Château Trotanoy: Vom Pomerol, der gerne ein Médoc wäre

2013 11 TrotanoyEs gibt bekanntlich Menschen, die fühlen sich im falschen Körper zu Hause. Nebst dem unbändigem Willen nach einer Veränderung hilft in diesem Fall ein psychologisches Gutachten, intensive Hormonbehandlungen, ein handelsüblicher Rasierapparat und die Fortschritte der modernen plastischen Chirurgie, um den sehnlichsten Wunsch dieser Menschen zu erfüllen: Nämlich die Umwandlung von Mann zu Frau oder umgekehrt.

Soweit alles klar. Neu ist für mich, dass es anscheinend auch eine önologische Transsexualität gibt. Dies erlebte ich an René Gabriels Event „Früher Trotinett – heute Trotanoy“. Im Sempacherhof öffnete er 17 Jahrgänge dieses einzigartigen Pomerols. Ein Wein der oft in Blindverkostungen dem anderen Ufer zugeteilt wird. Obwohl er/sie zu 90% aus Merlot besteht, weisst er/sie/es eine gewisse männlich dominierte Cabernet Sauvignon Affinität auf. Somit fechtet Trotanoy ständig einen Kampf mit sich selber aus, und fühlt sich zwischen zwei Welten hin und her gerissen. Oftmals zu Ungunsten seiner selbst und der Weinliebhaber. Bekräftigt wird meine These, wenn man der Geschichte des Weinguts etwas auf den Grund geht. So erfährt man, dass der Name Trotanoy vom mittelalterlichen Französisch „trop anoi“ stammt, was so viel bedeutet wie „zu viele Sorgen“ Genau diese Sorten machen sich doch die Trotanoy Reben in ihrer Sinn- und Identitätskriese! Natürlich wird Besitzer Christian Moueix, aufgrund meiner laienhaften weinpsychologischen Analyse keine Umpflanzungen vornehmen. Womit den armen Trotanoy Rebstöcken weiterhin nur der traurig, sehnsüchtige Blick vom Pomerol Hochplateau rüber ins Medoc bleibt. Dorthin wo vielleicht ihr wahres Glück zu finden wäre…

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