man sie spät trinkt? Nach 34 Jahren… (mehr …)
Weinempfehlungen: „Dieser Wein passt am besten zu leichten Vorspeisen. Der ideale Begleiter zu einer rassigen Pasta. Geniessen Sie diesen edlen Tropfen zu einem guten Stück Fleisch“… Ghääähn… Natürlich hilft eine einigermassen sinnvolle Wine-Food-Pairing. Doch viel wichtiger ist die Frage „Zu wem passt der Wein“. Mit wem geniesse ich diese Flasche und wann? So quasi: Der optimale Weinmoment. (mehr …)
1985 klebten wir zum ersten Mal eine Autobahnvignette an unsere Autoscheiben. Mit Live Aid fand das grösste Benefiz Konzert der Geschichte statt. Das Wrack der Titanic wurde entdeckt. Neugeborene taufte man am liebsten auf die Namen Christina oder Christian. Der Schweizer Dano Halsall schwamm mit 22.54 Sekunden über 50 Meter Freistil Weltrekord. Back to the Future schafft es zum erfolgreichsten Film des Jahres und Opus mit Life is Life (na naaa nahh na nah…) stürmten die Single Charts. Dem Opel Kadett E gratulierten wir zum Auto des Jahres und unsere Lieblingsdisco hiess Harrissen Bar in Stansstad. Bleibt noch offen, welches 1985 die besten Bordeaux Weine waren?
1985 gilt kommerziell wie qualitativ als erfolgreiches Jahr in Bordeaux. Mit heissem Sommer und idealem Wetter im August und September erfreuten sich die Cheatau Besitzer einer grossen Ernte. Preislich wurden die 85er für damalige Verhältnisse sehr hoch angesetzt. Die Premiers allesamt über CHF 100.- in der Subskription, die Deuxiemes rund die Hälfte.
Mein Fazit der Probe im Restaurant Kreuz Emmen: 85er Bordeaux aus guter Lagerung befinden sich jetzt in Topform. Die besten Weine haben sogar noch ein oder zwei Jahrzehnte vor sich. Es sind mehrheitlich feinstrukturierte, elegante, fast graziöse Clarets mit vielschichtigem Aromenbild. Extrovertiert, zugänglich und charmant. 1985 ist im Gegensatz zu 1986 nie kompliziert. Müsste ich die Achtziger Jahre in einer Rangliste zusammenfassen, so würde der 85er zusammen mit 1983 und 1989 um den Bronzeplatz (hinter 1982 und 1990) kämpfen.
1985 | Chateau Montrose, Saint-Estephe | 16/20 | austrinken |
1985 | Chateau Cos d’Estournel, Saint-Estephe | -/- | ? |
1985 | Chateau Ducru-Beaucaillou, Saint-Julien | -/- | austrinken |
1985 | Chateau Talbot, Saint-Julien | 17.5/20 | austrinken |
1985 | Chateau Lagrange, Saint-Julien | 17/20 | austrinken |
1985 | Chateau La Lagune, Haut Medoc | 17/20 | austrinken |
Nicht viel erwartete ich von Chateau Montrose, doch das Bouquet überraschte mit würzig, ledrigen Noten. Viel Tabak, etwas Pflaumen und Orangeade. Im Gaumen dann aber leider sehr rustikal, drahtig und unharmonisch. Keine gute Flasche erwischten wir beim Chateau Cos d’Estournel, der Wein sollte eigentlich immer noch gut sein. Die welke, malzige und oxydative Nase kann nur von schlechter Lagerung stammen. Chateau Ducru-Beaucaillou kann man als „klassisch“ bezeichnen, denn die meisten 80er Ducrus nerven mit dieser penetranten Unsauberkeit. Auch diesmal Brett oder Kork im Bouquet. Gaumen wäre geschmeidig, noch mit Frucht ausgestattet. Aber eben… Immer die gleiche Leier mit Ducru.
Gut gefiel mir Chateau Talbot mit cremig, röstigem Bouquet. Milchkaffee, Kokos, Leder, Zedern. Klassisch, rustikal strukturiert, mittlere Länge und etwas trockenem Abgang. Positiv überraschte auch Chateau Lagrange. Laktisch, süssliches Bouquet. Malz, Ovo, Zedern, Stroh. Gaumen lebendig gut erhalten. Immer noch ein toller Esswein. Genau wie Chateau La Lagune. Auch dieser Haut Medoc überzeugte mit würzig, mineralischer Nase. Schöne Tabakaromen und Kerzenwachs.
1985 | Chateau L’Eglise-Clinet, Pomerol | 18.5/20 | austrinken |
1985 | Chateau L’Arrosee, Saint-Emilion | 15/20 | austrinken |
1985 | Chateau La Conseillante, Pomerol | 18.5/20 | trinken – 2020 |
1985 | Chateau L’Evangile, Pomerol | 18.5/20 | austrinken |
1985 | Chateau Pavie, Saint-Emilion | 16/20 | vorbei |
1985 | Chateau Cheval Blanc, Saint-Emilion | 19/20 | trinken – 2025 |
Grossartiger Jahrgang am rechten Ufer. Die Merlot dominanten Weine ertrugen die Hitze erstaunlich gut. Das Resultat sind viele runde, harmonisch und sehr aromatische Weine. Wie auch diese Serie bewies: Chateau L’Eglise-Clinet wirkt im Bouquet frisch. Schwarz- und rotbeerige Grundaromatik, etwas Schoko, Kalk und Himbeeren. Im Gaumen burgundisch, geschmeidig mild, mittlere Intensität und schöner Länge. Chateau L’Arrosee befindet sich ganz am Ende seiner Genussphase. Das Bouquet „kippt“ langsam. Rosinen, dunkle Schokolade und Maggikraut. Im Gaumen ordentlich mit leicht staubiger Note. Faszinierend präsentiert sich Chateau La Conseillante. Er war zwar vor fünf Jahren noch exotischer, aber auch jetzt ist er immer noch ein erotisch-eleganter Pomerol. Offenes Bouquet, Cassis, Himbeeren, Kokos, Vanille, Orangeade und Trüffel. Samtig feiner Gaumen, harmonisch ausgewogen und schöner Länge ausgestattet. Nicht mehr ganz so füllig wie früher, aber immer noch ein grossartiger La Conseillante.
Auch nur gutes berichten lässt sich von Chateau L’Evangile. Süsses Bouquet, Kandis und Caramel, leicht laktisch. Mit guter Frucht unterstützt, bereitet der Wein enormen Spass. Feine Struktur und völlig abgebaute Tannine. Super, aber nicht mehr lange… Chateau Pavie wirkte überreif. Obs generell mit diesem Wein schon so weit ist, oder es sich um eine nicht optimale Flasche handelte, wird der nächste Kontakt zeigen. Leicht oxydative Nase, Liebstöckel, dunkle Schokolade und Kandis. Im Gaumen erste Zerfallserscheinungen. Deutlicher Sieger dieser Serie und ein Kandidat für den Wein des Abends, wenn nicht sogar generell für den Jahrgang 1985 wurde der phänomenale Chateau Cheval Blanc. Das war eine super frische Flasche! Jugendliches Bouquet. Blau- und rotbeerige Grundaromatik, Himbeeren, viel Würze, Teer, Lakritze, Streichholz, Wachs. Im Gaumen füllig, elegant und mit super Länge ausgestattet. Ein Traum Cheval Blanc!
1985 | Chateau Leoville Barton, Saint-Julien | 16/20 | austrinken |
1985 | Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien | 19/20 | trinken – 2022 |
1985 | Chateau Leoville Poyferre, Saint-Julien | 17/20 | trinken – 2025 |
1985 | Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien | 17.5/20 | trinken – 2022 |
1985 | Chateau Lafite Rothschild, Pauillac | 18/20 | trinken – 2025 |
1985 | Chateau Grand-Puy-Lacoste, Pauillac | 18.5/20 | trinken – 2020 |
Chateau Leoville Barton zeigte sich sehr offen mit würzig röstigem Bouquet. Mocca, Caramel und Lakritze. Eigentlich atypisch für den sonst eher erdig rustikalen Barton. Dies offenbarte er dann im Gaumen. Kurz, hart und wenig Charme. Von ganz anderem Muster gestrickt ist Chateau Leoville-Las Cases. Davon leistete ich mir Anfangs der 90er Jahre eine Kiste für 650 Franken. Damals mein teuerster je gekaufter Wein… Dunkles Granat; offen, zugängliches Bouquet. Immer noch Cassis, etwas Pflaumen. Wachs, Zedern, Russ und Lakritze. Im Gaumen mittlere Intensität, beeindruckende Harmonie und seidenfeine Tannine. Irgendwie ein unauffälliger Wein, der aber genau das widerspiegelt, was man von einem grossen 85er Claret erwartet. Eleganz pur. Etwas im Schatten stand Chateau Leoville Poyferre. Defensiv, mineralisches Bouquet. Kalk, Zedern und leicht grüne Paprika. Im Gaumen reif und zugänglich aber auch etwas unspektakulär.
Der sehr dunkle Chateau Gruaud-Larose schoss so richtig aus dem Glas mit teerig, animalischer Note. Viel Tabak, Malz und Leder. Burschikos, rustikal im Gaumen. Ein Gruaud wie er sein muss. Entweder liebt man es oder lässt es bleiben. Unglaublich jung im Bouquet wirkte Chateau Lafite Rothschild. Frische defensiv beerige Noten, Cakesfrüchte, Kokos, Praline und Vanille. Im Gaumen völlig abgerundet, hoch elegant und wunderbar zu trinken. Die Frage stellte sich, ob da nicht mehr Tiefgang für einen so teuren Premiers vorhanden sein müsste? Nein, denn wer Wucht und Kraft erwartet sucht beim Jahrgang 1985 vergebens. Und noch was zum Preis: Dieser ist bei einer Bewertung völlig irrelevant. Der Wein kann ja nichts dafür, dass er so teuer ist.
Erfreuliche die Entwicklung von Chateau Grand-Puy-Lacoste. Klassisch, dunkelbeerige Pauillac Grundaromatik. Rauch, Leder Tabak, etwas Peperoni, Minze und Zedern. Einer der kräftigsten Weine des Abends. Dichter, intensiver Gaumen und Potential für weitere zehn Jahre. Steht im Schatten des 82ers und des 90ers und daher wohl auch preislich eine Affäre wert…
1985 | Chateau La Mission Haut-Brion, Pessac-Leognan | 18+/20 | trinken – 2030 |
1985 | Chateau Haut-Brion, Pessac-Leognan | 19/20 | trinken – 2030 |
1985 | Chateau Pontet-Canet, Pauillac | 16/20 | austrinken |
Chateau La Mission Haut-Brion beeindruckte durch seine Jugendlichkeit und Kraft. Viel Holz im Bouquet, die Frucht scheint etwas unterdrückt aber nicht weg. Der Wein wirkt komprimiert und irgendwie in einer Zwischenphase. Im Gaumen zeigt er Tiefgang und Länge, aber wenig Entwicklung. Kommt da noch was? Fraglos einer der schönsten Weine des Abends war Chateau Haut-Brion. Herrliche extrovertierte Nase mit viel Gewürzen, Kandis, Vanille, Tabak, Mocca und Leder. Sogar etwas Eukalyptus. Sehr vital im Gaumen, schöne Balance und Länge. Ein ruhiger, erhabener Haut Brion. Bordeaux Klassik par excellence! Da vermochte der Chateau Pontet-Canet verständlicherweise nicht ganz mitzuhalten. Rosinen, Pflaumen, Lack und Kandis im Bouquet. Grob, rustikal strukturiert mit kernigen Tanninen, die da eigentlich gar nicht mehr hingehörten. Verglichen mit dem Hype von heute – ein Pontet Canet aus einer anderen Welt.
1985 | Chateau Palmer, Margaux | 18.5/20 | trinken – 2020 |
1985 | Chateau Margaux, Margaux | 18/20 | trinken – 2025 |
1985 | Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac | 18.5/20 | trinken – 2020 |
1985 | Chateau Latour, Pauillac | 18/20 | trinken – 2025 |
1985 | Chateau Mouton Rothschild, Pauillac | 18/20 | trinken – 2020 |
1985 | Chateau Lynch-Bages, Pauillac | 19/20 | trinken – 2020 |
Wunderbar präsentierte sich Chateau Palmer. Würzig defensives Bouquet, Pflaumen, Zedern, Malz und Leder. Begleitend von attraktiven Röstaromen und Trüffeln. Der Gaumen ist ein Ausbund von Fülle und Eleganz. Macht enorm Spass. Schwarzbeerig, mineralisch zeigt sich Chateau Margaux. Sehr homogene, offene Nase. Kerzenwachs, Tabak und Russ. Im Gaumen erstaunlich wenig Entwicklung. Dieses Defizit macht er mit seinem betörend süssen und langen Abgang wieder wett. Prachtvoll kam Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande daher. Exotisch, extrovertiert und füllig! Reifes Cassis, Kokos, Cakesfrüchte, Vanille, Bittermandeln und Gianduja. Voller Schmelz im Gaumen, rund, harmonisch. Fast dekadent schön…
Auch für Chateau Latour galt in diesem Jahr: Eleganz vor Kraft. Defensiv schwarzbeerig. Lebt im Bouquet eher vom Holz. Brotkruste, Toast, Kandis und Vanille. Im Gaumen mittelschwer, erdig und sogar etwas rotbeerig. Schön ausgewogen und enorm stimmig. Ein fast zärtlicher Latour mit viel Charme. Leider handelte es sich bei Chateau Mouton Rothschild um eine etwas dumpfe Flasche. Da ich dem Wein in letzter Zeit glücklicherweise zwei, dreimal begegnet bin, kann ich die Notizen zusammenfassen. Reifes, würziges Bouquet. Immer noch Cassisresten. Dazu Schwarztee, Bisquit, Leder, Trüffel und Lakritze. Im Gaumen harmonisch und geschmeidig. Scheint seit Jahren am Ende seiner Trinkreife zu sein, und bereitet aber trotzdem jedes Mal wieder Freude. Ähnliches Phänomen wie beim 83er Mouton.
Bleibt noch der verblüffende Chateau Lynch-Bages. Tiefgründige, intensive Nase. Pflaumen, Cassis, Bisquit, Kokos, Tannen, Mocca, Espresso. Wie immer etwas Peperoni, aber alles stimmig und am richtigen Fleck. Der Gaumen wirkt ausladend, intensiv und super reif. Das war eine Top Flasche und in dieser Form immer noch eine Suche wert. Oftmals tut man dem Lynch Bages etwas unrecht, da er jung schon so viel Spass macht und die Quantitäten meisten recht hoch sind. Doch es lohnt sich immer ein paar Flaschen auf die Seite zu legen. Nicht nur dieser 85er ist jetzt top. Auch 88 hat sich in den letzten Jahren enorm gemausert, und mit 86 geht es jetzt erst so richtig los.
Apropos 1986. Die feiern nächstes Jahr ihr 30jähriges Jubiläum. Ob wir da auch so viel Homogenität, Fülle und Eleganz erwarten können? Wohl kaum. Aber wir lassen uns nicht abhalten. Bordeaux 1986: Der schmale Grat zwischen Lust und Schmerz (demnächst zu finden bei den Events).
Ann Colgin. Der Name und ihre Weine sind Kult. (mehr …)
Die legendäre American Beauty. Ein jährliches Highlight in meiner Tasting Agenda. Diesmal ging ich allerdings mit einem unguten Gefühl an die Sache ran. Die Vorfreunde wurde bereits am Donnerstag getrübt mit Halsschmerzen, Husten und Kopfweh. Freitags dann Schüttelfrost mit Untertemperatur und am Samstagabend schliesslich 39 Grad Fieber. Toll… Wollte die Jungs nicht hängen lassen. Algifor L forte und zehn Stunden Tiefschlaf. Sonntag 8 Uhr: Körpertemperatur: 36.5 Grad. Roger. Hals: Roger. Riechtest quer durch die Küche: Roger. Also ab in den Adler nach Nebikon. Menu-, Timing- und Serviceabsprache, öffnen der Flaschen, Doppeldekantieren. Weine nicht probieren, nur beim umgiessen am Bouquet riechen. Alles Routine. So geil – selbst die verkappte 85er Martha verströmt himmlische Aromen nach Cassis, Himbeeren. Meine Nase ist also voll da und die Gäste inzwischen auch. American Beauty Stimmung kommt auf….
Los geht’s! Aufgrund der enormen Qualitätsdichte der eingelieferten Weine (viele Klassiker, trinkreife top Jahrgänge hauptsächlich aus den 90ern, keine Experimentalweine oder hochgezüchtete Luxuscuvées und kein Wein jünger als 2001), habe ich mich entschieden die Verkostung völlig blind zu machen. Jede Flasche bekam vorgängig eine Nummer. Ein Teilnehmer wählt fünf Zahlen zwischen 1 – 24, und das waren die Weine der Serie. Nach jeder Serie wurde bewertet, aufgelöst und dann gegessen.
1 – 5 – 11 – 17 – 21: Die erste Serie stand vor mir. Alle Farben top, verschiedene Reifestadien. In den Bouquets hoch interessante Unterschiede. Der eine reif, ledrig, animalisch mit etwas Teer, der andere noch in voller schwarzbeeriger Pracht. Jedes Bouquet stimmig, ausser vielleicht eines leicht muffig und etwas Liebstöckel. Dann der erste Schluck: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Schnell zum zweiten Glas: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Verdammt was ist denn da los? Spülen mit viel Wasser weiter zu Glas drei: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Shit, das muss an den Gläsern liegen… aber das Bouquet war doch bei allen sauber und klar? Glas 4: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“ Glas 5: „Medizinal, karg, übersäuert…. Ein Blick in die Runde: Strahlende Gesichter, grosse Augen, Begeisterung pur. „Was für ein Flight, Respekt für diese Auswahl. Wow, was für Weine! Wir hatten noch nie eine solche Startserie“. In diesem Moment wusste ich, dass American Beauty 8 für mich soeben beendet war. Die unterdrückte Grippe und die Medis legten meinen Gaumen komplett flach. Keine Aromen, kein Gefühl für Gehalt, Länge, Balance, einfach nix. Ich hätte vorne in der Beiz ein Einerli Cornalin trinken können: Gleiches Empfinden.
Natürlich gönnte ich mir weiterhin eine kleine Ration um an den Weinen zu schnüffeln, aber die Trinkmenge verteilte sich auf die elf weiteren Gäste. Unter diesen Bedingungen war es unmöglich die Weine zu bewerten. Aufgrund der Nase waren für mich folgende Weine 20/20 Punkte Kandidaten: 1992 Dominus, 1994 Dominus, 1997 Dominus, 1992 Caymus Special Selection, 1997 Bryant Family, 1978 Montelena. Schierer Wahnsinn, welche Weine an diesem Nachmittag an mir vorüber gingen. Es war zum heulen…
So verstrich der Sonntag im Adler. Grossartige Stimmung, Begeisterung, Höchstbewertungen und Lobeshymnen auf Küche und Wein. Ich liess mir mein Menu als Doggybag einpacken für meine Lieben daheim. Schnell noch aufs Siegerfoto und dann ab nach Hause ins Bett…
Das war’s mit American Beauty 8 und das war zugleich auch die letzte Ausgabe im Adler Nebikon. Marie Louise und Raphael verlassen Nebikon nach zehn Jahren und brechen zu neuen Ufern auf. Genauer gesagt an die Reuss nach Luzern. Reussbad heisst ihre neue Wirkungsstätte ab Mai 2015. Ohne Punktestress verfeinern sie dort ihr erfolgreiches „Beizli Konzept“ welches bereits im Adler prächtig funktionierte. Viel Erfolg euch beiden! Wir kommen natürlich mit. Die nächste Ausgabe der American Beauty findet also im Reussbad Luzern statt. Am Samstag, 12. März 2016 um 12 Uhr.
So, und damit nun alle Leserinnen und Leser von MYBESTWINE.CH doch noch zu seriösen Einschätzungen der Weine kommen, hat sich mein Weinfreund André Kunz freundlicherweise bereit erklärt, seine Notizen hier zu veröffentlichen. André ist American Beauty Stammgast der ersten Stunde. Sie kennen den versierten Verkoster von seinem fundierten Berichten monatlich in der Schweizerischen Weinzeitung. Kunz bewertet im 20er System ohne halbe Punkte.
Herzlichen Dank, André! Hier sind seine Bewertungen:
Serie A
1985 | Heitz Cellar Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon | 18/20 | trinken – 2028 |
1992 | Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon | 18/20 | trinken – 2026 |
1985 | Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon | 17/20 | austrinken |
1994 | Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2030 |
1991 | Ridge Vineyards Monte Bello | 17/20 | austrinken |
1985 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Cellars: Butteriges, süsses, fein opulentes Bouquet, schwarze Brombeeren, Butter, Schokolade, Kräuter, Minze. Cremiger, kräftiger, aromatischer Gaumen mit würziger, süsser Aromatik, feinsandigem Tannin, eleganter Struktur, langer Abgang mit guten Rückaromen.
1992 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer Vineyards: Fein marmeladiges, opulentes Bouquet, Cassiscreme, Eukalyptus, kalter Rauch, Pralinen, Tabak. Samtener, gut üppiger Gaumen mit süsser, guter Frucht, feinem Tannin, kräftiger, vielfältiger Aromatik, langer, cremiger Abgang mit guten Rückaromen.
1985 Cabernet Sauvignon Special Selection, Caymus Vineyard: Reifes, breites, würziges Bouquet, Málaga, Schokoladenpulver, Kräuter, Nussschalen, Liebstöckel. Würziger, mittelkräftiger, kerniger Gaumen mit feinsandigem Tannin, herber Struktur, dunkler Aromatik, langer, herber Abgang.
1994 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer Vineyards: Samtenes, süsses, tiefes, komplexes, mineralisches Bouquet, Black Currant, Tabak, Zedern, Graphit, Rauch. Eleganter, dichtverwobener, vielschichtiger, ausgewogener Gaumen mit kräftiger, vielfältiger Aromatik, dichter, seidener Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.
1991 Monte Bello Santa Cruz Mountains, Ridge Vineyards: Samtenes, breites, würziges, fein marmeladiges Bouquet, Brombeeren, Minze, schwarze Kirschen, Schokolade. Üppiger, voller Gaumen mit feinsandigem Tannin, molliger Struktur, mittlerer Aromatik, trockener Abgang mit süssen Rückaromen.
Serie B
1994 | Joseph Phelps Vineyards Insignia | 19/20 | trinken – 2034 |
1992 | Dominus Estate | 19/20 | trinken – 2030 |
1994 | Joseph Phelps Vineyards Insignia | 19/20 | trinken – 2020 |
1992 | Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2030 |
1992 | Chateau Montelena Estate Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2030 |
1992 Insignia, Joseph Phelps Vineyards: Dichtes, tiefes, opulentes, kraftvolles Bouquet, schwarzer Cassis, Eukalyptus, Rauch, Feuerstein, Korinthen, Tabak, Lakritze. Samtener, wuchtiger, kraftvoller, aromatischer Gaumen mit cremiger, konzentrierter Struktur, dichter, vielfältiger Aromatik, viel gutem Tannin, sehr langer, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.
1992 Dominus, Dominus Estate: Würziges, kräftiges, vielfältiges Bouquet, Kräuter, Blut, Eisen, Kirschen, Leder, Zwetschgen. Dichter, aromatischer, herber Gaumen mit feinsandigem Tannin, kräftiger Aromatik, mineralischer Aromatik, langer, herber Abgang mit sehr guten Rückaromen.
1994 Insignia, Joseph Phelps Vineyards: Marmeladiges, breites, süsses, üppiges Bouquet, Brombeercreme, Cassis, Eukalyptus, Schiefer, Edelhölzer. Opulenter, fruchtiger, süsser, kräftiger Gaumen mit voller Frucht, cremiger Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, üppiger Abgang mit vielen, süssen Rückaromen.
1994 Cabernet Sauvignon Special Selection, Caymus Vineyard: Würziges, breites, süsses Bouquet, Leder, Mocca, Minze, Cassis, Tabak, Dörrpflaumen. Samtener, cremiger Gaumen mit vielfältiger, kräftiger Aromatik, üppiger Struktur, sehr langer, süsser Abgang mit vielen Rückaromen.
1992 Cabernet Sauvignon, Château Montelena: Tiefes, elegantes, kraftvolles, samtenes, mineralisches Bouquet, schwarzer Cassis, schwarzer Pfeffer, Tabak. Dichter, cremiger, süsser, würziger Gaumen mit feinem Tannin, vielfältiger, kräftiger Aromatik, samtener, dichter Struktur, sehr langer, üppiger Abgang.
Serie C
1978 | Chateau Montelena Estate Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2030 |
1985 | Ridge Vineyards Monte Bello | 19/20 | trinken – 2035 |
2001 | Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon | 20/20 | trinken – 2040 |
1995 | Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2034 |
1997 | Ridge Vineyards Monte Bello | Kork |
1978 Cabernet Sauvignon, Château Montelena: Süsses, cremiges, opulentes Bouquet, Cassiscreme, Erdnüsse, Kräuter, Minze, dunkler Tabak. Kraftvoller, dichter, aromatischer, samtener Gaumen mit dichter, cremiger Struktur, viel feinem Tannin, kräftiger, süsser Aromatik, sehr langer, dichter Abgang mit süssen Rückaromen.
1985 Monte Bello Santa Cruz Mountains, Ridge Vineyards: Tiefgründiges, wuchtiges, gut medizinales Bouquet, Feuerstein, Kreide, Cassis, Kräuter, Leder. Wuchtiger, herber, kraftvoller Gaumen mit konzentrierter Struktur, sehr viel gutem Tannin, kräftiger, voller Aromatik, sehr langer, dichter, rustikaler Abgang mit super Rückaromen.
2001 Cabernet Sauvignon Howell Mountains, Dunn Vineyards: Kraftvolles, mineralisches, pfefferiges, würziges, gut medizinales Bouquet, kalter Rauch, Mahagoni, Dörrfrüchte, Steinmehl, Leder, schwarzer Trüffel. Kraftvoller, konzentrierter, wuchtiger, gut trockener Gaumen mit viel gutem Tannin, kräftiger, dunkler Aromatik, maskuliner Struktur, sehr langer, aromatischer, wuchtiger Abgang mit vielen guten Rückaromen.
1995 Cabernet Sauvignon Madrona Ranch, Abreu Vineyard: Würziges, süsses, kräftiges, volles Bouquet, Leder, Tabak, Schwarztee, Pferdestall, Kräuter, Rosinen, Dörrfrüchte. Eleganter, dichter, frischer, würziger Gaumen mit feinem Tannin, kräftiger, voller Aromatik, klassischer Struktur, sehr langer, dichter Abgang mit vielen guten Rückaromen.
Serie D:
1997 | Araujo Estate Eisele Vineyard Cabernet Sauvignon | 18/20 | trinken – 2028 |
1994 | Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon | ||
1994 | Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2038 |
1997 | Dominus Estate | 20/20 | trinken – 2038 |
1991 | Heitz Cellar Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2028 |
1997 Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard, Araujo Estate: Verhaltenes, herbes, würziges Bouquet, Kräuter, Rauch, kleine schwarze Beeren. Ausgewogener, eleganter, süsser Gaumen mit molliger, cremiger Struktur, guter Frucht, feinsandigem Tannin, würziger, voller Aromatik, langer, süsser Abgang.
1994 Cabernet Sauvignon, Philip Togni Vineyards: Unsaubere Flasche.
1994 Cabernet Sauvignon Madrona Ranch, Abreu Vineyard: Samtenes, opulentes, süsses, kräftiges Bouquet, Cassiscreme, getrocknete Kräuter, Eukalyptus, kandierte Früchte, Rauch. Dichter, kraftvoller, vielschichtiger Gaumen mit konzentrierter Struktur, vielschichtiger Aromatik, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter, kraftvoller Abgang mit vielen guten Rückaromen.
1997 Dominus, Dominus Estate: Dichtes, konzentriertes, komplexes, samtenes Bouquet, Kräuterbutter, Cassiscreme, Tabak, Leder, Minze. Dichter, eleganter, vielschichtiger, sensationeller Gaumen mit feinem Tannin, dichter, vielfältiger, super Aromatik, cremiger Struktur, sehr langer, dichter, super Abgang mit sehr vielen guten Rückaromen.
1991 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Cellars: Süsses, würziges, cremiges, volles Bouquet, Kräuterbutter, Cassis, Kräuter, Rauch, Minze. Ausgewogener, vielschichtiger, eleganter Gaumen mit dichterverwobener, eleganter Struktur, vielfältiger Aromatik, feinem Tannin, sehr langer, dichter, voller Abgang mit vielen Rückaromen.
Serie E:
1994 | Peter Michael Winery Les Pavots Estate Red | 19/20 | trinken – 2030 |
1995 | Pahlmeyer Proprietary Red | 19/20 | trinken – 2035 |
1994 | Dominus Estate | 20/20 | trinken – 2030 |
1997 | Bryant Family Cabernet Sauvignon | 19/20 | trinken – 2035 |
1994 Cabernet Sauvignon Les Pavots, Peter Michael Winery: Samtenes, fein opulentes, cremiges Bouquet, Cassiscreme, fein Kräuter, Lakritze. Ausgewogener, eleganter, vielschichtiger Gaumen mit feiner Frucht, dichter, eleganter Struktur, kräftiger, süsser Aromatik, feinem Tannin, sehr langer, voller Abgang.
1995 Proprietary Red, Phalmeyer: Verhaltenes, tiefes, herbes, dunkles Bouquet, Cassis, Edelhölzer, Mocca, Tabak. Samtener, dichter, voller Gaumen mit dichter, cremiger Struktur, viel gutem Tannin, kräftiger, süsser Aromatik, langer, voller, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.
1994 Dominus, Dominus Estate: Dichtes, komplexes, tiefgründiges, mineralisches Bouquet, Pflaumen, Kräuter, Eukalyptus, Heu, Leder, Tabak. Samtener, dichter, vielschichtiger, eleganter Gaumen mit kräftiger, vielfältiger, super Aromatik, viel feinem Tannin, cremiger Struktur, sehr langer, dichter, fein opulenter Abgang mit vielen, kräftigen Rückaromen.
1994 Cabernet Sauvignon, Bryant Family Vineyards: Tiefes, dichtes, fein parfümiertes, komplexes, Bouquet, Cassiscreme, Kräuter, Zedern, Mocca, fein Eukalyptus, Jasmintee. Samtener, gut opulenter, fruchtiger Gaumen mit kräftiger, vielfältiger Aromatik, cremiger Struktur, feinem Tannin, sehr langer, dichter, üppiger Abgang mit kräftigen Rückaromen.
Publikumswertung:
Es ist eindrücklich wie homogen bewertet wurde. Ein weiter Beweis dafür wie schön sich aktuell die 90er Kalifornier präsentieren. In perfekter Trinkreife. Nach wie vor ist es möglich diese Weine nachzukaufen, und nicht selten sind sie günstiger als die aktuellsten Jahrgänge. Auch die siegreichen Dominus Jahrgänge finden Sie bei Vinpark.

Siegerfoto (mit Patient):
Links: Platz 1: Andi Meier (1992 Dominus). Mitte: Platz 3: Dani Juchli (1992 Caymus Special Selection). Rechts: Platz 2: Baschi Schwander (1997 Dominus)
The American Beauty Hall of Fame
2008
1994 Harlan Estate Red Wine
1994 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard
1986 Joseph Phelps Insignia
2009
1994 Bryant Family Vineyard Cabernet Sauvignon
1992 Caymus Cabernet Sauvignon Special Selection
1997 Ridge Monte Bello
2010
1994 Dominus Estate
1994 Peter Michael Winery Les Pavots
1998 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard
2011
2001 Robert Foley Vineyards Claret
2004 Shafer Vineyards Cabernet Sauvignon Hillside Select
1995 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard
2012
2001 Pride Mountain Vineyards Reserve Claret
1999 Etude Cabernet Sauvignon
2002 Joseph Phelps Insignia
2013
2002 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2001 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2002 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard
2014
1975 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
1991 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
1995 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2015
1992 Dominus Estate
1997 Dominus Estate
1992 Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon
Sassicaia. Nach wie vor ein magisch klingender Name für alle Weinfreunde rund um den Globus. Weltberühmt dank dem Visionär Marchese Mario Rocchetta, welcher als Bordeaux Liebhaber Mitte des letzten Jahrhunderts damit begann, in der Nähe seines Landsitz San Guido in der Maremma Cabernet Sauvignon Stöcke zu pflanzen. Ursprünglich gedacht als Hauswein in kleinen Mengen. Mit der Zeit erkannte der Marchese das grosse Potenzial, welches in den steinigen Rebbergen steckt und pflanzte weiter Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc Stöcke, um seinen Hauswein nun in grösseren Mengen kommerziell zu vermarkten. Die örtliche Weingesetzgebung interessierte ihn gänzlich wenig und brachte erstmals 1968 den Sassicaia als „gewöhnlichen“ Vino Tavola auf den Markt. Die Toskana Weinrevolution brach aus. Von den Traditionalisten nieder gemacht, aber weltweit als Kultwein hochgelobt. Der 1985er Sassicaia (Ausgabepreis 18’000 Lire) erhielt als erster italienischer Wein von Robert Parker 100 Punkte. Der Rest ist Geschichte.
Den internationalen Durchbruch seines Sassicaias erlebte der 1983 verstorbene Marchese nicht mehr. Doch war er Wegbereiter und Vorbild vieler kommenden „Super Toskaner“ wie Ornellaia, Solaia, Macchiole, Guado al Tasso, Tua Rita und einigen mehr. Seit den 80er Jahren wird das Weingut von seinem Sohn Nicolò geführt Die Produktion von rund 3000 Flaschen des Erstlingsjahrgangs stieg kontinuierlich an. Heute bringt Tenuta San Guido jährlich rund 200‘000 Flaschen Sassicaia in den Handel. Die weiteren Weine sind Guidalberto (Cabernet Sauvignon / Merlot) und Le Difese (Cabernet Sauvignon / Sangiovese). Das Flaggschiff besteht praktisch immer zu 85% aus Cabernet Sauvignon und 15% Cabernet Franc. 24 Monate ausgebaut in teils neuen, teils gebrauchten französischen und slawonischen Fässern. Aktuelle Jahrgänge vom Sassicaia gibt’s bei diversen Anbietern zwischen CHF 120 – 160. Mehr Infos: www.tenutasanguido.com
Der Marchese im Interview auf winetv über die Geschichte von Sassicaia:
Das ausgebuchte Tasting durch fünf Jahrzehnte Sassicaia wurde von Verena Conte (unten auf dem Bild mit kusssignierter, fälschungssicherer Sassicaia 85) ins Leben gerufen. Verena ist langjährige Sassicaia Sammlerin und daher eine ideale, sichere Quelle für authentische Flaschen. Die Verkostung erfolgte offen im Restaurant Pecavi Belvoirpark Zürich. Alle Flaschen verfügten nach wie vor über ein perfektes Füllniveau (IN).
1977 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18/20 | austrinken |
1979 | Tenuta San Guido Sassicaia | 17/20 | austrinken |
1982 | Tenuta San Guido Sassicaia | 15/20 | vorbei |
1986 | Tenuta San Guido Sassicaia | 14/20 | vorbei |
1987 | Tenuta San Guido Sassicaia | 15/20 | vorbei |
Ueberrascht hat mich der älteste Jahrgang der Verkostung: 1977 Sassicaia. Sehr helles Granat; Sultaninen, Pflaumen, Anis, Leder und Rauch im sehr präsenten Bouquet. Im Gaumen eher leicht, beschwingt und erstaunlich lebendig. Auch an 1979 Sassicaia stellte ich keine hohen Erwartungen. Umso schöner das Ergebnis. Filigraner, würziger Wein. Zedern, Mocca und etwas Staub. Ebenfalls leicht im Gaumen, süss und harmonische Länge.
Im Gegensatz zu Bordeaux ist 1982 ein bescheidenes Jahr in der Toscana. Der 1982 Sassicaia zeigt sich daher mit viel Pflaumen im Bouquet. Nasses Stroh, Torf und Schokonoten. In der Nase ist er deutlich besser als im ausgezerrten, metallischen Gaumen. Aus schwierigem Jahr auch 1986 Sassicaia, der seinen Zenit bereits überschritten hat. Leicht portig, oxydative Nase, Rauch, Torf und Zedern. Keine Frucht mehr. Im Gaumen unreife, rauhe Tannine. Sehr ähnlich leider auch 1987 Sassicaia. Da ist wenig Charme mehr vorhanden. Die Frucht ist praktisch weg. Die Aromen wirkten krautig. Im Gaumen säurebetont, unharmonisch und grün.
1989 | Tenuta San Guido Sassicaia | 17/20 | austrinken |
1991 | Tenuta San Guido Sassicaia | -/- | Kork |
1992 | Tenuta San Guido Sassicaia | 14/20 | austrinken |
1993 | Tenuta San Guido Sassicaia | 15/20 | vorbei |
1994 | Tenuta San Guido Sassicaia | 17.5/20 | austrinken |
Angenehm und gut entwickelt aus schwierigem Jahr zeigt sich 1989 Sassicaia. Frische, pflaumige Aromen. Anis, Pfeffer, Erde und Torf. Dazu milde Kirsch Aromen. Schlanker Körper mit unnötig hoher Säure. Sehr reif. 1991 Sassicaia korkte. Würde ihm von der hellen Farbe her etwa gleich einschätzen wie die ebenfalls kleinen Jahrgänge 1992 und 1993. Bei diesen Jahrgängen schien mir die Selektion nicht gerade rigoros. Sehr leicht, rotbeerig, mit unsauberen Noten präsentierte sich 1992 Sassicaia. Im Gaumen gefällig aber harmlos. Wie auch der kraftlose 1993 Sassicaia mit bereits ersten überreifen Aromen, Glutamat, Pfeffer und Rosinen. Sehr gut gefiel mir dafür 1994 Sassicaia. Helles Grant; Würzig, blaubeeriges Bouquet. Mineralisch. Wie seine Vorgänger leicht im Gaumen, aber diesmal harmonisch und elegant balanciert.
1985 | Tenuta San Guido Sassicaia | 19.5/20 | trinken – 2030 |
1988 | Tenuta San Guido Sassicaia | 19/20 | austrinken |
1990 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18/20 | trinken – 2020 |
1995 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18.5/20 | trinken – 2020 |
1997 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18.5/20 | trinken – 2025 |
1985 Sassicaia beindruckte mich schon beim öffnen der Flasche, morgens um 10 Uhr. Kein Wein verströmte dermassen viel dunkelbeerige, edle Aromen. Das zweite Phänomen ist seine unglaublich dunkle Farbe. Jeder Sassi aus den 90ern kam deutlich heller daher. Rubin(!); Defensiv, schwarzbeeriges Bouquet, Pfeffer, Lakritze, Caramel, Bisquit, Tannenäste, Zedern. Im Gaumen enorm jugendlich, konzentriert, dicht und beeindruckend lang.
Ebenfalls wunderbar, aber viel reifer zeigt sich 1988 Sassicaia. Granat; süsses, beeriges Bouquet, Schoko, Feuerstein und Zimt. Elegant, weich im Gaumen, fast etwas mollig. Weiter ging es mit dem Top Jahrgang 1990 Sassicaia. Dunkles Granat; Komplexes, beeriges Bouquet. Kirschen, Pflaumen aber auch schwarzbeerige Aromen. Streichholz und Zedern. Typisch für 1990 mittelschwer im Gaumen, dafür elegant und sehr lange im Abgang. Prächtig zugänglich und offen präsentiert sich der verlockende 1995 Sassicaia. Mollig, süsse Frucht. Himbeeren, Griotte, Mocca und Jod. Fein strukturiert, schön entwickelt und jetzt perfekt zum geniessen. Zapfen raus und rein ins Glas gilt auch für 1997 Sassicaia. Röstiges Bouquet. Tabak, Rauch, Zedern und Caramel. Herrlich harmonierende dunkelbeerige Aromen. Vollmundig, intensiver Sassi, mit viel Schmelz und Grösse.
1998 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18/20 | trinken – 2025 |
1999 | Tenuta San Guido Sassicaia | 17/20 | trinken – 2025 |
2000 | Tenuta San Guido Sassicaia | 17.5/20 | trinken – 2020 |
2001 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18.5/20 | trinken – 2025 |
2003 | Tenuta San Guido Sassicaia | 17+/20 | trinken – 2025 |
Die Jahrgänge rund um die Jahrtausendwende sind durchwegs sehr gut gelungen, deutlich konzentrierter und halten locker weitere zehn Jahre. 1998 Sassicaia ist ein kräftiger, markanter, dunkelbeeriger Wein. Würzig, etwas Teer und harmonisch begleitende Holznoten. Wird sich noch weiter verfeinern. Sehr offen, ausladend und breit kommt 1999 Sassicaia daher. Cassis, Lakritze, Peperoni. Breitschultrig, bullig. Mehr Fett als Eleganz. 2000 Sassicaia mit aktuell etwas unterdrückter Frucht. Präsente Röstaromen, Popcorn, Vanille und Rauch. Die etwas fehlende Konzentration widerspiegelt den in der Toskana mässigen 2000er Jahrgang. Erneut sehr gut schmeckte mir 2001 Sassicaia; Schönes offenes, zugängliches Bouquet. Kirschen, Pflaumen, Toast, Datteln und Schwefel. Harmonisch, gradlinig im Körper. Dicht verwobener Sassicaia mit gutem Alterungspotential. 2003 Sassicaia mit üppig, leicht marmeladig, alkoholisches Bouquet. Intensiv, dichte Struktur und Länge. Kernige Tannine. Wirkt noch sehr jung und zeigt Potenzial.
2004 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18/20 | trinken – 2030 |
2006 | Tenuta San Guido Sassicaia | 19/20 | trinken – 2030 |
2009 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18.5/20 | trinken – 2030 |
2010 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18.5+/20 | 2020 – 2040 |
2011 | Tenuta San Guido Sassicaia | 18+/20 | 2018 – 2030 |
Prächtig entwickelt hat sich 2004 Sassicaia. Dunkelbeerig offenes, rauchiges Bouquet mit Vanille, Menthol, Pfeffer und Lakritze. Enorm frisch und schwungvoll, balancierter Gaumen. Jetzt in sehr schöner Trinkphase. Ganz gross ist 2006 Sassicaia. Ein hedonistischer, tief intensiver Wein. Immer noch sehr jung, ausgestattet mit kräftiger Statur und Länge. Trinkt sich unglaublich gut in dieser jungen Phase. Probieren! 2009 Sassicaia hat seinen Babyspeck bereits etwas abgelegt. Blau- und schwarzbeerige Grundaromatik, Peperoni, Mocca, Kaffee. Opulenter Köper, elegante Tannine, tolle Länge. Ein früh trinkreifer Sassicaia auf sehr hohem Niveau. Viel Geduld braucht dagegen 2010 Sassicaia. Hier hat sich noch wenig entwickelt. Immer noch primärfruchtig, massiv Cassis, Brombeeren. Dramatische Tiefe, sehr konzentriert und kräftig. Kann sich zu einem der grössten Jahrgänge entwickeln. Ebenfalls gross, wenn auch etwas weniger konzentriert ist 2011 Sassicaia. Der jüngste Jahrgang auf dem Markt, zeigt vielversprechende Ansätze. Laktisch, schwarzbeerig, Kalk und Gewürze. Abgerundete Tannine. Bereits jetzt in schöner Balance.
Auch dieses Jahr konnte im Napa Valley wieder ein alter Rekord gebrochen werden. Die Weine des Jahres 2013 und die ultrararen Boutiqueweine mit 5 bis maximal 20 Kisten wurden an der Premiere Napa Valley (PNV) während drei intensiven Degustationstagen präsentiert. Insgesamt wurden mindestens 400 verschiedene Weine aller möglichen Rebsorten zusätzlich zu den 225 Auktionslots zur Probe in Reih und Glied dem Weinfachhandel und Handel präsentiert. Die PNV brachte über $ 6 Mio. ein. Ein neuer Rekord!
Napa Valley scheint nicht nur mit viel Sonne ausgestattet, sondern ist wahrlich sonnenverwöhnt. Der Jahrgang 2013 wird nach dem bereits hervorragenden, aber rasch zugänglichen 2012 nochmals eine Bewertungsnote zulegen. Die Weine präsentierten sich mit enormer Tiefe, guter Komplexität, viel Frucht, aber im Gegensatz zum Jahrgang 2012 mit deutlich mehr Struktur. 2012 gefällt bereits jetzt schon zum Trinken. 2013 wird die Geduld der Weinliebhaber zwar strapazieren, aber das Warten bis die Weine die optimale Reife erreichen, belohnen. Meine Beurteilung ist: 2013 wird besser als 2007! Hier kommt ein Jahrgang, welcher uns ganz viel Freude und Kummer (Preiserhöhungen von ca. 15% sind angesagt) bereiten wird. Der nachfolgende Jahrgang 2014 habe ich in etlichen Fassproben getestet zeigt auch viel Struktur, etwas weniger stoffige Kraft und eher härtere , weniger geschliffene Tannine. 2014 (97/100 Punkte) wird irgendwo eine Kombination von 2012 (96/100) und 2013 (100?/100) werden. 3 hervorragende Jahrgänge erwarten bald die Konsumenten und die Vorfreude ist gross.
Zu den Highlights der diesjährigen PNV gehörten folgende 100% Cabernet Weine in Spezialabfüllungen des Jahres 2013: Brand und Fairchild (Weinmacher Philipp Melka), Memento Mori und Arkenstone (Weinmacher Sam Kaplan), Vineyard 7&8 (Martha McClellan) und die bekannten und etablierten Weingüter Spottswoode, Larkmead, Shafer, Seavey(!) oder auch Continuum. Geheimtipps sind Arrow&Branch und Aloft. Arrow&Branch wartete mit einer Cab Franc dominierten Version auf. Die Reben in Coombsville/Napa wurden ursprünglich von Tony Soter gepflanzt. Das Team um Mike Wolf (Scarecrow) bewirtschaftet die Reben und Jennifer Williams (ex-Spottswoode) ist die Weinmacherin. Grosse Klasse. Cabernet-Sauvignon Ergänzung aus der Dr. Crane Lage in St. Helena. Aloft wird von den Mondavi-Töchtern gekeltert. Dabei werden sie von Thomas Rivers Brown unterstützt. Eigentlich brauchen sie den gar nicht, ist doch Angelina Mondavi auch Weinmacherin bei Hundred Acre. Hier entwickelt sich ein grosses Mondavi-Comeback!
Tolle weisse Weine waren Lail (100% Sauvignon Blanc). Wahnsinnige frische Zitrusfrucht und Lychee und Grapefrucht Nase! Im Abgang wollte der Sauvignon Blanc gar nicht mehr enden. Grgich lancierte einen tollen Jubiläums Chardonnay (nachgeahmt dem berühmten Paris Tasting). Etliche ältere Weingüter sind in den Startlöcher, ein Comeback zu lancieren. Beringer gefiel hier am besten. Andere alte haben noch Probleme und nicht die vergangene Klasse.
Ausserhalb der PNV Lots durften wir Tastings bei den Weinen von Celia Welch (Keever, Corra, Lindstrom und dem sagenhaften und ältesten Cabernet Reben von 1944 bei Scarecow) machen. Kann nur sagen, Celia macht unglaubliche Weine.
Scarecrow 2012 ein Muss! J. Daniel Cuvée 2012 von Robin Daniel Lail haben ebenfalls grosse Klasse und Tiefgang mit enormer Struktur, Blaubeerigkeit und viel weichen Tanninen. Erstmals wurde Lail (ehemaliger Co-Gründerin von Dominus und Merryvale) von Parker mit 100 Punkte belohnt.
Leider negatives ist von der Preisfront zu berichten. Etliche Newcomers, aber auch etablierte Weingüter verlangen 10-20% höhere Preise für die aktuell im Verkauf befindlichen Jahrgänge. Leider scheint es bei den Bestlagen für Traubengut von Beckstoffer, To Kalon, Dr. Crane und bei anderen Anbietern explosive Preiserhöhungen bis zu 50% zu geben. So erstaunt es nicht, dass etliche Vineyards in den Startlöchern sind oder bereits gestartet haben, zukünftig das Traubengut selber zu verarbeiten. Bestes Beispiel ist VHR (Vine Hill Ranch, welche auch Trauben an Bond (Vecina) verkauft. Jedes Jahr ziehen somit neue Weingüter ins Lande. Etliche mit erstaunlichem Debüt!
Am Rande bemerkt. Bill Harlan baut in Oakville nahe bei Bond und unterhalb von Futo seine Winery von Promontory (Erstjahrgang 2009 wurde lanciert im Herbst 2014). Ein Rundgang mit Bob Levy (Weinmacher von Harlan und vom TNVR) offenbarte die tolle Lage der Reben und der neuen Winery. Diese wird sich ab 2016 (Herbst) dem breiten Publikum öffnen.
Erstmals wird Harlan auch für den Konsumenten ohne Beziehungen zugänglich. Zumindest theoretisch, denn leider kosten die Weine immer mehr. Die diversen Bond-Lageweine kosten neu $ 400. Harlan $ 800… Wie war das noch? Inflationäre Tendenzen in der heutigen Wirtschaftlage gibt es nicht? Da wird mein eigener „The Napa Valley Reserve“(TNVR) Helvetia Selection schon fast zum Schnäppchen aus dem Hause Harlan. Doch meine Jahrgänge 2012 bis 2014 lagern noch ruhig vor sich hin in den T5-Fässern (Reserve Barrique von Tarransaud)…
Label des diesjährigen Rekordhalter:
Spezial Barrique-Wein von Brand 2013 – Lot ging für $ 115‘000 über die Bühne und taucht im 2017 auch in der Schweiz auf…
Eine geglückte Rückkehr zu Uschi und Werner Tobler. Nicht in die Braui wie früher, sondern in den Weinrausch. Zum ersten Mal beglückten uns die beiden an neuer Wirkungsstätte in Luzern. Eugen Haefliger kramte wieder einmal ganz tief im US Raritäten Regal und lud ein zu Great Wineries – Great Vintages. Fünf legendäre kalifornische Weingüter präsentierten ihre besten Flaschen über mehrere Jahrzehnte. (mehr …)
André Kunz organisierte diese eindrückliche Kick Off 2015 Probe. Cos d’Estournel ist hauptsächlich ab den 80er Jahren stets gut vertreten in den Schweizer Weinkellern. Deshalb war es ein leichtes, genügend Teilnehmer mit einem oder mehreren Cos Jahrgängen ins Restaurant Kreuz nach Emmen einzuladen. Die Qualität stieg in dieser Zeit unter der Leitung des legendären Bruno Prâts. (mehr …)
10 – 20 Punkte. Das ist der Massstab für meine Weinbewertungen. Die allergrössten Weine erhalten die Maximalnote 20/20 und sind auf der Jahres Bestenliste aufgeführt. Diese „Best of“ erfreut jeweils viele Besucher. Dies zeigt auf alle Fälle meine Webstatistik. Im Sport würde man eine solche Bewertung mit „Stilnote“ bezeichnen. (mehr …)
Der Bestbottle Circle, rund um Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti, lud zur dritten Ausgabe ihres US Tastings „American Belle“. In der eleganten Krone in Adliswil genossen wir eng umschlungen ein tolles Menu und hervorragende Kalifornier aus den Spitzenjahren 2001 und 2002. (mehr …)