Another Day in Paradise

Ein kleiner Bericht über einen genüsslich-gemütlichen Nachmittag am idyllischen Soppensee. Wertvolle Momente, wo einem wieder bewusst wird, was es bedeutet, an einem solchen Fleckchen Erde zu leben.

2015 09 Soppensee

Der Treff am weltberühmten Soppensee (verfügt sogar über einen Wikipedia Eintrag) hat schon eine gewisse Tradition. Jährlich organisiert von zwei bekannten Weinändlern aus der Region, die allerdings nie Weine mitbringen dürfen, sondern für das Mittagessen besorg sind. Die Brüder „fischten“ früher die berühmten Soppensee Krebse extra für diesen Anlass. Heute leiden die Krappen allerdings am übermässigen Phosphor im Wasser aufgrund der Saubschötti (Schweinejauche) der umliegenden Landwirtschaftsbetrieben. Der Duft irritierte unsere Weine glücklicherweise nicht. Und es gibt sogar Teilnehmer, die es gar nicht so bedauern, keine Krebse mehr aufbrechen zu müssen… Als Alternativ Menu kommt daher seit ein paar Jahren eine währschafte Berner Platte auf den Tisch. Für die passenden Weine sorgen jeweils die Gäste.

DE 2012 Weingut Bernhard Huber Chardonnay, Baden 18.5/20 trinken – 2018
Aut 2011 Wandraschek Cabernet Sauvignon Grand Crue, Niederösterreich 16/20 trinken – 2020
F 1999  

Domaine des Lambrays Clos des Lambrays Grand Cru, Cote de Nuits

18/20 trinken – 2030
F 2000

Chateau La Fleur-Petrus, Pomerol

18.5/20 trinken – 2025
I 2005 Tenuta Ornellaia Masseto, Toscana 19/20 trinken – 2025
F 1990

Chateau Sociando-Mallet, Haut-Medoc

18/20 trinken – 2025
F 1978

Chateau Leoville-Las Cases, Saint-Julien

18/20 trinken – 2020
F 1990

Chateau La Mission Haut-Brion, Pessac-Leognan

19/20 trinken – 2025
Aus 1995

Jim Barry The Armagh Shiraz, Clare Valley

18/20 trinken – 2025
USA 2001

Caymus Vineyards Special Selection Cabernet Sauvignon, Napa Valley

18.5+/20 trinken – 2030

 

Gleich zu Beginn ein Highlight! Völlig begeistert war ich vom 2012 Bernhard Huber Chardonnay (Baden). Ein wunderbar frischer, eleganter, beschwingter Chardonnay. Mineralisch, knackige Säure. Genauso wie ich die Dinger liebe. Etwas schwer tat sich der Kremser 2011 Wandraschek Cabernet Sauvignon Grand Crue. Ein recht mollig, intensiver Cabernet, mit konzentrierter Frucht, viel Säure und noch mehr Holz. Davon haben wir nicht die ganze Flasche getrunken, und hoffen der Rest hilft dem Soppensee bei seiner ph-Wert Regulierung. Die Krebse werden dankbar sein. Weiter ging es Richtung Burgund. Der 1999 Clos des Lambrays überzeugte mit animalischer Nase. Etwas Sägemehl, Leder und Torf. Wenig Frucht. Im Gaumen recht kompakt mit zupackender Säure. Allerdings spielen auch noch recht harsche Tannine mit, welche den Wein wohl eher langsam reifen lassen.

Der 2000 La Fleur Petrus schien der perfekte Party-Pomerol für so einen Nachmittag zu sein. Zapfen raus, und päng war er da. Extrovertiertes, röstiges Bouquet. Kandis, Caramel, Mocca. Darunter viel Pflaumen und Cassis. Seidenfeiner Körper mit guter Länge. Hemmungsloser Trinkgenuss! Wir bleiben bei Merlot und unternehmen einen kurzen Abstecher in die Maremma. Der geniale 2005 Masseto befindet sich jetzt bereits in optimaler Trinkreife. Druckvoll schwarz- und rotbeerig mit Mocca und Toast im Bouquet. Sehr elegant balanciert. Für Masseto Verhältnisse eher mittelschwer. Vielleicht begeistert er mich deshalb so. 2015 09 soppensee titel

Zurück nach Frankreich zum immer noch erstaunlich frischen 1990 Sociando Mallet. Er zeigt sich mit würzig, animalischer Note. Typisch rustikal, erdig. Ein klassischer Bordeaux, eigentlich genau das was man sucht. Kürzlich kam ich zu einer halben Kiste 1978 Leoville Las Cases. Die Geschichte dazu finden Sie auf der MYBESTWINE Facebook Seite. Der Wein ist erstaunlich dunkel. Ein2015 09 soppensee 3 offenes, mineralisches Bouquet, etwas Jod aber immer noch dunkle beerige Noten darunter. Dazu Tabak und Zedern. Ein toller Las Cases! Prächtig danach der hoch elegante, seidenfeine 1990 La Mission Haut Brion. Defensive Frucht, etwas Malz, Leder und Tabak. Die Aromen werden im Gaumen fast tänzerisch getragen. Etwas bulliger daher gings anschliessend mit 1995 Jim Barry The Armagh. Jung wirk dieser Wein oft überladen und marmeladig. Nach 20 Jahren gefällt mir das viel besser. In seiner jetzigen reifen Phase liegt er näher an Chateauneuf als in Australien. Würziges Bouquet. Etwas Teer, Rauchfleisch und Cassis. Immer noch dicht im Gaumen mit toller Länge.

Bleibt noch der jugendliche 2001 Caymus Special Selection. Der Wein zeigt im Moment vor allem den Reichtum eines ganz grossen Jahrgangs. Da ist alles vorhanden. Viel Cassis, Brombeeren, Lakrize. Im Gaumen konzentrierte, opulente Frucht. Intensiv und aktuell etwas breit strukturiert. Hier braucht es einfach noch fünf bis zehn Jahre. Dann verschlankt er sich und erreicht seinen typisch „würzig minzigen Ricola“ Caymus Stil.

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