Bordeaux 2000 gehört zu meinen Lieblingsjahrgängen. Er gehört zu den seltenen Jahrgängen, welcher das ganze Bordelais reichlich beschenkt hat. Ob Links oder Rechts, Cabernet oder Merlot. Einfach Top! Beste Wetterbedingungen und perfektes Traubengut. Qualitativ sowie quantitativ aussergewöhnlich. Zusammen mit dem Milleniums Hype natürlich auch ein Grund um kräftig aufs Preispedal zu treten. Ich habe trotzdem einiges gekauft und nach den schwierigen 2001ern und 2002er nochmals nachgekauft. Die meisten Kisten sind allerdings noch verschlossen und in sicherer Reichweite vor mir selbst. Deshalb nutze ich jede Möglichkeit, um mir ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Diesmal bot sich die Gelegenheit im Restaurant Una Storia in Sempach, wo René Gabriel ein Dutzend 2000er öffnete. Je eine Viererserie St. Julien, St. Estèphe und St. Emilion.
2000 | Lagrange | 18/20 | trinken – 2025 |
2000 | Ducru Beaucaillou | 19+/20 | 2018 – 2045 |
2000 | Léoville Barton | 18.5+/20 | 2018 – 2045 |
2000 | Léoville las Cases | 19/20 | trinken – 2045 |
Ein ganz sicherer Wert und verlockend schön ist 2000 Lagrange. Offenes, toastiges Bouquet. Kaffee Mocca, blau- und schwarzbeerige Grundaromatik. Ein Wein, der schon früh begeisterte und sich gar nie zurückzog. Sehr erhaben und gross präsentierte sich 2000 Ducru Beaucaillou, Erdig, würziges Bouquet. Dazwischen frische Cassisaromen, Holunder, Zedern. Im Gaumen reifeverlangend. Viel Stoff, und die entsprechend massiven Tannine. Kommt auf jeden Fall (sehr) gut! Auch 2000 Léoville Barton ist in fünf bis zehn Jahren eine sichere Bank. Jetzt eher defensiv, schwarzbeerig, aber auch florale Noten. Zedern. Die Frucht fehlt im Moment etwas, daher wirkt er zugeknöpft und uncharmant. Im Gegensatz zu 2000 Léoville las Cases, der – obwohl auch er noch lange nicht in seiner Trinkreife ist – bereits jetzt schon harmonisch elegant wirkt. Schwarzbeerig, etwas Lakritze, edle Mocca Röstung. Konzentriert im Gaumen, tolle Balance und sehr lang im Abgang.
2000 | Tronquoy-Lalande | 17.5/20 | trinken – 2025 |
2000 | Beau Site | 15/20 | trinken – 2025 |
2000 | Cos d’Estournel | 18.5/20 | trinken – 2030 |
2000 | Montrose | 18.5+/20 | 2020 – 2050 |
2000 Tronquoy-Lalande ist ein vorzüglicher Wein. Das Beste aus dem Topjahr herausgeholt und zu fairem Preis angeboten. Jugendliches Bouquet, irgendwie immer noch recht primärfruchtig mit schöner Holzbegleitung. Im Gaumen mittelschwer, leichte Pilznote, rustikal strukturiert. 2000 Beau Site wirkt im Bouquet defensiv. Pflaumen, Zedern und Vanille. Im Gaumen zu harte Tannine, viel Säure und einen leicht muffigen Unterton. Ein önologischer „Trickbetrüger“. Man könnte annehmen, er sei einfach zu jung und brauche Zeit. Doch daraus wird nichts. In zehn Jahren wirkt er zwar abgerundeter, dafür frucht- und freudlos.
2000 Cos’d Estournel gefällt und enttäuscht zugleich. Das Positive: Er ist jetzt wunderbar zu trinken. Anmutig, erotisches Bouquet. Prachtvoll schwarbeerig, mit edlen Barriquearomen. Mocca, Kaffee, Caramel, Lakritze und Tabak. Im Gaumen rund, angenehm, ohne Ecken und Kanten. Und das ist der nachdenkliche Teil dieses Weins. Bei Cos erwartet man in einem dermassen grossen Jahr einfach mehr Stoff. Er passt von seiner Art gut zu 1998 oder 1999. Aber 2001 und folgende wirken dann konzentrierter. Erneut ein Cos d’Estournel aus der Übergangsphase zweier Generationen. Einen ganz anderen Weg schlägt da 2000 Montrose ein. Hier geht in grossen Jahren selten etwas vor 20 Jahren Ruhe. Zugeknöpft bis oben hin. Defensiv dunkelbeerig, etwas Teer, Peperoni. Kräftiger Körper, präsente Säure, gesunde Gerbstoffe. Alles ist da für einen ganz grossen Montrose (in zehn Jahren). Reife Montrose, welche jetzt Spass machen sind: 1989, 1990, 1995 und 1996.
2000 | Beauséjour-Bécot | 18/20 | trinken – 2025 |
2000 | Magdelaine | 17/20 | trinken – 2020 |
2000 | Figeac | 19/20 | trinken – 2040 |
2000 | Pavie | 18?/20 | trinken – 2035 |
Ob Links oder Rechts: Bordeaux 2000 ist uferlos gross. Jetzt zugänglich und in erster Trinkreife präsentiert sich 2000 Beauséjour-Bécot. Würzig, pflaumiges Bouquet. Etwas Zedern, Toast, Schoko und Leder. Wirkt im Gaumen ausgeglichen und stimmig. Wie auch 2000 Magdelaine, der reifste Wein in der St. Emilion Serie. Granat; Dörrfrüchte, Sultaninen und Pflaumen in der Nase. Mittelschwerer Körper ohne Ecken und Kanten. Ganz gross zeigt sich erneut 2000 Figeac, den ich vor wenigen Tagen ebenfalls fraglos mit 19/20 bewertete. Dichte Aromenvielfalt. Cassis, Leder, Pfeffer, Muskat. Attraktiv im Gaumen, verlockend elegant. Bringt viel Spannung vom Auftakt bis zum langen Abgang. Zeigt sich im Moment offener als der ebenfalls sehr grosse 1998er. Hier lohnt sich sogar noch ein Nachkauf.
Stirne runzeln dann beim 2000 Pavie. Vor zwei Jahren mit klaren 20/20 im Glas und seither leider nicht mehr probiert. Hier läuft etwas schief, oder es handelte sich um nicht optimale Flaschen. Fülliges, süsses Bouquet. Klar dunkelbeerig, Lakritze und Minze, aber auch leider eine gewisse Lack Note, was auf flüchtige Säure hinweisen könnte. Im Gaumen wirkt er konzentriert, alles irgendwie zu extrahiert und daher trocken. Wo in seiner Jungend eher zu viel Fett da war, klafft im Moment eine „Eleganz Lücke“. „Wohin des Weges, Du nobler Pavie?“ Hoffentlich krieg ich bald die Chance für eine Klarstellung oder Bestätigung….