Wieder Montrose 1990. Wieder. Immer wieder.

24. Juni 2015

Und wieder stellt der dramatische 1990 Montrose alles in den Schatten. Doch nicht nur der 90er begeisterte, was eine aktuelle Probe von über einem Dutzend Jahrgängen dieses edlen Deuxieme  St. Estèphe bewies.

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Bordeaux 1981: Der verregnete Spitzenjahrgang

18. Juni 2015

Regen während der Lese. Ein schlimmes Szenario für jeden Weinbauern. Die Chancen auf einen grossen Jahrgang sind im Nu vorbei. Meistens entstehen leichte, früh trinkreife, charmante Weine. Doch was passiert wann man sie spät trinkt? Nach 34 Jahren… (mehr …)

Zu wem passt der Wein?

13. Juni 2015

Weinempfehlungen: „Dieser Wein passt am besten zu leichten Vorspeisen. Der ideale Begleiter zu einer rassigen Pasta. Geniessen Sie diesen edlen Tropfen zu einem guten Stück Fleisch“… Ghääähn… Natürlich hilft eine einigermassen sinnvolle Wine-Food-Pairing. Doch viel wichtiger ist die Frage „Zu wem passt der Wein“. Mit wem geniesse ich diese Flasche und wann? So quasi: Der optimale Weinmoment. (mehr …)

The Paris Tasting: 39 Jahre später, 667 Kilometer östlicher

1. Juni 2015

Grosse Wellen warf 1976 das legendäre Paris Tasting. Weinhändler Steven Spurrier organisierte eine Blindprobe zwischen französischen und kalifornischen Weinen, welche die Ansichten der Fachwelt aus den Fugen hob. Bis dato war klar, die Franzosen produzieren die besten Weinen.

Das Paris Tasting war eigentlich keine grosse Sache. Spurrier schaffte es lediglich ein paar Weinjournalisten an einen Tisch zu bringen und liess sie zehn Rot- und zehn Weissweine blind verkosten. Nur ein einziger Journalist vom „Time Magazine“ interessierte sich für die Probe, und machte den ganzen „Skandal“ schlussendlich weltweit publik. Die Ergebnisse von 1976:

Weissweine:

1.Chateau Montelena Winery 1973

2.Meursault Charmes Roulot 1973

3.Chalone Vineyard 1974

4.Spring Mountain Vineyard 1973

5.Beaune Clos des Mouches, Maison Joseph Drouhin 1973

6.Freemark Abbey Winery 1972

7.Bâtard-Montrachet, Ramonet-Prudhon 1973

8.Puligny-Montrachet Les Pucelles, Domaine Leflaive 1972

9.Veedercrest Vineyards 1972

10.David Bruce Winery 1973

 

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Die Jury 1976

 

Rotweine

1.Stag’s Leap Wine Cellars 1973

2.Château Mouton-Rothschild 1970

3.Château Montrose 1970

4.Château Haut-Brion 1970

5.Ridge Vineyards Monte Bello 1971

6.Château Léoville-las-Cases 1971

7.Heitz Wine Cellars “Martha’s Vineyard” 1970

8.Clos Du Val Winery 1972

9.Mayacamas Vineyards 1971

10.Freemark Abbey Winery 1967

 

Für die damalige traditionelle „Weinfachwelt“ war das Ergebnis ein Schock. Als ob man ihnen weissmachen wollte, die Erde sei nun doch wieder eine Scheibe und keine Kugel. Die beliebteste Ausrede der Experten damals war, dass die amerikanischen Weine nicht altern können, und die Franzosen viel zu jung waren für das Tasting. Allerdings änderte sich das Ergebnis auch später nicht. Mehrmals wurde die Verkostung wiederholt, praktisch immer mit demselben Resultat. MYBESTWINE.CH organisierte 2012 mit Weinen von Eugen Haefliger das exakte Rotwein Paris Tasting im Cloud’s Zürich. Sieger: 1970 Heitz Martha’s Vineyard.

2008 wurde das Paris Tasting unter dem Titel „Bottle Shock“grossartig verfilmt, und Mike Grgich (damaliger Winemaker von Chateau Montelena und heute mit 92 immer noch Präsident von Grgich Hills Estate) in die Vinters Hall of Fame aufgenommen.

 

 

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Miljenko “Mike” Grgich mit seinem berühmten 1973 Chateau Montelena Charonnay

 

Heute ist sich die Weinwelt einig. Das Paris Tasting hat viel zum Renommee der kalifornischen Weine beigetragen. Beide Gebiete gehören zu den besten der Welt. Leider sind die Kalifornier aber keine günstige Alternative mehr, und von den Spitzenweinen aus Übersee wird kaum ein Zehntel der Menge eines Bordeaux Chateau‘ produziert.  Klar ist auch, Weinqualität oder Verkostungen sind keine Sportart. Somit kann glücklicherweise weder ein Weinweltmeister noch ein Champions League Sieger anhand von Punkten und Resultaten gekürt werden. Die Empfindungen sind immer subjektiv und persönlich. Statt Konkurrenz wie in den 70er und 80er Jahren herrscht heute gegenseitiger Respekt.

Aber ist es blind immer klar, welcher Wein ein Kalifornier oder ein Bordeaux ist? Die Grundlage ist bei beiden Cabernet Sauvignon. Terroir und Wetter unterscheiden sich zwar, aber Weinbereitung und Ausbau ist ähnlich.

Die Best Bottle Crew entschied sich zu diesem Genuss Experiment in ihrem Event „Paris Tasting – Napa vs. Bordeaux“. Im Gegensatz zum Originaltasting 1976 wählten sie eine viel breitere Jahrgangsspanne zwischen 1989 –2003. Dadurch wurde also auch der Faktor Langlebigkeit und Reifeentwicklung miteinbezogen. Der Nachteil: Nicht alle Flaschen stammten aus demselben Keller, was die Ergebnisse wieder etwas relativiert. Die Franzosen schickten ihre Spitzenjahrgänge 1989, 1990, 1996, 2000 und 2003 ins Rennen. Kalifornien trat mit 1991, 1994, 1999 und 2001 an. Im Gegensatz zum Originaltastig fand der Event dieses Mal etwas ausserhalb Paris statt. Exakt 667 km östlich, im Restaurant Kreuz in Emmen

 

Die "Spurriers" der Neuzeit: Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti (v.l.n.r.)

Die „Spurriers“ der Neuzeit: Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti (v.l.n.r.)

  

Alle Weine wurden blind verkostet. Die Auflösung jeweils nach jedem Flight und die Erkenntnis, dass je älter der Wein, je schwieriger die Zuteilung nach Bordeaux oder Napa Valley war. Spannend, denn nicht mal im Vorfeld der Probe wurde kommuniziert, welche Flaschen überhaupt teilnahmen. Die Ergebnisse erachte ich als zweitranging, da ich sowohl grosse Napa- wie Bordeauxweine verehre.

 

Die Jury 2015

Die Jury 2015

  

1989  Chateau Palmer, Margaux  19/20  trinken – 2020
1991  Dominus Estate, Napa Valley  19/20  trinken – 2020
1991  Stag’s Leap Cask 23 Cabernet Sauvignon, Napa Valley  18/20  trinken – 2025
1990  Chateau Pape Clement, Pessac-Leognan    18.5/20 trinken – 2020

 

Los gings mit dem feinstrukturierten, hoch eleganten 1989 Chateau Palmer. Delikates Bouquet, Pflaumen, Cassis, Zedern, Russ. Harmonisch mild im Gaumen. Schöne Länge. Grossartiger Wein. Wenn man nicht wüsste, dass nur Medoc Weine zum Tasting zugelassen waren, könnte man glatt von einem St. Emilion Piraten sprechen. Trotzdem: Palmer wurde klar als Bordeaux erkannt. Ebenfalls richtig tippte man bei 1991 Dominus, obwohl der Wein über viel Bordeaux Affinität verfügt. Defensiv in der Nase. Schwarzbeerig, Pfeffer, Zedern und Kirschen. Feine Minzenoten. Runder, fülliger Gaumen, präzise Säure, geschmeidig, dicht verwoben. 

 

2015 06 paris serie 1

 

Bei Stag’s Leap Cask 23 war die Zuteilung schwierig, da der Wein anfänglich etwas muffig, vegetabil daher kam. Besserte sich mit der Zeit und mehr pflaumige Aromen kamen zum Vorschein sowie Tabak und Holz. Blieb im Gaumen animalisch und erdig mit griffige Säure. „Kalifornisch“ zeigte sich Chateau Pape Clement mit sehr röstiger Nase. Popcorn, Toast, Cassis, Himbeeren und etwas Peperoni. Klassischer Cabernet Touch im Gaumen, sehr elegant und frisch im Abgang.

 

1994  Dominus Estate, Napa Valley  20/20  trinken – 2025
1994  Shafer Hillside Select Cabernet Sauvignon, Stags Leap District 18.5/20  trinken – 2025
1990 Chateau Montrose, Saint-Estephe 19.5/20  trinken – 2025
1990  Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien 19.5/20 trinken – 2030

 

Obwohl ich den 1994 Dominus schon mehrere Mal erleben durfte, muss ich gestehen, dass ich ihn erneut als Bordeaux deklarierte. Dunkles Granat. Offenes Bouquet. Cassis, Pflaumen, Torf, Brotkruste, Zedern und Leder. Dichter Körper, intensive Aromatik und geniale Balance. Dominus 1994 scheint jetzt auf seinem Höhepunkt angekommen zu sein. Etwas diffus, dafür klar als Cali-Cab erkennbar zeigte sich 1994 Shafer Hillside Select. Dunkles Purpur; Intensiv blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Leider etwas Lack, und auch reife Rosinen. Im Gaumen wirkt er aber deutlich jünger als in der etwas welken Nase.

 

2015 06 paris serie 2

 

Ein sicherer Bordeaux Tipp war 1990 Montrose mit mollig schwarzbeeriger Nase, Nuss, Leder, Malz, Teer. Im Gaumen ein Ausbund an Kraft und Fülle. Dieser 1990er Montrose schien etwas reifer als der kürzlich genossene beim Marcel Grimms Geburtstag. In dieser Verfassung ähnelt er eher seinem eigenen 89er. Schlecht getippt dafür enorm genossen habe ich Chateau Leoville-Las Cases. Süsses, cremiges Bouquet. Edle Schokolade, Bittermandeln, Zedern, Jute, Stroh. Alles fein schwarbeerig untermalt. Herrlich ausgewogen, elegant um Gaumen. Perfekt reif mit genialer Länge.

 

1994  Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon, Napa Valley 18.5+/20  trinken – 2040
1996 Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 19/20  trinken – 2035
1996  Chateau Latour, Pauillac 20/20  trinken – 2045
1994  Colgin Herb Lamb Vineyard Cabernet Sauvignon, Napa Valley 18.5/20 trinken – 2020

 

Bei 1994 Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon tippte ich auf 2000 Bordeaux (St. Julien oder so….). Unglaublich jung. Cassis, Brombeer, Zedern, Nuss und etwas Minze. Würzig, mineralisch im Gaumen. Druckvoll, kräftig im Abgang. Auch nach 20 Jahren mit Potentialwertung! Chapeau! Hier finden Sie noch weitere Togni Bewertungen von 2014. Wunderbar und in einer ersten Reifephase präsentierte sich 1996 Chateau Mouton Rothschild. Würzig, cremiges Bouquet. Brotkruste, Cassis. Im Gaumen zeigt er sich mittelschwer aber mit dieser betörenden Mouton Süsse, die schon mal als „kalifornisch“ durchgehen darf… Rund und füllig im Abgang, tolle Länge und gesundes Tannin.

 

2015 06 paris serie 3

 

Bei 1996 Chateau Latour notierte ich das „B“ für Bordeaux und 20/20 für Jahrhundertwein bevor ich sonst was geschrieben habe… Was für ein gewaltiger Wein. Nach einigen verschlossenen Annäherungsversuchen beginnt er nun seine ganze Pracht zu zelebrieren. Dunkelbeerige Nase, perfekt reifer Cabernet. Brombeergelee, Zedern, Trüffel, etwas Oliven. Absolut stimmig im Gaumen, dramatische Tiefe und Länge. Zweifellos einer der aller grössten Latour Jahrgänge der Geschichte.

Und jetzt kommt der schwierigste und zugleich leichteste Vergleich. Denn neben den monumentalen 96er Latour stand 1994 Colgin Herb Lamb Vineyard Cabernet Sauvignon. Ein bildlicher Vergleich: Sie flanieren einer Shoppingstrasse entlang. Zwei Läden vor ihnen. Links ein Bücherladen mit einem weisen Bibliothekar, der ihnen zu allen Fragen des Lebens Antworten liefern kann. Rechts daneben ein Candy Shop mit einer 20jahrigen blonden Aushilfsverkäuferin mit Zahnspange und pinken Haarband mit einem breiten Lächeln im Gesicht… Palim, palim, wo treten Sie ein?  Extrovertierte süsse Nase. Cassis, Lakritze, Mocca ohne Ende. Der Gaumen zeigt viel mehr Klassik als das mit Zuckerguss überzogene Bouquet. Aber die beiden Komponente laufen nun etwas auseinander, was ihn etwas chilenisch, exotisch macht.

  

1999  Hartwell Estate Cabernet Sauvignon, Stags Leap District 19/20  trinken – 2035
2003  Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 19/20  trinken – 2035
2000 Chateau Leoville Poyferre, Saint-Julien 19/20  trinken – 2030
2000 Chateau Lynch-Bages, Pauillac    19/20 trinken – 2030
2001 Abreu Madrona Ranch Cabernet Sauvignon, Napa Valley  19+/20  trinken – 2050

 

Zum Schluss dann diese unglaublich homogene Serie mit klaren Zuteilungen nach „nach alter und neuer Welt“. 1999 Hartwell Estate Cabernet Sauvignon mit jugendlichen, beerigen Aromen. Brombeer, Cassis. Dazu Eukalyptus und Kandis. Schöne Röstung, etwas Pop Corn und Rauch. Stoffig, vollmundig im Auftakt. Zeigt gute Reserven und Potential.

Toast, Brotkruste, Kaffee, Brombeergelee und Mandelgebäck. Nein, ich bin noch nicht am Frühstücksbuffet. Denn das sind die Aromen vom 2003 Chateau Mouton Rothschild. Ein regelrechter „Zmorge Wy“. Die Frucht ist ob der intensiven Röstung im Hintergrund und erinnert so an die Jugendphase seines 1989ers. Wer mehr Harmonie und Reife sucht, wartet noch ein paar Jahre. Wer ihn so liebt wie er jetzt ist, kann sich beim nächsten Frühstück auch mal ein Zweierli 03er Mouton anstelle eines Cappuccinos bestellen…

Faszinieret war ich vom 2000 Chateau Leoville Poyferre. Ein dunkelbeerig, mineralischer Wein mit Leder und Tabak im Bouquet dazu etwas Vanille, Schoko. Mittlere Intensität, aber super harmonisch strukturiert. Zeigt jetzt schon viel Eleganz und Finesse. Vielleicht hat’s ja neben der Bibliothek und dem Candy Shop auch noch einen Laden mit Poyferré 2000….

Super auch 2000 Chateau Lynch-Bages. Röstig, schwarzbeerige Nase. Caramel, Schwarztee. Etwas Pflaumen, erste reife Leder- und Tabaknoten. Auch etwas Malz. Zeigt sich klassisch, reif auch im Gaumen. Auf nichts mehr warten, zugreifen und Spass haben. Erlebte den 2000er Lynch Bages noch nie so offen.

Zum Schluss noch ein Napa Feuerwerk der Extraklasse. 2001 Abreu Madrona Ranch Cabernet Sauvignon. Volles, üppiges Bouquet. Viel Cassis, Lakritze, Peperoni, Minze und Eukalyptus. Enorm jung. Ueberschwenglich auch im Gaumen, von allem ist viel da. Power, Potential und Genuss. Zweifellos auf dem Weg zur Perfektion.

 

2015 06 paris serie 4

 

Und das Fazit der Probe? Begeisterung! Es gibt weder Sieger noch Verlierer. Gewonnen haben die Gäste, die so eine faszinierende Probe miterleben dürfen. Schön, dass es immer wieder Weinfreunde gibt, die ein, zwei tolle Flaschen aus ihrem Keller hergeben, und dafür mit einer Genusspotenz von „hoch 10“ dafür belohnt werden. Ein grosses Kompliment an das Organisations Trio des Best Bottle Cerlces. Mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl haben sie die Weine ausgesucht und zusammengestellt. Die eindrücklichsten Flaschen waren alle um die 20 Jahre alt. Egal ob Bordeaux oder Napa. Reife siegt. Interessant auch die Phase der 2000er Bordeaux. Ich glaube, man darf langsam die Kisten öffnen. Daher würde ich gerne wiedermal ein paar 2000er Bordeaux verkosten. Wer ist dabei? Bitte Interesse kurz im Kommentarfeld kundtun.

So, und wie hat nun die 2015 „Emmen Tasting“ Jury entschieden? Die Resultate finden Sie wie immer auf Bestbottle.ch

 

Back to the Future: Bordeaux 1985

10. Mai 2015

1985 klebten wir zum ersten Mal eine Autobahnvignette an unsere Autoscheiben. Mit Live Aid fand das grösste Benefiz Konzert der Geschichte statt. Das Wrack der Titanic wurde entdeckt. Neugeborene taufte man am liebsten auf die Namen Christina oder Christian. Der Schweizer Dano Halsall schwamm mit 22.54 Sekunden über 50 Meter Freistil Weltrekord. Back to the Future schafft es zum erfolgreichsten Film des Jahres und Opus mit Life is Life (na naaa nahh na nah…) stürmten die Single Charts. Dem Opel Kadett E gratulierten wir zum Auto des Jahres und unsere Lieblingsdisco hiess Harrissen Bar in Stansstad. Bleibt noch offen, welches 1985 die besten Bordeaux Weine waren?

1985 gilt kommerziell wie qualitativ als erfolgreiches Jahr in Bordeaux. Mit heissem Sommer und idealem Wetter im August und September erfreuten sich die Cheatau Besitzer einer grossen Ernte. Preislich wurden die 85er für damalige Verhältnisse sehr hoch angesetzt. Die Premiers allesamt über CHF 100.- in der Subskription, die Deuxiemes rund die Hälfte.

 

2015 05 BX85 Titel

 

Mein Fazit der Probe im Restaurant Kreuz Emmen: 85er Bordeaux aus guter Lagerung befinden sich jetzt in Topform. Die besten Weine haben sogar noch ein oder zwei Jahrzehnte vor sich. Es sind mehrheitlich feinstrukturierte, elegante, fast graziöse Clarets mit vielschichtigem Aromenbild. Extrovertiert, zugänglich und charmant. 1985 ist im Gegensatz zu 1986 nie kompliziert. Müsste ich die Achtziger Jahre in einer Rangliste zusammenfassen, so würde der 85er zusammen mit 1983 und 1989 um den Bronzeplatz (hinter 1982 und 1990) kämpfen. 

 

1985  Chateau Montrose, Saint-Estephe 16/20  austrinken
1985 Chateau Cos d’Estournel, Saint-Estephe -/- ?
1985 Chateau Ducru-Beaucaillou, Saint-Julien  -/- austrinken 
1985 Chateau Talbot, Saint-Julien  17.5/20 austrinken
1985 Chateau Lagrange, Saint-Julien  17/20  austrinken
1985 Chateau La Lagune, Haut Medoc 17/20 austrinken

 

Nicht viel erwartete ich von Chateau Montrose, doch das Bouquet überraschte mit würzig, ledrigen Noten. Viel Tabak, etwas Pflaumen und Orangeade. Im Gaumen dann aber leider sehr rustikal, drahtig und unharmonisch. Keine gute Flasche erwischten wir beim Chateau Cos d’Estournel, der Wein sollte eigentlich immer noch gut sein. Die welke, malzige und oxydative Nase kann nur von schlechter Lagerung stammen. Chateau Ducru-Beaucaillou kann man als „klassisch“ bezeichnen, denn die meisten 80er Ducrus nerven mit dieser penetranten Unsauberkeit. Auch diesmal Brett oder Kork im Bouquet. Gaumen wäre geschmeidig, noch mit Frucht ausgestattet. Aber eben… Immer die gleiche Leier mit Ducru.

 

2015 05 85 Bdx Serie 1

 

Gut gefiel mir Chateau Talbot mit cremig, röstigem Bouquet. Milchkaffee, Kokos, Leder, Zedern. Klassisch, rustikal strukturiert, mittlere Länge und etwas trockenem Abgang. Positiv überraschte auch Chateau Lagrange. Laktisch, süssliches Bouquet. Malz, Ovo, Zedern, Stroh. Gaumen lebendig gut erhalten. Immer noch ein toller Esswein. Genau wie Chateau La Lagune. Auch dieser Haut Medoc überzeugte mit würzig, mineralischer Nase. Schöne Tabakaromen und Kerzenwachs.  

 

1985  Chateau L’Eglise-Clinet, Pomerol 18.5/20  austrinken
1985 Chateau L’Arrosee, Saint-Emilion 15/20 austrinken
1985  Chateau La Conseillante, Pomerol  18.5/20 trinken – 2020
1985  Chateau L’Evangile, Pomerol 18.5/20 austrinken
1985  Chateau Pavie, Saint-Emilion 16/20 vorbei
1985  Chateau Cheval Blanc, Saint-Emilion 19/20  trinken – 2025

 

Grossartiger Jahrgang am rechten Ufer. Die Merlot dominanten Weine ertrugen die Hitze erstaunlich gut. Das Resultat sind viele runde, harmonisch und sehr aromatische Weine. Wie auch diese Serie bewies: Chateau L’Eglise-Clinet wirkt im Bouquet frisch. Schwarz- und rotbeerige Grundaromatik, etwas Schoko, Kalk und Himbeeren. Im Gaumen burgundisch, geschmeidig mild, mittlere Intensität und schöner Länge. Chateau L’Arrosee befindet sich ganz am Ende seiner Genussphase. Das Bouquet „kippt“ langsam. Rosinen, dunkle Schokolade und Maggikraut. Im Gaumen ordentlich mit leicht staubiger Note. Faszinierend präsentiert sich Chateau La Conseillante. Er war zwar vor fünf Jahren noch exotischer, aber auch jetzt ist er immer noch ein erotisch-eleganter Pomerol. Offenes Bouquet, Cassis, Himbeeren, Kokos, Vanille, Orangeade und Trüffel. Samtig feiner Gaumen, harmonisch ausgewogen und schöner Länge ausgestattet. Nicht mehr ganz so füllig wie früher, aber immer noch ein grossartiger La Conseillante.

 

2015 05 85 Bdx Serie 2

 

Auch nur gutes berichten lässt sich von Chateau L’Evangile. Süsses Bouquet, Kandis und Caramel, leicht laktisch. Mit guter Frucht unterstützt, bereitet der Wein enormen Spass. Feine Struktur und völlig abgebaute Tannine. Super, aber nicht mehr lange… Chateau Pavie wirkte überreif. Obs generell mit diesem Wein schon so weit ist, oder es sich um eine nicht optimale Flasche handelte, wird der nächste Kontakt zeigen. Leicht oxydative Nase, Liebstöckel, dunkle Schokolade und Kandis. Im Gaumen erste Zerfallserscheinungen. Deutlicher Sieger dieser Serie und ein Kandidat für den Wein des Abends, wenn nicht sogar generell für den Jahrgang 1985 wurde der phänomenale Chateau Cheval Blanc. Das war eine super frische Flasche! Jugendliches Bouquet. Blau- und rotbeerige Grundaromatik, Himbeeren, viel Würze, Teer, Lakritze, Streichholz, Wachs. Im Gaumen füllig, elegant und mit super Länge ausgestattet. Ein Traum Cheval Blanc! 

 

1985  Chateau Leoville Barton, Saint-Julien  16/20  austrinken
1985 Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien 19/20 trinken – 2022
1985 Chateau Leoville Poyferre, Saint-Julien  17/20 trinken – 2025
1985 Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien  17.5/20 trinken – 2022
1985 Chateau Lafite Rothschild, Pauillac  18/20 trinken – 2025
1985 Chateau Grand-Puy-Lacoste, Pauillac 18.5/20 trinken  – 2020

 

Chateau Leoville Barton zeigte sich sehr offen mit würzig röstigem Bouquet. Mocca, Caramel und Lakritze. Eigentlich atypisch für den sonst eher erdig rustikalen Barton. Dies offenbarte er dann im Gaumen. Kurz, hart und wenig Charme. Von ganz anderem Muster gestrickt ist Chateau Leoville-Las Cases. Davon leistete ich mir Anfangs der 90er Jahre eine Kiste für 650 Franken. Damals mein teuerster je gekaufter Wein… Dunkles Granat; offen, zugängliches Bouquet. Immer noch Cassis, etwas Pflaumen. Wachs, Zedern, Russ und Lakritze. Im Gaumen mittlere Intensität, beeindruckende Harmonie und seidenfeine Tannine. Irgendwie ein unauffälliger Wein, der aber genau das widerspiegelt, was man von einem grossen 85er Claret erwartet. Eleganz pur. Etwas im Schatten stand Chateau Leoville Poyferre. Defensiv, mineralisches Bouquet. Kalk, Zedern und leicht grüne Paprika. Im Gaumen reif und zugänglich aber auch etwas unspektakulär.

 

2015 05 85 Bdx Serie 3

 

Der sehr dunkle Chateau Gruaud-Larose schoss so richtig aus dem Glas mit teerig, animalischer Note. Viel Tabak, Malz und Leder. Burschikos, rustikal im Gaumen. Ein Gruaud wie er sein muss. Entweder liebt man es oder lässt es bleiben. Unglaublich jung im Bouquet wirkte Chateau Lafite Rothschild. Frische defensiv beerige Noten, Cakesfrüchte, Kokos, Praline und Vanille. Im Gaumen völlig abgerundet, hoch elegant und wunderbar zu trinken. Die Frage stellte sich, ob da nicht mehr Tiefgang für einen so teuren Premiers vorhanden sein müsste? Nein, denn wer Wucht und Kraft erwartet sucht beim Jahrgang 1985 vergebens. Und noch was zum Preis: Dieser ist bei einer Bewertung völlig irrelevant. Der Wein kann ja nichts dafür, dass er so teuer ist.

Erfreuliche die Entwicklung von Chateau Grand-Puy-Lacoste. Klassisch, dunkelbeerige Pauillac Grundaromatik. Rauch, Leder Tabak, etwas Peperoni, Minze und Zedern. Einer der kräftigsten Weine des Abends. Dichter, intensiver Gaumen und Potential für weitere zehn Jahre. Steht im Schatten des 82ers und des 90ers und daher wohl auch preislich eine Affäre wert…

 

1985  Chateau La Mission Haut-Brion, Pessac-Leognan 18+/20  trinken – 2030
1985  Chateau Haut-Brion, Pessac-Leognan 19/20 trinken – 2030
1985 Chateau Pontet-Canet, Pauillac  16/20 austrinken

 

Chateau La Mission Haut-Brion beeindruckte durch seine Jugendlichkeit und Kraft. Viel Holz im Bouquet, die Frucht scheint etwas unterdrückt aber nicht weg. Der Wein wirkt komprimiert und irgendwie in einer Zwischenphase. Im Gaumen zeigt er Tiefgang und Länge, aber wenig Entwicklung. Kommt da noch was? Fraglos einer der schönsten Weine des Abends war Chateau Haut-Brion. Herrliche extrovertierte Nase mit viel Gewürzen, Kandis, Vanille, Tabak, Mocca und Leder. Sogar etwas Eukalyptus. Sehr vital im Gaumen, schöne Balance und Länge. Ein ruhiger, erhabener Haut Brion. Bordeaux Klassik par excellence! Da vermochte der Chateau Pontet-Canet verständlicherweise nicht ganz mitzuhalten. Rosinen, Pflaumen, Lack und Kandis im Bouquet. Grob, rustikal strukturiert mit kernigen Tanninen, die da eigentlich gar nicht mehr hingehörten. Verglichen mit dem Hype von heute – ein Pontet Canet aus einer anderen Welt.

 

2015 05 85 Bdx Serie 4

 

 

1985  Chateau Palmer, Margaux   18.5/20  trinken – 2020
1985 Chateau Margaux, Margaux   18/20 trinken – 2025
1985 Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac 18.5/20 trinken – 2020
1985 Chateau Latour, Pauillac  18/20  trinken – 2025
1985 Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 18/20 trinken – 2020
1985 Chateau Lynch-Bages, Pauillac  19/20 trinken – 2020

 

Wunderbar präsentierte sich Chateau Palmer. Würzig defensives Bouquet, Pflaumen, Zedern, Malz und Leder. Begleitend von attraktiven Röstaromen und Trüffeln. Der Gaumen ist ein Ausbund von Fülle und Eleganz. Macht enorm Spass. Schwarzbeerig, mineralisch zeigt sich Chateau Margaux. Sehr homogene, offene Nase. Kerzenwachs, Tabak und Russ. Im Gaumen erstaunlich wenig Entwicklung. Dieses Defizit macht er mit seinem betörend süssen und langen Abgang wieder wett. Prachtvoll kam Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande daher. Exotisch, extrovertiert und füllig! Reifes Cassis, Kokos, Cakesfrüchte, Vanille, Bittermandeln und Gianduja. Voller Schmelz im Gaumen, rund, harmonisch. Fast dekadent schön…

 

2015 05 85 Bdx Serie 5

  

Auch für Chateau Latour galt in diesem Jahr: Eleganz vor Kraft. Defensiv schwarzbeerig. Lebt im Bouquet eher vom Holz. Brotkruste, Toast, Kandis und Vanille. Im Gaumen mittelschwer, erdig und sogar etwas rotbeerig. Schön ausgewogen und enorm stimmig. Ein fast zärtlicher Latour mit viel Charme. Leider handelte es sich bei Chateau Mouton Rothschild um eine etwas dumpfe Flasche. Da ich dem Wein in letzter Zeit glücklicherweise zwei, dreimal begegnet bin, kann ich die Notizen zusammenfassen. Reifes, würziges Bouquet. Immer noch Cassisresten. Dazu Schwarztee, Bisquit, Leder, Trüffel und Lakritze. Im Gaumen harmonisch und geschmeidig. Scheint seit Jahren am Ende seiner Trinkreife zu sein, und bereitet aber trotzdem jedes Mal wieder Freude. Ähnliches Phänomen wie beim 83er Mouton.

Bleibt noch der verblüffende Chateau Lynch-Bages. Tiefgründige, intensive Nase. Pflaumen, Cassis, Bisquit, Kokos, Tannen, Mocca, Espresso. Wie immer etwas Peperoni, aber alles stimmig und am richtigen Fleck. Der Gaumen wirkt ausladend, intensiv und super reif. Das war eine Top Flasche und in dieser Form immer noch eine Suche wert. Oftmals tut man dem Lynch Bages etwas unrecht, da er jung schon so viel Spass macht und die Quantitäten meisten recht hoch sind. Doch es lohnt sich immer ein paar Flaschen auf die Seite zu legen. Nicht nur dieser 85er ist jetzt top. Auch 88 hat sich in den letzten Jahren enorm gemausert, und mit 86 geht es jetzt erst so richtig los. 

Apropos 1986. Die feiern nächstes Jahr ihr 30jähriges Jubiläum. Ob wir da auch so viel Homogenität, Fülle und Eleganz erwarten können? Wohl kaum. Aber wir lassen uns nicht abhalten. Bordeaux 1986: Der schmale Grat zwischen Lust und Schmerz (demnächst zu finden bei den Events).

Grimms Wein-Märchen

14. April 2015

Eine gute Geschichte beginnt mit einem Glas Wein. In wiefern die Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert sich dem vergorenen Rebensaft hingezogen fühlten, kann ich nicht belegen. Doch ihre Sammlungen an Märchen und Geschichten faszinieren uns seit Generationen. Wir erzählen sie uns weiter und so werden sie Werke für die Ewigkeit. Marcel Grimm (kein leiblicher Nachkomme der berühmten Autoren..) erzählte ein paar Weinfreunden anlässlich seines 50. Geburtstags auch ein Märchen- Ein Wein-Märchen. In seiner Geschichte gibt es allerdings keine bösen Hexen, fiese Stiefmütter oder dunkle Wälder. In seinen Erzählungen herrscht Sonnenschein, Begeisterung und Genuss. Eine Geschichte nur mit Schneewittchens, Goldmaries und einer Frau Holle, welche die ganze Zeit Höchstwertungen aus ihrem Kissen schüttelte.

Hat ihren Märchenprinz längst gefunden: Beatrice Grimm mit dem Jubilar Marcel:

 
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Als Hauptdarsteller wählte Marcel den König aller Störköche, Werner Tobler. Er sorgte dafür, dass sich die Gäste nicht mit harten Lebkuchen vom Hexenhaus zufriedengeben mussten,  und eine gute Fee namens Bruno, welche beinahe stündlich allen Weinfreunden ihre önologischen Wünsche erfüllte. Bösewichte und Wölfe blieben der edlen Tafel fern und trotzdem entwickelte sich die Geschichte unglaublich spannend. Denn da traten Herrschaften von Weinriesen auf. Herzergreifend und unvergesslich. Und aus noch einem Grund ziehe ich Marcel’s Geschichte jene der Gebrüder Grimm vor: Marcel Grimm’s Weinmärchen sind wahr….

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Es war einmal…. (Serien offen, Weine blind)

 

1937  Dr. Barolet Henri de Villamont Gevrey Chambertin  16/20 vorbei
1959   Dr. Barolet Henri de Villamont Vosne-Romanée 18/20 austrinken

 

Im Kapitel 1 unseres Wein-Märchens wurden alte Erinnerungen an legendäre Düsseldorfer Weinabende wach. Der ebenfalls anwesende Wineterminator, Achim Becker, beschreibt Barolet als „Burgunder Wein Scout“, immer auf der Suche nach den besten Fässern für seine eigenen Abfüllungen. 1937 Dr. Barolet Henri de Villamont Gevrey Chambertin zeigte aber leider bereits deutliche überreife Aromen, gar etwas Essig, Glutamat und Jod. Darunter immer noch spürbar Rosinen und Plfaumen sowie Trester. Im Gaumen besser als in der Nase. Erinnert an Schneewittchens vergifteter Apfel… Deutlich besser in Form daneben 1959 Dr. Barolet Henri de Villamont Vosne-Romanée mit süsser, reifer, milder Nase. Pflaumen, Rosinen und Kirschen mit etwas Bittermandeln im Abgang. Sehr feine Struktur und schöne Länge.

 

1965  Beaulieu Vineyard BV Georges de Latour Private Reserve Cabernet Sauvignon, Napa Valley 13/20 vorbei
1965 Paul Avril Clos des Papes Chateauneuf-du-Pape, Rhone 17.5/20 austrinken
1965 Vega Sicilia Unico Gran Reserva, Ribera del Duero,  18/20 austrinken

 
Schwierig wurde es für Marcel Grimm auf der Suche nach guten Weinen aus seinem Geburtsjahr. Die Pechmarie schlug beim 1965 Beaulieu Vineyard BV Georges de Latour Private Reserve zu. Alte Beaulieu versprechen oft noch viel Genuss, diese Flasche war aber hinüber, oxidiert und hätte höchstens der Prinzessin als Alternative angeboten werden können. „Küss den Frosch oder trink diesen Wein!“ Toll dafür 1965 Paul Avril Clos des Papes Chateauneuf-du-Pape. Delikat, fleischige Aromen. Viel Gewürz, Kirschen und Leder. Der Gaumen ist leicht ausgezerrt aber lebendig. Etwas unreife Tannine im Abgang. Der „jüngste 50er“ der Serie war 1965 Vega Sicilia Unico Gran Reserva. Sehr süsses Bouquet, Caramel, Vanille, Zedern und Kräuter. Erdig, komplex und breit strukturiert mit fast portigem Abgang und massiver Säure. Wirkt etwas zu gedröhnt vom vielen Holz.

 

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1982  Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien  19/20 trinken – 2025
1982  Chateau Latour, Pauillac 19.5+/20 trinken – 2045
1982  Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien  20/20 trinken – 2030
1982 Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac 20/20 austrinken

 

„Spieglein, Spieglein an der Wand, welcher ist der schönste 82er Bordeaux im ganzen Märchenland?“ Wie ein staunender Zwerg der zum ersten Mal Schneewittchen erblickt, sass ich vor dieser magischen Serie. 1982 Chateau Gruaud-Larose war blind zu erkennen. Blau- schwarzbeerige Grundaromatik. Typische Zedern-, Tabak- und Ledernoten. Dazu feine Kräuter und Rauch. Elegante Struktur und trotzdem die bodenständige, erdige St. Julien Art. Toller Wein! Wir bewerteten alle Weine blind und ich gab 1982 Chateau Latour „nur“ 19.5+/20. Granat; Dunkelbeerig, Zedern, Lakritze, Waldboden, Pilz. Dann ein unglaublich druckvoller Auftakt. Es kommt ein richtiger Aromenschub auf einem zu. Enorm stoffig, phänomenaler, kräftiger Körper. Ein Urmeter von einem Wein. Alles ist quasi im Überfluss da. Doch diese Flasche wirkte so jugendlich, dass mich der Gedanke nicht los lässt, ob sich die einzelnen Komponenten nicht noch intensiver vermählen können? Deshalb glaube ich, dass Latour 82 seinen Höhepunkt noch gar nicht erreicht hat… Unbestätigten Gerüchten zu Folge soll Rotkäppchen bereits damals auf dem Weg zur Grossmutter eine Flasche Latour im Korb dabei gehabt haben… Prost Wolf! 

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1982 Chateau Leoville-Las Cases war schlichtweg grossartig. Den erlebte ich noch nie in dieser perfekten Form (Bewertungen bis anhin immer 19+ und 19.5/20). Diesmal verdient er auf eindrückliche Art und Weise die Bestnoten. Cremig, frisches Bouquet. Süss, würzig, etwas Schoko, etwas Minze. Dazu passend Zedern und Leder. Jugendlich stoffig im Gaumen, reif und elegant. Dicht und länger im Abgang als Rapunzels Haarpracht. Und dann noch eine weitere Märchenfee: 1982 Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande. Das ist kein typischer Pauillac, nicht mal ein typischer Lalande… Das ist schlicht und einfach ein einzigartiger Wein. Wann schafft Lalande je wieder so was und was lief damals anders? Ausufernd, frisches, cremiges Bouquet. Cassis, Erdbeeren, frische Tannenäste, Gewürze, Praline, Kandiszucker und Malz. Im Gaumen hoch elegant, superfein strukturiert und mit bezaubernder Länge. Gehört Erotik in ein Märchen? Dann ist diese Lalande die Top Besetzung! Und Achtung: „Austrinken“ bedeutet nicht, dass jetzt alle panikartig in ihre Keller hetzen und die letzten Flaschen dieser 82er Prinzessin rausholen. Die Zeit reicht schon noch um mich vorher anzurufen…

 

1986  Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien   19/20 trinken – 2030
1986 Chateau Margaux, Margaux 16+/20 trinken – 2040
1986 Chateau Mouton Rothschild, Pauillac 19.5+/20 trinken – 2050

 

Im nächsten Kapitel blieben wir im Bordelais und näherten uns einem sehr unterschiedlichen 86er Trio an. Sehr überzeugend und nach wie vor ein spannender Kauftipp ist 1986 Chateau Gruaud-Larose. Immer noch dunkel in der Farbe. Mineralisch, schwarzbeerig, etwas Lakritze, Pfeffer und Leder. Voluminöser im Gaumen als bei früheren Begegnungen. Trinkreif und elegant mit prächtigem Potenzial für ein langes Leben. Wie lange das Leben für 1986 Chateau Margaux dauern muss bis aus der Pechmarie eine Goldmarie wird weiss ich nicht. Aber in jedem Märchen braucht es einen Bösewicht. Ob nun Stiefmutter oder böser Wolf – dieser Margaux passt auf beides zu. Kein Wunder, dass einzelne Gäste ihn als fehlerhaft oder gar mit korkig betitelten. Er zeigt sich völlig verklemmt. Zeigt wenig Aromen, etwas Teer, Eukalyptus aber wenig Frucht. Auch im Gaumen kantig, grantig mit Säure- und Gerbstoffüberhang. Da hofft man, dass sich dieser Margaux im (Auktions) Wald verirrt und nie mehr zurück findet.

Jederzeit willkommen ist dagegen 1986 Chateau Mouton Rothschild. Ein Prachtswein mit enormer Kraft und Intensität. Dunkelbeerig, erdig, süss. Viel Zedern, Tabak und Rauch. Viel jugendliche Aromen. Im Gaumen ist er jetzt zugänglicher, aber noch nicht richtig reif. Ähnliches Phänomen wie beim 82er Latour weiter oben. Der Wein war sehr lange dekantiert. Das hilft den Aromen aber es trocknet auch die Tannine aus. Vielleicht hat ihm dies den halben Punkt gekostet.

Ueberigens, liebe Leserinnen und Leser: Sie können sich ruhig mal dazwischen verwundert die Augen reiben, bevor es weiter geht. Denn auch das war noch nicht das letzte Kapitel. Der Weg durch den Märchenwald führt uns jetzt zu ein paar 90er Bordeaux:

 

1990  Chateau Latour, Pauillac  19/20 trinken – 2025
1990 Chateau Lynch-Bages, Pauillac  19/20 trinken – 2020
1990 Chateau Montrose, Saint-Estephe 20/20 trinken – 2030
1990 Chateau Pichon-Longueville Baron, Pauillac (Jeroboam) 19/20 trinken – 2020

 
1990 Chateau Latour ist jetzt fraglos reif. Da muss auf nichts mehr gewartet werden. Würzig, blau- schwarzbeeriges Bouquet, Brotkruste, etwas Peperoni, Lakritze und Pfeffer. Rund im Gaumen, viel Schmelz mit schönem Tiefgang und bezaubernder Eleganz. Eher ein femininer Latour. Auch auf der filigranen Seite präsentiert sich 1990 Chateau Lynch-Bages. Dekadent, leckeres Bouquet. Pflaumen, Cassis, Vanille, Nuss, Bittermandeln und Schoko. Im Gaumen zärtlich fein strukturiert, süss aber nicht mit besonders viel Tiefgang ausgestattet. Dafür ein betörender Spasswein. Wenn Sie auf Spass und Gehalt (gilt für Wein-Volumen wie Portemonnaie-Volumen) stehen, dann gönnen Sie sich eine Flasche 1990 Chateau Montrose. Das ist wohl inzwischen das Beste, was es aus diesem legendären Bordeaux Jahr gibt. Erdiges Bouquet. Teer, Caramel, Kräuter, Minze, Schwarztee. Wunderbar unterlegt mit dunklen frischen Beeren. Im Gaumen zupackend, dicht, intensiv mit einer dramatischen Tiefe und Länge ausgestattet. Dieser Wein verbindet die klassische rustikale Montrose Art perfekt mit der Eleganz und Erotik des 90er Jahrgangs.

 

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Als Tischwein(!) begleitete uns den ganzen Tag 1990 Chateau Pichon-Longueville Baron aus der Jeroboam Flasche. Diese perfekte, frische Grossflasche zeigt den 90er Baron in seiner leckeren, röstig, offensiven Art, wie viele Nomalflaschen vor zehn Jahren daher kamen. Rubin; Cassis, Pflaumen, Feuerstein, Lakritze, Rauch. Saftig, voluminös im Gaumen. Super integrierte Säure, kräftiger Abgang und tolle Länge. Diese Jeroboam hätte noch 20 Jahre gehalten… hätte. 

1988  E. Guigal Cote Rotie La Landonne, Rhone  20/20  trinken – 2030
1988 E. Guigal Cote Rotie La Mouline, Rhone 20/20 trinken – 2030
1988 E. Guigal Cote Rotie La Turque, Rhone  20/20 trinken – 2025

 

Als ich vor einem halben Jahr an der „In Love with Syrah“ Probe, die drei 88er Lala’s verlassen habe, streute ich heimlich Brotkrümel, in der Hoffnung diesen drei Zauberweinen jemals wieder zu begegnen. Und siehe da, das Rhone Traumtrio steht erneut vor mir. Es sind Nuancen, durch welche sich die drei Syrah Schönheiten unterscheiden. Was mich am meisten beindruckt ist erneut die Aromatik und mit welcher Leichtigkeit diese zum Tragen kommt. Man muss von keinem Wein so wenig trinken um diesen spektakulären Effekt zu erreichen. Guigal’s Homöopathie!

 

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1988 E. Guigal Cote Rotie La Landonne zeigt sich mit äusserst elegantem Bouquet. Brombeeren, Cassis, Brotkruste, Teer, Stroh, Leder, Teebaumöl und Lakritze. Im Gaumen zärtlich fein, mittelschwer, blumig und elegant strukturiert mit wunderbarer Länge und Balance. 1988 E. Guigal Cote Rotie La Mouline mit röstigerer Nase. Brotkruste, etwas Speck, Marroni, Vanille. Mit der Zeit immer mehr beerige Aromen (Himbeeren, Cassis), danach mehr Gewürze (Pfeffer) und Blumen (Lavendel). Super konzentriert, elegant und seidenfein strukturiert. Endet „pfeffrig“, rauchig mit einem Touch Trüffel. 1988 Guigal Cote Rotie la Turque rundet die drei begnadeten Lagen aus dem möglicherweise grössten aller nördlichen Rhône Jahrgänge ab. Sattes rubin; Intensiv rauchiges Bouquet. Speck, Vanille, Toast. Dazwischen Griotte, Himbeeren und Asia Gewürze. Dicht und komplex im Gaumen, wunderbar harmonisch und atemberaubender Länge.

Während dieses Report überlegte ich mir, in welchem Märchen im am liebsten gelebt hätte. Ich entschied mich für Frau Holle. In meiner Phantasie stelle ich mich täglich unter ihr magisches Tor und lasse mich von Guigals LaLa’s überschütten.

 

2001 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon, Napa Valley  19.5+/20  trinken – 2050
2002 Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon, Napa Valley (Magnum) 19.5+/20 trinken – 2060
2004 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon, Napa Valley   18.5+/20 2020 – 2050

 

 

2015 04 grimm shafer 

Als Gründungsmitglied der American Beauty, war für Marcel der finale Abstecher ins Napa Valley fast zwingend. 2001 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon zeigt sich mit defensiv schwarzbeeriger Aromatik. Eukalyptus, Teer, Russ und Peperoni. Super Barrique Einsatz und toller Balance. Aktuell in einer eher verschlossenen Phase und wird seine ganze Schönheit in fünf bis zehn Jahren zeigen. Auch ein Jahrzehnt von seiner Genussreife entfernt ist 2002 Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon aus der Magnum. Ausufernd, schwarzbeeriges Bouquet. Viel Druck, fast ölige Textur, enormer Tiefgang und ein Volumen das seinesgleichen sucht. „Finger weg davon, Marcel! Das ist ein Wein zu Deiner Pension, es gibt ältere Shafer Jahrgänge, die jetzt ganz gut sein könnten…“ Ein Napa Baby ist 2004 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon. Voll primärfruchtig, laktisch mit prägnantem Holzeinsatz. Opulent, dicht im Gaumen mit beeindruckender Länge und Tiefgang.

Drei unglaubliche Weine mit Power und Potenzial! Diese Kraft und Energie wünsche ich auch Dir, lieber Marcel, für Deine nächsten 50 Jahre. Danke dass Du dieses Wein-Märchen zum Leben erweckt hast.

The Wines of Ann Colgin

20. März 2015

Ann Colgin. Der Name und ihre Weine sind Kult.  (mehr …)

American Beauty 8: Völlig krank

11. März 2015

Die legendäre American Beauty. Ein jährliches Highlight in meiner Tasting Agenda. Diesmal ging ich allerdings mit einem unguten Gefühl an die Sache ran. Die Vorfreunde wurde bereits am Donnerstag getrübt mit Halsschmerzen, Husten und Kopfweh. Freitags dann Schüttelfrost mit Untertemperatur und am Samstagabend schliesslich 39 Grad Fieber. Toll… Wollte die Jungs nicht hängen lassen. Algifor L forte und zehn Stunden Tiefschlaf. Sonntag 8 Uhr: Körpertemperatur: 36.5 Grad. Roger. Hals: Roger. Riechtest quer durch die Küche: Roger. Also ab in den Adler nach Nebikon. Menu-, Timing- und Serviceabsprache, öffnen der Flaschen, Doppeldekantieren. Weine nicht probieren, nur beim umgiessen am Bouquet riechen. Alles Routine. So geil – selbst die verkappte 85er Martha verströmt himmlische Aromen nach Cassis, Himbeeren. Meine Nase ist also voll da und die Gäste inzwischen auch. American Beauty Stimmung kommt auf….

Los geht’s! Aufgrund der enormen Qualitätsdichte der eingelieferten Weine (viele Klassiker, trinkreife top Jahrgänge hauptsächlich aus den 90ern, keine Experimentalweine oder hochgezüchtete Luxuscuvées und kein Wein jünger als 2001), habe ich mich entschieden die Verkostung völlig blind zu machen. Jede Flasche bekam vorgängig eine Nummer. Ein Teilnehmer wählt fünf Zahlen zwischen 1 – 24, und das waren die Weine der Serie. Nach jeder Serie wurde bewertet, aufgelöst und dann gegessen.

1 – 5 – 11 – 17 – 21: Die erste Serie stand vor mir. Alle Farben top, verschiedene Reifestadien. In den Bouquets hoch interessante Unterschiede. Der eine reif, ledrig, animalisch mit etwas Teer, der andere noch in voller schwarzbeeriger Pracht. Jedes Bouquet stimmig, ausser vielleicht eines leicht muffig und etwas Liebstöckel. Dann der erste Schluck: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Schnell zum zweiten Glas: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Verdammt was ist denn da los? Spülen mit viel Wasser weiter zu Glas drei: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“. Shit, das muss an den Gläsern liegen… aber das Bouquet war doch bei allen sauber und klar? Glas 4: „Medizinal, karg, übersäuert, keine Frucht, aggressiv, völlig unharmonisch, hart und kurz im Abgang“ Glas 5: „Medizinal, karg, übersäuert…. Ein Blick in die Runde: Strahlende Gesichter, grosse Augen, Begeisterung pur. „Was für ein Flight, Respekt für diese Auswahl. Wow, was für Weine! Wir hatten noch nie eine solche Startserie“.   In diesem Moment wusste ich, dass American Beauty 8 für mich soeben beendet war. Die unterdrückte Grippe und die Medis legten meinen Gaumen komplett flach. Keine Aromen, kein Gefühl für Gehalt, Länge, Balance, einfach nix. Ich hätte vorne in der Beiz ein Einerli Cornalin trinken können: Gleiches Empfinden.

Natürlich gönnte ich mir weiterhin eine kleine Ration um an den Weinen zu schnüffeln, aber die Trinkmenge verteilte sich auf die elf weiteren Gäste. Unter diesen Bedingungen war es unmöglich die Weine zu bewerten. Aufgrund der Nase waren für mich folgende Weine 20/20 Punkte Kandidaten: 1992 Dominus, 1994 Dominus, 1997 Dominus, 1992 Caymus Special Selection, 1997 Bryant Family, 1978 Montelena. Schierer Wahnsinn, welche Weine an diesem Nachmittag an mir vorüber gingen. Es war zum heulen…

2015 03 AB Alle Weine

So verstrich der Sonntag im Adler. Grossartige Stimmung, Begeisterung, Höchstbewertungen und Lobeshymnen auf Küche und Wein. Ich liess mir mein Menu als Doggybag einpacken für meine Lieben daheim. Schnell noch aufs Siegerfoto und dann ab nach Hause ins Bett…

Das war’s mit American Beauty 8 und das war zugleich auch die letzte Ausgabe im Adler Nebikon. Marie Louise und Raphael verlassen Nebikon nach zehn Jahren und brechen zu neuen Ufern auf. Genauer gesagt an die Reuss nach Luzern. Reussbad heisst ihre neue Wirkungsstätte ab Mai 2015. Ohne Punktestress verfeinern sie dort ihr erfolgreiches „Beizli Konzept“ welches bereits im Adler prächtig funktionierte. Viel Erfolg euch beiden! Wir kommen natürlich mit. Die nächste Ausgabe der American Beauty findet also im Reussbad Luzern statt. Am Samstag, 12. März 2016 um 12 Uhr.

So, und damit nun alle Leserinnen und Leser von MYBESTWINE.CH doch noch zu seriösen Einschätzungen der Weine kommen, hat sich mein Weinfreund André Kunz freundlicherweise bereit erklärt, seine Notizen hier zu veröffentlichen. André ist American Beauty Stammgast der ersten Stunde. Sie kennen den versierten Verkoster von seinem fundierten Berichten monatlich in der Schweizerischen Weinzeitung. Kunz bewertet im 20er System ohne halbe Punkte.

Herzlichen Dank, André! Hier sind seine Bewertungen:

Serie A

1985  Heitz Cellar Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon  18/20  trinken – 2028
1992 Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon    18/20 trinken – 2026
1985  Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon   17/20  austrinken
1994  Shafer Vineyards Hillside Select Cabernet Sauvignon     19/20  trinken – 2030
1991  Ridge Vineyards Monte Bello  17/20  austrinken

 

1985 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Cellars: Butteriges, süsses, fein opulentes Bouquet, schwarze Brombeeren, Butter, Schokolade, Kräuter, Minze. Cremiger, kräftiger, aromatischer Gaumen mit würziger, süsser Aromatik, feinsandigem Tannin, eleganter Struktur, langer Abgang mit guten Rückaromen.

1992 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer Vineyards: Fein marmeladiges, opulentes Bouquet, Cassiscreme, Eukalyptus, kalter Rauch, Pralinen, Tabak. Samtener, gut üppiger Gaumen mit süsser, guter Frucht, feinem Tannin, kräftiger, vielfältiger Aromatik, langer, cremiger Abgang mit guten Rückaromen.

1985 Cabernet Sauvignon Special Selection, Caymus Vineyard: Reifes, breites, würziges Bouquet, Málaga, Schokoladenpulver, Kräuter, Nussschalen, Liebstöckel. Würziger, mittelkräftiger, kerniger Gaumen mit feinsandigem Tannin, herber Struktur, dunkler Aromatik, langer, herber Abgang.

1994 Cabernet Sauvignon Hillside Select, Shafer Vineyards: Samtenes, süsses, tiefes, komplexes, mineralisches Bouquet, Black Currant, Tabak, Zedern, Graphit, Rauch. Eleganter, dichtverwobener, vielschichtiger, ausgewogener Gaumen mit kräftiger, vielfältiger Aromatik, dichter, seidener Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.

1991 Monte Bello Santa Cruz Mountains, Ridge Vineyards: Samtenes, breites, würziges, fein marmeladiges Bouquet, Brombeeren, Minze, schwarze Kirschen, Schokolade. Üppiger, voller Gaumen mit feinsandigem Tannin, molliger Struktur, mittlerer Aromatik, trockener Abgang mit süssen Rückaromen.

2015 03 AB Serie A

 

Serie B

1994  Joseph Phelps Vineyards Insignia    19/20  trinken – 2034
1992  Dominus Estate    19/20  trinken – 2030
1994 Joseph Phelps Vineyards Insignia     19/20  trinken – 2020
1992  Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon 19/20 trinken – 2030 
1992  Chateau Montelena Estate Cabernet Sauvignon  19/20 trinken – 2030

 

1992 Insignia, Joseph Phelps Vineyards: Dichtes, tiefes, opulentes, kraftvolles Bouquet, schwarzer Cassis, Eukalyptus, Rauch, Feuerstein, Korinthen, Tabak, Lakritze. Samtener, wuchtiger, kraftvoller, aromatischer Gaumen mit cremiger, konzentrierter Struktur, dichter, vielfältiger Aromatik, viel gutem Tannin, sehr langer, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.

1992 Dominus, Dominus Estate: Würziges, kräftiges, vielfältiges Bouquet, Kräuter, Blut, Eisen, Kirschen, Leder, Zwetschgen. Dichter, aromatischer, herber Gaumen mit feinsandigem Tannin, kräftiger Aromatik, mineralischer Aromatik, langer, herber Abgang mit sehr guten Rückaromen.

1994 Insignia, Joseph Phelps Vineyards: Marmeladiges, breites, süsses, üppiges Bouquet, Brombeercreme, Cassis, Eukalyptus, Schiefer, Edelhölzer. Opulenter, fruchtiger, süsser, kräftiger Gaumen mit voller Frucht, cremiger Struktur, viel feinem Tannin, sehr langer, üppiger Abgang mit vielen, süssen Rückaromen.

1994 Cabernet Sauvignon Special Selection, Caymus Vineyard: Würziges, breites, süsses Bouquet, Leder, Mocca, Minze, Cassis, Tabak, Dörrpflaumen. Samtener, cremiger Gaumen mit vielfältiger, kräftiger Aromatik, üppiger Struktur, sehr langer, süsser Abgang mit vielen Rückaromen.

1992 Cabernet Sauvignon, Château Montelena: Tiefes, elegantes, kraftvolles, samtenes, mineralisches Bouquet, schwarzer Cassis, schwarzer Pfeffer, Tabak. Dichter, cremiger, süsser, würziger Gaumen mit feinem Tannin, vielfältiger, kräftiger Aromatik, samtener, dichter Struktur, sehr langer, üppiger Abgang.

2015 03 AB Serie B

 

Serie C

1978  Chateau Montelena Estate Cabernet Sauvignon  19/20 trinken – 2030
1985  Ridge Vineyards Monte Bello   19/20 trinken – 2035
2001  Dunn Vineyards Howell Mountain Cabernet Sauvignon   20/20  trinken – 2040
1995  Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2034
1997  Ridge Vineyards Monte Bello  Kork  

 

1978 Cabernet Sauvignon, Château Montelena: Süsses, cremiges, opulentes Bouquet, Cassiscreme, Erdnüsse, Kräuter, Minze, dunkler Tabak. Kraftvoller, dichter, aromatischer, samtener Gaumen mit dichter, cremiger Struktur, viel feinem Tannin, kräftiger, süsser Aromatik, sehr langer, dichter Abgang mit süssen Rückaromen.

1985 Monte Bello Santa Cruz Mountains, Ridge Vineyards: Tiefgründiges, wuchtiges, gut medizinales Bouquet, Feuerstein, Kreide, Cassis, Kräuter, Leder. Wuchtiger, herber, kraftvoller Gaumen mit konzentrierter Struktur, sehr viel gutem Tannin, kräftiger, voller Aromatik, sehr langer, dichter, rustikaler Abgang mit super Rückaromen.

2001 Cabernet Sauvignon Howell Mountains, Dunn Vineyards: Kraftvolles, mineralisches, pfefferiges, würziges, gut medizinales Bouquet, kalter Rauch, Mahagoni, Dörrfrüchte, Steinmehl, Leder, schwarzer Trüffel. Kraftvoller, konzentrierter, wuchtiger, gut trockener Gaumen mit viel gutem Tannin, kräftiger, dunkler Aromatik, maskuliner Struktur, sehr langer, aromatischer, wuchtiger Abgang mit vielen guten Rückaromen.

1995 Cabernet Sauvignon Madrona Ranch, Abreu Vineyard: Würziges, süsses, kräftiges, volles Bouquet, Leder, Tabak, Schwarztee, Pferdestall, Kräuter, Rosinen, Dörrfrüchte. Eleganter, dichter, frischer, würziger Gaumen mit feinem Tannin, kräftiger, voller Aromatik, klassischer Struktur, sehr langer, dichter Abgang mit vielen guten Rückaromen.

2015 03 AB Serie C

 

Serie D:

1997  Araujo Estate Eisele Vineyard Cabernet Sauvignon 18/20  trinken – 2028
1994  Philip Togni Vineyard Cabernet Sauvignon     
1994 Abreu Vineyard Madrona Ranch Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2038
1997  Dominus Estate   20/20 trinken – 2038
1991  Heitz Cellar Martha’s Vineyard Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2028

 

1997 Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard, Araujo Estate: Verhaltenes, herbes, würziges Bouquet, Kräuter, Rauch, kleine schwarze Beeren. Ausgewogener, eleganter, süsser Gaumen mit molliger, cremiger Struktur, guter Frucht, feinsandigem Tannin, würziger, voller Aromatik, langer, süsser Abgang.

1994 Cabernet Sauvignon, Philip Togni Vineyards: Unsaubere Flasche.

1994 Cabernet Sauvignon Madrona Ranch, Abreu Vineyard: Samtenes, opulentes, süsses, kräftiges Bouquet, Cassiscreme, getrocknete Kräuter, Eukalyptus, kandierte Früchte, Rauch. Dichter, kraftvoller, vielschichtiger Gaumen mit konzentrierter Struktur, vielschichtiger Aromatik, viel feinem Tannin, sehr langer, dichter, kraftvoller Abgang mit vielen guten Rückaromen.

1997 Dominus, Dominus Estate: Dichtes, konzentriertes, komplexes, samtenes Bouquet, Kräuterbutter, Cassiscreme, Tabak, Leder, Minze. Dichter, eleganter, vielschichtiger, sensationeller Gaumen mit feinem Tannin, dichter, vielfältiger, super Aromatik, cremiger Struktur, sehr langer, dichter, super Abgang mit sehr vielen guten Rückaromen.

1991 Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard, Heitz Cellars: Süsses, würziges, cremiges, volles Bouquet, Kräuterbutter, Cassis, Kräuter, Rauch, Minze. Ausgewogener, vielschichtiger, eleganter Gaumen mit dichterverwobener, eleganter Struktur, vielfältiger Aromatik, feinem Tannin, sehr langer, dichter, voller Abgang mit vielen Rückaromen.

2015 03 AB Serie D

 

Serie E:

1994  Peter Michael Winery Les Pavots Estate Red  19/20 trinken – 2030
1995  Pahlmeyer Proprietary Red  19/20 trinken – 2035
1994  Dominus Estate   20/20 trinken – 2030
1997  Bryant Family Cabernet Sauvignon   19/20 trinken – 2035

 

1994 Cabernet Sauvignon Les Pavots, Peter Michael Winery: Samtenes, fein opulentes, cremiges Bouquet, Cassiscreme, fein Kräuter, Lakritze. Ausgewogener, eleganter, vielschichtiger Gaumen mit feiner Frucht, dichter, eleganter Struktur, kräftiger, süsser Aromatik, feinem Tannin, sehr langer, voller Abgang.

1995 Proprietary Red, Phalmeyer: Verhaltenes, tiefes, herbes, dunkles Bouquet, Cassis, Edelhölzer, Mocca, Tabak. Samtener, dichter, voller Gaumen mit dichter, cremiger Struktur, viel gutem Tannin, kräftiger, süsser Aromatik, langer, voller, dichter Abgang mit vielen Rückaromen.

1994 Dominus, Dominus Estate: Dichtes, komplexes, tiefgründiges, mineralisches Bouquet, Pflaumen, Kräuter, Eukalyptus, Heu, Leder, Tabak. Samtener, dichter, vielschichtiger, eleganter Gaumen mit kräftiger, vielfältiger, super Aromatik, viel feinem Tannin, cremiger Struktur, sehr langer, dichter, fein opulenter Abgang mit vielen, kräftigen Rückaromen.

1994 Cabernet Sauvignon, Bryant Family Vineyards: Tiefes, dichtes, fein parfümiertes, komplexes, Bouquet, Cassiscreme, Kräuter, Zedern, Mocca, fein Eukalyptus, Jasmintee. Samtener, gut opulenter, fruchtiger Gaumen mit kräftiger, vielfältiger Aromatik, cremiger Struktur, feinem Tannin, sehr langer, dichter, üppiger Abgang mit kräftigen Rückaromen.

2015 03 AB Serie E

 
Publikumswertung:

Es ist eindrücklich wie homogen bewertet wurde. Ein weiter Beweis dafür wie schön sich aktuell die 90er Kalifornier präsentieren. In perfekter Trinkreife. Nach wie vor ist es möglich diese Weine nachzukaufen, und nicht selten sind sie günstiger als die aktuellsten Jahrgänge. Auch die siegreichen Dominus Jahrgänge finden Sie bei Vinpark.  

 2015 03 AB Resultate
Siegerfoto (mit Patient):

Links: Platz 1: Andi Meier (1992 Dominus). Mitte: Platz 3: Dani Juchli (1992 Caymus Special Selection). Rechts: Platz 2: Baschi Schwander (1997 Dominus)

2015 03 AB Siegerfoto

 

The American Beauty Hall of Fame 

 
2008
1994 Harlan Estate Red Wine
1994 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard
1986 Joseph Phelps Insignia
 
2009
1994 Bryant Family Vineyard Cabernet Sauvignon
1992 Caymus Cabernet Sauvignon Special Selection
1997 Ridge Monte Bello
 
2010
1994 Dominus Estate
1994 Peter Michael Winery Les Pavots
1998 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard
 
2011
2001 Robert Foley Vineyards Claret
2004 Shafer Vineyards Cabernet Sauvignon Hillside Select
1995 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard
 
2012
2001 Pride Mountain Vineyards Reserve Claret
1999 Etude Cabernet Sauvignon
2002 Joseph Phelps Insignia
 
2013
2002 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2001 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
2002 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard 
 
2014
1975 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
1991 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
1995 Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch
 
2015
1992 Dominus Estate
1997 Dominus Estate
1992 Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon

 

Sassicaia 1977 – 2011

2. März 2015

Sassicaia. Nach wie vor ein magisch klingender Name für alle Weinfreunde rund um den Globus. Weltberühmt dank dem Visionär Marchese Mario Rocchetta, welcher als Bordeaux Liebhaber Mitte des letzten Jahrhunderts damit begann, in der Nähe seines Landsitz San Guido in der Maremma Cabernet Sauvignon Stöcke zu pflanzen. Ursprünglich gedacht als Hauswein in kleinen Mengen. Mit der Zeit erkannte der Marchese das grosse Potenzial, welches in den steinigen Rebbergen steckt und pflanzte weiter Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc Stöcke, um seinen Hauswein nun in grösseren Mengen kommerziell zu vermarkten. Die örtliche Weingesetzgebung interessierte ihn gänzlich wenig und brachte erstmals 1968 den Sassicaia als „gewöhnlichen“ Vino Tavola auf den Markt. Die Toskana Weinrevolution brach aus. Von den Traditionalisten nieder gemacht, aber weltweit als Kultwein hochgelobt. Der 1985er Sassicaia (Ausgabepreis 18’000 Lire) erhielt als erster italienischer Wein von Robert Parker 100 Punkte. Der Rest ist Geschichte.  

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Den internationalen Durchbruch seines Sassicaias erlebte der 1983 verstorbene Marchese nicht mehr. Doch war er Wegbereiter und Vorbild vieler kommenden „Super Toskaner“ wie Ornellaia, Solaia, Macchiole, Guado al Tasso, Tua Rita und einigen mehr. Seit den 80er Jahren wird das Weingut von seinem Sohn Nicolò geführt Die Produktion von rund 3000 Flaschen des Erstlingsjahrgangs stieg kontinuierlich an. Heute bringt Tenuta San Guido jährlich rund 200‘000 Flaschen Sassicaia in den Handel. Die weiteren Weine sind Guidalberto (Cabernet Sauvignon / Merlot) und Le Difese (Cabernet Sauvignon / Sangiovese). Das Flaggschiff besteht praktisch immer zu 85% aus Cabernet Sauvignon und 15% Cabernet Franc. 24 Monate ausgebaut in teils neuen, teils gebrauchten französischen und slawonischen Fässern. Aktuelle Jahrgänge vom Sassicaia gibt’s bei diversen Anbietern zwischen CHF 120 – 160. Mehr Infos: www.tenutasanguido.com

Der Marchese im Interview auf winetv über die Geschichte von Sassicaia:

Das ausgebuchte Tasting durch fünf Jahrzehnte Sassicaia wurde von Verena Conte (unten auf dem Bild mit kusssignierter, fälschungssicherer Sassicaia 85) ins Leben gerufen. Verena ist langjährige Sassicaia Sammlerin und daher eine ideale, sichere Quelle für authentische Flaschen. Die Verkostung erfolgte offen im Restaurant Pecavi Belvoirpark Zürich. Alle Flaschen verfügten nach wie vor über ein perfektes Füllniveau (IN).

    2015 03 sassi verena 85 

1977  Tenuta San Guido Sassicaia  18/20 austrinken
1979  Tenuta San Guido Sassicaia  17/20 austrinken
1982  Tenuta San Guido Sassicaia   15/20 vorbei
1986 Tenuta San Guido Sassicaia   14/20 vorbei
1987  Tenuta San Guido Sassicaia  15/20 vorbei

 

Ueberrascht hat mich der älteste Jahrgang der Verkostung: 1977 Sassicaia. Sehr helles Granat; Sultaninen, Pflaumen, Anis, Leder und Rauch im sehr präsenten Bouquet. Im Gaumen eher leicht, beschwingt und erstaunlich lebendig. Auch an 1979 Sassicaia stellte ich keine hohen Erwartungen. Umso schöner das Ergebnis. Filigraner, würziger Wein. Zedern, Mocca und etwas Staub. Ebenfalls leicht im Gaumen, süss und harmonische Länge.

 

2015 03 sassi serie 1

 

Im Gegensatz zu Bordeaux ist 1982 ein bescheidenes Jahr in der Toscana. Der 1982 Sassicaia zeigt sich daher mit viel Pflaumen im Bouquet. Nasses Stroh, Torf und Schokonoten. In der Nase ist er deutlich besser als im ausgezerrten, metallischen Gaumen. Aus schwierigem Jahr auch 1986 Sassicaia, der seinen Zenit bereits überschritten hat. Leicht portig, oxydative Nase, Rauch, Torf und Zedern. Keine Frucht mehr. Im Gaumen unreife, rauhe Tannine. Sehr ähnlich leider auch 1987 Sassicaia. Da ist wenig Charme mehr vorhanden. Die Frucht ist praktisch weg. Die Aromen wirkten krautig. Im Gaumen säurebetont, unharmonisch und grün.

 

 1989  Tenuta San Guido Sassicaia  17/20  austrinken
 1991  Tenuta San Guido Sassicaia  -/- Kork
 1992  Tenuta San Guido Sassicaia  14/20 austrinken
 1993  Tenuta San Guido Sassicaia  15/20 vorbei
 1994  Tenuta San Guido Sassicaia  17.5/20 austrinken

 

Angenehm und gut entwickelt aus schwierigem Jahr zeigt sich 1989 Sassicaia. Frische, pflaumige Aromen. Anis, Pfeffer, Erde und Torf. Dazu milde Kirsch Aromen. Schlanker Körper mit unnötig hoher Säure. Sehr reif. 1991 Sassicaia korkte. Würde ihm von der hellen Farbe her etwa gleich einschätzen wie die ebenfalls kleinen Jahrgänge 1992 und 1993. Bei diesen Jahrgängen schien mir die Selektion nicht gerade rigoros. Sehr leicht, rotbeerig, mit unsauberen Noten präsentierte sich 1992 Sassicaia. Im Gaumen gefällig aber harmlos. Wie auch der kraftlose 1993 Sassicaia mit bereits ersten überreifen Aromen, Glutamat, Pfeffer und Rosinen. Sehr gut gefiel mir dafür 1994 Sassicaia. Helles Grant; Würzig, blaubeeriges Bouquet. Mineralisch. Wie seine Vorgänger leicht im Gaumen, aber diesmal harmonisch und elegant balanciert.

 

 1985 Tenuta San Guido Sassicaia   19.5/20 trinken – 2030
 1988 Tenuta San Guido Sassicaia   19/20 austrinken
 1990 Tenuta San Guido Sassicaia   18/20 trinken – 2020
 1995 Tenuta San Guido Sassicaia  18.5/20 trinken – 2020
 1997 Tenuta San Guido Sassicaia   18.5/20 trinken – 2025

 

1985 Sassicaia beindruckte mich schon beim öffnen der Flasche, morgens um 10 Uhr. Kein Wein verströmte dermassen viel dunkelbeerige, edle Aromen. Das zweite Phänomen ist seine unglaublich dunkle Farbe. Jeder Sassi aus den 90ern kam deutlich heller daher. Rubin(!); Defensiv, schwarzbeeriges Bouquet, Pfeffer, Lakritze, Caramel, Bisquit, Tannenäste, Zedern. Im Gaumen enorm jugendlich, konzentriert, dicht und beeindruckend lang.

 

2015 03 Sassi 85

 

Ebenfalls wunderbar, aber viel reifer zeigt sich 1988 Sassicaia. Granat; süsses, beeriges Bouquet, Schoko, Feuerstein und Zimt. Elegant, weich im Gaumen, fast etwas mollig. Weiter ging es mit dem Top Jahrgang 1990 Sassicaia. Dunkles Granat; Komplexes, beeriges Bouquet. Kirschen, Pflaumen aber auch schwarzbeerige Aromen. Streichholz und Zedern. Typisch für 1990 mittelschwer im Gaumen, dafür elegant und sehr lange im Abgang. Prächtig zugänglich und offen präsentiert sich der verlockende 1995 Sassicaia. Mollig, süsse Frucht. Himbeeren, Griotte, Mocca und Jod. Fein strukturiert, schön entwickelt und jetzt perfekt zum geniessen. Zapfen raus und rein ins Glas gilt auch für 1997 Sassicaia. Röstiges Bouquet. Tabak, Rauch, Zedern und Caramel. Herrlich harmonierende dunkelbeerige Aromen. Vollmundig, intensiver Sassi, mit viel Schmelz und Grösse.  

 

2015 03 sassi serie 3

 

 1998 Tenuta San Guido Sassicaia   18/20  trinken – 2025
 1999 Tenuta San Guido Sassicaia   17/20  trinken – 2025
 2000 Tenuta San Guido Sassicaia   17.5/20 trinken – 2020
 2001 Tenuta San Guido Sassicaia   18.5/20 trinken – 2025
 2003 Tenuta San Guido Sassicaia   17+/20 trinken – 2025

 

Die Jahrgänge rund um die Jahrtausendwende sind durchwegs sehr gut gelungen, deutlich konzentrierter und halten locker weitere zehn Jahre. 1998 Sassicaia ist ein kräftiger, markanter, dunkelbeeriger Wein. Würzig, etwas Teer und harmonisch begleitende Holznoten. Wird sich noch weiter verfeinern. Sehr offen, ausladend und breit kommt 1999 Sassicaia daher. Cassis, Lakritze, Peperoni. Breitschultrig, bullig. Mehr Fett als Eleganz. 2000 Sassicaia mit aktuell etwas unterdrückter Frucht. Präsente Röstaromen, Popcorn, Vanille und Rauch. Die etwas fehlende Konzentration widerspiegelt den in der Toskana mässigen 2000er Jahrgang. Erneut sehr gut schmeckte mir 2001 Sassicaia; Schönes offenes, zugängliches Bouquet. Kirschen, Pflaumen, Toast, Datteln und Schwefel. Harmonisch, gradlinig im Körper. Dicht verwobener Sassicaia mit gutem Alterungspotential.  2003 Sassicaia mit üppig, leicht marmeladig, alkoholisches Bouquet. Intensiv, dichte Struktur und Länge. Kernige Tannine. Wirkt noch sehr jung und zeigt Potenzial.

 

2015 03 Sassi korken 

 

2004 Tenuta San Guido Sassicaia   18/20  trinken – 2030
2006  Tenuta San Guido Sassicaia   19/20 trinken – 2030
2009  Tenuta San Guido Sassicaia   18.5/20 trinken – 2030
2010  Tenuta San Guido Sassicaia   18.5+/20 2020 – 2040
2011  Tenuta San Guido Sassicaia   18+/20 2018 – 2030

 

Prächtig entwickelt hat sich 2004 Sassicaia. Dunkelbeerig offenes, rauchiges Bouquet mit Vanille, Menthol, Pfeffer und Lakritze. Enorm frisch und schwungvoll, balancierter Gaumen. Jetzt in sehr schöner Trinkphase. Ganz gross ist 2006 Sassicaia. Ein hedonistischer, tief intensiver Wein. Immer noch sehr jung, ausgestattet mit kräftiger Statur und Länge. Trinkt sich unglaublich gut in dieser jungen Phase. Probieren! 2009 Sassicaia hat seinen Babyspeck bereits etwas abgelegt. Blau- und schwarzbeerige Grundaromatik, Peperoni, Mocca, Kaffee. Opulenter Köper, elegante Tannine, tolle Länge. Ein früh trinkreifer Sassicaia auf sehr hohem Niveau. Viel Geduld braucht dagegen 2010 Sassicaia. Hier hat sich noch wenig entwickelt. Immer noch primärfruchtig, massiv Cassis, Brombeeren. Dramatische Tiefe, sehr konzentriert und kräftig. Kann sich zu einem der grössten Jahrgänge entwickeln. Ebenfalls gross, wenn auch etwas weniger konzentriert ist 2011 Sassicaia. Der jüngste Jahrgang auf dem Markt, zeigt vielversprechende Ansätze. Laktisch, schwarzbeerig, Kalk und Gewürze. Abgerundete Tannine. Bereits jetzt in schöner Balance.

 

2015 03 sassi serie leer

Inflation der Rekorde im Napa Valley

1. März 2015

Auch dieses Jahr konnte im Napa Valley wieder ein alter Rekord gebrochen werden. Die Weine des Jahres 2013 und die ultrararen Boutiqueweine  mit 5 bis maximal 20 Kisten wurden an der Premiere Napa Valley (PNV) während drei intensiven Degustationstagen präsentiert. Insgesamt wurden mindestens 400 verschiedene Weine aller möglichen Rebsorten zusätzlich zu den 225 Auktionslots zur Probe in Reih und Glied dem Weinfachhandel und Handel präsentiert. Die PNV brachte über $ 6 Mio. ein. Ein neuer Rekord!

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Napa Valley scheint nicht nur mit viel Sonne ausgestattet, sondern ist wahrlich sonnenverwöhnt. Der Jahrgang 2013 wird nach dem bereits hervorragenden, aber rasch zugänglichen 2012 nochmals eine Bewertungsnote zulegen. Die Weine präsentierten sich mit enormer Tiefe, guter Komplexität, viel Frucht, aber im Gegensatz zum Jahrgang 2012 mit deutlich mehr Struktur. 2012 gefällt bereits jetzt schon zum Trinken. 2013 wird die Geduld der Weinliebhaber zwar strapazieren, aber das Warten bis die Weine die optimale Reife erreichen, belohnen. Meine Beurteilung ist: 2013 wird besser als 2007! Hier kommt ein Jahrgang, welcher uns ganz viel Freude und Kummer (Preiserhöhungen von ca. 15% sind angesagt) bereiten wird. Der nachfolgende Jahrgang 2014 habe ich in etlichen Fassproben getestet zeigt auch viel Struktur, etwas weniger stoffige Kraft und eher härtere , weniger geschliffene Tannine. 2014 (97/100 Punkte) wird irgendwo eine Kombination von 2012 (96/100) und 2013 (100?/100) werden. 3 hervorragende Jahrgänge erwarten bald die Konsumenten und die Vorfreude ist gross. 

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Zu den Highlights der diesjährigen PNV gehörten folgende  100% Cabernet Weine in Spezialabfüllungen des Jahres 2013: Brand und Fairchild (Weinmacher Philipp Melka), Memento Mori und Arkenstone (Weinmacher Sam Kaplan), Vineyard 7&8 (Martha McClellan) und die bekannten und etablierten Weingüter Spottswoode, Larkmead, Shafer, Seavey(!) oder auch Continuum. Geheimtipps sind Arrow&Branch und Aloft.  Arrow&Branch wartete mit einer Cab Franc dominierten Version auf. Die Reben in Coombsville/Napa wurden ursprünglich von Tony Soter gepflanzt. Das Team um Mike Wolf (Scarecrow) bewirtschaftet die Reben und Jennifer Williams (ex-Spottswoode) ist die Weinmacherin. Grosse Klasse. Cabernet-Sauvignon Ergänzung aus der Dr. Crane Lage in St. Helena.  Aloft wird von den Mondavi-Töchtern gekeltert. Dabei werden sie von Thomas Rivers Brown unterstützt. Eigentlich brauchen sie den gar nicht, ist doch Angelina Mondavi auch Weinmacherin bei Hundred Acre. Hier entwickelt sich ein grosses Mondavi-Comeback!

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Tolle weisse Weine waren Lail (100% Sauvignon Blanc). Wahnsinnige frische Zitrusfrucht und Lychee und Grapefrucht Nase! Im Abgang wollte der Sauvignon Blanc gar nicht mehr enden. Grgich lancierte einen tollen Jubiläums Chardonnay (nachgeahmt dem berühmten Paris Tasting). Etliche ältere Weingüter sind in den Startlöcher, ein Comeback zu lancieren. Beringer gefiel hier am besten. Andere alte haben noch Probleme und nicht die vergangene Klasse.

Ausserhalb der PNV Lots durften wir Tastings bei den Weinen von Celia Welch (Keever, Corra, Lindstrom und dem sagenhaften und ältesten Cabernet Reben von 1944 bei Scarecow) machen. Kann nur sagen, Celia macht unglaubliche Weine.

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Scarecrow 2012 ein Muss! J. Daniel Cuvée  2012 von Robin Daniel Lail haben ebenfalls grosse Klasse und Tiefgang mit enormer Struktur, Blaubeerigkeit und viel weichen Tanninen. Erstmals wurde Lail (ehemaliger Co-Gründerin von Dominus und Merryvale) von Parker mit 100 Punkte belohnt.

Leider negatives ist von der Preisfront zu berichten. Etliche Newcomers, aber auch etablierte Weingüter verlangen 10-20% höhere Preise für die aktuell im Verkauf befindlichen Jahrgänge. Leider scheint es bei den Bestlagen für Traubengut von Beckstoffer, To Kalon, Dr. Crane und bei anderen Anbietern explosive Preiserhöhungen bis zu 50% zu geben. So erstaunt es nicht, dass etliche Vineyards in den Startlöchern sind oder bereits gestartet haben,  zukünftig das Traubengut selber zu verarbeiten. Bestes Beispiel ist VHR (Vine Hill Ranch, welche auch Trauben an Bond (Vecina) verkauft. Jedes Jahr ziehen somit neue Weingüter ins Lande. Etliche mit erstaunlichem Debüt!

Am Rande bemerkt. Bill Harlan baut in Oakville nahe bei Bond und unterhalb von Futo seine Winery von  Promontory (Erstjahrgang 2009 wurde lanciert im Herbst 2014). Ein Rundgang mit Bob Levy (Weinmacher von Harlan und vom TNVR) offenbarte  die tolle Lage der Reben und der neuen Winery.  Diese wird sich ab 2016 (Herbst) dem breiten Publikum öffnen.

2015 03 promotory

Erstmals wird Harlan auch für den Konsumenten ohne Beziehungen zugänglich. Zumindest theoretisch, denn  leider kosten die Weine  immer mehr. Die diversen Bond-Lageweine kosten neu $ 400. Harlan $ 800… Wie war das noch? Inflationäre Tendenzen in der heutigen Wirtschaftlage gibt es nicht? Da wird mein eigener „The Napa Valley Reserve“(TNVR)  Helvetia Selection schon fast zum Schnäppchen aus dem Hause Harlan. Doch meine Jahrgänge 2012 bis 2014 lagern noch ruhig vor sich hin in den T5-Fässern  (Reserve Barrique von Tarransaud)… 

Label des diesjährigen Rekordhalter:

2015 03 brand 2013

Spezial Barrique-Wein von Brand 2013 –  Lot ging für $ 115‘000 über die Bühne und taucht im 2017 auch in der Schweiz auf…

Great Wineries – Great Vintages

2. Februar 2015

Eine geglückte Rückkehr zu Uschi und Werner Tobler. Nicht in die Braui wie früher, sondern in den Weinrausch. Zum ersten Mal beglückten uns die beiden an neuer Wirkungsstätte in Luzern. Eugen Haefliger kramte wieder einmal ganz tief im US Raritäten Regal und lud ein zu Great Wineries – Great Vintages. Fünf legendäre kalifornische Weingüter präsentierten ihre besten Flaschen über mehrere Jahrzehnte. (mehr …)

Cos d'Estournel: 20 Jahrgänge neu verkostet

18. Januar 2015

André Kunz organisierte diese eindrückliche Kick Off 2015 Probe. Cos d’Estournel ist hauptsächlich ab den 80er Jahren stets gut vertreten in den Schweizer Weinkellern. Deshalb war es ein leichtes, genügend Teilnehmer mit einem oder mehreren Cos Jahrgängen ins Restaurant Kreuz nach Emmen einzuladen. Die Qualität stieg in dieser Zeit unter der Leitung des legendären Bruno Prâts.  (mehr …)

Und noch ein Fünfziger….

5. Januar 2015

So, jetzt sind sie alle durch. Die 1964er. Der letzte, der seinen 50. Geburtstag feierte war mein lieber Weinfreund Sven Fischer. Falls Sie ihn nicht kennen, beschreibt er sich gerne folgendermassen:  „Rieslingverliebter, Martha’s-Süchtiger und Freund einer gepflegten Weinrunde“. Sven ist einerseits als Arzt (man weiss ja nie…), andererseits aufgrund seines fundierten Weinwissens (Diplom-Sommelier) ein gern gesehener Gast an Verkostungen. (mehr …)

Best of 2014: Das Mass aller Dinge?

19. Dezember 2014

10 – 20 Punkte. Das ist der Massstab für meine Weinbewertungen. Die allergrössten Weine erhalten die Maximalnote 20/20 und sind auf der Jahres Bestenliste aufgeführt. Diese „Best of“ erfreut jeweils viele Besucher. Dies zeigt auf alle Fälle meine Webstatistik. Im Sport würde man eine solche Bewertung mit „Stilnote“ bezeichnen. (mehr …)

Kalifornien 2002: Warten. Kalifornien 2001: Geniessen!

15. Dezember 2014

Der Bestbottle Circle, rund um Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti, lud zur dritten Ausgabe ihres US Tastings „American Belle“. In der eleganten Krone in Adliswil genossen wir eng umschlungen ein tolles Menu und hervorragende Kalifornier aus den Spitzenjahren 2001 und 2002. (mehr …)