Ich bin stolz, Vinpark als neuen „Advanced Partner“ von MYBESTWINE.CH zu präsentieren. Die Fine Wine Trade Company mit beeindruckender Auswahl kalifornischer Spitzenweine im Herzen der Zentralschweiz. 2007 von Master Sommelier Christian Bock gegründet, führt Vinpark heute immer um die 2500 verschiedene Weine die sie weltweit an Weinliebhaber und Spitzengastronomie liefern.
Nutzen auch Sie die attraktiven Möglichkeiten, welche MYBESTWINE.CH Wein- oder weinverwandten Firmen bietet.
Die alljährliche Bestbottle um die Samichlauszeit führte uns diesmal nach Eschenbach. René Gabriel und sein Sous-Chef Patrick Bopp zauberten ein lustvoll, urchiges Mittagsmenu auf den Tisch. Für die Weinauswahl sorgte jeder Teilnehmer selber. Ich liebe diese ungezwungenen, genüsslichen Moment! An solchen Nachmittagen bin ich jeweils mehr Hedonist als Chronist… (mehr …)
Bereits zum vierten Mal feierten wir unseren Thanksgiving Lunch. Dem Truthahn ging’s diesmal im Restaurant Old Swiss House Luzern an den Kragen und die Weine kamen vom Pritchard Hill via Eugen Haefliger zu uns. Zur Zeit wohl das trendigste und meistbeachtete Gebiet im Napa Valley. Pritchard Hill ist keine offizielle Appellation. Der legendäre Don Chappellet beschrieb die Lage mal als ein „Loch“ zwischen Oakville, Howell Mountain, Stags Leap Destrict, Rutherfold und Chiles Valley. Der Hügel bekam seinen Namen Ende des 19. Jahrhunderts von Charles Pritchard, der die ersten bescheidenen Zinfandel- und Rieslingstöcke pflanzte. Pritchards Hill’s Moderne begann mit dem Bau der Chappellet Winery 1967. 1978 zogen David Arthur Long und sein Vater Donald an den Hügel und pflanzten ihren ersten Vineyard. David Long arbeitete vorher bei Joseph Phelps und bei Chappellet, wo er sich des enormen Potenzials des Pritchard Hills bewusst wurde. Die David Arthur Winery produzierte 1985 den ersten Chardonnay und Anfangs 90er Jahre wurden die ersten Cabernet Sauvignon Weine abgefüllt.
David Long über David Arthur Winery:
Das Hauptaugenmerk des Events galt (nebst dem Truten-Güggel) David Arthur’s Flagschiff „Elevation 1147“. Ein sortenreiner Cabernet Sauvignon Wein, selektioniert aus den jeweils besten Trauben. Ausgebaut in 100% neuen französischen Barriques. Der Name stammt vom höchsten Punkt des Grundstücks, welcher 1147 „feet“ (350 Meter) über Meer liegt. Produziert werden jährlich etwa 8000 Flaschen. Aktuelle Jahrgänge kosten rund CHF 150 die Flasche.
1996 | David Arthur Elevation 1147 | 19/20 | trinken – 2025 |
1997 | David Arthur Elevation 1147 | 19/20 | trinken – 2025 |
1998 | David Arthur Elevation 1147 | 18/20 | trinken – 2020 |
1999 | David Arthur Elevation 1147 | 17/20 | trinken 2030 |
Es war ziemlich still im Old Swiss House Rittersaal… Man spürte förmlich die Ueberraschung und Begeisterung bei den Gästen. Da war einerseits dieser unglaublich schöne 1996 David Arthur Elevation 1147. Lediglich 100 Kisten wurden von diesem Erstlingswerk abgefüllt. Eugen Haefliger war von Anfang an dabei und erkannte sofort, dass hier etwas Besonderes heran wuchs. Der Wein ist jetzt in perfekter Trinkreife. Enorm würzig, erdig. Mit Aromen von Rauch, Harz aber auch einen feinen rotbeerigen Schimmer. Aus dem Kalifornischen Top Jahr dann 1997 David Arthur Elevation 1147. Reife blau- und schwarzbeerige Nase. Röstige Begleitaromen, Minze. Mineralisch, erdig. Torf, Russ und Jod. Ein toller Wein, grossartig strukturiert und mit beeindruckender Länge.1998 David Arthur Elevation 1147 war ausgestatten mit einem traumhaften Bouquet. Sehr cremig, röstig. Vanille, Bittermandeln und milden schwarzbeerigen Aromen. Dem Jahrgang entsprechend etwas weniger dicht als seine beiden Vorgänger, aber ein sehr stimmiger Wein und jetzt wunderbar zu trinken. 1999 David Arthur Elevation 1147 zeigte sich offen, füllig. Mit süss, reifen Aromen. Dazu Vanille, Leder, Tabak, Peperoni, Kamin. Opulent im Gaumen, etwas sandige Tannine und leicht metallischen Abgang.
2000 | David Arthur Elevation 1147 | 17/20 | austrinken |
2001 | David Arthur Elevation 1147 | 18/20/? | trinken – 2020? |
2002 | David Arthur Elevation 1147 | 19.5/20 | trinken – 2035 |
2003 | David Arthur Elevation 1147 | 17/20 | trinken – 2020 |
Ähnlich wie der 98er präsentiert sich 2000 David Arthur Elevation 1147. Süsses, barriquedominiertes Bouquet. Toast, Gianduja, Kokos, Schoko. Darunter Pflaumen und Cassis. Im Gaumen etwas einfacher strukturiert. Nicht ganz optimal schien 2001 David Arthur Elevation 1147. Er dürfte aus diesem Spitzenjahr noch nicht so reif sein. Viel dunkle Schokolade im Bouquet. Etwas Maggikraut und Pflaumen. Im Gaumen super, voluminös und sehr lang. Aber die Nase hängt. Möglicherweise nicht optimale Flasche. Keinen Zweifel offen liess 2002 David Arthur Elevation 1147. Würzig und edel schwarzbeerig in Bouquet. Dazu seine typische mineralischen Noten und Torf. Sogar etwas Lavendel und Himbeeren. Grandioser Wein mit einer prächtigen Balance und Länge. Jede Suche wert (wie übrigens einige weitere Jahrgänge….). Ein enorm charaktervoller, eigenständiger Cab, abseits des Napa Mainstreams. Etwas zurückhaltender dagegen 2003 David Arthur Elevation 1147. Defensives Bouquet, rustikaler und leicht alkoholisch.
2004 | David Arthur Elevation 1147 | 18.5+/20 | trinken – 2035 |
2005 | David Arthur Elevation 1147 | 19+/20 | trinken – 2040 |
2006 | David Arthur Elevation 1147 | 18.5+/20 | 2020 – 2045 |
2007 | David Arthur Elevation 1147 | 18.5+/20 | 2020 – 2045 |
2008 | David Arthur Elevation 1147 | 18.5+/20 | 2020 – 2040 |
2004 David Arthur Elevation 1147 ist trotz seiner Jugendlichkeit jetzt grossartig zu trinken. Erdig, klassische Düfte. Harz, Tabak und Himbeeren begleiten die dunkelbeerige Grundaromatik. Rund, harmonisch im Gaumen mit Potenzial für weitere 20 Jahre. Phantastisch auch 2005 David Arthur Elevation 1147. Minzig, röstiges Bouquet. Cassis, Brombeeren und Zedern. Gehaltvoll, edel strukturiert. Säure und Gerbstoffe geschliffen integriert. Grosses Entwicklungspotenzial (auch punktemässig). Unbedingt kaufen! Gute Ansätze zeigt selbstverständlich auch 2006 David Arthur Elevation 1147. Mit rauchig, würzigem Bouquet. Im Gaumen komprimiert. Schwarzbeerig, dicht. Im Moment wenig Zugang. Braucht Geduld. Genau wie 2007 David Arthur Elevation 1147, der nur so strotzt vor Kraft und Fülle. Rauch, Teer, Eukalyptus. Süsse schwarzbeerige Aromen. Im Gaumen alles enorm primärfruchtig, kompakt und füllig. In zehn Jahren, gerne wieder! Auch 2008 David Arthur Elevation 1147 ist sehr gut unterwegs und steht dem 07er in nichts nach. Primärfruchtig, Cassis, Brombeeren. Viel Mineralität, erdige Aromen. Druckvoll im Gaumen, viel Stoff und Reserven.
Auch Ann Colgin zog es an den Prichtchard Hill. 2002 baute sie dort ihre eigene Winery oberhalb des Lake Hennessey direkt neben ihrem IX Estate Vineyard (Number 9 Estate). Der Weinberg ist bestückt mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot für den IX Red und eine separate Parzelle mit Syrah für den IX Syrah. Bereits der erste Jahrgang (2002) wurde mit 100 Parker Punkten geadelt. Jährlich gibt’s rund 15‘000 Flaschen IX Red. Der Wein kostet zwischen CHF 300 – 500 die Flasche. Ein Tasting Highlight 2015 wird eine umfassende Colgin Probe sein mit all ihren verschiedenen Raritäten.
2004 | Colgin IX Estate Red Wine | 19/20 | trinken – 2035 |
2005 | Colgin IX Estate Red Wine | 19+/20 | 2020 – 2050 |
2006 | Colgin IX Estate Red Wine | 19.5+/20 | 2020 – 2040 |
2007 | Colgin IX Estate Red Wine | 19+/20 | 2020 – 2050 |
2004 Colgin IX Estate Red Wine ist ein Paradebeispiel, was man von Colgin Weinen erwartet und erhofft. Süsse Beeren, elegant strukturiert. Nie überladen, extrem schön balanciert. Mit betörend, stimmiger Nase. Creme Cassis, Himbeeren, Feuerstein und Russ. Voluminöser Gaumen. Spitzige, frische Säure und tolle Länge. Weniger zugänglich, aber möglicherweise mit noch mehr Potenzial ausgestattet ist 2005 Colgin IX Estate Red Wine. Viel dunkle Beeren, Toast, Erde, Vanille, Pfeffer und Lavendel. Kraftvoller Körper, griffig, zupackend und enorm lang. Beim 2006 Colgin IX Estate Red Wine läuft man aufgrund der 100 Parker Punkte natürlich wieder Gefahr ihn zu früh zu öffnen. Klar ist dieser 2006er jetzt schon verlockend schön und wunderbar zu trinken, doch sein enorm komplexes Gesamtbild wird er erst in zehn Jahren zeigen. Dasselbe gilt für 2007 Colgin IX Estate Red Wine. Explosive, süsse, beerige Noten im Bouquet. Viel Primärfrucht, verlockendes Toasting. Dramatische Tiefe und überragende Balance. Traumstoff…
Immer mehr Weingüter entstehen am Pritchard Hill. Inzwischen sind es bereits 16. Ein kleiner Auszug davon präsentierten wir anhand des Spitzenjahrgangs 2007
2007 | Chappellet Pritchard Hill Estate Vineyard | 19/20 | trinken – 2045 |
2007 | Continuum Propietary Red | 18/20 | trinken – 2030 |
2007 | Ovid Winery Proprietary Red Wine | 20/20 | trinken – 2040 |
2007 | Bryant Family | 18.5+/20 | 2020 – 2040 |
Das Urgestein am Pritchard Hill ist die Chappellet Winery. Seit 1969 entstehen hier Spitzenweine wie der 2007 Chappellet Pritchard Hill Estate Vineyard. Ein Blend aus 77% Cabernet Sauvignon, 12% Petit Verdot, 8% Malbec, 2% Merlot und 1% Cabernet Franc. Ein beeindruckendes Beispiel, welches das ausserordentliche Terroir repräsentiert. Die dunkelste Farbe aller Weine dieses Tages. Cassis, Erdbeeren, Himbeeren. Leichte Teer Noten, Gewürze und Holz. Dramatische Tiefe, geniale Länge und kräftige Statur. Massiv ohne überladen zu wirken.
2005 errichtete Tim Mondavi sein Schmuckstück am Pritchard Hill. Continuum ist heute das zweitgrösste Weingut der Region. Der 2007 Continuum Propietary Red (60% Cabernet Sauvignon, 22% Cabernet Franc, 18% Petit Verdot, 12‘000 Flaschen ist ein jetzt schon zugänglicher, sehr schöner Wein. Klassische Cabernet Aromatik, mit leicht üppiger Frucht. Modern vinifiziert, mit Substanz und Länge. Den sehr jungen Reben fehlt logischerweise noch ein wenig die Komplexität, doch es wird spannend sein dieses neuste Mondavi Projekt zu verfolgen.
Schlichtweg sensationell war 2007 Ovid Winery Proprietary Red Wine (47% Cabernet Sauvignon, 35% Cabernet Franc, 11% Merlot und 7% Petit Verdot). Traumhafte, edle Röstung begleiten im Bouquet die perfekt reifen dunkelbeerigen Aromen. Lakritze, Torf, Caramel, Mocca. Der Wein verfügt über eine grossartige Substanz, seidenfeine Struktur, ist jung und doch schon so harmonisch. Ein bewegender Moment mit einem ausserordentlichen Wein. Mehr zu Ovid.
Schwer zugänglich war 2007 Bryant Family. Man spürt den Druck und die Kraft, welche in ihm steckt. Alles ist noch primärfruchtig. Er reift sehr langsam. Verfügt über ein kerniges Tannine- Säuregerüst. Alles ist da. Jetzt braucht es nur noch Geduld… Vielleicht reichen ja 18 Monate. Dann steigt unsere grosse Bryant Family Vertikale…
Wie schon im ersten Teil erwähnt, erstreckte sich Marcello Botti’s Geburtstagsparty über mehrere Tage. Am Freitagabend wurde in der Osteria La Libera in Alba gefeiert. Mit prächtigen Magnums aus aller Welt. Ein typisches Langhe Abendessen mit globalen Weinen. Piemonte internazionale! (mehr …)
Tanti Auguri! Marcello Botti wurde 50. Ein Geburtstag in seiner Lieblingsweinregion: Dem Piemont. Da die Langhe nicht gerade um die Ecke liegt, feierte Botti gleich mal fünf Tage lang und reiste mit seiner Truppe kreuz und quer durchs Piemont. Weinproduzenten Besuche, tolles Essen, Trüffelmarkt in Alba und Wellness im Hotel. Normalerweise füllen Piemontbesucher ihren Kofferraum bei der Heimfahrt kräftig. Nicht so Marcello. Er transportierte Dutzende Flaschen (v.a. Magnums) aus seinem Keller nach Monforte und in die entsprechenden Restaurants. In weiser Voraussicht, dass nicht alle Gäste fünf Tage Nebbiolo und Barbera überstehen, entschied er sich für eine internationale Weinauswahl (ein weiterer Bericht dazu folgt später an dieser Stelle). Auf dem Bild: Das Geburtstagskind mit seiner bezaubernden Gattin Gabriela.
Der letzte Abend allerdings galt ganz den Piemontesischen Weinraritäten aus über 50 Jahren. Passend dazu ein traditionelles Trüffel Menu im Restaurant Ca d’Linet in Coazzolo. Chef und Tartuffo Experte Maurizio fand in der Nacht zuvor einen über 200 Gramm schweren weissen Trüffel, den er uns über Carpaccio, Spiegelei und Tagliolini hobelte. Maurizio hatte sichtlich Spass an uns, und weckte um Mitternacht sogar noch seine zwei Trüffelhunde für einen Gratis Schnupperkurs in Sachen Knollensuche. Die beiden Supernasen schienen aber dermassen aus dem Häuschen ob so viel Trüffelaromen um sie herum. Kein Wunder – bediente sich doch fast jeder Gast zum Abschied noch aus Maurizios privatem Trüffel Take-Away.
Ein lecker traditionelles 10 Gang Menu, 200 gr weissen Trüffel, Weinraritäten aus einem halben Jahrhundert und eine brasilianische Küchenchefin! Piemont Herz, was willst Du mehr…? Grazie Marcello!
1958 | Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva | 10/20 | vorbei |
1943 | Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva | 11/20 | vorbei |
1964 | Poderi Oddero Barolo | 10/20 | vorbei |
1964 | Gaja Barbaresco | 12/20 | vorbei |
Leider keine Überlebenden im ersten Flight… Schon die trübe, rostige Farbe beim Einschenken liess auf nichts Gutes mehr hoffen. Einzig der 1964 Gaja Barbaresco bestätigte das „piemontesische Säure Klische“. Sogar in einem toten Wein schwebte da noch ein Säure Gespenst im Glas herum. Zu dieser Serie fällt mir leider nichts anderes ein, als dass kürzlich in Barbaresco ein alter Sarg gefunden wurde…
1982 | Gaja Barbaresco | 17/20 | vorbei |
1971 | Prunotto Rabaja Barbaresco | 20/20 | austrinken |
1985 | Giuseppe Mascarello e Figlio Monprivato Barolo | -/- | austrinken |
1947 | Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva | 18/20 | austrinken |
Dramatisch besser wurde es in der zweiten Serie. Schön präsentierte sich der pflaumig, würzige 1982 Gaja Barbaresco. Anfänglich etwas muffig, legte er im Glas noch ansprechend zu. Tabak, Moos, Erde und immer noch feine Kirschen Noten. Elegant im Gaumen mit lebendiger Säure. 1971 Prunotto Rabaja Barbaresco ist „Old Fashion“ Piemont Traumstoff vom Feinsten. Der Wein faszinierte mich von Anfang an. Ein wunderbar zärtlicher, feingliedriger Barbaresco. Herrlich gereift und jetzt in perfekter Reife. Es scheint, als wäre der
Wein für heute Abend gemacht. Rauch, röstige Aromen, Trüffel, Erde, Leder und Stroh. Seidenfein im Gaumen, dermassen leicht und mit atemberaubender Tiefe. Gigantisch! Man bedenke der Techniken jener Zeit. Der Preis damals und was wir jetzt hier im Glas erleben. Ich war zuerst bei 18/20, stellte das Glas zur Seite und trank den Rest erst nach der nächsten Serie. 19/20. Beim Fotografieren entdeckte ich ein halbes Dezi in der Flasche…20/20. Weiss Gott, was noch passiert wäre, hätte ich mir den verbleibenden Schluck von Thomas Krieg neben mir ergattern können….
Grossartig auch der 1947 Giacomo Borgogno & Figli Barolo Riserva, mit mineralischer Note, Torf, Leder. Fein abgerundet, immer noch lebendig und mit toller Länge ausgestattet. Ohne Bewertung, da es sich eindeutig um eine schlechte Flasche handelte, blieb der oxydierte, muffige 1985 Giuseppe Mascarello e Figlio Monprivato Barolo.
1988 | Elio Altare Arborina Barolo | 18.5/20 | austrinken |
1989 | Roberto Voerzio Cerequio Barolo | 17/20 | austrinken |
1990 | Domenico Clerico Ciabot Mentin Ginestra Barolo | 13/20 | vorbei |
1989 | Produttori del Barbaresco Asili Barbaresco Riserva | 16/20 | vorbei |
Ein Klassewein ist 1988 Elio Altare Arborina Barolo. Typische Nebbiolo Aromatik, immer noch dunkle Kirschen, Brombeeren, Teer, Gewürze. Super balanciert mit einer stabilen Spannung von Auftakt bis Abgang ausgestattet. Auch 1989 Roberto Voerzio Cerequio Barolo überzeugte mit viel Dörrfrüchten im Bouquet, etwas animalisch rustikal im Gaumen und sehr elegantem Abgang. Voll schräg war 1990 Domenico Clerico Ciabot Mentin Ginestra Barolo. Die Clerico Weine sind modern gemacht. So modern wie sein futuristischer Weinkeller vor Monforte, der eher an eine Raketenabschussbasis erinnert als an eine Cantina. Die Nase bereits mit Maggikraut überreif und ranzig. Im Gaumen dermassen Säure und Gerbstoffe. Auf den Mond damit! Da gefiel mir 1989 Produttori del Barbaresco Asili Barbaresco Riserva um einiges besser. Natürlich ein einfacher gestrickter Barbaresco, mit animalischen Noten. Dazu Feigen, Trüffel, Gewürze. Rustikal strukturiert mit leicht austrocknendem Abgang. Gut gereift.
1990 | Gaja Sperss Barolo | 17/20 | austrinken |
1990 | Roberto Voerzio La Serra Barolo | 18/20 | austrinken |
1989 | Aldo Conterno Granbussia, Barolo Riserva | 16/20? | vorbei |
1989 | Gaja Barbaresco | 18.5/20 | austrinken |
Gut, aber für den Jahrgang leicht enttäuschend erlebte ich 1990 Gaja Sperss Barolo. Im Bouquet Rauch, Teer, Wildfleisch. Wenig Frucht, etwas muffig. Zeigt schöne Reife und Grösse im Gaumen. Schwierige Flasche. Nachdegustieren? Wer hat? Spontan gefiel da der moderne 1990 Roberto Voerzio La Serra Barolo besser. Röstige Nase. Nuss, Popcorn, Kokos und Kaffee. Stoffig, zupackend im Gaumen und kräftig bis in den langen Abgang. Leider auch nicht in Bestform befand sich 1985 Aldo Conterno Granbussia, Barolo Riserva. Wenn man andere Notizen liest, zweifelt man auch hier an der Flaschenqualität oder der Herkunft/Lagerung. Ein würzig, reifer Barolo, mit Torf- und Trüffelnoten, etwas Kirschen und Rosinen. Schön, aber harmlos. Bleibt noch zum Abschluss der wunderbare, klassische 1989 Gaja Barbaresco Dunkelbeeriges, defensives Bouquet. Sultaninen, Minze, Tabak und Kirschen. Vollmundig, elegant im Gaumen. Präsentiert sich jetzt in seiner End-Trinkphase.
In Kürze online: Tanti Auguri Marcello Teil 2 und 12 Spitzenbaroli vom Prachtsjahrgang 2010.
Bordeaux 2000 gehört zu meinen Lieblingsjahrgängen. Er gehört zu den seltenen Jahrgängen, welcher das ganze Bordelais reichlich beschenkt hat. Ob Links oder Rechts, Cabernet oder Merlot. Einfach Top! Beste Wetterbedingungen und perfektes Traubengut. Qualitativ sowie quantitativ aussergewöhnlich. Zusammen mit dem Milleniums Hype natürlich auch ein Grund um kräftig aufs Preispedal zu treten. Ich habe trotzdem einiges gekauft und nach den schwierigen 2001ern und 2002er nochmals nachgekauft. Die meisten Kisten sind allerdings noch verschlossen und in sicherer Reichweite vor mir selbst. Deshalb nutze ich jede Möglichkeit, um mir ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Diesmal bot sich die Gelegenheit im Restaurant Una Storia in Sempach, wo René Gabriel ein Dutzend 2000er öffnete. Je eine Viererserie St. Julien, St. Estèphe und St. Emilion.
2000 | Lagrange | 18/20 | trinken – 2025 |
2000 | Ducru Beaucaillou | 19+/20 | 2018 – 2045 |
2000 | Léoville Barton | 18.5+/20 | 2018 – 2045 |
2000 | Léoville las Cases | 19/20 | trinken – 2045 |
Ein ganz sicherer Wert und verlockend schön ist 2000 Lagrange. Offenes, toastiges Bouquet. Kaffee Mocca, blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Ein Wein, der schon früh begeisterte und sich gar nie zurückzog. Sehr erhaben und gross präsentierte sich 2000 Ducru Beaucaillou, Erdig, würziges Bouquet. Dazwischen frische Cassisaromen, Holunder, Zedern. Im Gaumen reifeverlangend. Viel Stoff, und die entsprechend massiven Tannine. Kommt auf jeden Fall (sehr) gut! Auch 2000 Léoville Barton ist in fünf bis zehn Jahren eine sichere Bank. Jetzt eher defensiv, schwarzbeerig, aber auch florale Noten. Zedern. Die Frucht fehlt im Moment etwas, daher wirkt er zugeknöpft und uncharmant. Im Gegensatz zu 2000 Léoville las Cases, der – obwohl auch er noch lange nicht in seiner Trinkreife ist – bereits jetzt schon harmonisch elegant wirkt. Schwarzbeerig, etwas Lakritze, edle Mocca Röstung. Konzentriert im Gaumen, tolle Balance und sehr lang im Abgang.
2000 | Tronquoy-Lalande | 17.5/20 | trinken – 2025 |
2000 | Beau Site | 15/20 | trinken – 2025 |
2000 | Cos d’Estournel | 18.5/20 | trinken – 2030 |
2000 | Montrose | 18.5+/20 | 2020 – 2050 |
2000 Tronquoy-Lalande ist ein vorzüglicher Wein. Das Beste aus dem Topjahr herausgeholt und zu fairem Preis angeboten. Jugendliches Bouquet, irgendwie immer noch recht primärfruchtig mit schöner Holzbegleitung. Im Gaumen mittelschwer, leichte Pilznote, rustikal strukturiert. 2000 Beau Site wirkt im Bouquet defensiv. Pflaumen, Zedern und Vanille. Im Gaumen zu harte Tannine, viel Säure und einen leicht muffigen Unterton. Ein önologischer „Trickbetrüger“. Man könnte annehmen, er sei einfach zu jung und brauche Zeit. Doch daraus wird nichts. In zehn Jahren wirkt er zwar abgerundeter, dafür frucht- und freudlos.
2000 Cos’d Estournel gefällt und enttäuscht zugleich. Das Positive: Er ist jetzt wunderbar zu trinken. Anmutig, erotisches Bouquet. Prachtvoll schwarbeerig, mit edlen Barriquearomen. Mocca, Kaffee, Caramel, Lakritze und Tabak. Im Gaumen rund, angenehm, ohne Ecken und Kanten. Und das ist der nachdenkliche Teil dieses Weins. Bei Cos erwartet man in einem dermassen grossen Jahr einfach mehr Stoff. Er passt von seiner Art gut zu 1998 oder 1999. Aber 2001 und folgende wirken dann konzentrierter. Erneut ein Cos d’Estournel aus der Übergangsphase zweier Generationen. Einen ganz anderen Weg schlägt da 2000 Montrose ein. Hier geht in grossen Jahren selten etwas vor 20 Jahren Ruhe. Zugeknöpft bis oben hin. Defensiv dunkelbeerig, etwas Teer, Peperoni. Kräftiger Körper, präsente Säure, gesunde Gerbstoffe. Alles ist da für einen ganz grossen Montrose (in zehn Jahren). Reife Montrose, welche jetzt Spass machen sind: 1989, 1990, 1995 und 1996.
2000 | Beauséjour-Bécot | 18/20 | trinken – 2025 |
2000 | Magdelaine | 17/20 | trinken – 2020 |
2000 | Figeac | 19/20 | trinken – 2040 |
2000 | Pavie | 18?/20 | trinken – 2035 |
Ob Links oder Rechts: Bordeaux 2000 ist uferlos gross. Jetzt zugänglich und in erster Trinkreife präsentiert sich 2000 Beauséjour-Bécot. Würzig, pflaumiges Bouquet. Etwas Zedern, Toast, Schoko und Leder. Wirkt im Gaumen ausgeglichen und stimmig. Wie auch 2000 Magdelaine, der reifste Wein in der St. Emilion Serie. Granat; Dörrfrüchte, Sultaninen und Pflaumen in der Nase. Mittelschwerer Körper ohne Ecken und Kanten. Ganz gross zeigt sich erneut 2000 Figeac, den ich vor wenigen Tagen ebenfalls fraglos mit 19/20 bewertete. Dichte Aromenvielfalt. Cassis, Leder, Pfeffer, Muskat. Attraktiv im Gaumen, verlockend elegant. Bringt viel Spannung vom Auftakt bis zum langen Abgang. Zeigt sich im Moment offener als der ebenfalls sehr grosse 1998er. Hier lohnt sich sogar noch ein Nachkauf.
Stirne runzeln dann beim 2000 Pavie. Vor zwei Jahren mit klaren 20/20 im Glas und seither leider nicht mehr probiert. Hier läuft etwas schief, oder es handelte sich um nicht optimale Flaschen. Fülliges, süsses Bouquet. Klar dunkelbeerig, Lakritze und Minze, aber auch leider eine gewisse Lack Note, was auf flüchtige Säure hinweisen könnte. Im Gaumen wirkt er konzentriert, alles irgendwie zu extrahiert und daher trocken. Wo in seiner Jungend eher zu viel Fett da war, klafft im Moment eine „Eleganz Lücke“. „Wohin des Weges, Du nobler Pavie?“ Hoffentlich krieg ich bald die Chance für eine Klarstellung oder Bestätigung….
Endlich schaffte ich es, bei einer „Traumdepot“ Veranstaltung von Christoph Wey dabei zu sein. Leider ergibt sich die Gelegenheit nur noch selten. Mit gutem Grund. Denn sein neues Projekt heisst „ZIAB“ „Zu Hause isst’s am besten.“ Natürlich geht’s auch bei ZIAB um Genuss und Leidenschaft. Zusammen mit Reto Fust sind die beiden ein eingespieltes „Störkoch Duo“. Fust kocht – Wey stört… Um die Arbeitsaufteilung dennoch fair zu gestalten, schreibt Christoph Wey über diese kulinarischen Momente und hält sie bildlich fest. Daraus entstehen Geschichten, Rezepte und Emotionen. Und dies wollen die beiden in Zukunft mit uns teilen. Ein Genussbuch entsteht. Mehr als „nur“ ein Rezeptbuch. „Ungeschliffen, vielfältig und lebensnah“, wie sie auf ihrer Webseite schreiben. Gut Ding will Weile haben. Ende 2016 ist es soweit. Bereits jetzt gibt’s Einblicke zu diesem spannenden Projekt unter www.ziab.ch.
Der freitägliche „traumSTOFF“ Abend entsprach ganz der Philosophie von Reto (links) und Christoph (rechts). Zusammensitzen, über unser Hobby schwärmen, Gedanken austauschen, glücklich sein. Wir fühlten uns wohl, umgeben von feinsten Stoffen im Glas wie auch um uns herum (die Verkostung fand Peter Millar Flagship Store in Sihlbrugg statt). Dazu auserlesener Käse, Fleisch und köstliche Brote. Genuss pur!
Mit dabei war auch Thomas Theiler. Der gelernte Maschinenzeichner und Metallbauer stellte seinen „mechanischen Sommelier“ vor. Ein feinmechanisches Kunstwerk mit modernster Optik. Mit diesem edlen Teil dekantieren Sie Grossflaschen bis zu 27 Liter äusserst stilvoll. Ein faszinierendes Gerät und toller Blickfang in jedem guten Restaurant. Hier bewundern Sie den genialen Dekanter: www.theilermetall.ch
Und schliesslich die Weine. Thematisch zusammengestellt in Dreierserien:
CH | 2009 | Studach Chardonnay | 18/20 | trinken – 2016 |
Cal | 2005 | Marcassin Chardonnay Three Sisters Vineyard | 16/20 | austrinken |
Bur | 2005 | Domaine William Fevre Chablis les Clos | 17/20 | trinken – 2020 |
In der Chardonnay Startserie überzeugte 2009 Studach Chardonnay mit seiner mineralischen, frischen Art. Leicht nussig, etwas Vanille und viel fruchtiger Chardonnay Primäratomatik. Schon sehr reif in Farbe und Aromatik zeigte sich 2005 Marcassin Chardonnay Three Sisters Vineyard. Ueppig, schwere Nase. Brandig, leicht oxydativ. Asche, Schwefel und Butter. Im Gaumen breit und träge mit schlapper Säure. Schwer zu sagen, ob es sich um eine schlechte Flasche handelt oder ob dieser Marcassin wirklich schon so deutlich den Zenit überschritten hat. Da erinnere ich mich wehmütig zurück an den eindrücklichen Marcassin Event vor zwei Jahren. Frisch, leicht grassig mit mineralischer Struktur und knackiger Säure präsentierte sich 2005 Domaine William Fevre Chablis les Clos. Leichte Zitrusaromen, Feuerstein und Gewürze.
.
Oes | 2006 | Pöckl Monchhof Merlot | 19/20 | trinken – 2025 |
CH | 2009 | Vin da Zücchin Cinq! Merlot | 17/20 | trinken – 2020 |
Tos | 2007 | Le Macchiole Messorio | -/- |
Einmal mehr begeisterte mich der phänomenale 2006 Pöckl Monchhof Merlot. Der Wein beeindruckte uns anlässlich der European Merlot Champions League anfangs Jahr. Immer noch jugendlich. Offenes, toastiges Bouquet. Pflaumen, Cassis, Bananen, Schoko, Zimt und Vanille. Zupackend, kräftig im Gaumen und mit guter Struktur ausgestattet. Verfügt über tolle Reserven, was ihm noch lockere zehn Jahre Lebensdauer auf diesem hohen Niveau beschert.
Das Ergebnis eines spannenden Schweizer Weinprojekt ist der „Tschingg“ von den „Kürbisköpfen.“ 2009 Vin da Zücchin Cinq! Merlot. Die Merlot Trauben stammen vom Tessiner Winzer Giuliano Cormano. Gekeltert wird im bündnerischen Fläsch bei Andrea Devaz. Ein geschmeidig, eleganter Wein, der sehr von seiner verlockenden Barrique Süsse lebt. Bittermandeln, Marroni, Vanille, Rauch. Ein schöner Wein aus grossem Tessiner Jahr. Eine „Toasting Stufe“ tiefer, und der Cinq wäre bei mir eine Bewertungsstufe höher… Schade, dass 2007 Le Macchiole Messorio korkte. An der grossen Messorio Vertikale vor zwei Jahren bewertete ich den 2007er mit 19/20 (trinken – 2025).
Bdx | 2000 | Château Talbot | 18.5/20 | trinken – 2035 |
Tos | 2004 | Montepeloso Gabbro IGT | 16.5+/20 | trinken – 2025 |
Cal | 2004 | Blankiet Cabernet Sauvignon Paradise Hills Vineyard | 17.5+/20 | 2020- 2035 |
Im Cabernet Flight begegnete ich wieder mal dem tollen 2000 Talbot. Einem klassischen, grossen St. Julien, der in diesem Spitzenjahr grossartig gelungen ist. Edles Holz, Zedern, Toast, blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Viel Stoff und Reserven, aber jetzt schon sehr gefällig. Nicht ganz klar kam ich mit 2004 Montepeloso Gabbro IGT. Offenes rauchiges Bouquet. Kirschen, Pflaumen, Gewürze, etwas Lack. Im Gaumen breit strukturiert, etwas alkoholisch und schwermütig wirkend. Stark extrahiert, trocken im Abgang. Auch 2004 Blankiet Cabernet Sauvignon Paradise Hills Vineyard ist ein typischer Vertreter der „full Body“ Weine. Druckvolles Bouquet. Reif, süss. Pflaumen, Cassis, Kalk und Teer. Gradlinig strukturiert, viel Reserven, kantige Säure und wenig Entwicklung. Warten.
.
Rho | 2003 | Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee Reservee | 18.5/20 | trinken – 2025 |
Rho | 2003 | Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee da Capo | 19.5+/20 | trinken – 2030 |
Cal | 2007 | Tablas Creek Esprit de Beaucastel | 18+/20 | trinken – 2030 |
Jetzt schon wunderbar trinkreif zeigt sich 2003 Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee Reservee. Ein grossartiger, fein strukturierter CNP. Kirschen, Pflaumen, Himbeeren, Kerzenwachs und Rauch. Im Gaumen sehr geschmeidig, reif und zugänglich. Wirkt fast älter als er effektiv ist. Super Länge. Absolut edel wirkt 2003 Domaine du Pegau Chateauneuf du Pape Cuvee da Capo (90% Grenache). Grant. Pflaumen, Vanille, Caramel, Pfeffer, Himbeeren, Leder und Minze im Bouquet. Röstiger als der Reserve. Zeigt eine enorm vielschichtige Aromatik, welche sich im Glas dauernd verändert. Absolut delikater Gaumen, traumhafte Balance und eindrückliche Länge.
Es gibt eine Theorie, welche besagt, dass wenn ein Wein in seiner Jugend nach Bananen riecht, kann er im Alter zur Legende reifen… Was aber, wenn ein Wein praktisch nur nach Banane riecht wie dieser 2007 Tablas Creek Esprit de Beaucastel? Ein „Rhone Blend“ aus Mourvedre, Grenache, Syrah und Counoise aus San Luis Obispo (Central Coast). In der Nase Banane, blaue Beeren, Pfeffer, Kirsch und Nuss. Mittlere Intensität. Schönes, harmonisches Gesamtpaket. Viel Fülle aber nicht überladen. Ein stimmiger Wein mit Potential.
.
Lang | 2007 | La Peira en Damaisela Terrasses du Larzac ‚La Peira‘ | 16/20 | trinken – 2030 |
Cal | 2007 | Saxum Booker Vineyard | 18.5/20 | 2020 – 2035 |
Rho | 2009 | Rene Rostaing Cote Blonde | 18.5+/20 | 2020 – 2040 |
Sicherlich Liebhaber finden wird der mächtig, bullige 2007 La Peira en Damaisela Terrasses du Larzac mit rauchig würziger Nase. Zu jung und zu alkoholisch für mich. Sehr schön zeigt sich 2007 Saxum Booker Vineyard. Natürlich auch mindestens fünf Jahre zu früh im Glas. Doch hier spürt man mehr Gehalt und Struktur. Ein toller Wein ist 2009 Rene Rostaing Cote Blonde, mit frischem, primärfruchtigem Bouquet. Viel Kirschen, Pflaumen, Leder, Pfeffer. Fein, elegant im Körper. Sehr schön balanciert. Fünf Jahre Geduld verspricht eine noch höhere Wertung.
Die beiden ZIAB Jungs: Christoph Wey und Reto Fust. Dazwischen Dekanter Designer Thomas Theiler:
Ja, man darf verwundert die Augen reiben. Endlich probiert er mal deutschen Riesling! Zugegeben, die Gelegenheiten sind rar, den Zugang habe ich noch nicht richtig gefunden und mein Riesling Kellerabteil glänzt durch gähnende Leere. Also nutzte ich erst recht die Gelegenheit, Von Winning’s Grosse Gewächse zu probieren. Der 2013er gilt in der Pfalz als Spitzenjahrgang. (mehr …)
„Gourmet Dinner mit…“ ist eigentlich kein Weinevent. Die Sache hat sich irgendwann (wie so oft) einfach ergeben. Es geht um einen Wein, den ich sehr schätze, selten begegne und wenige Flaschen davon im Keller finde. Die Teilnahmebedingungen sind einfach. Jeder Gast bringt einen Jahrgang des definierten Weins mit in den Adler nach Nebikon. Dort kocht uns Raphael Tuor mit seinem Team einen vorzüglichen Fünfgänger und wir geniessen dazu die Weine. Wunderbar entspannt. Tolle Weine, grossartiges Menu, liebe Freunde.
Die Wahl fiel dieses Jahr auf das oftmals unterschätzte Pomerol Weingut Gazin. Auf Gazin produziert man auf 24 ha (90% Merlot, 7% Cabernet Sauvignon und 3% Cabernet Franc) rund 100’000 Flaschen vom Erstwein und 20’000 Flaschen vom Zweitwein l’Hospitalet de Gazin.
Besitzer Nicolas de Bailliencourt über sein Château Gazin:
http://www.youtube.com/watch?v=Bk3rTMbiHHg
Die Weine wurden offen verkostet.
1989 | Gazin | 18/20 | trinken – 2020 |
1990 | Gazin (Magnum) | 18.5/20 | trinken – 2025 |
1994 | Gazin (3/8) | 18.5/20 | trinken – 2025 |
1995 | Gazin | 17.5+/20 | trinken – 2035 |
1996 | Gazin | 18/20 | trinken – 2020 |
1998 | Gazin | 18/20 | trinken – 2040 |
2000 | Gazin | 19/20 | trinken – 2040 |
2005 | Gazin | 18+/20 | 2020 – 2045 |
2009 | Gazin | 19+/20 | 2020 – 2045 |
1989 Gazin. Aufhellendes Granat. Würzig, leichte grünlicher Touch. Leder, Peperoni und Zedern. Süsse, reife Aromen im Gaumen. Mittelscher elegant und schön ausgewogen. Etwas Jute, Tabak, spitze Säure. Gut entwickelter Gazin. Voll ausgereift. Weils so schön war, öffneten wir zum Schluss gleich noch eine 89er. Dieser wirkte einen Tick frischer. Also nicht dekantieren – spontan geniessen.
Sven Fischer brachte den tollen 1990 Gazin in Magnumformat mit. Edles Bouquet. Dunkle, süsse Beeren, Mineralisch, Jod. Tabak. Gaumen ausgereift, mild, harmonisch. Enthält immer noch eine schöne Frische in sich. Hält lange und entwickelt sich weiter positiv. Normalflaschen sind wahrscheinlich schon sehr reif, diese perfekte Magnum zeigt immer noch viel Substanz.
Mit 1994 Gazin habe ich mir den Spass erlaubt, die Flasche zusammen mit dem 1995er und 1996er blind den Gästen vorzusetzen. Fazit: Niemand tippte bei diesem Wein auf 1994, und er dominierte die Serie. Dunkles Granat. Mollig, toastige Nase. Zedern, Peperoni. Kalk. Toller Druck im Auftakt. Mittelschwer im Gaumen mit erstaunlichem Potenzial. Super harmonisch. Unglaubliche Performance für dieses Jahr. Ich bin kein Fan von 1994, aber dieser Gazin… Habe mir eine Kiste 3/8 an der letzten Weinbörse ersteigert. Lohnenswert!
Etwas schwer tat sich 1995 Gazin. Defensiv, blaubeerig. Schoko, Zedern, Leder, Nuss. Elegant strukturiert. Viel Potential. Aber noch keine richtige Harmonie. Etwas grün im Abgang. Stramme Säure, typisch für 1995. Die kommen langsam und brauchen Geduld.
Ein sympathischer Wein aus schwierigem Pomerol Jahr ist 1996 Gazin, Granat; Würzig, Holz, Zedern. Defensive Frucht. Runder, ausgewogener Körper. Blau-rotbeerig. Nervige Säure. Süsser Mittelteil. Hat seinen Zenit bereits erreicht.
Aus grossem Merlot Jahr dann 1998 Gazin. Rauchig, edle, schwarzbeerige Nase. Etwas Lakritze, Leder, Popcorn, Caramel. Massiver Holzeinsatz. Heisses Jahr. Super reif. Harmonisch, elegant strukturiert. Leicht trockener Abgang. Sehr modern gemacht und möglicherweise etwas überextrahiert. Nicht ganz den Erwartungen entsprechend.
Begeistert hat mich 2000 Gazin. (85% Merlot, 12% CS, 3% CF) Dunkles Granat. Würzig, Kalk, Brombeer, Cassis und defensiver Holzeinsatz. Etwas Zedern. Druckvoll, nachhaltig im Gaumen. Zeigt die Fülle des grossen Jahrgangs. Enormer Stoff ohne üppig zu wirken. Eleganz mit Potential für lockere 20 Jahre. Das ist die Balance und die Reinheit eines aussergewöhnlichen Jahrgangs.
Viel Potenzial und Grösse dann bei den letzten beiden Babys. 2005 Gazin (85% Merlot, 10% CS, 5% CF) Blaubeerig, würzig. Viel laktische Aromen. Erdbeeren, Brotkruste, süss, gut unterstützte Holznote. Erdnüsse. Sehr geschliffen, geschmeidig im Gaumen. Im Moment recht in sich zusammengezogen. Vom Typ her ein junger 2000er. Jetzt recht komprimiert. Braucht viel Zeit. Im Moment schwer zugänglich. Unbedingt warten.
2009 Gazin (90% Merlot, 7% CS, 3% CF) war schon 2012 auf Hannes Wachtlers 2009er Probe mein heimlicher Star. Ich habe danach gekauft und nun bereits die erste Flasche geopfert. Natürlich um Jahre zu früh, aber dieser Wein zeigt jetzt schon eine unglaubliche Grösse. Violette. Dunkelbeerig, Erdnüsse, Cassis. Minze und Himbeeren. Enorm stoffig, völlig primarfruchtig. Potential und Kraft. Modern vinifiziert, perfektes Traubengut. Grossartige Balance und fast Likör-mässiger Gaumenfluss. Moderner, grossartiger Gazin. Der Beste? Ich bleibe dran…
- Das Château
- Die Weinberge
- Das Menu
- Der Koch
Der Report über eine spektakuläre Nacht mit 22 Syrah Weinen. Bei den einen war es Liebe auf den ersten Blick. Mit anderen würde ich im Liebeswahn sofort eine lebenslängliche Beziehung ohne Ehevertrag eingehen. Und da waren auch noch jene, mit welchen es beim schnöden One-Night-Stand bleiben wird… (mehr …)
Der Bestbottle Circle, unter der Leitung von Marcello Botti und René Mauchle, lud zur „Freestyle Edition“ in den Ochsen nach Lenzburg. Mitgebracht wurden grossartige Weine, viele Parkerpunkte und ein Exote, der sich ganz weit oben klassierte. Ein toller Kickoff in den Weinherbst!
Wieder mal eine Doppelbuchung in meiner Agenda. Einerseits die Einladung ans Oktoberfest, andererseits organisierte René Gabriel eine prächtige Vertikale eines meiner Lieblingsweine im Sempacherhof. 20 Mass Bier oder 20 Jahrgänge Pape Clément?.. Wofür hätten Sie sich entschieden? Zum Glück für mich heisst diese Seite nicht MYBESTBEER.CH… (mehr …)
Bei der Heitz Winery scheiden sich die Weingeister. Da sind einerseits die Kritiker und Freunde universeller Weltweine, welche vor allem der alten Jahrgänge wegen die Nase rümpfen. Sie bemängeln – die leider oftmals vorhandenen – Unsauberkeiten mehr, als sie die Einzigartigkeit des Weins loben. Robert Parker gehört als einflussreichstes Beispiel dazu. Er attestierte den Heitz Erzeugnissen oft eine gewisse „Lack Note“. Joe Heitz schickte ihm darauf ein Paket Taschentücher und einen Brief, mit der Aufforderung, er solle sich gefälligst die Nase putzen und von seiner Winery fern bleiben. Auch Stephen Tanzer hat nach seinen 76 Punkten für den 87er Martha Hausverbot.
Und dann existiert andererseits eben auch die Heitz Fangemeinde. Freaks, welche die Einmaligkeit des Weins verehren. Die Charakteristik des Terroirs, und die faszinierende Aromatik aufgrund der unzähligen Eukalyptusbäume rund um Martha’s Vineyard. Aber es braucht viel Verständnis und Geduld mit dieser „Martha“. Dates mit ihr schwanken zwischen hemmungsloser Begeisterung und schierer Verzweiflung. Joe Heitz war als „etwas“ geizig bekannt. Ein Typ, der seine Fässer lieber ein Jahr zu oft brauchte, und eher eine Tonne Trauben zu viel als zu wenig in den Keller fuhr. Unterschiedliche Fassqualitäten und Alter für den gleichen Jahrgang waren keine Seltenheit. Das Ergebnis erleben wir jedes mal beim Genuss einer Flasche. Mal himmelhoch jauchzend, mal oder zu Tode betrübt. Auch bei dieser Probe wieder.
Der Bestbottle Circle, rund um Marcello Botti, Nils Frei und René Mauchle luden in die Fansburg nach Ormalingen. Susi und Jürg Richter begleiteten und begeisterten uns mit ihrem Team durch den eindrücklichen Tag. Der Event wurde in zwei Etappen durchgeführt. Zum Lunch stellte jeder Teilnehmer einen „normalen“ Heitz auf den Tisch, und zum Dinner dann eine Flasche (oder mehrere…) der legendären Martha.
Ja, wir brachten die Weine selber mit…Eigentlich völlig paradox beim eindrücklichen Farnsburger Weinkeller. Ein Eldorado mit unglaublicher Vielfalt und Tiefe. Ein Schmuckstück für jeden Weinliebhaber. Schauen Sie mal rein…Es muss ja nicht unbedingt Martha’s Vineyard, der Albtraum jedes Sommeliers, sein. Im Farnsburg Keller finden Sie einige Tausend Alternativen…
Mittags Session (Serien offen, Weine blind):
.
1975 | Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard | 17/20 | austrinken |
1978 | Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard | 17.5/20 | trinken – 2020 |
.
Die Parzelle am Fay Vineyard pachtete Joe Heitz von 1975 – 1978 bevor sie der Besitzer, Nathan Fay, 1979 an Stag’s Leap verkaufte. Noch heute finden Sie diese Trauben im Cask 23. Beide Weine sind immer noch sehr gut. 1975 Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard präsentiert sich mit viel Kräuter im Bouquet. Jute, Kamin und Zedern. Mittlere Intensität und leicht austrocknendem Finale. 1978 Heitz Cabernet Sauvignon Fay Vineyard würzig, minzige Nase. Dunkle Schokolade. Etwas breiter strukturiert.
.
1983 | Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard | 16/20 | austrinken |
1990 | Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard | 18/20 | trinken – 2025 |
1994 | Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard | 17.5/20 | trinken – 2020 |
1997 | Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard | 17/20 | austrinken |
2004 | Heitz Cabernet Sauvignon Bella Oaks Vineyard | 18/20 | trinken – 2030 |
1983 Bella Oaks war ein harmloser, sehr rustikaler Wein mit unnötig hoher Säure. Sehr gut gefiel mir 1990 Bella Oaks, mit leicht animalischen Noten, Leder und Tabak. Ein klassischer „old fashion“ Cab mit erstaunlich guten Reserven für 1990. Auch gut gelungen war 1994 Bella Oaks mit jugendlicher Farbe. Rauch, Teer im Bouquet, präsente beerige Aromen und recht lang. Schnell unterwegs scheint 1997 Bella Oaks zu sein. Leicht staubige Noten, Rosinen, Eukalyptus, Minze und Gewürze. Etwas karg, metallisch im Gaumen. Hat möglicherweise die beste Zeit schon hinter sich. Ein frischer, dunkelbeeriger, grosser Wein ist 2004 Bella Oaks. Ausladendes Bouquet, Cassis, Bisquit, Griotte und dunkle Schokolade. Fülliger Körper, würzig mit einem gewissen „Rhone Touch“. Interessant!
1990 | Heitz Cabernet Sauvignon Trailside Vineyard | 18/20 | trinken – 2025 |
1991 | Heitz Cabernet Sauvignon Trailside Vineyard | 18/20 | trinken – 2025 |
Joe Heitz kaufte 1984 den 100 Acre Trailside Vineyard, östlich von Rutherford, entlang des Silverado Trails. 1990 Trailside, überzeugte seine gradlinige Art. Blaubeerig, Zedern, Tabak und Teer. Gute Balance und Länge. Auf gleichem Niveau 1991 Trailside. Offensive, druckvolle Nase. Schwarz- und blaubeerig, etwas Minze und Zedern.
Abend Seession:
1968 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 20/20 | austrinken |
1972 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 18/20 | austrinken |
1974 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 19/20 | austrinken |
1975 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 19/20 | trinken – 2025 |
1976 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 18/20 | austrinken |
1978 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | -/- | |
1979 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 17.5/20 | austrinken |
1984 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | -/- | |
1985 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | -/- | |
1986 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 19/20 | trinken – 2025 |
1987 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 19/20 | trinken – 2025 |
1989 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 17/20 | austrinken |
1991 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 18.5/20 | trinken – 2030 |
1997 | Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard | 19/20 | trinken – 2035 |
1968 Heitz Martha’s Vineyard war der dritte Jahrgang dieses legendären Weins. Er ist schlichtweg grandios. Das non plus ultra, was man sich von Martha’s erhofft und erwünscht. Herrlich offenes Bouquet. Eukalyptus, Minze, Vanille, Tabak und immer wieder dazwischen rote, frische Beeren. Datteln und Espresso. Geschmeidiger Auftakt, elegant und lang im Gaumen. Die Balance ist brillant. Enormer Nachhall. Eine Napa Ikone. Perfekt. Der 1968er müsste bei der UNESCO als Wein Welt Kulturerbe geschützt werden (hauptsächlich vor mir…). Die Rettung für alle im Jahr 1972 Geborenen ist 1972 Heitz Martha’s Vineyard. Oder kennt jemand trinkbare Weine aus diesem Jahr? Helles Granat; Schoko, Minze, Jod, Kalk. Eher leicht strukturiert was super zu den eleganten Aromen passt.
1974 Heitz Martha’s Vineyard ist ein unglaublicher Wein. Selbst für diese Flasche, welche nicht ganz optimal gelagert schien, gebe ich hervorragende 19/20. Mattes Granat; Leder, Tabak, Minze und tief aus der Mitte Quitten und Himbeernoten. Der Wein wirkt ganz leicht rosinig, und „staubig“. Im Abgang enorm süss und erhaben. Sensationell jugendlich erschien 1975 Heitz Martha’s Vineyard. Granat; Mineralisches Bouquet, Minze, Eukalyptus, Lebkuchengewürz und Teebaumöl. Frisch, fast noch schwarzbeerig im Gaumen, sanfte Gerbstoffe und eine mineralische, lebendige Struktur. Wenn der Wein zwei Stunden dekantiert gewesen wäre, hätte er noch mehr „Martha Charme“ an den Tag gelegt. Aber eben… (thanks Jürg…) Den 75er bewertete ich schon bei der grossen Martha Probe 2011 als Schnäppchen Kauf (damals 20/20), neben dem überteuerten 74er. Diesen Frühling gewann der 75er die American Beauty 7… Noch Fragen?
1976 Heitz Martha’s Vineyard wirkt elegant, fast leicht, mit seinen beschwingten süssen schwarzbeerigen Bouquet. Dazu etwas Rauch und Zimt. Unglaublich gut gehalten für 1976. Good Job! Völlig kaputt war 1978 Heitz Martha’s Vineyard. 1979 Heitz Martha’s Vineyard ist ein typischer Martha Klassiker. Blau- und schwarzbeerig, Pflaumen, Minze, Wildleder. Braucht viel Luft um sich zu entfalten. Im Abgang leicht grünliche Noten und etwas kürzer als die ganz grossen Jahrgänge. Aber immer noch sehr solide unterwegs. 1984 Heitz Martha’s Vineyard zeigte sich mit viel Minze und Brennesseln aber auch mit Kork und unsauberen Noten. Andi Meier stellte sein Glas eine Stunde zu Seite, und der Wein war sauber… Typischer Martha Wahnsinn!!! Dasselbe erhoffte ich mir auch beim nächsten Fall für den Wein-Psychiater:
1985 Heitz Martha’s Vineyard. Die Publikumsbewertungen klafften mit 20/20 und „wo kann ich ihn wegleeren?“ weit auseinander. Ein Irrsinn und nur für Heitz Masochisten einigermassen nachvollziehbar. Der Wein duftete beim Öffnen (zirka fünf Stunden vor dem Tasting) perfekt fruchtig, dunkelbeerig. „Endlich eine perfekte 85er“, frohlockte ich… Beim Einschenken um 21 Uhr dann die Ernüchterung. Klarer Fall Kork! Damisiech…. Schon wieder…. Als positiv denkender Mensch glaubte ich an die gleiche Entwicklung wie beim 1984er vorher. Es kamen mehr röstige Aromen zum Vorschein. Brotkruste, Eukalyptus, Teebaumöl, Kräuter, Ricola und etwas Bratensauce. Der dumpfe fehlerhafte Touch verschwand aber leider nicht. Eine weitere 85er zwischen Genialität und Wahnsinn. André Kunz hatte die Idee, dass wir ihn das nächste Mal zehn Stunden dekantieren. Aber während des Schreibens dieses Raports konnte ich es nicht lassen und griff zu einer 85er aus der Schwingerkönigsdorf-Charge (nur wenige werden den Sinn verstehen…), und wollte ihn über 24 Stunden verfolgen. Keine Chance. Die Flasche war nach 90 Minuten leer…. Anfänglich viel dunkle Frucht, Eukalyptus, Teebaumöl und leichte Unsauberkeit. „Säuberte sich“ aber bei jedem Quirl im Glas und brachte die klassischen , würzigen Aromen zum Vorschein. Immer wenn ich nachschenkte, wirkte er fehlerhaft. Sobald die kleinen Luftblasen am Glasrand weg waren perfekt! Im Gaumen ist der Wein ein Traum an Eleganz und Länge. Langsam glaube ich an die Umkehrtheorie: Je mehr Luft er bekommt, desto schlimmer wird es… Für diese Flasche ohne Zweifel: 19.5/20 trinken – 2040
Ohne Zweifel präsentierte sich der tolle 1986 Heitz Martha’s Vineyard. Defensiv, würziges Bouquet. Sägemehl, Stroh, Schoko, Kampfer. Druckvoll, intensiv in der Mitte. Jugendlich kräftig. Trägt die Aromen wunderbar in sich und wirkt sehr harmonisch. Auch 1987 Heitz Martha’s Vineyard ist richtig gross. Hier habe ich nach den 19.5+/20 im 2011 nachgekauft. Dichtes, würziges Bouquet. Fleischige Aromen, immer noch Cassis, Espresso und Minze. Anfänglich im Glas etwas verhalten, aber auch hier: Martha kann gar nicht genug Luft kriegen (ausser vielleicht der 85er..). Ein rustikaler, charaktervoller, grosser Wein. Etwas leichter wirkte 1989 Heitz Martha’s Vineyard. Süsses, reifes Bouquet, Kaffee, Teebaumöl, Jod. Mittlere Intensität und beschwingt im Abgang. Stark performte einmal mehr 1991 Heitz Martha’s Vineyard, der zweitletzte Jahrgang vor der Neuanpflanzung infolge Reblaus. Opulente dunkelbeerige Nase. Cassis, Waldbeeren. Etwas Laub, Schwarztee und After Eight. Wirkt im Gaumen noch recht jung und entwickelt sich deutlich langsamer als viele andere 91er Kalifornier. Und schliesslich noch der zweite Jahrgang aus Martha’s Neuzeit: 1997 Heitz Martha’s Vineyard. Frische, süsse Nase. Brombeeren, Teer, Eukalyptus, Brotkruste. Mineralischer, druckvoller Köper. Feine Struktur und kräftige Ausstrahlung. Ist jetzt schon sehr gut und verfügt über Reserven für lockere 20 Jahre.
Hier nachlesen: Die komplette Heitz Martha’s Vineyard Vertikale vom 29. Oktober 2011
Mehr Infos zur Heitz Winery finden Sie auf: heitzcellar.com
Die Publikumswertung zur Probe und weitere spannende Events gibt’s bei bestbottle.ch
Vermisst-Meldung: Vermisst wird seit Samstagmittag 13. September 2014: Martha. 39 jährig, gebürtige Amerikanerin, wohnhaft seit mehreren Jahren in Neuenkirch, Kanton Luzern. Signalement: Schlanke Statur. 30 cm gross und zirka 1.5 kg schwer. Besondere Merkmale: Tätowierung auf der rechten Schulter mit der Jahreszahl „1975“. Martha verliess am Samstagvormittag ihr Zuhause mit zwei Freundinnen und ihrem gemeinsamen Liebhaber. Letztmals wurde sie im Zug zwischen Olten und Gelterkinden gesehen und anschliessend auf einer Taxifahrt zur Farnsburg in Ormalingen.
Seither wird Martha vermisst. Da ihre beiden Freundinnen inzwischen leer aufgefunden wurden, muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden.
Für sachdienliche Hinweise benutzen Sie bitte das Kommentarfeld.