Auch dieses Jahr konnte im Napa Valley wieder ein alter Rekord gebrochen werden. Die Weine des Jahres 2013 und die ultrararen Boutiqueweine mit 5 bis maximal 20 Kisten wurden an der Premiere Napa Valley (PNV) während drei intensiven Degustationstagen präsentiert. Insgesamt wurden mindestens 400 verschiedene Weine aller möglichen Rebsorten zusätzlich zu den 225 Auktionslots zur Probe in Reih und Glied dem Weinfachhandel und Handel präsentiert. Die PNV brachte über $ 6 Mio. ein. Ein neuer Rekord!
Napa Valley scheint nicht nur mit viel Sonne ausgestattet, sondern ist wahrlich sonnenverwöhnt. Der Jahrgang 2013 wird nach dem bereits hervorragenden, aber rasch zugänglichen 2012 nochmals eine Bewertungsnote zulegen. Die Weine präsentierten sich mit enormer Tiefe, guter Komplexität, viel Frucht, aber im Gegensatz zum Jahrgang 2012 mit deutlich mehr Struktur. 2012 gefällt bereits jetzt schon zum Trinken. 2013 wird die Geduld der Weinliebhaber zwar strapazieren, aber das Warten bis die Weine die optimale Reife erreichen, belohnen. Meine Beurteilung ist: 2013 wird besser als 2007! Hier kommt ein Jahrgang, welcher uns ganz viel Freude und Kummer (Preiserhöhungen von ca. 15% sind angesagt) bereiten wird. Der nachfolgende Jahrgang 2014 habe ich in etlichen Fassproben getestet zeigt auch viel Struktur, etwas weniger stoffige Kraft und eher härtere , weniger geschliffene Tannine. 2014 (97/100 Punkte) wird irgendwo eine Kombination von 2012 (96/100) und 2013 (100?/100) werden. 3 hervorragende Jahrgänge erwarten bald die Konsumenten und die Vorfreude ist gross.
Zu den Highlights der diesjährigen PNV gehörten folgende 100% Cabernet Weine in Spezialabfüllungen des Jahres 2013: Brand und Fairchild (Weinmacher Philipp Melka), Memento Mori und Arkenstone (Weinmacher Sam Kaplan), Vineyard 7&8 (Martha McClellan) und die bekannten und etablierten Weingüter Spottswoode, Larkmead, Shafer, Seavey(!) oder auch Continuum. Geheimtipps sind Arrow&Branch und Aloft. Arrow&Branch wartete mit einer Cab Franc dominierten Version auf. Die Reben in Coombsville/Napa wurden ursprünglich von Tony Soter gepflanzt. Das Team um Mike Wolf (Scarecrow) bewirtschaftet die Reben und Jennifer Williams (ex-Spottswoode) ist die Weinmacherin. Grosse Klasse. Cabernet-Sauvignon Ergänzung aus der Dr. Crane Lage in St. Helena. Aloft wird von den Mondavi-Töchtern gekeltert. Dabei werden sie von Thomas Rivers Brown unterstützt. Eigentlich brauchen sie den gar nicht, ist doch Angelina Mondavi auch Weinmacherin bei Hundred Acre. Hier entwickelt sich ein grosses Mondavi-Comeback!
Tolle weisse Weine waren Lail (100% Sauvignon Blanc). Wahnsinnige frische Zitrusfrucht und Lychee und Grapefrucht Nase! Im Abgang wollte der Sauvignon Blanc gar nicht mehr enden. Grgich lancierte einen tollen Jubiläums Chardonnay (nachgeahmt dem berühmten Paris Tasting). Etliche ältere Weingüter sind in den Startlöcher, ein Comeback zu lancieren. Beringer gefiel hier am besten. Andere alte haben noch Probleme und nicht die vergangene Klasse.
Ausserhalb der PNV Lots durften wir Tastings bei den Weinen von Celia Welch (Keever, Corra, Lindstrom und dem sagenhaften und ältesten Cabernet Reben von 1944 bei Scarecow) machen. Kann nur sagen, Celia macht unglaubliche Weine.
Scarecrow 2012 ein Muss! J. Daniel Cuvée 2012 von Robin Daniel Lail haben ebenfalls grosse Klasse und Tiefgang mit enormer Struktur, Blaubeerigkeit und viel weichen Tanninen. Erstmals wurde Lail (ehemaliger Co-Gründerin von Dominus und Merryvale) von Parker mit 100 Punkte belohnt.
Leider negatives ist von der Preisfront zu berichten. Etliche Newcomers, aber auch etablierte Weingüter verlangen 10-20% höhere Preise für die aktuell im Verkauf befindlichen Jahrgänge. Leider scheint es bei den Bestlagen für Traubengut von Beckstoffer, To Kalon, Dr. Crane und bei anderen Anbietern explosive Preiserhöhungen bis zu 50% zu geben. So erstaunt es nicht, dass etliche Vineyards in den Startlöchern sind oder bereits gestartet haben, zukünftig das Traubengut selber zu verarbeiten. Bestes Beispiel ist VHR (Vine Hill Ranch, welche auch Trauben an Bond (Vecina) verkauft. Jedes Jahr ziehen somit neue Weingüter ins Lande. Etliche mit erstaunlichem Debüt!
Am Rande bemerkt. Bill Harlan baut in Oakville nahe bei Bond und unterhalb von Futo seine Winery von Promontory (Erstjahrgang 2009 wurde lanciert im Herbst 2014). Ein Rundgang mit Bob Levy (Weinmacher von Harlan und vom TNVR) offenbarte die tolle Lage der Reben und der neuen Winery. Diese wird sich ab 2016 (Herbst) dem breiten Publikum öffnen.
Erstmals wird Harlan auch für den Konsumenten ohne Beziehungen zugänglich. Zumindest theoretisch, denn leider kosten die Weine immer mehr. Die diversen Bond-Lageweine kosten neu $ 400. Harlan $ 800… Wie war das noch? Inflationäre Tendenzen in der heutigen Wirtschaftlage gibt es nicht? Da wird mein eigener „The Napa Valley Reserve“(TNVR) Helvetia Selection schon fast zum Schnäppchen aus dem Hause Harlan. Doch meine Jahrgänge 2012 bis 2014 lagern noch ruhig vor sich hin in den T5-Fässern (Reserve Barrique von Tarransaud)…
Label des diesjährigen Rekordhalter:
Spezial Barrique-Wein von Brand 2013 – Lot ging für $ 115‘000 über die Bühne und taucht im 2017 auch in der Schweiz auf…
Lieber Baschi, danke für den gelungenen Einblick. Wir waren 2013 auf Arkenstone. Bescheiden das Häuschen der Besitzer und unglaublich eindrücklich der unterirdische Weinkeller mit den feinsten Gerätschaften, die man sich vorstellen kann. Die Weine hatten uns im Übrigen ebenso gefallen, weil eher klassisch „gestrickt“ mit der unwiderstehlichen Prise Napa.