Regen während der Lese. Ein schlimmes Szenario für jeden Weinbauern. Die Chancen auf einen grossen Jahrgang sind im Nu vorbei. Meistens entstehen leichte, früh trinkreife, charmante Weine. Doch was passiert wann man sie spät trinkt? Nach 34 Jahren…
Grundsätzlich sollten Sie alle 1981er Bordeaux ausgetrunken oder verkauft haben. Wie meistens bei kleinen bis mittleren Jahrgängen bieten die Weinen in den ersten fünf bis fünfzehn Jahren den grössten Genuss. Dabei sah es lange Zeit sehr gut aus für die 81er. Praktisch perfekter Witterungsverlauf weckte bei den Winzern Erwartungen auf ein Spitzenjahr. Massiver Regen Anfangs Oktober spülte diese Hoffnungen aber während der Lese den Rebberg hinunter. Trotzdem stelle ich Bordeaux 1981 noch vor 1980 und 1984 auf ähnliche Stufe wie 1987.
An Auktionen und im Handel werden für 81er Premiers nach wie vor stolze Preise bezahlt, da vor allem für die fernöstliche Kundschaft die Marke (Chateau) wichtiger ist als der Jahrgang.
Wenn also der Jahrgang eher schwach war und ausgetrunken sein sollte wieso dann eine Probe? Aus Neugier! Weil man wenig erwartet und dadurch überrascht werden kann. Weil die Probe von René Gabriel organisiert wurde mit dem Versprechen, dass alle Flaschen seit Subskription in seinem Keller lagen. Zusätzlich zu den Bordeaux Weinen hat er den Event mit ein paar internationalen 81ern aufgepeppt.
1981 | Chateau Musar Gaston Hochar, Bekaa Valley, Lebanon | 12/20? | vorbei |
1981 | Beaulieu Vineyard Georges de Latour Private Reserve Cabernet Sauvignon, Napa Valley | 13/20 | vorbei |
1981 | Ridge Vineyards Monte Bello, Santa Cruz Mountains | 16/20 | austrinken |
1981 | Marchesi Antinori Tignanello Toscana IGT | 13/20 | vorbei |
1981 | Penfolds Grange Bin 95, Australia | 17/20 | austrinken |
Kaum Überlebende in der ersten, internationalen Serie. Auch weltweit schien 1981 nirgend wo wirklich gross gewesen zu sein. Oxydiert, dumpf und muffig Chateau Musar. Angesengte Haare, Schuhcreme und deutlichen Zerfallserscheinungen. Vielleicht eine schlechte Flasche? Tischnachbarn meinten, dass es deutlich bessere 81er Musar gäbe. Ist schon recht, ihr müsst mich nicht vom Gegenteil überzeugen… Beaulieu Vineyard Georges de Latour Private Reserve erlebe ich ab und zu an Napa Raritäten Proben. Auch bei US Cabs gibt’s wenig Erbauliches aus diesem Jahr. Beaulieu zeigt sich mit pflaumig, oxydativem Bouquet, Maggikraut, Jute und Pilz. Keine Frucht mehr im Gaumen. Endet metallisch. Noch gut aber auch zehn Jahre zu spät kam Ridge Vineyards Monte Bello ins Glas. Süsse Kandis Noten, Pflaumen, Datteln. Rustikaler Wein, ziemlich kurzer Monte Bello mit wenig Tiefgang.
Keine Hoffnung mehr für den schauderhaften Marchesi Antinori Tignanello . Nussig, malziges Bouquet, aber auch hier bereits viel Maggikraut, und trotzdem grüne Noten. Im Gaumen ausgetrocknet, ohne Volumen und Charme. Der beste Wein der Serie war klar Penfolds Grange . Dunkles Purpur (!), erdige, rauchiges Bouquet. Kandis, Vanille und nach wie vor Cassis und Kirschen. Viel Würze und eine erstaunliche Harmonie im Gaumen. Gut gereift.
1981 | Chateau La Fleur-Petrus, Pomerol | 16/20 | austrinken |
1981 | Chateau Cheval Blanc, Saint-Emilion Grand Cru | 17.5/20 | austrinken |
1981 | Chateau Lafleur, Pomerol | -/- | |
1981 | Petrus, Pomerol | 16/20 | trinken – 2020 |
1981 | Chateau La Mission Haut-Brion, Pessac-Leognan | 17.5/20 | trinken – 2020 |
1981 | Chateau Haut-Brion, Pessac-Leognan | 17/20 | trinken – 2020 |
Jetzt geht’s aber los mit Bordeaux! La Fleur-Petrus, rauchig, defensiv im Bouquet mit Schwarztee und Teer. Deutliche Tertiäraromen, Baumnuss. Insgesamt etwas „kapslig“, metallisch mit ordentlicher Restfrucht. Sehr gut gefiel mir Cheval Blanc. Reifes, erdiges Bouquet, etwas Malz, Jute, Dörrfrüchte, Stroh und Schwefel. Ein geschmeidiger, fast zärtlicher Cheval Blanc, der in seiner Art stimmig zum kleinen Jahrgang passt. Über den korkigen Lafleur gings direkt weiter zum Petrus: Dunkles Granat; Kirschen, dunkle Kochschokolade, etwas Mocca und Kandis. Breit im Gaumen, etwas behäbig, aber noch ordentlich zu trinken.
Gut in Form erlebte ich auch La Mission Haut-Brion, Klassische Tabak-, Zedern- und Lederaromatik. Schöne Mineralität. Der Unterschied zu einem wirklich grossen La Mission findet aber im eher kühlen Gaumen statt. Stattlicher Körper. Haut-Brion zeigt noch beträchtlich viel Frucht. Cassis, Brombeer, Himbeer. Rustikal strukturiert, die klassischen Grave Typizität kommt aber ziemlich bescheiden und erst im Abgang rüber.
1981 | Chateau Talbot, Saint-Julien | 16/20 | austrinken |
1981 | Chateau Ducru-Beaucaillou, Saint-Julien | 15/20 | vorbei |
1981 | Chateau Cos d’Estournel, Saint-Estephe | 12/20? | vorbei |
1981 | Chateau Haut-Bages Averous, Pauillac (Magnum) | 15.5/20 | austrinken |
1981 | Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien | 17/20 | austrinken |
1981 | Chateau Gruaud-Larose, Saint-Julien (Magnum) | 17/20 | trinken – 2020 |
Lebendiger Talbot. Etwas muffig, viel Tabak, Zedern und Mocca. Im Gaumen rustikal, etwas grün, animalisch und austrocknend. Freudlos wirkte Ducru-Beaucaillou. Vordergündig viel Holz, wenig Frucht, abweisend, arrogant. Kantig im Gaumen mit trockenen Gerbstoffen. Ganz schlimm Cos d’Estournel. Oxydiert, kaputt. Auch hier soll es bessere Flaschen geben. Deshalb die Bewertung mit Fragezeichen. Haut-Bages Averous, damaliger Zweitwein von Lynch Bages, zeigt sich aus der Magnum als angenehmes, unspektakuläres Weinchen, mit süsser, pflaumiger Frucht.
Erfreulich frisch immer noch Leoville-Las Cases. Zedern, Tabak, Leder und dunkle Beeren. Kantig, stoffig im Gaumen. Gut gelungen für das schwierige Jahr. Für eine weitere positive Überraschung der Probe sorgte Gruaud-Larose. Wirkte aus der Magnum recht jugendlich, frische, blau- und schwarzbeerige Aromatik. Schöne Länge, gut stützende Säure. Angenehm!
1981 | Chateau Margaux, Margaux | 17.5/20 | trinken – 2020 |
1981 | Chateau Palmer, Margaux | 17/20 | austrinken |
1981 | Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac | 16.5/20 | austrinken |
1981 | Chateau Mouton Rothschild, Pauillac | 15/20 | austrinken |
1981 | Chateau Lafite Rothschild, Pauillac | 16/20 | austrinken |
1981 | Chateau Latour, Pauillac | 18/20 | austrinken |
Keine Serie war für mich lehrreicher als die letzte, wenn es darum geht, den Bordeauxjahrgang 1981 zu charakterisieren. Grundsätzliche wirken viele Weine im Bouquet nach wie vor charmant. Zum Teil verfügen sie sogar noch über ordentliche Frucht, angenehme Holznoten und Würze. Man freut sich auf einen schönen Schluck. Doch das kleine Jahr kann diese Aromen nicht in die Tiefe des Weins tragen. Da wird nichts reflektiert. Weder in die Tiefe noch in die Länge. Ganz grosse Weine können das, die tragen die Aromen multidimensional in sich. Und je länger diese anhalten umso besser.
Heute könnte man ein 81er Wetter-Desaster mit moderner Kellertechnik und viel besserer Selektion etwas korrigieren. Deshalb gibt es heutzutage praktisch keine „schlechten“ Jahrgänge mehr. Verkaufstechnisch logisch und die Konsumenten trinken die Weine früher. Also nehmen die Önologen auf diesen Faktor Einfluss. Aber nur in beschränktem Mass. Zum Glück gibt es die Jahrgangsschwankungen, das unberechenbare Wetter und die unterschiedlichen Terroirs. Wie wär denn dass, wenn jedes Jahr derselbe Wein produziert würde? Industrielle Weinherstellung. Die Jahrgangsdifferenzen definieren die Trinkreife des Weins. Was ist schlimmer, den 81er zu spät zu trinken oder den 2010er zu früh? Beides ist schlecht, da sich der Wein so nie ein seiner schönsten Form zeigen kann. Finden Sie für sich selber die optimale Genussphase!
Zurück zum Tasting…
Margaux mit dichter gesunder Farbe. Blau- und schwarzbeerig, Bittermandeln, Vanille. Gutem Auftakt, frische, angenehme Struktur. Mineralisch, etwas Jod. Harmonisch gereift und zeigt sogar eine attraktive Balance in sich. Palmer sehr würzig, blau- und rotbeerig. Fast burgundisch leicht, geschmeidig. Leichter Säureüberhang und grüne Noten im Abgang.
Pichon Longueville Comtesse de Lalande. Cremig, offensive Nase. Viele Röstaromen, Mocca. Wirkt auf den ersten Blick mollig süss, aber trotzdem auch hier unreife grüne Nuancen. Mouton Rothschild tarnt sich als reifer St. Julien in der Nase. Schöne Würze, klassisches Toasting. Wirkt aber im Gaumen leider belanglos und oberflächlich. Attraktiver, wenn auch nicht gross ist Lafite Rothschild. Exotisch, würziges Bouquet. Kaffee, Peperoni, Malz, Marzipan und Orangeade. Angenehm zu trinken, leicht. Wein es Abends war Latour. Dichtes beeriges Bouquet. Blau- und schwarzbeerige Grundaromatik, fast noch etwas Laktisches in sich, Baumnussschalen, ausgewogener Körper, klassische Latour Stilistik. Ein ganz toller 81er.
Die Probe erlebte ich spannend und lehrreich. Es gibt also ein paar noch gut trinkbare 1981er Bordeaux. Nachkäufe machen aber wenig Sinn, ausser ihr Keller ist noch praktisch leer, und Sie möchten aus Neugier auch überreife Bordeaux aus kleinem Jahr besitzen und in Kürze trinken.
Die Notizen vom Organisator der Probe, René Gabriel finden Sie wir immer auf www.weihngabrjel.com…. 😀