Reisebedingte Zeitverschiebungen und entsprechenden Jetlag meistert man am besten, indem man so schnell wie möglich wieder in den normalen Lebensrhythmus kommt, lies ich mir sagen. Normaler Lebensrhythmus? Das heisst für mich, möglichst schnell wieder eine schöne Weindegustation! Und so stand dann, einen Tag nach unserer Rückkehr aus Kalifornien, nach meiner inneren Uhr nicht ein halber Liter Starbucks Cappuccino im Becher mit einer Cinamonroll (wo gibt’s die Dinger eigentlich in der Schweiz…?) vor mir, sondern eben 20 Bordeaux 1966. Zusammengestellt und organisiert von Marcel & Cathrine Merz (links) mit Ihren Freunden Sandra und Mathias Stalder auf dem gemeinsamen Hof Gunterswilerweid in Willisau. Als Familienanlass angekündigt, war’s ein Weinevent für gross und klein, mitten in der Natur.
Wenn Sie auch ab und zu enttäuscht sind, was Sie bei den Grossverteilern an Fleisch und entsprechenden Herkunftsbezeichnungen angeboten bekommen, besuchen Sie die Gunterswilerweid. Fleisch in dieser Qualität bietet höchsten Genuss mit bestem Gewissen.
Ten Years After! Der Name war Programm an diesem Sonntagnachmittag im Jasper Luzern. Zehn Jahre danach probieren wir die besten Weine eines der grössten Jahrgänge Kaliforniens. Der Anlass fand riesiges Interesse und übertraf bei weitem die zur Verfügung stehenden Plätze. 18 Weinenthusiasten von nah und fern freuten sich seit Wochen auf diesen Event. Von fern? Ja, von ganz weit weg sogar… Denn als Ueberraschungsgast, direkt aus Napa, beehrte uns die berühmte und bezaubernde Winemakerin und Besitzerin der gleichnamigen Winery: Delia Viader. Sie liess es sich nicht nehmen und brachte selber eine ihrer rarsten Flaschen mit, der Viader „V“ 2002. Zudem genossen wir Ihren 1997er Estatewein aus der Doppelmagnum als Tischwein.
Das Tasting selber sorgte für helle Begeisterung. Einerseits die Lokalität bei herrlichem Sonnenschein am See im Jasper Luzern. Toll bekocht und bedient, mit wunderschön abgestimmtem Menu. Andererseits natürlich dank den Weinen selber. Da ist extrem viel Kraft, Fülle und Charakter drin. Etwas vom Besten was mir je in so kompakter Form ins Glas kam. 2002 ist extrem hoch bewertet, teuer und rar. Einige von ihnen gehören zu den besten Weine der Welt.
Die Flaschen zum Tasting stammten einmal mehr aus DER perfekten Quelle für grosse US Weine: Aus dem unerschöpflichen Keller von Eugen Haefliger. Degustiert wurde in 5er Serien offen.
Araujo ist Eisele, und Eisele ist nicht einfach ein Weinberg – Eisele ist Napa Geschichte. Legendär, sagenumwoben und tief bewundert. Dieses alte Flussbett mit vulkanischem Terroir und idealem Mikroklima bietet grösstmögliches Potential für die bald 50 jährigen Cabernet Sauvignon Stöcke. Eisele gibt dem Wein die Struktur, die Aromatik, das Leben. Egal welcher Winemaker, egal welcher Besitzer. Eisele definiert den Wein. Nie üppig, nie überladen, nie alkoholisch. Eisele ist Power, Eleganz und Balance. Genau so lieben Bart und Daphne Araujo ihren Wein. Das letzte Glas einer Flasche muss das Beste sein!
Die Weine sind schwer erhältlich. Vom Flaggschiff Eisele Cabernet Sauvignon gibt’s jährlich zirka 20‘000 Flaschen. Die letzten Jahrgänge kosten um die CHF 300.-/pro Flasche. Trotzdem ist Araujo immer ausverkauft. Die Hälfte der Produktion wird über Mailingliste verkauft die andere Hälfte über den Handel. In der Schweiz ist dafür das begnadete Weinhandelshaus Martel St. Gallen verantwortlich. Vater Ludwig Martel arbeitet seit dem ersten Araujo Jahrgang 1991 mit diesem Weingut zusammen (wie vorher schon mit Joseph Phelps). Jan Martel schaffte es nun, dass die Araujos nach 20 Jahren Zusammenarbeit erstmals die Schweiz besuchten, und er organisierte mit seinem Team im Restaurant Lagerhaus St. Gallen ein tolles Tasting mit den beiden sympathischen Weinenthusiasten. Als grosser Araujo Fan musste ich natürlich dabei sein.
Es war eine weitere, denkwürdige Vertikale, welche ich zusammen mit dem (ehemaligen) Besitzer dieser raren Sammlung, Eugen Haefliger, durchführen durfte. Ich selber war auf den Event am meisten gespannt, denn diese Weine waren mir nur vom hören sagen bekannt. Der österreichische Auswanderer Manfred Krankl ärgerte sich in Kalifornien als Gastronom über Kultweine und deren exorbitanten Preise. „Was andere können, kann ich auch“, sagte er sich und gründete selber seine Kultwinery „Vantura Avenue“. Dort selektioniert er die bestmöglichen Trauben (v.a. Rhone Varitäten) und produziert seine inzwischen legendären Sine Qua Non’s. Die Mikromengen (nur wenige Tausend Flaschen), die permanent hohen Parkerbewertungen sowie ständig wechselnde Namen, Labels und Flaschenformen machten Sine Qua Non innert Kürze zum begehrten Sammelobjekt für Weinfreaks rund um den Globus.
Diesmal lud Hansruedi Glanzmann (links) zum Kreuzstramm „on the road“. Es ging nach Meggen zu Lukas Rosenblatt. In seiner Backstube in Meggen zelebrieren Lucas und Bettina Gastfreundlichkeit und Genusserlebnis pur. Jeder Gang begeisterte und überraschte zugleich. Wunderbar arrangiert und zelebriert in ruhiger, harmonischer Atmosphäre. Schöner geht’s kaum, ausser Hansruedi öffnet noch solche Weine dazu.
Alte Pauillac. Der Titel war Programm! René Gabriel lud zur Raritätenprobe ins gemütliche Waldheim nach Risch. Zwei Dutzend edle Pauillac aus allen Epochen des 20. Jahrhunderts wurden kredenzt. Alte, ganz alte und uralte… Der älteste Wein war ein 1900er Lafite Rothschild (links im Bild). Lest jetzt meinen Report über den 112jährigen Weingreis, betagte Pauillac Bouteillen und rüstige Cabernet Rentner. Und für jene, welche nichts mit alten Weinen anfangen können, sei verraten: Es gesellte sich auch noch eine 30jährige Beauty mit den Idealmassen 20/20 dazu. So quasi die önologische Spitex Dame im Pauillac Altersheim…
Christian Bock, Geschäftsführer von Vinpark lud zu dieser schönen Probe von 13 Jahrgängen Dominus nach Weggis ins Grape. Dominus, die legendäre Winery gegründet von Bordeaux Tausendsassa Christian Moueix. Für mich immer einer der „französischten Napa Weine“ überhaupt. Die neusten Jahrgänge sind, nach einer wahrscheinlich selektionsbedingten Schwächephase gegen Ende der 90er Jahre, wieder sehr gross. Die meisten Jahrgänge sind noch im Handel zwischen Fr. 100 – 250.- pro Flasche erhältlich. Auf dem Bild: 13 x Christian: Organisatoren Christian Hesse und Christian Bock, zusammen mit 11 Dominus von Christian Moueix.
Jan Martel und sein Team von Martel AG St. Gallen luden zu diesem grossartigen Tasting. Doug und Anette Shafer kamen extra aus Kalifornien um ihren Lieblingswein zu präsentieren. Ein Abend ganz im Zeichen ihres Flaggschiffs „Hillside Select“. Einer der aktuell besten und höchst bewerteten Napa Cabs. Mein Report über eine eindrückliche Vertikale von 1990 – 2006 mit vielen Höchstnoten.
