Der Bestbottle Circle, rund um Nils Frei, René Mauchle und Marcello Botti, lud zur dritten Ausgabe ihres US Tastings „American Belle“. In der eleganten Krone in Adliswil genossen wir eng umschlungen ein tolles Menu und hervorragende Kalifornier aus den Spitzenjahren 2001 und 2002. Kurz zusammengefasst zeigen sie die grössten 2001er Kalifornier in phantastischer Trinklaune. Halten aber locker weitere 20 Jahre auf diesem Niveau. Die Weine verfügen über eine tolle Struktur und Tiefe. Die 2002 wirken jünger, breiter und beeriger. Ihre Art findet sicher viele Fans, welche hier jung schon zum Korkenzieher greifen. Ich gebe den 02ern gerne noch zehn Jahre Zeit, freue mich aber auf jede Flasche die jetzt schon vor mir steht. Lesen Sie mehr Infos zu Kalifornien 2001 und 2002 anlässlich der „MYBESTWINE.CH Great Vintage Series“:
California 2001: A Day in Napa Heaven & California 2002: Ten Years After
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Doch jetzt zum American Belle Tasting. Serien offen, Weine blind:
2001 | Bryant Family Vineyard Cabernet Sauvignon | 18/20 | austrinken |
2001 | Grace Family Vineyard Cabernet Sauvignon | 18.5/20 | trinken – 2030 |
2001 | Hartwell Cabernet Sauvignon Stags Leap District | 19/20 | trinken – 2025 |
2001 | Diamond Creek Cabernet Sauvignon Red Rock Terrace | 18/20 | trinken – 2025 |
2001 | Rudd Estate Oakville | 17.5/20 | austrinken |
2001 Bryant Family Vineyard Cabernet Sauvignon war einerseits ein sehr guter Wein, andererseits aufgrund dessen Renommee enttäuschend. Offenes Bouquet, Leder, Toast, Cassis. Mittlere Intensität und kurz im Abgang. Singt eher oberflächlich und zeigt für dieses grosse Kalifornien Jahr erstaunlich wenig Tiefe. Zugänglich und geschmeidig elegant präsentiert sich 2001 Grace Family Vineyard Cabernet Sauvignon. Creme Cassis, Brombeeren, konzentriert mit schöner Holzbegleitung. Sicherlich ein toller Wein aber auch etwas universell. Grace Family gehört für mich zu den meist überschätzten und überzahlten Kultweinen aus dem Valley.
Eine Premiere war für mich der bislang völlig unbekannte 2001 Hartwell Cabernet Sauvignon Stags Leap District. Ein Klasse Cab, der immer noch recht jugendlich wirkt. Offenes Bouquet. Cassis, Pflaumen, Mocca, Schoko, Toast. Sehr geschmeidiger Auftakt, Gute Struktur und Länge. Tolle Balance. Schöne Entdeckung, bewundernswerter Wein! 2001 Diamond Creek Cabernet Sauvignon Red Rock Terrace überzeugt in seiner typisch rustikalen Art. Blau- und schwarzbeerig, etwas Peperoni, viel Tabak und Leder. Super reif, sehr harmonisch. Eine Art. St. Julien Napa. Immer noch sehr gut zu trinken aber seine beste Zeit wohl bereits hinter sich hat 2001 Rudd Estate Oakville. Breit ausladendes Bouquet, Amarone Touch. Etwas marmeladig.
2001 | Caymus Cabernet Sauvignon Special Selection | 18.5/20 | trinken – 2025 |
2001 | Robert Mondavi Cabernet Sauvignon To Kalon Reserve | 20/20 | trinken – 2035 |
2002 | Bond Melbury Proprietary Red Wine | 19+/20 | 2020 – 2040 |
2001 | Bond Vecina Proprietary Red Wine | 18/20 | trinken – 2030 |
2001 Caymus Cabernet Sauvignon Special Selection zeigt sich mit süsser Nase. Cassis, Caramel, Mocca, Pflaumen, Feuerstein. Im Gaumen reif, leicht „brandig“. Etwas überhitzt. Jetzt hervorragend, elegant zu trinken aber mit Fragezeichen für die Zukunft. Habe selber davon im Keller und muss/darf mal nachdegustieren. Soviel ich mich erinnern kann, hätte es den 2001 Robert Mondavi Cabernet Sauvignon To Kalon Reserve seiner Zeit mal im Coop gegeben… „Ein weiterer Schicki Micki Mondavi“, dachte ich mir damals. Heute werde ich dafür bestraft und muss teuer nachkaufen… Das ist ein grandioser Wein! Mattes Rubin; Dramatisch, edle, dunkle Aromen. Zedern, Torf, Erde, Rauch und Gianduja. Druckvoll, intensiver Körper. Tolle Struktur und Länge. Eine Traum Balance und Geschmeidigkeit die seinesgleichen sucht. Ein Gänsehaut Napa mit Pauillac Statur.
Bill Harlan’s 2002 Bond Melbury Proprietary Red Wine präsentiert sich enorm jung, breit und süss. Brombeeren, Kirschen, Minze, Eukalyptus, Jod und Bittermandeln. Kräftige Statur, konzentriert und sehr lang. Im Moment trinke ich hier noch zu viel Potenzial und warte lieber zehn Jahre. Im Gegensatz zum jetzt trinkreifen 2001 Bond Vecina Proprietary Red Wine. Reife Nase, würzig, Schoko, blau- und schwarzbeerig. Wirkt etwas überextrahiert im Gaumen und zeigt trotz seiner Reife ziemlich trockene Tannine.
2002 | Verite La Joie | 18/20 | trinken – 2030 |
2002 | Quilceda Creek Cabernet Sauvignon | 17/20 | trinken – 2020 |
2001 | Joseph Phelps Insignia Proprietary Red Wine | 19.5+/20 | trinken – 2035 |
2002 | Lokoya Cabernet Sauvignon Howell Mountain | 18.5+/20 | trinken – 2030 |
Bei 2002 Verite La Joie spürt an den hohen Merlot Anteil. Pflaumen, Schoko, Feuerstein, Kamin und Schwarztee im Bouquet. Recht trocken und konzentriert im Gaumen, wo es im Moment etwas an Fülle fehlt. Der Wein strahlt eine gewisse Strenge aus. Schwer zu sagen, ob es sich um eine defensive Zwischenphase handelt oder ob da noch mehr kommt… Auch von 2002 Quilceda Creek Cabernet Sauvignon bin ich kein grosser Fan. Offenes, breites Bouquet. Schoko, Pflaumen, Melasse, etwas metallisch, muffig. Im Gaumen gradlinig, gut strukturiert. Angenehm zu trinken. Aber die Nase ist fragwürdig. Keine Zweifel dafür beim bezaubernden 2001 Joseph Phelps Insignia Proprietary Red Wine. Verführerische Nase. Creme Cassis, Minze, Kampfer, Brennesseln. Edle Barrique Röstung, feinster Kaffee. Modern, elegant strukturiert, tief und lang. Mit zwei Stunden dekantieren jetzt wunderbar zu trinken. Ein klarer Kandidat für die Maximalwertung in fünf Jahren. 2002 Lokoya Cabernet Sauvignon Howell Mountain zeigt sich sehr dunkel. Kassische Cabernet Aromatik mit viel Mineralität. Ausgereifte Beeren. Popcorn vom Barrique. Im Gaumen konzentriert, im Moment etwas unterkühlt, was auf sein Potenzial hinweist. Auch hier wieder typisch 2002: Warten! 2001: Geniessen!
2001 | Robert Foley Vineyards Claret | 19.5+/20 | trinken – 2040 |
2001 | Shafer Vineyards Cabernet Sauvignon Hillside Select | 20/20 | trinken – 2050 |
2002 | Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard | 18.5+/20 | trinken – 2035 |
2001 | Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard | 19/20? | trinken – 2030 |
Grosser Begeisterung und Platz 3 in der Publikumswertung für 2001 Robert Foley Vineyards Claret (80% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot). Granat; dichtes, enorm beeriges Bouquet. Süss und reif. Minze, Jod, Teebaumöl und Eukalyptus. Füllig, stoffiger Gaumen, immer noch extrem jung mit viel Babyspeck. Die Foley’s Claret bewegen sich immer auf einer Gradwanderung zwischen Eleganz und Opulenz. Der 2001er kriegte die Kurve, obwohl ich glaube, dass er in fünf bis zehn Jahren noch besser wird. Die kommenden Jahrgänge, welche ich schon probiert habe (2002, 2004, 2006) scheinen mir eher etwas gar üppig.
Wein des Abends und Publikumssieger wurde der traumhafte 2001 Shafer Vineyards Cabernet Sauvignon Hillside Select. Was für ein Wein. Was für ein Moment! Purpur (!); Cassis, Brombeeren, Feuerstein, Bittermandeln, Vanille und Zedern. Im Gaumen eine beeindruckende Mineralität, welche dem Wein so viel Frische verleiht. Da ist überhaupt nichts alkoholisches (trotz 15Vol%), was man oft jungen Hillsides nachsagt. Er braucht einfach seine 10 – 15 Jahre Flaschenreife. Er benötigt diesen Alkohol um die ganze Substanz dieses begnadeten Terroirs und das perfekte Traubengut in dieser vollendeten Form zu präsentieren. Wie immer 100% Cabernet Sauvignon. 36 Monate Barrique. Keine Kompromisse. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie ich mich auf Doug Shafer und unser Tasting im 2015 freue!
Vorher (am 21. März) gibt’s gut 20 Weine von Ann Colgin. Ob die reizende Ann auch dabei sein wird ist noch offen. Auf alle Fälle gab es hier einen kleinen Vorgeschmack mit dem wunderbaren 2002 Colgin Cabernet Sauvignon Herb Lamb Vineyard. Etwas verschlossen im Bouquet. Feine Cassis und Brombeeren. Etwas Himbeeren, Tabak und Jod. Zupackend, robuster Körper. Sehr tiefgreifend, mit Reserven ausgestattet. Braucht viel Luft oder besser fünf weitere Jahre Ruhe.
Fast 95/100 Punkte im Schnitt gab es vom Publikum für den nicht optimalen 2001 Araujo Estate Cabernet Sauvignon Eisele Vineyard. Ein Beweis des hohen Niveaus dieser American Belle. Eindeutig die beste der bisherigen drei Ausgaben. Ein Kompliment an das OK! Doch jetzt zum Eisele. Es war keine optimale Flasche. Ich kenne den Wein recht gut und er dürfte auf keinen Fall schon so hell sein. Dementsprechend sehr reife Aromen. Rosinen, Leder, Mineralität, aber auch schon etwas Maggikraut, was gar nicht geht. Im Gaumen dann grossartig. Mineralisch, kräftig, elegant und lang. Schade – optimale Flaschen bewertete ich schon mit 20/20.
Lieber Baschi
Schöner Bericht! Nur zu schade finde ich meine Notizen nicht mehr und mein Handy hat auch noch den Geist aufgegeben…Damit sind auch die Fotos weg. Auch die vom darauffolgenden Abend bei Nils (Thanksgiving) und einer kleinen Ridge Vertikale mit Foley 1999 und Forman 1986 als Herausforderer.
To Kalon: da bin ich bei Dir! Grandios…Ein Tag später verschwanden schon einige Flaschen von einer Auktionsplattform…
Lg
Goce