Château L’Eglise Clinet 1982 – 2018

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Eine grossartige Vertikale von über 30 Jahrgängen Chateau L’Eglise Clinet organisierte René Gabriel (bxtotal.com) zum Gedächtnis an den im Mai 2020 verstorbenen Denis Durantou.

Der 1957 geborene Durantou prägte massgeblich die Geschicke des raren Pomerols seit Anfangs der 80er Jahren. Sowohl als Önologe und Besitzer. Er entwickelte das lediglich 4.5 Hektar grosse familiäre Weingut, welches zu den ältesten Weingütern der Region zählt, zu einem der angesehensten und gefragtesten Pomerols weltweit.

L’Eglise Clinet ist ein klassischer Pomerol Blend mit rund 85 – 90% Merlot ergänzt mit Cabernet Franc. Der Ausbau erfolgt zu rund 70% in neuen Barrique. Berühmt ist der Wein für seine enorme Lager- und Entwicklungsfähigkeit. Grund dafür ist sein massive Lehmterroir, welches das Wasser optimal speichert. L’Eglise Clinet gehört zu den begnadetsten Lagen auf dem „Pomerol Plateau“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu Chateau von L’Evangile, Clinet, Petrus oder weiteren berühmten Top-Shots.

Mit rund 300 Franken muss man für eine Flasche der aktuellsten Jahrgänge rechnen. Günstiger (etwa 40 Franken) gibts den Zweitwein „La Petite Eglise“

Die Probe fand im Oktober 2020 im Restaurant Balm Meggen statt.

1982 – 2018 Chateau L’Eglise Clinet

1982 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

90 austr

Reifes, pflaumiges Bouquet. Feine Malznote, etwas Rosinen, dezent erdige Aromen und Tabak. Im Gaumen feingliedrig, reif mit dezentem Säureüberhang. Alles in allem klassisch, schön entwickelt.  In respektabler Endtrinkphase.

1983 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

87 austr

Reifes Orange. Malzig, süsses Bouquet. Röstaromen, Streichholz, dunkle Schokolade. Im Gaumen sehr reif, etwas trocken mit leicht grünen Tönen. Krautig, würzig. Geht aber noch immer gut als veritabler Essensbegleiter. 

1985 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

ohne Bewertung

Helles Granat. Etwas muffige Nase, zwar ist Frucht noch spürbar, mit Tannenästen und Tee, doch spielt eine unschöne Möbelpolitur-/Lacknote mit. Im Gaumen leicht, reif und schön abgerundet. Mittlere Länge. Wahrscheinlich leicht fehlerhafte Flasche.

1986 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

88 tr – 2030

Intensive, leicht medizinale Note mit Jod, Minze. Leicht droppsig mit attraktiver Süsse. Es spielt eine gewisse, tolerierbare Brett Note mit. Alles in allem ein langsam reifender, rustikaler Wein.

1988 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

91 tr – 2030

Defensives, mildes Bouquet. Tabak, Leder, nasse Erde, Jute. Im Gaumen mittlere Konzentration, etwas kühl mit kernigen Tanninen. Typisch 88er. Auch ein Pomerol ist halt streng in diesem Jahr. Wird sich aber noch zehn Jahre gut halten.

1989 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

94 tr – 2030

Süsses, würziges Bouquet. Rotbeerig, etwas Rosinen, Dörrfrüchte und Himbeeren. Tänzerisch, verspielt im Gaumen mit reifen, milden Gerbstoffen. Dichter als der 1990er. Mit einem seidigen Gaumenfluss jetzt wunderbar auf dem Zenit.

1990 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

92 austr

Attraktives, reifes Bouquet mit Schwarztee, Cakefrüchte, Kräuter, Minze, Tabak, etwas Altfass. Im Gaumen sehr mild, abgerundet, harmonisch und reif. Das wars dann auch. 1990? Sollte da nicht noch etwas sein? Wünschenswert wäre zumindest noch etwas mehr Konzentration und Länge. Jetzt trinken.

1992 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

85 austr

Helles Granat. sehr reif im Bouquet. Kräuter, Schwarztee und leider eine leichte Lacknote. Im Gaumen ist jahrgangsbedingt sehr leicht mit bescheidener Konzentration, aber immer noch gut trinkbar.

1993 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

83 austr

Helles Granat. Malzig, pflaumiges Bouquet. Rote Beeren, Kräuter und Waldaromen. Im Gaumen kernig, trocken. Der nasale Charmes wird im Gaumen leider brutal erschlagen. Ein kernig, borstiger Kerl. Frucht hat sich versabschiedet. Tannine und Säure haben überlebt. 

1994 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

87 austr

Offenes, reifes Bouquet mit dezenten Holznoten, Leder und Torf. Viel Malz. Blaubeerige Aromen im Hintergrund noch vorhanden. Milder Auftakt. Geschmeidig im Gaumen. Tannine und Säure sind für 94er Verhältnisse gut eingebunden. Es fehlt verständlicherweise einfach an Gehalt und Tiefgang. Aber das wird man 1994 generell selten finden.  

1995 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

95+ tr – 2040

Mildes, reifes Bouquet. Blau- und schwarzbeerig. Sehr sauber, klar in der Nase. Etwas Tabak und Holz. Rund, druckvoll im Gaumen. Stoffig für Pomerol. In sehr attraktiver erster Trinkreife. Es werden noch mehr Kräuter und erdige Aromen dazu kommen, und wird sich in zehn Jahren «L’Eglise» typischer präsentieren. Grossartiges Potenzial. Langsam startender Marathon-Pomerol, der im Endspurt alle seine 90er Mitläufer (ausser natürlich dem 98) abhängen wird.

1996 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

91 tr – 2030

Rauchig, erdiges Bouquet. Nach wie vor sehr präsente Barriquearomen, welche die jahrgangsbedingte, bescheidene Frucht aktuell dominieren. Im Gaumen charmant, zugänglich und jetzt auf den Zenit.

1997 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

90 tr – 2030

Recht dunkles Granat für 1997. Rauchiges, erdiges Bouquet mit Schwarztee, Jute und Stroh. Der Wein ist farblich und auch von der Kontur her erstaunlich wenig entwickelt für den normalerweise schnell reifenden Jahrgang. Es fehlt einfach an Frucht und Intensität. Sonst gibt’s da wenig zu meckern.

1998 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

98+ tr – 2040

Jugendliches, blau- und schwarzbeeriges Bouquet. Frische, stimmiger Barrique Begleitung. Erste Kräuteraromen, Schwarztee, Minze und Tabak. Im Gaumen kommt der ganze Druck vom grossen Jahrgang. Trotz langsamer Entwicklung jetzt schon in einer äusserst attraktiven Früh-Trinkphase, da die sensationelle Würznote dem Wein wie eine tiefere Dimension verleiht. Von der Struktur her wird er sich sogar noch verfeinern. In Kombination mit dieser gebündelten Kraft, welche er zu Tage legt, gehört dieser 98er zu den allergrössten Jahrgängen des Chateau’. Daher kriegt er von mir auch nach 22 Jahren noch eine Potenzial (+) Bewertung. Pomerol-Weltklasse!

1999 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

90+ tr – 2035

Blau- und schwarzbeerige Grundaromatik, profunde Pflaumennoten, Kerzenwachs, Tannen. Jugendlich, druckvoller Gaumen. Erstaunlich langsame Entwicklung. Leichte Lacknote, etwas blockiert. Schwierige Zwischenphase. Warten.

2000 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

98+ tr – 2045

Vielschichtig, komplexes Bouquet. Super reife Frucht, mit blau- und schwarbeeriger Aromen und elegante, röstige Barrique Begleitung. Rauch, Tabak und Leder. Im Gaumen zupackend, dicht und druckvoll. Das ganze 2000er Orchester spielt voll auf. Da ist alles drin. Aromatisch noch intensiver als 1998 und wahrscheinlich noch langlebiger. Langer, frischer, vitaler Abgang. Gewaltiger Wein!

2001 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

ohne Bewertung

Granat. Opulentes, röstiges Bouquet. Etwas Trester, leichte Lacknote. Im Gaumen mittelschwer, erste Trinkreife. Vielleicht spielt eine ganz leicht flüchtige Säure mit, kann sich aber wieder bessern. Potenzial ist für 2001 nicht schlecht. Nicht optimale Flasche.

2002 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

88 tr – 2035

Völlig atypisches Bouquet. Voll fruchtiger mit süssen blau- und rotbeerigen Aromen. Wirkt jung. Pflaumen und Schoko. Man glaubt, dass dieser Wein überhaupt kein Holz gesehen hat. Im Gaumen mittelschwer mit prägnanter Säure und kantigen Tannine. Relativ kurzem Abgang. Ein Beaujolais-Pomerol!

2003 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

92 tr – 2035

Opulentes, röstiges Bouquet mit guter Frucht Unterlegung. Kirschen, Pflaumen, Schwarztee und Kräuter. Stoffig mit stabiler Struktur. Mittlere Länge, angenehme Säure. Hat sich gut entwickelt, die Hitze des Jahrgangs gut aufgenommen und wird weiter positiv reifen.

2004 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

93+ tr – 2040

Attraktives, intensives Bouquet. Dunkelbeerig mit schöner Barrique Begleitung. Säure- und Gerbstoffverhältnis ist passend und reift gemächlich. Sie Säure ist fordernd und zeigt eine mineralischere Note als die wärmeren Jahrgänge. Wird, für Pomerol Verhältnisse, immer auf der eher kühlen, rustikalen Seite bleiben.

2005 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

98+ tr – 2045

Dichtes Rubin. Attraktive dunkelbeerige Nase, mit verlockender Holzbegleitung. Brombeeren, Pflaumen, Pralinen, Leder und Tabak. Volle Merlot Expression mit Pflaumen, Rauch und Minze. Dazu herrlich, würzige Cabernet Franc Komponente. Unglaublich faszinierend und vielschichtig. Im Gaumen dicht, intensiv, voluminös. Super reife Gerbstoffe, grossartig integriert mit genialer Länge. Ein prachtvoller Pomerol. Das super Jahrgangspotenzial perfekt ausgeschöpft.

Da freue ich mich auf die grosse 2005er Bordeaux Vertikale. Da kommt dieser geniale Wein wieder ins Glas!

2006 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

93+ 2025 – 40

Extrovertiertes Bouquet. Minze, Eukalyptus, Pfeffer, Rauch und Kaffee. Gut unterlegte blau- und schwarzbeerige Frucht. Tannine und Säure sind fordernd aber beginnen sich gut zu integrieren. Mittlere Intensität, streng im Abgang. Das hat Potenzial und braucht Zeit.

2007 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

90 tr – 2035

Offenes, barriquedominiertes Bouquet. Kandis, Feuerstein und Streichholz. Im Gaumen etwas wild bei mittlerer Konzentration. Die Säure leicht vordergründig. Schwieriges Jahr. Ist jetzt schon reif. Gefällig, schöner Pomerol.

2008 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

ohne Bewertung

Kork.

2009 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

95+ 2030 – 45

Offenes, dichtes Bouquet. Komplex, intensiv. Im Gaumen alles dicht verwoben. Geschmeidige Tannine, vollmundig, opulent. Zeigt die Grösse und Süsse des Jahrgangs und kommt sehr komplett daher. Nicht ganz so tief wie 2000, 2005 oder 2010. Wird daher eher auf der eleganten Seite reifen

2010 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

98+ 2030 – 50

Dunkelbeerig, intensives Bouquet. Kandis, Krokant und Bittermandeln. Darunter ein Schwall an dunkelbeerigen Aromen. Wirkt in dieser jungen Phase offen und verlockend. Spielt sein grosses Jahr voll aus. Im Gaumen ist er dicht und kompakt. Da steckt viel Tannine drin, dass er aber verarbeiten kann, denn das Potenzial ist hier grossartig. Einer der grössten und langlebigsten Jahrgänge. Ein Wimpernschlag zur Perfektion!

2011 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

92 tr – 2030

Defensiv, röstiges Bouque, defensive Frucht mit etwas erdige, pilzige Aromen. Mittlere Intensität, abgerundete Gerbstoffe. Früh trinkreifer, gastronomischer Wein, der jetzt schon Spass macht.

2012 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

94+ 2025 – 40

Offenes blau- und schwarzbeeriges Bouquet. Bittermandeln. Espresso, Vanille. Im Gaumen dicht, äusserst aromatisch, gebündelt. Erstaunlich zugänglich. Früh trinkreif und attraktiv jetzt schon. Hat vielleicht nicht das langlebigste Potenzial, doch das kommt in dieser Form schon sehr attraktives daher.

2013 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

90 tr – 2030

Zurückhaltendes Bouquet. Milde blau- und schwarzbeerige Aromen. Etwas grüne, unreife Aromen. Im Gaumen mild, rund und schon sehr geschliffen. Wird früh trinkreif sein mit mässiger Konzentration

2014 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

91+ 2025 – 40

Dunkelbeeriges Bouquet mit Brotkruste, Bittermandeln und Espresso. Wenig Entwicklung, primärfruchtig. Mittlere Intensität, viel Frucht. Etwas kühl, etwas distanziert. Vom Potenzial her gut, aber wird nicht die Grösse der profunden Jahrgänge um ihn herum erreichen. Beginnt sich zu verschliessen.  

2015 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

94+ 2025 – 40

Intensives, röstiges Bouquet. Konzentrierte Cassis- und Brombeeraromen mit viel Barriqueröstung, Gewürzen, Waldboden . Immer noch primärfruchtig. Im Gaumen modern, super integrierte Gerbstoffe. Wird schon früh grossen Spass bereiten, aber auch das Entwicklungspotenzial ist zweifellos da.  

2016 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

96+ 2030 – 45

Laktisches, röstiges Bouquet. Verlockend offen. Rauchfleisch, Bittermandeln, Bananen und Rauch. Die Fruchtkomponenten mit Kirschen und Himbeeren spielen wunderbar mit. Mittlerer, eleganter Körper. Schöne Balance und Länge. Mineralisch, fleischig mit gesunden Gerbstoffen. Alles wirkt enorm kompakt. Da stimmt schon viel – kommt aber auch noch viel!

2017 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

89? 2025 – 40

Offensives, mineralisch, würziges Bouquet. Leicht grüne Note. Alles in dezenter, leiser Form. Rotbeerig. Säure und Gerbstoffe sind sehr präsent. Frucht eher bescheiden oder hat sich stark verschlossen. In dieser Phase abweisend und schwierig zu degustieren. Seine Entwicklung ist kaum vorauszusagen. Vielleicht keine optimale Flasche.

2018 Chateau L’ Eglise Clinet, Pomerol

97+ 2030 – 50

Offen, hedonistisches Bouquet. Attraktiv schwarz- und rotbeerig. Süsses, reifes Traubengut. Äusserst präzise. Vom Holz her eine gewisse Napa Affinität. Waldboden, Trüffel und Minze Im Gaumen druckvoll mit hoch attraktiven Aromen. Super Konzentration mit toller Länge. Da steckt viel Stoff drin! Ein kraftvoll, voluminöser Wein, der aber mit einem prächtigen Säuregerüst seine Wucht stimmig verarbeitet.

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