10 – 20 Punkte. Das ist der Massstab für meine Weinbewertungen. Die allergrössten Weine erhalten die Maximalnote 20/20 und sind auf der Jahres Bestenliste aufgeführt. Diese „Best of“ erfreut jeweils viele Besucher. Dies zeigt auf alle Fälle meine Webstatistik. Im Sport würde man eine solche Bewertung mit „Stilnote“ bezeichnen. Subjektiv, je nachdem wie mir Stil und Art des Weins gefallen. Eine „technische Wertung“ traue ich mir als Amateur nicht zu. „Ob nun die 20 oder die 100 Punkte Masseinheit die bessere sei“, werde ich oft gefragt. Unwichtig, finde ich. Die Punkte wiederspiegeln jeweils nur die Einschätzung eines einzelnen Verkosters. Und je nachdem wie viel Wert man auf dessen Meinung legt, glaubt man, kauft man oder ärgert man sich drüber. Der einzig richtige Degustator, der über einen Kauf entscheidet, ist sowieso jeder selber.
Ich mache mir in letzter Zeit weniger Gedanken über das korrekte Mass der Weinbewertung als vielmehr über das richtige Mass an Weinmenge. Es erscheint mir stimmig, wenn ich pro Wochenende an einem Tasting teilnehmen darf. Ausnahmsweise auch mal zwei… Ich bin kein Profi und will mein tolles Hobby bewusst erleben. Die Gelegenheiten sind rar und gehören in Realität nur mir, den Leuten am Tisch und später in schriftlicher Form den Lesern von MYBESTWINE.CH. Es gilt immer Qualität vor Quantität. Familie und Beruf haben einen viel höheren Stellenwert. Deshalb wähle ich selektiv und bitte um Verständnis, wenn ich nicht jeder Einladung Folge leisten kann. Es geht weder um die Personen noch um die Weine. Einfach um die Menge und das richtige Mass.
Unser privilegiertes ist Hobby eine Gratwanderung zwischen Vernunft, Euphorie und Übermass. Die gesundheitlichen und finanziellen Aspekte müssen mitberücksichtigt werden. Ich will mich auf die Weine freuen, will die Gelegenheiten bewusst erleben und die Momente mit den wunderbaren Tropfen voll und ganz geniessen. Ich brauche nicht jeden Tag teure Weine oder viel Alkohol um glücklich zu sein. Während mich am Dienstag ein Barbera d’Alba zum Nachtessen begeistert, kann ich mich gleichzeitig aufs Wochenende mit zwei Dutzend grossen Kaliforniern freuen. An jenem Tag, wo es mich langweilt, schon wieder einen Shafer Hillside oder Chateau Latour trinken zu müssen, oder ich mich an einer Raritätenprobe mit allem auseinander setze, nur nicht mit dem Wein, der vor mir steht, wechsle ich mein Hobby. An jenem Tag, wo ich den Weinen ohne Herzblut, Emotionen und Begeisterung begegne, weil es öde und normal wurde, verschwindet MYBESTWINE.CH. Abgestumpft geniessen endet in Völlerei und Dekadenz. Ohne mich.
Weihnachten ist eine gute Zeit um innezuhalten. Sich wieder bewusst zu werden, welch Glück uns beschert ist. Unser Privileg, an einem Flecken der Erde zu wohnen wo es uns dermassen gut geht. Wir gehören zu den wenigen Menschen, welche sich überhaupt jemals eine Flasche Wein leisten können. Wenn Sie einen Kühlschrank mit etwas Essen besitzen, sind Sie reicher als 75% der Weltbevölkerung. Mit einem Bankkonto oder etwas Geld im Portemonnaie gehört man zu den 8% reichsten Menschen dieses Planeten (Quelle: „Wenn die Erde ein Dorf wäre“). Vergleiche, welche uns wieder etwas demütiger, massvoller und zufriedener machen. Dadurch schätzen wir umso mehr, was wir haben. Bewusst und intensiv. Seien wir grosszügig und geniessen den Moment.
Danke für eure Zeit, die ihr auf MYBESTWINE.CH verbringt. Ich wünsche euch allen ein massvolles neues Jahr mit unendlich vielen besonderen Momenten. Vielleicht wie dieser hier, wenn die grossartige Flasche 1994 Simi Reserve (18/20 trinken – 2020) neben mir langsam zur Neige geht, und ich in Erinnerung der vergangenen 20/20 Weine schwelge. Dazu singt die unvergessliche Etta James „At Last“. Spürt ihr, was ich meine?
BEST OF 2014
AUSTRALIEN
2001 Penfolds Grange
FRANKREICH
1914 Lafaurie-Peyraguey
(Ein 100jähriger Sauternes und 19 Jahrgänge Mouton Rothschild)
1929 & 1961 & 1989 Haut Brion
(André Kunz: Zum Geburtstag ein paar Flaschen Haut Brion)
1959 Haut Brion
(Sven Fischer 50. Geburtstag, Bericht folgt)
1982 Latour
(Abschied mit Tränen, bestbottle.ch)
1986 & 2000 Mouton Rothschild
(Ein 100jähriger Sauternes und 19 Jahrgänge Mouton Rothschild)
1990 Montrose
(Chateau Montrose Vertikale, vinoverum.ch)
2000 & 2003 Latour
1988 Guigal Cote Rotie la Landonne
1988 Guigal Cote Rotie la Mouline
1988 Guigal Cote Rotie la Turque
1990 Guigal Cote Rotie la Turque
1991 Guigal Cote Rotie la Mouline
(Abschied mit Tränen, bestbottle.ch)
ITALIEN
1971 Prunotto Rabaja Barbaresco
(Tartuffo und Piemontesische Weinraritäten: Schnupperkurs)
USA
1968 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
(Heitz Martha’s Vineyard & Co. bestbottle.ch)
1975 Heitz Cabernet Sauvignon Martha’s Vineyard
(Sven Fischer 50. Geburtstag, Bericht folgt)
1984 Ridge Monte Bello
(Magical4)
1994 Bryant Family Vineyard Cabernet Sauvignon
(California 1994: A real 5-Star Vintage)
1994 & 1997 Harlan
1997 Dominus
(Hergiswiler Frühlingserwachen & Hedonist statt Chronist)
2001 Abreu Cabernet Sauvignon Thorevilos
2001 Robert Mondavi Cabernet Sauvignon To Kalon Reserve
(American Belle 3, bestbottle.ch)
2001 Shafer Hillside Select
(American Belle 3, bestbottle.ch)
2004 Lewelling Vineyards Cabernet Sauvignon Wight Vineyard
(Magical4)
2007 Ovid Winery Proprietary Red Wine
(Cab & Turkey Vol. 4: The Wines of Pritchard Hill)
Lieber Baschi
Eine schönes Fazit mit einer klaren Botschaft. Ich teile voll und ganz die Liebe zum Wein und den Stellenwert unseres gemeinsamen Hobbys. Die Vielfalt des vergorenen Traubenmostes soll uns durch 2015 begleiten und natürlich die eine oder andere Martha`s. Lass uns unsere Freundschaft pflegen und die Gaumenfreuden hochleben. Alles Gute für dich und deine Familie!
Herzlich Sven